Noch im Februar 2009 wurde in den Medien berichtet, dass das Anti-HIV-Gel “Pro 2000″ die Infektionsrate mit HIV um 30 Prozent senken soll. Damals hieß es:
Das Präparat “Pro 2000″ habe etwa ein Drittel der Frauen vor einer HIV-Infektion geschützt, sagte Salim Abdul Karim vom Center for the Aids Program of Research in Südafrika auf einer Konferenz in Montreal. Erstmals sei damit gezeigt worden, dass ein Microbizid beim Menschen funktioniere. Nach Karims Angaben nahmen 3000 Frauen an der Studie Teil, bei 30 Prozent von ihnen habe das Gel die erhoffte Wirkung gezeigt. “Wir haben einen vielversprechenden Kandidaten”, sagte Karim. “Pro 2000″ könne aber noch nicht als Mikrobizid betrachtet werden, betonte er.
Und nun das Aus für diese Studie, da sich das Anti-HIV-Gel in der Hauptstudie als wirkungslos zeigte. Nachfolgend die aus dem englischen übersetzte Pressemitteilung des “National Institute of Allergry and Infectious Disease” , dass an der Studie beteiligt war, vom 14. Dezember 2009:
Ein Vaginal-Gel, dass in früheren Untersuchungen Erfolge beim Schutz vor einer HIV-Infektion zwischen Mann und Frau zeigte, wurde in einer größeren klinischen Studie untersucht, an der 16 afrikanische und europäische Forschungseinrichtungen teilnahmen. Aufgrund der Ergebnisse dieser Studie wurde heute im Rahmen des Microbicides Development Programms (MDP) die Unwirksamkeit dieses Mittels bekannt gegeben.
In der früheren NIAID-geförderten HPTN 035-Studie, einer an 3.000 afrikanischen und amerikanischen Frauen durchgeführten klinischen Studie der Phasen II/IIb, schien das Mikrobizid “Gel PRO 2000″ das HIV-Infektionsrisiko um 30 Prozent zu senken. Dieses Ergebnis wurde im Februar 2009 auf der Konferenz für Retroviren und Opportunistische Infektionen bekannt gegeben, hatte aber keinerlei statistische Aussagekraft, so dass man nicht feststellen konnte, ob der Schutz tatsächlich mit dem “Gel Pro 2000″ zusammen hing. Weitere Studien zur Feststellung der Wirksamkeit waren notwendig.
In der kürzlich abgeschlossenen Phase III MDP-301-Studie konnte kein Beweis dafür angetreten werden, dass bei 9.385 Frauen in vier afrikanischen Staaten die “Pro 2000″ oder Placebos (Gel ohne Wirkstoffe) nutzten, das Risiko der HIV-Infektion im Vergleich zu der Gruppe die Placebos erhielt, geringer war. Diese MDP-Studie wurde vom britischen Department for International Development und dem Medical Research Council gefördert.
Als zusammenfassendes Ergebnis aus allen Studien kann gesagt werden, dass “Pro 2000″ zwar sicher ist aber nicht gegen eine HIV-Infektion schützt. Die NIAID setzt ihr Bemühen weiter fort, andere Mikrobizide zum HIV-Infektionsschutz zu erforschen. Erst kürzlich startete NIAID die sogenannte VOICE-Studie, welche die Sicherheit und Effektivität sowohl eines Mikrobizid-Gel, das das antiretrovirale Medikament Tenofovir enthält als auch einer Prä-Expositions-Prophylaxe, die Frauen mit einem hohen HIV-Infektionsrisiko entsprechende antiretrovirale Medikamente zur Einnahme zur Verfügung stellt, erforschen soll.
Die englische Pressemitteilung im Original könnt ihr unter dem folgenden Link einsehen:
http://www3.niaid.nih.gov/news/newsreleases/2009/IneffectiveGel.htm
