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    Auf der AIDS 2010 präsentierte überzeugende wissenschaftliche Erkenntnisse sind viel versprechend und unterstreichen Notwendigkeit, den Kurs beizubehalten

    HIV-Epidemie am Scheideweg: Angesichts einer möglicherweise stagnierenden Finanzierung für die Programmausweitung verleiht der wissenschaftliche Fortschritt den Delegierten neuen Auftrieb

    23. Juli 2010 – Wien – Österreich. Zum heutigen Abschluss der alle zwei Jahre stattfindenden globalen Konferenz der Aids-Community liegen eindeutige Fakten über deutliche Fortschritte in der HIV-Forschung und -Programmsausweitung auf dem Tisch. Gleichzeitig besteht dringender Bedarf an mehr Ressourcen, einer breiteren Anwendung wissenschaftlich erwiesener Präventionsstrategien und an einem Schutz der Menschenrechte. Delegierte und Organisatoren verlassen Wien, wo die Konferenz am 18. Juli unter dem Motto "Rechte hier und jetzt" eröffnet wurde, mit der erneut bekräftigten Verpflichtung, auf einer Sicherstellung des universellen Zugangs zu HIV-Prävention, -Behandlung, -Pflege und -Unterstützung zu bestehen.

    "Weltweit sprechen Regierungen von einer Ressourcenkrise, doch entspricht dies einfach nicht der Wahrheit: Die Herausforderung besteht nicht darin, Geldmittel aufzutreiben, sondern andere Prioritäten zu setzen. Wenn sich die Wall Street in einer Notsituation befindet oder wir eine Energiekrise erleben, werden Milliarden von Dollar rasch mobilisiert. Die Gesundheit der Menschen bedarf einer ähnlichen finanziellen Reaktion und einer wesentlich höheren Priorität", sagte AIDS 2010-Vorsitzender Dr. Julio Montaner, Präsident der Internationalen Aids-Gesellschaft (IAS) und Direktor des BC Centre for Excellence in HIV/AIDS in Vancouver, Kanada. "Milliarden von Menschen stehen in unserem Bemühen um einen universellen Zugang solidarisch hinter uns. Wir müssen ihre Unterstützung hinter Michel Sidibés Revolution der Prävention und Treatment-2.0-Initiative und UNAIDS mobilisieren, um sicherzustellen, dass die Staatsoberhäupter der Welt nicht von ihrem Versprechen ablassen, das Ziel des universellen Zugangs zu erreichen."

    19.100 Teilnehmer aus 193 Ländern waren bei der AIDS 2010 vertreten. Eine Woche lang bot das Konferenzprogramm insgesamt 248 Sitzungen in den Bereichen Wissenschaft, Community und Führungswillen. Die Konferenz wurde von 770 Freiwilligen aus Wien und anderen Orten unterstützt.

    "Das Vermächtnis von Wien ist der Beweis dafür, dass wir Behandlung und Prävention mit einer entsprechenden Ausweitung all jenen ermöglichen können, die sie benötigen", sagte Dr. Brigitte Schmied, Vizepräsidenten der Konferenz und Präsidentin der Österreichischen AIDS Gesellschaft.

    "Trotz der beträchtlichen Hindernisse auf unserem Weg verlassen wir die Konferenz mit neuer Energie, die Dynamik beizubehalten."

    Die Wiener Erklärung

    Zum Konferenzende hatten über 12.500 Menschen die Wiener Erklärung, die offizielle Deklaration der XVIII. Internationalen Aids-Konferenz, unterschrieben. Am Donnerstag wurde die Erklärung von der georgischen First Lady I.E. Sandra Elisabeth Roelofs unterzeichnet. Sie verlieh damit dem Aufruf nach einer rationaleren und wissenschaftlich gestützten Drogenpolitik zugunsten einer verstärkten HIV-Prävention für Drogenkonsumenten ihre Stimme.

    Fazit der Konferenzthemen zum Abschluss

    In Zusammenfassungen von Berichterstattern für jeden der wissenschaftlichen Tracks und Programmbereiche wurden die von den Konferenzdelegierten im Laufe der Woche behandelten Schlüsslthemen beleuchtet. Diese Berichte spielen eine wichtige Rolle in der Auswertung der Konferenz und ihrer Auswirkungen.

    In der Schlusssitzung wurde eine Videoansprache des südafrikanischen Erzbischofs Desmond Tutu ausgestrahlt. Rachel Ong, Vorsitzende des Globalen Network of People Living with HIV, und Patricia Perez, Vorsitzende des internationalen Lenkungsausschusses der International Community of Women Living with HIV/AIDS, hielten ebenfalls eine kurze Rede. Dr. Montaner und der künftige Präsident der Internationalen Aids-Gesellschaft (IAS) Elly Katabira, Professor für Medizin an der Makerere University in Uganda, überreichten den ersten "IAS Presidential Award" an Jack Whitescarver von den U. S. National Institutes of Health, und Elly Katabira hielt eine Antrittsrede.

    Am Ende der Schlusssitzung wurde der "International AIDS Conference Globe" von Vertretern der lokalen AIDS 2010-Partner offiziell von Wien an Washingtin, DC, übergeben, wo im Juli 2012 die XIX. Internationale Aids-Konferenz stattfinden wird. Der Globus wurde für DC von der lokalen Vizepräsidentin der AIDS 2012 Dr. Diane Havlir und Vertretern der lokalen Partner der AIDS 2012 entgegengenommen.

    Am Vormittag des heutigen Tages präsentierten die Plenarredner zu den folgenden drei Themenbereichen ihre Vorträge.

    HIV und Haft: Gefängnisse und Anstalten

    Der erste der heutigen Plenarvorträge wurde von zwei Rednern präsentiert. Dmytro Shermebey (Ukraine) vom All-Ukranian Network of PLHA erzählte die beeindruckende Geschichte seines persönlichen Überlebenskampfes während neun Jahren Haft in einem ukrainischen Gefängnis, wo er sich mit HIV, Hepatitis und Tuberkulose infizierte. Er überlebte, weil er beweisen wollte, dass Gefängnisinsassen Menschen mit einem Recht auf Leben, Respekt, Verständnis, Hilfe und Schutz sind.

    UNO-Sonderberichterstatter für Folter Manfred Nowak wies auf den dringenden Bedarf nach einer umfassenden Reform des Strafrechts- und Gefängnissystems hin, um die Wahrung der Menschenrechte von Strafgefangenen und adäquate Maßnahmen gegen die HIV/Aids-Epidemie zu gewährleisten. Die Prävalenz von HIV/Aids in Gefängnissen und die Maßnahmen, die von den Behörden im Umgang damit ergriffen werden, beeinflussen - und verletzen oftmals – die Menschenrechtslage der Häftlinge.

    Gefängnisse weisen aus mehreren Gründen eine besonders hohe HIV-Prävalenz auf und begünstigen die Verbreitung der Epidemie. Die Übertragung von HIV ist weit gehend auf Risikoverhalten und fehlende staatliche Harm-Reduction-Maßnahmen zurückzuführen.

    Wissenschaftlich begründete Maßnahmen, wie freiwillige HIV-Tests und -Beratung, die Bereitstellung von Kondomen, Nadeln, Spritzen und Opioidsubstitutionstherapie (OST) wären wirksame Mittel, um die Verbreitung von HIV einzudämmen. Hinter den Gefängnismauern wird das Schicksal der Gefangenen jedoch weit gehend von der Gesellschaft vergessen. Allein die Tatsache, dass jährlich ungefähr 30 Millionen Strafgefangene inhaftiert und aus Gefängnissen entlassen werden, veranschaulicht, dass die Gesundheit der Häftlinge ein dringliches Anliegen des öffentlichen Gesundheitswesens darstellt.

    Pflege und Unterstützung: Wesentliche Elemente umfassender Pflege

    Elizabeth Gwyther (Südafrika) von der Hospice and Palliative Care Association of South Africa forderte die Integration von HIV-Behandlungs-, -Pflege- und -Unterstützungsprogrammen, sodass die Bedürfnisse von Menschen, die mit HIV leben, durch eine umfassende HIV-Versorgung erfüllt werden können. Gwyther beschrieb die Erfahrungen von Menschen, die mit HIV leben, ab dem Zeitpunkt, wo sie sich oftmals wegen einer opportunistischen Infektion an das Gesundheitswesen wenden. Sie hob die komplexen Maßnahmen und die kontinuierliche Pflege hervor, die für die Erhaltung ihrer Gesundheit und die Milderung der Auswirkungen der HIV-Infektion auf ihren sozialen und wirtschaftlichen Status erforderlich sind. Gwyther wies auch darauf hin, dass unterstützende und Palliativpflege nicht auf Hospizpflege beschränkt sein sollten, weil sie eine bedeutende Rolle bei der Förderung der Wiederherstellung der Gesundheit spielen.

    Sie wies auch auf Erfahrungen von Gemeindepflegekräften hin, die im Umgang mit HIV in der Gemeinde an vorderster Front tätig sind. Oftmals wären sie unterbewertet, so Gwyther, und würden nicht die Anerkennung erhalten, die sie verdienen. Zusätzlich zu politischen Maßnahmen für integrierte HIV-Pflege rief sie Regierungen und Geldgeber auf, ausreichende finanzielle Mittel bereitzustellen, um von der Community durchgeführte Maßnahmen gegen HIV/Aids zu unterstützen.

    Hepatitis C: Heilung und Kontrolle – jetzt

    Dr. David Thomas (USA) von der Johns Hopkins School of Medicine bezeichnete HIV/HCV-Koinfektion als ernsthaftes und häufiges Problem, das vor allem Menschen betrifft, die sich über Drogengebrauch mit HIV infiziert haben. Es führt zu einer Erkrankung der Leber, die man mit antiretroviraler Therapie nicht ausreichend in den Griff bekommen kann. HIV/HCV-koinfizierte Menschen weisen eine wesentlich höhere Sterblichkeitsrate auf als Menschen mit nur einer der beiden Infektionen. Mittlerweile gilt Leberversagen als die zweithäufigste Todesursache bei Menschen, die mit HIV leben und eine antiretrovirale Therapie erhalten.

    Obwohl man beim Umgang mit Hepatitis C vor großen Herausforderungen steht, ist eine HCV-Infektion heilbar, und es werden wesentliche Verbesserungen in der Behandlung im Laufe des Jahres erwartet. Dr. Thomas forderte eine Ausweitung der Hepatitis C-Testung, vor allem bei Menschen, die mit HIV leben, sowie neue Wege bei der Integration der HCV-Behandlung mit umfassenden gesundheitsbezogenen und das Wohlbefinden fördernden Dienstleistungen in Bezug auf HIV. Eine effektive Ausweitung geht allerdings mit größeren Herausforderungen einher, da ein HCV-Screening selten durchgeführt wird und es schwierig sein kann, Drogenkonsumenten zu einer herkömmlichen ärztlichen Betreuung zu bewegen.

    Quelle: Offizielle Pressemitteilung der Welt-Aids-Konferenz 2010 in Wien vom 23. Juli 2010

    Gesendet von admin 23:34

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