Die iranische Flüchtlingsorganisation für homosexuelle Menschen (IRQR) erhielt vor kurzem einen Bericht aus dem Iran, nach dem es drei weitere mögliche Todesurteile gegen Homosexuelle geben soll. Weiter wurde mitgeteilt, dass ein Mann 74 Peitschenhiebe wegen homosexueller Handlungen erhielt und ein 23jähriger bisexueller Mann von iranischen Sicherheitskräften ermordert wurde.
IRQR beauftragte seinen Vertreter in der iranischen Stadt Sari (der Hauptstadt der nördlich iranischen Provinz Mazandaran) an mehr Informationen zu gelangen. Hier ist sein Bericht:
Reza (23) und Alireza (28) sind zwei Freunde, die in einem kleinen gemieteten Apartment in Sari zusammen leben. Alireza arbeitet in dem Immobilienbüro seines Vaters. Reza führt den Haushalt und aufgrund seines weiblichen Verhaltens kommt es zu homophoben Kommentaren der Nachbarn. Auch die Familien der Männer akzeptierten nicht deren Sexuallität und ihre konsequente Entscheidung, als Paar zusammenleben zu wollen.
Am 27. Mai 2010 wurden Reza und Alireza von iranischen Sicherheitskräften in ihrer Wohnung überfallen und zusammen mit einigen Gästen, die sie besuchten, verhaftet. Ihre Computer und weitere persönliche Gegenstände wurden als Beweismittel beschlagnahmt. Ein paar Tage später wurden die Gäste von den Sicherheitskräften wieder frei gelassen nachdem sie dazu gezwungen wurden zu bezeugen, dass Reza und Alireza ein Liebespaar sind. Sie gaben weiter an, dass sie während der Haft Gerüchte hörten, dass die Polizei aufgrund der Beschwerde der Familien der beiden Männer die Verhaftung vorgenommen habe.
Rezi und Alireza wurden vor das Revolutionsgericht in Sari gebracht. Welchen Urteilsspruch sie erhalten haben, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Aber es gibt eine Vielzahl von Gerüchten, nach denen die Beiden zum Tode verurteilt wurden.
Ebenfalls in Sari wurde im Mai 2010 der 40jährige bekannte Geschäftsmann Hamid wegen eines sexuellen Verhältnisses zu einem 17jährigen Mann verhaftet. Zu der Festnahme kam es, nachdem die Polizei von der Ehefrau des Geschäftsmannes gerufen wurde.
Hamid erhielt 74 Peitschenhiebe. Auch hier gibt es Berichte, dass er ebenfalls zum Tode verurteilt wurde. Diese Berichte konnten aber bislang nicht bestätigt werden. Über den 17jährigen Mann gibt es keinerlei Hinweise.
Amir Hossein (23), von dem seine Freunde in Sari wussten, dass er bisexuell war, wurde während eines Abendessens mit seiner Freundin von Sicherheitskräften verhaftet. In der Haft wurde er von iranischen Sicherheitskräften zu Tode geprügelt.
IRQR verurteilt Verhaftung, Folter und Mord von Homosexuellen durch die iranischen Sicherheitskräfte als eine Verletzung der international anerkannten Menschenrechte und fordert die iranische Regierung auf, diese Menschenrechtsverletzungen sofort zu stoppen. IRQR bittet auch internationale Organisationen, insbesondere Amnesty International und Human Rights Watch um Unterstützung bei der weiteren Untersuchung der oben beschriebenen Fälle.
Quelle: E-Mail der IRQR vom 18. Juni 2010 – aus dem englischen Original übersetzt
Den Originalbericht in englischer Sprache erreicht Ihr unter dem folgenden Link:
http://www.irqr.net/English/244.htm
Den Originalbericht in persischer Sprache erreicht Ihr unter dem folgenden Link:
http://www.irqr.net/Persian/090.htm
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20. Januar 2010 – World Report von Human Rights Watch: Menschenrechtsverteidiger Ziel von Angriffen
12. November 2009 – HIV und Aids im Iran - Hinrichtung schwuler Männer