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  • 30Aug

    Wer in Deutschland krank wird, der kann auf die Versorgung in einem der besten Gesundheitssysteme der Welt vertrauen. Erfreulicherweise werden die Menschen zunehmend älter, gleichzeitig eröffnet die Medizin immer bessere Heilungschancen. Angesichts der damit verbundenen finanziellen Herausforderungen hat sich die Politik vorgenommen, die gesetzliche Krankenversicherung heute und für die Zukunft stabiler aufzustellen. Der von der Regierungskoalition vorgelegte Gesetzentwurf für das geplante GKV-Finanzierungsgesetz ist dazu ein wichtiger und richtiger Schritt. Das betonten Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler und Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Vorstand der Bundesärztekammer. Das GKV-Finanzierungsgesetz sieht insbesondere die langfristige Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung durch Zusatzbeiträge und einen unbürokratischen Sozialausgleich über Steuermittel vor.

    Anders als bei vorangegangenen Reformen sollen künftig nicht die Patienten über Zuzahlungen oder Eigenbeteilungen die finanziellen Mehrbelastungen tragen. Darüber hinaus kann nach Auffassung des Ministers und des Bundesärztekammer-Vorstandes insbesondere die Stärkung der Beitragsautonomie über Zusatzbeiträge den Einstieg in ein generationengerechteres Finanzierungsprinzip der GKV darstellen.

    Einigkeit herrschte bei den Gesprächen auch darüber, dass die im Koalitionsvertrag angekündigte gesetzliche Neuregelung für Medizinische Versorgungszentren (MVZ), wonach die Mehrheit der Geschäftsanteile und Stimmrechte Ärztinnen und Ärzten zustehen und das MVZ von Ärztinnen und Ärzten verantwortlich geführt werden soll, schnell umgesetzt werden soll. Der Bundesärztekammer-Vorstand verwies darauf, dass zwischen MVZ und niedergelassenen Vertragsärzten und Psychotherapeuten gleichartige Wettbewerbsbedingungen herrschen müssten. Um eine Dominanz wirtschaftlicher Interessen über medizinische Belange zu vermeiden, seien klare gesetzliche Regelungen unter anderem für das Primat der ärztlichen Leitung von MVZ nötig.

    Zu den von Bundesgesundheitsminister Rösler im Laufe der Legislaturperiode außerdem geplanten strukturellen Reformen zählt auch die Ausweitung von Möglichkeiten der Kostenerstattung. Dies entspreche wiederholten Forderungen Deutscher Ärztetage nach einer stärkeren Erprobung sozialverträglicher Kostenerstattungs- und Selbstbehalt-Wahltarife im GKV-Bereich, so der Bundesärztekammer-Vorstand. Kostenerstattung ermögliche mehr Transparenz über das Leistungsgeschehen, fördere das Kostenbewusstsein bei allen Beteiligten und ist wichtige Voraussetzung für eine gezieltere Inanspruchnahme medizinischer Leistungen.

    Die Ziele der Kostenerstattung erfordern nach Aussage von Bundesgesundheitsminister Rösler eine Novellierung der Gebührenordnung. Diese Aufgabe soll nach dem Willen des Ministers zeitnah angegangen werden. Entsprechende Vorarbeiten für eine Novellierung der Amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) könnten unmittelbar im Anschluss an die Novellierung der zahnärztlichen Gebührenordnung (GOZ) erfolgen, also möglicherweise noch 2011. Die Bundesärztekammer hat bereits einen entsprechenden Vorschlag für eine transparente, das ärztliche Leistungsspektrum umfassend abbildende und leistungsgerecht kalkulierte Gebührenordnung entwickelt, der die Grundlage der GOÄ-Novellierung bilden soll.

    Weitere geplante Maßnahmen sollen der Sicherung der flächendeckenden Versorgung dienen. Dazu zählt Bundesgesundheitsminister Rösler neben der Weiterentwicklung der Bedarfsplanung, bei der die Ärztekammern in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren eine Moderatorenrolle einnehmen sollen, insbesondere auch Anreize bei der Vergütung und Ausbildung. Gerade vor dem Hintergrund des immer deutlicher erkennbareren Ärztemangels erarbeitet das Bundesgesundheitsministerium unter Mitarbeit der Bundesärztekammer Maßnahmen, um die Attraktivität des Arztberufes wieder zu erhöhen.

    Unterstützung sagte die Bundesärztekammer dem Minister auch bei der Verbesserung der Gesundheitsversorgung durch eine zielgerichtete Präventionsstrategie zu. So soll eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingerichtet werden, die prioritäre Präventionsziele definiert. Beide Seiten waren sich einig, dass den ambulanten Ärzten bei Präventionsmaßnahmen eine Schlüsselrolle zukommt.

    Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministeriums und der Bundesärztekammer vom 27. August 2010

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  • 23Aug

    Das Aktionsbündnis für Seelische Gesundheit hat heute den Abschlussbericht einer wissenschaftlichen Studie zur Wirksamkeit von Maßnahmen zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen vorgelegt. Das Bundesministerium für Gesundheit hatte die Studie in Auftrag gegeben mit dem Ziel, eine wissenschaftliche Grundlage für die evidenzbasierte Weiterentwicklung entsprechender Interventionen zu schaffen.

    Jeder dritte bis vierte Deutsche erleidet im Laufe seines Lebens eine psychische Erkrankung. Aber noch immer verdrängen viele Betroffene aus Scham und Angst vor negativen Reaktionen ihrer Umwelt psychische Beschwerden, suchen spät oder gar nicht die verfügbaren Hilfsangebote auf und geraten damit in die Gefahr der Chronifizierung oder gar eines späteren Suizids.

    Dazu Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler: "Psychische Erkrankungen werden auch heute noch in unserer Gesellschaft tabuisiert. Betroffene erleben nicht selten Ablehnung und Ausgrenzung, insbesondere am Arbeitsplatz oder in der Schule, aber auch in Familien oder im Freundeskreis. Maßnahmen zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen müssen effektiv zu einem gesellschaftlichen Klima der Toleranz und des Verständnisses für psychisch erkrankte Menschen beitragen. Die Studie des Aktionsbündnisses liefert eine gute Datengrundlage für die Planung und Steuerung zukünftiger Maßnahmen der verschiedenen Akteure."

    In Deutschland und auch weltweit gibt es bereits zahlreiche Maßnahmen zur Reduzierung des Stigmas psychischer Krankheiten. Den Autoren der Studie zufolge sind Interventionen vor allem dann wirksam, wenn sie neben der Aufklärung über psychische Erkrankungen interaktiven Kontakt zu Betroffenen einschließen.

    Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist eine Initiative zur Förderung der seelischen Gesundheit. Unter der Schirmherrschaft des Bundesgesundheitsministers beteiligen sich über 60 Bündnispartner an dem bundesweiten Netzwerk, darunter Experten der Psychiatrie und Gesundheitsförderung, Betroffene und ihre Angehörigen. Das Bündnis will der breiten Öffentlichkeit vermitteln, dass psychische Störungen therapierbare und gerade bei frühzeitiger Behandlung auch heilbare Erkrankungen sind, die jede und jeden betreffen können. Es fördert den Austausch der beteiligten Akteure, informiert über die Chancen der Früherkennung und Prävention und ermuntert Menschen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, und fördert so die Möglichkeiten der sozialen und beruflichen Integration von psychisch erkrankten Menschen und die gesellschaftliche Teilhabe von Betroffenen und ihren Familien.

    Mehr Informationen zum Aktionsbündnis Seelische Gesundheit erhaltet Ihr unter dem folgenden Link:

    http://www.seelischegesundheit.net/

    Die Empfehlungen und Ergebnisse aus Forschung und Praxis zur Konzeption und Umsetzung von Interventionen zur Entstigmatisierung seelischer Erkrankungen könnt Ihr unter dem nachfolgenden Link als PFD-Dokument einsehen:

    Konzeption und Umsetzung von Interventionen zur Entstigmatisierung seelischer Erkrankungen: Empfehlungen und Ergebnisse aus Forschung und Praxis

    Quelle: Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit vom 22. August 2010

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  • 20Aug

    Die Vertragspartner der Pflegenoten weisen den Vorwurf des Verbandes Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB), des Arbeitgeber- und Berufsverbandes privater Pflege (ABVP) und der Bundesarbeitsgemeinschaft Hauskrankenpflege (BAH) entschieden zurück, das Gremium würde sich konstruktiver Kritik verweigern. Die Vertreter der drei Pflegeverbände hatten am Dienstag die Beratungen zur Weiterentwicklung der Pflegenoten verlassen.

    In der Sitzung der Vertragspartner ist ein Beschluss vom Juni 2010 zur Fortschreibung der Pflege-Transparenzvereinbarung bekräftigt worden, um in einem ersten Schritt den erkannten und notwendigen Verbesserungsbedarf auch umzusetzen. Hieran arbeiten die Vertragspartner seit Wochen sehr intensiv.

    Um die Pflegenoten im Sinne der Verbraucher sinnvoll weiterzuentwickeln, sind neben kurzfristigen auch mittel- und langfristige Veränderungen notwendig und sinnvoll. Diese gemeinsame Überzeugung der Mehrheit der Vertragspartner wird durch den aktuellen Evaluationsbericht, die Empfehlungen des wissenschaftlichen Beirats sowie durch bisherige praktische Erfahrungen aus den Qualitätsprüfungen untermauert.

    Gerade weil Pflegeeinrichtungen und Pflegekassen sich ihrer vom Gesetzgeber übertragenen Verantwortung bewusst sind, wollen sie bis Ende des Jahres erste konkrete Schritte für kurzfristige Veränderungen vorlegen.

    Follgen werden mittel- und langfristige Schritte, sodass am Ende ein auf einer wissenschaftlichen Basis aufsetzendes nutzerfreundliches Instrument steht, das Verbraucher schnell und verlässlich über die Qualität einzelner Pflegeeinrichtungen informiert.

    Ziel der im Moment laufenden Verhandlungen der Vertragspartner ist, die bereits heute durch die Prüfpraxis erkannten und durch den Evaluationsbericht bestätigten notwendigen Veränderungen, wie z. B. eine präzisere Definition der Prüfkriterien oder eine größere Stichprobenbildung zu vereinbaren und zügig umszusetzen.

    Kritik ist sinnvoll und willkommen – nur kritisieren allein ohne konstruktive Mitarbeit in den geschaffenen Arbeitsstrukturen reicht nicht aus. Die Vertragspartner der Pflegenoten fordern die drei Verbände dazu auf, sich nicht weiter zu verweigern und an den Verhandlungstisch zurückzukommen. Denn nur hier kann die Selbstverwaltung ihre Möglichkeiten wahrnehmen, im Sinne von Verbrauchern und Pflegeanbietern das bestehende Instrument der Pflegenoten kontinuierlich zu verbessern.

    Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des GKV-Spitzenverbandes, der Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe, der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände und der Vereinigungen der Träger der Pflegeeinrichtungen vom 19. August 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:

    09. Juni 2010 – GKV-Spitzenverband: Pflegenoten weiter entwickeln – Träger der Pflegeeinrichtungen verweigern sich

    23. Februar 2010 – Weiterentwicklung der Pflege-Transparenzvereinbarungen – Pflegenoten bewähren sich

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  • 20Aug

    Ab 01. Januar 2010 soll allen Bürgerinnen und Bürgern eine unabhängige Patientenberatung als Regelversorgung zur Verfügung stehen. Das sieht eine aktuelle Gesetzesinitiative zur Förderung unabhängiger Einrichtungen zur Patienten- und Verbraucherberatung vor. Der GKV-Spitzenverband hat hierfür bereits heute eine europaweite Ausschreibung gestartet, um nach Auslaufen des bisherigen Modellprojektes zur Erprobung verschiedener Beratungsansätze Ende dieses Jahres einen möglichst nahtlosen Übergang und Finanzierungsanschluss sicherzustellen.

    Die kostenlose unabhängige Patientenberatung soll die bestehenden vielfältigen Beratungsangebote ergänzen. Worauf es dabei ankommt, zeigen die Erfahrungen aus fast zehn Jahren Modellvorhaben. Ein solches zusätzliches Angebot muss sich durch hohe Beratungsqualität, Neutralität sowie fachliche Unabhängigkeit auszeichnen und vernetzt in der bestehenden Beratungslandschaft eine verlässliche Lotsenfunktion übernehmen.

    "Ein persönliches oder telefonisches Beratungsangebot ist für Versicherte vor allem dann von Nutzen, wenn es den Ratsuchenden hilft, sich in einem komplizierten Gesundheitswesen zu orientieren und die Transparenz erhöht", erläutert Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes. "Viele Ratsuchende haben trotz vielfältiger Informations- und Beratungsangebote Schwierigkeiten, die richtige Anlaufstelle für ihr spezielles Problem zu finden. Hier kann die unabhängige Patientenberatung für Versicherte und Patienten sinnvolle Hilfe bieten."

    Das geplante Gesetz soll Ende November 2010 verabschiedet werden. Der Zuschlag zur Ausschreibung steht unter dem Vorbehalt, dass es wie vorgesehen zum 01.01.2011 in Kraft tritt. An Fördermitteln stehen künftig 5,2 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung, finanziert aus Beitragsmitteln der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Schon bisher hat die GKV im Rahmen des Modellprojektes die unabhängige Patientenberatung mit einer vergleichbaren Summe gefördert. Der Wunsch des Gesetzgebers ist, dass sich die private Krankenversicherung (PKV) hier angemessen beteiligt. Der GKV-Spitzenverband begrüßt die erste Ankündigung der PKV, die unabhängige Patientenberatung finanziell unterstützen zu wollen. Dies war mehr als überfällig, da auch Privatversicherte die Leistungen in Anspruch nehmen.

    Quelle: Pressemitteilung des GKV-Spitzenverbandes vom 19. August 2010

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  • 11Aug

    Das Bundesministerium für Gesundheit hat im Informationsblatt Nr. PIntA-01 vom 04. August 2010 Hinweise gegeben, wie man sich vor gefälschten Arzneimitteln schützt. Dieses Informationsblatt möchte ich Euch an dieser Stelle veröffentlichen:

    Was sind Arzneimittelfälschungen?
     

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet solche Arzneimittel als gefälscht, die hinsichtlich ihrer Identität (z. B. Art und Menge der Wirkstoffe) und/oder Herkunft (z. B. Hersteller, Vertreiber) vorsätzlich und in betrügerischer Absicht falsch gekennzeichnet sind. Die Spanne der Fälschungen reicht dabei von Totalfälschungen bis hin zu Arzneimitteln, deren Verfallsdatum absichtlich verlängert und damit manipuliert wurde. Arzneimittelfälschungen können

    • den richtigen Wirkstoff aber in falscher Dosierung (zu gering oder zu hocj) enthalten,
    • keinen oder einen anderen Wirkstoff als den angegebenen enthalten,
    • mit gefälschten Blistern, Beipackzetteln und/oder Umkartons angeboten werden.

    Den Fälschern von Arzneimitteln kommt es nicht darauf an, ein Arzneimittel in gleicher Qualität wie das Original herzustellen. Sie stellen lediglich ein Produkt her, was äußerlich mit dem Original verwechselt werden kann. Fälschungen haben, selbst wenn sie den richtigen Wirkstoff enthalten, meistens eine mindere Qualität, verursacht durch falsche oder fehlerhafte Herstellungsprozesse oder falsche Lagerung. Einen derartigen Mangel sieht man dem Arzneimittel nicht an. Also Vorsicht: selbst wenn die Verpackung und die Tabletten genau so aussehen wie das Original, ist dies noch lange kein Beweis dafür, dass es tatsächlich ein Original ist. Arzneimittelfälscher sind fast immer Profis. Sie sind in der Lage, ein Arzneimittel so herzustellen, dass der Laie und oftmals sogar der Experte auf den ersten Blick das Original nicht von der Fälschung unterscheiden kann. Schließlich beruht ja hierauf das "Geschäftsmodell"!

    Wo werden Arzneimittel angeboten, die letztlich oft gefälschte Arzneimittel sind?
     

    In Deutschland sind Arzneimittelfälschungen in der legalen Verteilerkette (Apotheke, Großhandel, …) glücklicherweise ein sehr seltenes Ereignis. Nach Auskunft des Bundeskriminalamtes (BKA) vom Mai und Juli 2009 sind in Deutschland seit 1996 insgesamt 40 Fälle von Arzneimittelfälschungen mit Bezug zur legalen Verteilerkette bekannt geworden. Bei uns scheint die Hauptquelle für Arzneimittelfälschungen das Internet zu sein.

    Ohne Frage: Es gibt seriöse Internet-Apotheken. Leider finden sich im Internet aber auch kriminelle Anbieter, die nur darauf aus sind, ihre gefälschten Arzneimittel zu verkaufen. Viele dieser Anbieter nutzen daben den sog. "Schamfaktor". Damit ist gemeint, dass viele Patienten sich schämen, ihren Hausarzt zu bitten, ein Rezept für ein Potenzmittel oder ein Schlankheitsmittel auszustellen. Genau dies nutzen die kriminellen Anbieter skrupellos aus. Diese verkaufen verschreibungspflichtige Arzneimittel auch ohne Vorlage eines Rezeptes. Und es ist ihnen auch ganz egal, ob der Patient diese Arzneimittel verträgt oder Grunderkrankungen hat, die eine Einnahme verbieten. Sie wollen ausschließlich mit möglichst viel Gewinn verkaufen.

    Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind über 50 % der durch das Internet über illegale Seiten verkauften Arzneimittel gefälscht.

    Wann sollten Sie misstrauisch werden?
     

    Sie sollten bei einem Arzneimittelkauf außerhalb der Apotheke immer dann misstrauisch werden,

    • wenn Sie von dubiosen Firmen, beispielsweise über das Internet, verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Vorlage eines Rezeptes angeboten bekommen,
    • wenn Ihnen Arzneimittel durch Bekannte angeboten werden, die diese aus dem Ausland mitgebracht haben.

    Welche Gesundheitsrisiken bestehen, wenn Sie ein gefälschtes Arzneimittel einnehmen?

    Bestenfalls bekommt der Patient ein Produkt, das ohne Wirkstoffe ist und von daher nur dem Geldbeutel des Bestellers schadet. Schlimmstenfalls wird der Tod des Patienten für den Profit des Fälschers in Kauf genommen.

    Was sollten Sie tun, um Ihre Gesundheit zu schützen?
     

    • Beziehen Sie Arzneimittel nur aus Quellen, denen Sie vertrauen können. Dazu gehört in erster Linie der Bezug von Arzneimitteln direkt aus Ihrer Apotheke vor Ort.
    • Sollten Sie Ihre Arzneimittel über das Internet bestellen wollen, achten Sie darauf, dass Sie dies aus einer vertrauenswürdigen Versandapotheke tun. Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit hat das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) ein Versandapothekenregister und ein damit verknüpftes Sicherheitslogo erstellt. In diesem Register werden Apotheken erfasst, die über eine behördliche Erlaubnis zum Versand von Arzneimitteln für Deutschland verfügen und ihr Einverständnis zum Eintrag in das Versandapothekenregister gegeben haben. Näheres finden Sie unter www.dimdi.de – Arzneimittel – Versandapothekenregister
    • Kaufen Sie niemals bei Internet-Versendern, die mit SPAM werben.
    • Nehmen Sie auf Auslandsreisen Ihre regelmäßig benötigten Arzneimittel in ausreichender Menge mit, so dass Sie nicht darauf angewiesen sind, diese im Ausland zu erwerben.

    Denken Sie daran:

    Die Apotheken vor Ort und die behördlich anerkannten Versandapotheken sind sichere Bezugsquellen für Arzneimittel.

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:

    11. August 2010 – Arzneimittelfälschungen – ein globales Problem

    05. Mai 2010 – Neue Pharma-Gesetzgebung soll Medikamentenfälschern Riegel vorschieben

    22. Januar 2010 – Gefälschte Medikamente entlarven – Forscher der Ruhr-Universität Bochum entwickeln neue Terahertz-Technologie

    08. Dezember 2009 – Der beste Schutz vor Fälschungen: Medikamente aus sicherer Quelle

    25. November 2009 – Boehringer Ingelheim ruft zwei Chargen seines HIV-Medikaments Viramune (Nevirapin) zurück

    02. September 2009 – Arzneimittelfälschung in Apotheken aufgetaucht – HIV-Medikament Combivir

    31. August 2009 – Medikamentenrückruf: Verdacht auf Arzneimittelfälschung bei Combivir®

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  • 11Aug

    Das Bundesministerium für Gesundheit hat in seinem Informationsblatt Nr. PIntA-02 vom 04. August 2010 wie folgt Stellung zu Arzneimittelfälschungen genommen:

    In Deutschland sind Arzneimittelfälschungen in der legalen Verteilerkette (Apotheke, Großhandel, …) glücklicherweise ein sehr seltenes Ereignis. Nach Auskunft des Bundeskriminalamtes (BKA) vom Mai und Juli 2009 sind in Deutschland seit 1996 insgesamt 40 Fälle von Arzneimittelfälschungen mit Bezug zur legalen Verteilerkette bekannt geworden.

    Nach einer aktuellen Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist das Problem der Arzneimittelfälschungen jedoch global betrachtet dort am größten, wo regulatorische und strafrechtliche Regelungen in Bezug auf Arzneimittel am schwächsten sind. In den meisten Industrienationen mit einem effektiven System zur Kontrolle des Arzneimittelverkehrs wie beispielsweise in Australien, Kanada, in überwiegenden Teilen der EU und den USA ist die Häufigkeit des Auftretens gefälschter Arzneimittel sehr gering und beläuft sich auf weniger als 1 % des Arzneimittelvolumens des jeweiligen Landes. In vielen afrikanischen Ländern und in Teilen von Asien, Lateinamerika und Übergangsländern ist ein sehr viel höherer Prozentsatz der zum Verkauf angebotenen Arzneimittel gefälscht.

    Die von der internationalen kriminalpolizeilichen Organisation INTERPOL zusammen mit der WHO und der International Medical Products Anti-Counterfeiting Taskforce (IMPACT) gestarteten Operationen, bei der Arzneimittelüberwachungsbehörden, Polizei und Zoll intensiv zusammenarbeiten, führten die Fahnder u. a. zu gefälschten Antibiotika, Anti-Malariamitteln, Arzneimitteln zur Geburtenkontrolle und Tetanus-Impfstoffen.

    Frage des Admins: Was ist mit HIV-Medikamenten?

    Schwerwiegend ist insbesondere die Tatsache, dass in Südostasien mittlerweile bereits jedes zweite Anti-Malaria-Arzneimittel gefälscht ist. Diese Malariamittel entstammen der legalen Verteilerkette. Hierdurch kam es bereits zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen in der Bevölkerung. Die falschen Tabletten enthielten entweder die Gesundheit gefährdende Inhaltsstoffe oder überhaupt keinen Wirkstoff. Wenn solche lebenswichtigen Arzneimittel nun gar keine oder für die Erkrankung unwirksame Inhaltsstoffe enthalten, kann dies in letzter Konsequenz dazu führen, dass Menschen daran sterben, weil sie annehmen, ihre Erkrankung mit einem wirksamen Mittel zu behandeln. Nach neuesten Erkenntnissen schwappt zudem die Welle gefälschter Malariamittel von Südostasien nach Afrika über.

    Mittlerweile haben einige kriminelle Organisationen ihre Aktivitäten weg vom Drogen- und Waffenschmuggel hin zu gefälschten Arzneimitteln vollzogen. INTERPOL hat alamierende Anzeichen dafür gefunden, dass das Fälschen von Arzneimitteln verbunden ist mit organisierter Kriminalität und Terrororganisationen )aus. United Nations Office on Drugs and Crime UNODC Transnational Trafficking and the Rule of Law in West Africa: A Threat Assessment, Juli 2009).

    Fazit
     

    Fälscher machen vor lebenswichtigen Arzneimitteln nicht mehr Halt. Zunehmend sind gefälschte Krebsmedikamente, Mittel gegen die HIV-Infektion und Arzneimittel gegen Fettstoffwechselstörungen in der legalen Verteilerkette im Umlauf. In den Entwicklungsländern sind vor allem Anti-Malaria-Arzneimittel ein Problem. Da es dort keine eingespielte Vertriebskette gibt und die staatlichen Überwachungssysteme schwach sind, ist der Markt für gefälschte Arzneimittel dort besonders groß. Anhaltende Erfolge zur Bekämpfung von Arzneimittelfälschungen können nur erzielt werden, wenn nationale Aktivitäten durch Maßnahmen auf europäischer und internationaler Ebene ergänzt werden. Das Bundesministerium für Gesundheit unterstützt daher aktuelle Aktivitäten der Europäischen Kommission, des Europarates und der WHO nachhaltig.

    Praxisbeispiel des Bundesministeriums für Gesundheit
     

    Im Folgenden stellen wir Ihnen ein eindrucksvolles Beispiel zur Aufklärung der Quelle gefälschter Malariamittel in Südostasien vor:

    Von 1999 bis 2006 untersuchte eine Arbeitsgruppe aus Medizinern, Polizisten und Chemikern unter der Federführung von INTERPOL und der Western Pacific World Health Organisation 391 Malariamittel mit dem Wirkstoff Artesunat auf ihre Echtheit. Die 391 Stichproben stammten dabei aus Vietnam, Kambodscha, Laos und Myanmar. 49,9 Prozent dayon stellten sich als gefälscht heraus.

    Die meisten der gefälschten Tabletten enthielten entweder gar keinen deklarierten Wirkstoff oder zu geringe Menge davon. Darüber hinaus wurden in den Tabletten statt des Antimalaria-Wirkstoffs Schmerzmittel und Antibiotika, in einigen sogar krebserregende Substanzen gefunden. Bei der genaueren Untersuchung der Verpackungen wurden insgesamt 16 gefälschte Hologramme identifiziert.

    Um die Quelle der Fälschungen ausfindig zu machen, analysierten die Ermittler die Tabletten auf verschiedene Art und Weise. Dabei fanden sie folgendes heraus:

    Anstelle von Maisstärke als Hilfsstoff enthielten einige Tabletten das Mineral Calcit. Die Ermittler konnten feststellen, dass dies aus einem Abbaugebiet in China nahe der Grenze zu Vietnam stammte. In einigen gefälschten Tabletten wurden Pollen vorgefunden, die Pekannuss- und Walnussbäumen aus dem Süden Chinas, nahe der Grenze zu Laos, Vietnam und Burma zugeordnet werden konnten. Die Tabletten mussten also in dieser Gegend hergestellt worden sein. Darüber hinaus wurden in einigen gefälschten Tabletten Insekten gefunden, wie sie sonst nur im Hausstaub vorkommen sowie Russpartikel aus Abgasen oder Bränden. Diese Verunreinigungen zeigten, dass die Tabletten nicht wie "echte" Medikamente in besonders gereinigten Räumen hergestellt wurden, sondern ohne besondere Hygienevorschriften und zudem in einer Gegend mit hoher Luftverschmutzung.

    Die Ermittler kamen aufgrund ihrer Analyseergebnisse zu dem Schluss, dass die gefälschten Arzneimittel vorwiegend aus dem Süden Chinas stammten und an benachbarte malariagefährdete Länder verteilt wurden. Die gesammelten Beweise wurden an das chinesische Ministerium für Öffentliche Sicherheit übergeben. Daraufhin wurden Untersuchungen veranlasst, die zur Verhaftung zweier chinesischer Händler aus den Provinzen Yunnan im Südwesten Chinas und der Provinz Guangdong im Südosten des Landes führten. Ersterer hatte offenbar von seinem Kontakt 240.000 Packungen gefälschtes Artesunat gekauft. 160.000 der gefälschten Arzneimittel wurden dann an Mittelsmänner an der Grenze zu Burma weiterverkauft. Die Fälschungen stammten offenbar alle aus einer Fabrik in der Provinz Guangdong.

    (Quelle des Praxisbeispiels: Newton et al., PLoS Medicine 2008, A Collaborative Epidemiological Investigation into the Criminal Fake Artesunate Trade in South East Asia)

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:

    05. Mai 2010 – Neue Pharma-Gesetzgebung soll Medikamentenfälschern Riegel vorschieben

    22. Januar 2010 – Gefälschte Medikamente entlarven – Forscher der Ruhr-Universität Bochum entwickeln neue Terahertz-Technologie

    08. Dezember 2009 – Der beste Schutz vor Fälschungen: Medikamente aus sicherer Quelle

    25. November 2009 – Boehringer Ingelheim ruft zwei Chargen seines HIV-Medikaments Viramune (Nevirapin) zurück

    02. September 2009 – Arzneimittelfälschung in Apotheken aufgetaucht – HIV-Medikament Combivir

    31. August 2009 – Medikamentenrückruf: Verdacht auf Arzneimittelfälschung bei Combivir®

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  • 10Aug

    Mangelhafte Umsetzung von Gesetzen und fehlende Aufsicht im Gesundheitswesen führen zu Leid und Todesopfern
     

    "Frauen brauchen ihr ganzes Leben lang eine verlässliche Gesundheitsversorgung. Doch in Argentinien ist es eher ein Lotteriespiel: Wer Glück hat, wird angemessen versorgt, viel wahrscheinlicher ist jedoch eine mangelhafte oder sogar missbräuchliche Behandlung."

    Jose Miguel Vivanco, Direktor der Lateinamerika-Abteilung

    (Buenos Aires) – Tausende Frauen und Mädchen müssen in Argentinien jedes Jahr wegen Versäumnissen und Missbrauch bei der reproduktiven Gesundheitsversorgung unnötig leiden, so Human Rights Watch in einem heute veröffentlichten Bericht.

    Der 53-seitige Bericht "Illusions of Care: Lack of Accountability for Reproductive Rights in Argentina" dokumentiert, welchen Hindernissen Frauen und Mädchen gegenüberstehen, wenn sie ihren gesetzlichen Anspruch auf reproduktive Gesundheitsversorgung, etwa Verhütungsmittel, freiwillige Sterilisierungen sowie Abtreibung nach Vergewaltigung, wahrnehmen wollen. Zu den häufigsten Erschwernissen gehören lange Wartezeiten, unnötige Überweisungen an andere Kliniken, finanzielle Hürden, die rechtswidrige Praxis, eine Einverständniserklärung des Ehegatten zu verlangen, und in manchen Fällen die Weigerung, eine Patientin zu behandeln.

    "Frauen brauchen ihr ganzes Leben lang eine verlässliche Gesundheitsversorgung", so Jose Miguel Vivanco, Direktor der Lateinamerika-Abteilung von Human Rights Watch. "Doch in Argentinien ist es eher ein Lotteriespiel: Wer Glück hat, wird angemessen versorgt, viel wahrscheinlicher ist jedoch eine mangelhafte oder sogar missbräuchliche Behandlung."

    Die Erschwernisse beim Zugang zu den medizinischen Leistungen führen dazu, dass viele Frauen und Mädchen in Argentinien Entscheidungen, die Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben, nicht frei treffen können und es zu vielen ungewollten oder die Gesundheit der Mutter gefährdenden Schwangerschaften kommt. Vierzig Prozent der Schwangerschaften werden in Argentinien durch - oft gefährliche - Abtreibungen abgebrochen. Gesundheitsgefährdende Abtreibungen liefern seit Jahrzehnten den größten Beitrag zur Müttersterblichkeit in Argentinien.

    Der Bericht identifiziert die fehlende Verantwortlichkeit für die Umsetzung geltender Gesetze sowie die mangelhafte Aufsicht im Gesundheitswesen als wichtigste Ursachen dafür, dass Frauen immer wieder keine angemessene Behandlung erhalten. Wenn Ärzte und andere Angestellte im Gesundheitswesen Frauen gesetzlich garantierte Leistungen verweigern oder diese an willkürlich aufgestellte Bedingungen knüpfen, müssen sie nur in den seltensten Fällen mit Ermittlungen oder Strafen rechnen.

    "Die argentinischen Gesetze zur reproduktiven Gesundheit sind nicht perfekt. Würde man sie jedoch wenigstens anwenden, könnte man einen großen Teil des Leids, das ich bei den Recherchen zu diesem Bericht gesehen habe, verhindern", so Vivanco. "Die Regierung muss größere Anstrengungen unternehmen, damit die geltenden Gesetze angewendet und Verstöße bestraft werden."

    Der Human Rights Watch-Bericht kritisiert, dass die Gesetze zur reproduktiven Gesundheit wichtige Gruppen, etwa Frauen und Mädchen mit Behinderungen, nicht berücksichtigen. Seit der Ratifizierung der Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen unterliegt die argentinische Regierung auf diesem Gebiet spezifischen internationalen Verpflichtungen, die sie zurzeit jedoch nicht erfüllt.

    "Frauen und Mädchen mit Behinderungen stehen nicht nur vor denselben Hindernissen wie Frauen ohne Behinderung, sondern darüber hinaus auch vor vielen weiteren Hürden", so Vivanco. "Neben praktischen Gesichtspunkten wie der Barrierefreiheit in Krankenhäusern oder der Übersetzung wichtiger Information in Brailleschrift oder Gebärdensprache muss man sich mit den Auswirkungen von Vorurteilen befassen. Viele Ärzte glauben schlichtweg nicht, dass Frauen mit Seh- oder Hörbehinderungen Sexualkontakte haben oder in der Lage sind, sich an den Gebrauch von Verhütungsmitteln zu erinnern."

    In der jüngeren Vergangenheit hat die argentinische Regierung Maßnahmen eingeleitet, um einige der in dem Bericht aufgezeigten Probleme zu beheben. Einige Gesetzesänderungen wurden jedoch später wieder zurückgenommen. Im Mai eröffnete das Gesundheitsministerium eine kostenlose Telefonberatung, die Frauen über reproduktive Gesundheitsversorgung informiert und Beschwerden aufnimmt. Im Juli erklärte das Ministerium, es beabsichtige Frauen und Mädchen, deren Gesundheit durch ihre Schwangerschaft gefährdet wird, sowie Vergewaltigungsopfern den Zugang zu Abtreibungen zu ermöglichen. Schon am Tag darauf zog die Regierung diese Ankündigung jedoch zurück und bemerkte, sie beabsichtige nicht, den Zugang zu Abtreibungen zu garantieren.

    "Die argentinische Regierung scheint allmählich zu verstehen, dass Gesetze zur reproduktiven Gesundheit keine Bedeutung haben, solange sie nicht angewendet werden", so Vivanco. "Solange es keine dauerhaften und eindeutigen Veränderungen gibt, werden weiterhin viele Frauen leiden und manche sogar sterben."

    Quelle: Pressemitteilung von Human Rights Watch vom 10. August 2010

    Pressemitteilung in englischer Sprache (english language) unter:

    http://www.zukunftsprojekte.net/2010/08/10/argentina-guarantee-womens-access-to-health-care/

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  • 10Aug

    Slack Implementation and Lack of Oversight Causes Suffering and Death
     

    Women need dependable care throughout their reproductive lives. But in Argentina, it's more like a lottery: you might be lucky enough to get decent care but you are more likely to be stuck with deficient - or even abusive - services.

    Jose Miguel Vivanco, Americas director

    (Buenos Aires) – Thousands of women and girls in Argentina suffer needlessly every year because of negligent or abusive reproductive health care, Human Rights Watch said in a report released today.

    The 53-page report, "Illusions of Care: Lack of Accountability for Reproductive Rights in Argentina," documents the many obstacles women and girls face in getting the reproductive health care services to which they are entitled, such as contraception, voluntary sterilization procedures, and abortion after rape.  The most common barriers to care include long delays in providing services, unnecessary referrals to other clinics, demands for spousal permission contrary to law, financial barriers, and in some cases outright denial of care.

    "Women need dependable care throughout their reproductive lives," said Jose Miguel Vivanco, Americas director at Human Rights Watch. "But in Argentina, it's more like a lottery: you might be lucky enough to get decent care but you are more likely to be stuck with deficient – or even abusive – services."

    As a direct result of these barriers, women and girls in Argentina often cannot make independent decisions about their health, and many face unwanted or unhealthy pregnancies as a result.  Forty percent of pregnancies in Argentina end in abortions, which are often unsafe.  Unsafe abortion has been the leading cause of maternal mortality in the country for decades.

    The report identifies a lack of oversight and accountability for carrying out existing laws and policies as the main problems in the persistent denial of proper care.  Doctors and other medical personnel who deny women services to which they are entitled, or who apply arbitrary conditions for receiving the services, rarely – if ever – are investigated or penalized.

    "Argentina's reproductive health policies are certainly not perfect, but if they were implemented they would prevent quite a lot of the suffering I saw in researching for this report," Vivanco said. "The government needs to put a lot more effort into monitoring how these policies are carried out and punishing abuse."

    Human Rights Watch's report also criticizes Argentina's reproductive health policies for ignoring key constituencies such as women and girls with disabilities.  With its recent ratification of the Convention on the Rights of Persons with Disabilities, Argentina has taken on specific international obligations in this area that are not being met,  Human Rights Watch said.

    "Women and girls with disabilities face all the same barriers as women without disabilities, and then some," Vivanco said. "Apart from straight-up access issues ­- are there ramps at clinics, or is information translated into Braille or sign language, for example ­- there is a larger question of prejudice.  Some doctors just don't think women with visual or hearing disabilities, have sexual relationships or can remember to take their contraception."

    The Argentine government has recently taken steps to remedy some of the issues highlighted in "Illusions of Care," though some of the policy changes were later retracted.  In May, the National Health Ministry created a free call-in number to answer questions about where to find reproductive health care services and register complaints.  In July, the ministry announced its intention to make sure that abortions are carried out for women and girls whose lives or health are threatened by their pregnancies, or who have been raped.  The day after the announcement, however, the government retracted its statements, noting that it did not intend to guarantee access after all.

    "The Argentine government seems to be slowly waking up to the notion that laws on reproductive health mean nothing unless they are enforced," Vivanco said. "But unless changes are constant and clear, women and girls will continue to suffer and, in some cases, die."

    Press Release from Human Rights Watch – August 10, 2010

    Pressemitteilung in deutscher Sprache (german language) unter:

    http://www.zukunftsprojekte.net/2010/08/10/argentinien-frauen-zugang-zu-gesundheitsversorgung-garantieren/

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  • 10Aug

    Obwohl ich bereits im Januar 2006 mein positives HIV-Testergebnis erhielt, beschäftigt mich die Art und Weise, wie ich dieses Ergebnis erhalten habe, bis zum heutigen Tage. Aus diesem Grunde und vielleicht auch, damit Ihr nicht die gleichen Fehler macht, möchte ich Euch an dieser Stelle einmal berichten, wie das mit dem Testergebnis war.

    Mitte 2005 arbeitete ich gerade in Frankfurt am Main, als mich mein Freund dort im Büro anrief und mir sagte, dass er mit Verdacht auf eine Hepatitis B im Krankenhaus liegen würde. Auch ich sollte mich kurzfristig auf eine Hepatitis testen lassen. Also bin ich noch am gleichen Tag zurück nach Dortmund gefahren und habe meine Hausärztin aufgesucht. Dort wurde mir dann Blut für einen Hepatitis-Antikörpersuchtest abgenommen. Da mein letzter HIV-Antikörpersuchtest bereits drei Jahre zurück lag, ließ ich diesen Test gleich mit machen, ohne groß darüber nachzudenken.

    Obwohl ich in den letzten Monaten sehr häufig unter fieberhaften Infekten litt, ab und zu Kreislaufzusammenbrüche hatte und meine Konzentrationsfähigkeit immer weiter den Bach runter ging, brachte ich diese Symptome in keinerlei Weise mit einer HIV-Infektion in Verbindung. Stattdessen vermutete ich den beruflichen Stress als Ursache für diese Symptome. Auch mein Sexleben war in den letzten Jahren nicht so aufregend, dass ich hätte an HIV denken müssen – so glaubte ich zumindest. So ließ ich also den Test im festen Glauben machen, dass er negativ ausfallen würde.

    Nach der Blutabnahme sagte mir meine Hausärztin, dass ich in ca. einer Woche beide Testergebnisse haben werde. Sie wolle sich telefonisch bei mir melden, sobald die Ergebnisse aus dem Labor da wären. Nach einer Woche hatte ich noch keinen Anruf meiner Hausärztin. Also machte ich mich direkt auf den Weg zu ihr. Als ich dann vor ihr saß merkte ich schon, dass sie nervös war. Sie sagte mir dann, dass der Hepatitis-Test negativ ausgefallen sei und sie mir zum HIV-Test noch nichts sagen könne. Hier wäre das Ergebnis noch nicht da. Sie wolle sich aber direkt mit dem Labor in Verbindung setzten und mich anrufen, sobald das Ergebnis da ist.

    Wieder vergingen ein paar Tage ohne einen Anruf. An diese Tage erinnere ich mich als die schlimmsten in meinem Leben. Ich konnte nicht mehr schlafen, konnte nicht mehr klar denken, lief in der Wohnung nur auf und ab und zuckte jedesmal zusammen, wenn das Telefon klingelte. Ich weiß heute nicht mehr, wie ich diese Zeit überstehen konnte. Zwischendurch riss ich meinen ganzen Mut zusammen und rief in der Praxis an. Ergebnis war, dass das Ergebnis immer noch nicht da sei.

    Dann war es mir zu viel und ich ging voller Angst erneut mit meinem Freund in die Praxis. Wieder vor der Ärztin druckste diese rum, erzählte eine Geschichte von einer HIV-infizierten Hausangestellten, die sie hatte und sagte dann, dass in einer von drei Proben Auffälligkeiten festgestellt wurden, was aber noch nichts bedeuten würde. Irgendwie wäre im Labor wohl etwas schief gelaufen und man müsse mir wohl noch einmal Blut abnehmen.

    Damit war ich dann vollends überfordert. Ich entschied mich gegen eine erneute Blutabnahme und verließ die Praxis, ohne einen klaren Gedanken fassen zu können. In den nächsten Tagen setzte dann eine Art Verdrängungsmechanismus ein. Mein Umfeld wollte mich trösten, in dem mir alle sagten, dass sie sich nicht vorstellen könnten, dass ich HIV habe. Aber das beruhigte mich nicht wirklich. Irgendwie bekam ich meine Psyche aber wieder igrendwie unter Kontrolle und traf die Entscheidung, mich in meine Arbeit zu stürzen. Von meiner Hausärztin hörte ich von diesem Zeitpunkt an nichts mehr und auch ich suchte sie auch nie mehr auf. Abschließend kann ich zu dieser Ärztin nur sagen, dass sie offenbar mit der Situation genauso überfordert war, wie ich. Aber als Ärztin sollte man eigentlich damit umgehen können oder?

    Die Ablenkung mit der Arbeit klappte eine Zeit lang ganz gut. Ich arbeitete weiter in Frankfurt und tat so, als ob nichts gewesen sei. Dann aber traten erneut und verstärkt fieberhafte Infektionen auf. Im Gesicht bekam ich Ausschläge, in der Mundhöhle bildeten sich weiße Ausschläge, die Lymphknoten unter den Armen entzündeten sich schmerzhaft und im Januar 2006 kam dann noch eine Gürtelrose dazu. Meine Konzentrationsfähigkeit war ganz am Boden und auch meine Erinnerungsfähigkeit ging immer weiter zurück. Letztlich entschied ich mich, mit der Gürtelrose und meinen Ausschlägen im Gesicht, im Rachenraum und an den Füßen meinen Hautarzt aufzusuchen. Diesem erzählte ich dann auch die Geschichte mit meiner Hausärztin und er sagte mir ganz klar, dass die Art der Ausschläge und die Art der Gürtelrose nicht normal seien für einen Mann meines Alters. Und er riet mir daher, den HIV-Antikörpersuchtest unbedingt noch einmal durchführen zu lassen. So ließ ich mir bei ihm als erneut Blut abnehmen.

    Eine Woche später konnte ich das Ergebnis in der Praxis meines Hautarztes abholen. Er redete nicht groß drum herum und sagte mir, dass das Testergebnis positiv sei. Obwohl ich mich innerlich ja bereits fast ein halbes Jahr mit dem Thema auseinandergesetzt hatte, hätte ich schreien können. Mein Hautarzt empfiehl mir einen Facharzt für HIV. Wieder aus der Praxis raus, brach erst einmal alles in mir zusammen. Zum Glück konnte mich der von meinem Hautarzt empfohlene Facharzt für HIV erst einmal auffangen und mir die größten Ängste nehmen. Aber bis zum heutigen Zeitpunkt merke ich, wie mich die damaligen Ereignisse immer wieder einholen.

    Mein Fazit aus diesen Erlebnissen: Lasst den Test nur dann durchführen, wenn ihr körperlich und psychisch auch tatsächlich in der Lage seit, ein positives Ergebnis zu verkraften. Heute würde ich den Test auch nicht mehr bei meiner Hausärztin machen lassen sondern entweder bei einer Stelle wie dem Gesundheitsamt oder der AIDS-Hilfe, die auch gleichzeitig psychologische Hilfe anbieten. Aufgrund der fehlenden psychologischen oder fachärztlichen Betreuung lehne ich auch die Selbsttests absolut ab. Und nie so ganz davon überzeugt sein, dass man negativ sein muss.

    Demnächst werde ich Euch dann an dieser Stelle berichten, wie es mit der HIV-Infektion so weiter ging bzw. geht.

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:

    05. September 2009 -  Wie funktioniert das eigentlich mit dem HIV-Schnelltest?

    22. August 2009 – Anonyme HIV-Tests bzw. HIV-Schnelltests in Dortmund

    22. August 2009 – Verbot des Verkaufs von HIV-Schnelltests an Privatpersonen

  • 09Aug

    Als "Riese auf tönernen Füßen" bezeichnet der Paritätische Wohlfahrtsverband die Pflegebranche. Der Verband fordert sofortige und konkrete politische Initiativen, um den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten und dem heraufziehenden Pflegenotstand entgegen zu wirken.

    "Die beeindruckenden Mitarbeiterzahlen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir dem wachsenden Bedarf nicht gerecht werden", relativiert der Vorsitzende des Paritätischen Eberhard Jüttner die aktuellen Statistiken des WifOR-Institutes zum Job-Boom in der Pflege. "Mit Blick auf die demografische Entwicklung steuern wir auf einen extremen Pflegenotstand zu. Wenn wir in Zukunft eine würdevolle Pflege für alle Menschen sicherstellen wollen, ist es höchste Zeit, entschlossen aktiv zu werden", so Jüttner.

    Der Verband fordert von der Bundesregierung sofortige und konkrete politische Initiativen, um den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten. "Um mehr Menschen für diesen anspruchsvollen Beruf gewinnen zu können, braucht es eine attraktivere Vergütung und Arbeitsbedingungen, die mehr Zeit am Menschen und damit auch mehr persönlichen Erfolg und Zufriedenheit ermöglichen", fordert Jüttner. Die Einführung eines Mindestlohns sei ein erster wichtiger Schritt gewesen. Nach wie vor schneide die Pflege jedoch im Wettbewerb um Nachwuchs gegenüber anderen Branchen, was Entlohnung und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten angeht, schlecht ab. Schuld seien die unzureichenden Entgelte der öffentlichen Kassen. Für Sparmaßnahmen, wie die jüngsten Kürzungen der Bundesagentur für Arbeit bei den Umschulungen von Arbeitslosen zu Altenpflegern, bestehe in der Pflege keinerlei Spielraum. Es führe kein Weg daran vorbei, mehr Geld in das System zu bringen, so der Verbandsvorsitzende. "Die Gesellschaft muss sich entscheiden, was gute Pflege ihr wert ist."

    Überfällig sei die sofortige Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs. "Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff bedeutet die Abkehr von der Minutenpflege hin zu einer Pflege, die sich endlich ausschließlich an dem tatsächlichen Unterstützungsbedarf des pflegebedürftigen Menschen orientiert. Es ist ein Skandal, wenn das Gesundheitsministerium dieses Vorhaben weiter in den Schubladen verstauben lässt, statt endlich Nägel mit Köpfen zu machen", kritisiert Jüttner.

    Quelle: Pressemiiteilung des Paritätischen Gesamtverbandes vom 09. August 2010

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