Das Robert-Koch-Institut führt unter der Projektnummer CS-119-001 folgendes Projekt durch, dessen offizielle Start der 01.01.2010 war und das sich zur Zeit in Vorbereitung befindet:
Hintergrund:
Die Inzidenz von Non-Hodgkin-Lymphomen (NHL) und dem Hodgkin-Lymphom (HL) ist bei HIV-Patienten gegenüber der Normalbevölkerung deutlich erhöht. Im Gegensatz zu anderen opportunistischen Erkrankungen scheint seit Einführung der antiretroviralen Kombinationstherapie (cART) die Inzidenz von NHL deutlich weniger zu sinken, im Fall des Hodgkin-Lymphoms sogar zu steigen (Engels 2008). Obgleich bei NHL niedrige CD4-Zellen als Risikofaktor für die Entstehung eines NHL etabliert werden konnte, ist dies beim HL bisher nicht eindeutig gelungen. Widersprüchliche Ergebnisse resultieren aus den US HIV/AIDS Cancer Match Studie, die ein erhöhtes Risiko bei AIDS-Patienten mit moderater, aber nicht schwerer, Immunsupression zeigen konnte (Biggar 2006), und der Französischen Hospital Studie, die einen linearen Zusammenhang zwischen der Schwere der Immunsuppression und dem Risiko für die Entwicklung eines HL darstellen konnte (Fontas 2009).
Neuere Daten aus der Schweizer-Kohorte zeigen, dass es bei HIV-infizierten Patienten, die ein Hodgkin-Lymphom entwickeln, in den 12 Monaten vor der Lymphomdiagnose zu einem Abfall der CD4-Helferzellen kommt (Clifford 2009). Ähnliche Resultate wurden in den in zusammengeschlossenen Kohorten beobachtet (nicht veröffentlicht, personal communication). Die Ursache hierfür ist unbekannt, insbesondere ist nicht geklärt, ob dieser CD4-Helferzellabfall Ursache oder Folge der Lymphomentwicklung ist. Diese Beobachtungen bedürfen weiterer gezielter Untersuchungen. Die Kohorte erscheint uns dazu aufgrund Ihrer Größe und auch Ihrer Datenqualität als geeignet.
Zielsetzung:
Bestimmung des Verlaufs des zellulären Immunstatus im Zeitraum von mindestens einem Jahr (ggf. zwei Jahren) vor Diagnosestellung eines Hodgkin-Lymphoms im Vergleich zu dem Verlauf des zellulären Immunstatus bei HIV-infizierten Patienten, die ein NHL entwickeln und im Vergleich zu einer Kontrollgruppe HIV-infizierter Patienten, bei denen es zu keiner Entwicklung eines NHLs oder eine HLs gekommen ist. Die Untersuchung soll einerseits Patienten einschließen, die im Beobachtungszeitraum eine virologisch erfolgreiche cART eingenommen haben, und andererseits Patienten, die im Beobachtungszeitraum nicht antiretroviral behandelt wurden.
Methode:
Datenbankabfragen der ClinSurv-Datenbank. Nested case control study, Berechnung von Inzidenz-Raten, adjustierten "hazard ratios" (HRs), "Weibull random-effects model" "Multilevel linear regression"-Analyse.
Klinischer Bezug, möglicher Nutzen:
Die Untersuchungen können dazu beitragen, die Ätiologie der HIV-assoziierten Lymphomgenese besser zu verstehen sowie klinische Indikatoren zu entwickeln, die ggf. die frühzeitige Diagnose eines HL ermöglichen.
Quelle: Robert-Koch-Institut vom 13. Januar 2010 unter http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/H/HIVAIDS/Epidemiologie/Surveillance/ClinSurv/Projekte/CS-119-001.html