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  • 03Sep

    Gießener Virologen koordinieren deutsch-afrikanische Studie zu okkulten Hepatitis-B-Virus-Infektionen in Afrika – Verbesserung des Impfstoffes als Ziel – Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt rund 700.000 Euro

     

    In Zusammenarbeit mit Ärzten aus Südafrika und dem Sudan erforschen Virologen der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) um Privatdozent Dr. Dieter Glebe und Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfram Gerlich (Institut für Medizinische Virologie) eine heimtückische Form der Hepatitis B. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das deutsch-afrikanische Projekt mit rund 700.000 Euro im Rahmen ihrer Afrika-Initiative.

    Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) werden bei Kleinkindern und geschwächten Personen häufig chronisch und können langfristig zu Leberzirrhose, Leberversagen oder bösartigen Tumoren der Leber führen. Über ein Drittel der Weltbevölkerung hat bereits Kontakt mit HBV gehabt. 370 Millionen Menschen sind chronisch mit diesem tückischen Virus infiziert, eine Million Menschen sterben jährlich an den Spätfolgen. Chronische HBV-Infektionen entstehen bei gesunden Erwachsenen nur selten, bei über 90 Prozent der Infektionen kann ein gesundes Immunsystem die akute Infektion kontrollieren, es kommt zur Ausheilung. Jedoch wurde in jüngster Zeit deutlich, dass die immunologische Abwehr des Körpers oft nicht vollständig ist. Mit diesem Phänomen beschäftigen sich die Gießener Wissenschaftler: Sie untersuchen die sogenannte okkulte Hepatitis B, bei der sich das Virus auch nach der scheinbaren Ausheilung meist unerkannt – also okkult – über Jahre in der Leber der Patienten vermehrt. Das Immunsystem kontrolliert dabei die Vermehrung des HBV auf niedrigem Niveau und damit einen erneuten Ausbruch der Erkrankung.

    Zum Problem für den Patienten kann eine okkulte HBV-Infektion dann werden, wenn das Immunsystem teilweise oder völlig zum Erliegen kommt – beispielsweise während einer Chemotherapie oder bei einer Infektion mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV). Der vorübergehende Totalausfall der immunologischen Kontrolle erlaubt dem Hepatitis-B-Virus eine ungehemmte Vermehrung in der Leber – die Infektion wird reaktiviert. Diese Reaktivierung führt in vielen Fällen zur Entstehung von Virusmutanten, die zu schweren Komplikationen bis hin zum Leberversagen führen können. Hier schützt selbst eine erfolgreiche HBV-Impfung vermutlich nicht.

    Die Gießener Virologen konnten bereits zeigen, dass durch die Immunselektion auch während der okkulten Phase oft Virusmutanten entstehen. In dieser Phase sind diese Mutanten wegen ihrer geringen Menge ungefährlich. Nach Reaktivierung können sie jedoch schwere, mitunter tödlich verlaufende Infektionen hervorrufen. Wegen der hohen Viruskonzentration im Blut und in Körpersekreten während der Infektion sind die Viren zudem leicht auf andere Menschen übertragbar, beispielsweise durch Intimkontakte.

    Ziel der deutsch-afrikanischen Studie ist es, das Gefährdungspotential durch HBV-Mutanten nach okkulter und reaktivierter Hepatitis B zu untersuchen. Während Fälle von HBV-Reaktivierung infolge einer Immunsuppression in Europa und Nordamerika überwiegend Therapie-bedingt sind, wird eine Immunschwäche in afrikanischen Ländern meist durch HIV-Infektionen verursacht. Fatalerweise sind in Afrika je nach Region etwa 15 bis 90 Prozent aller HIV-Infizierten gleichzeitig mit HBV infiziert, und viele dieser Patienten haben eine okkulte Form der Hepatitis B. Im Rahmen der Studie sollen die bei afrikanischen HIV-koinfizierten Patienten isolierten Virusstämme am Institut für Medizinische Virologie der JLU (Leiter: Prof. Dr. John Ziebuhr) molekular- und zellbiologisch charakterisiert werden, um so Rückschlüsse auf das Auftreten von impfungsresistenten Mutanten zu erhalten. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollten gezielte Verbesserungen des derzeitig verfügbaren HBV-Impfstoffs ermöglichen, der möglicherweise ein zu schmales Schutzspektrum aufweist.

    PD Dr. Glebe und Prof. Gerlich von der JLU koordinieren die dreijährige Studie. Auf südafrikanischer Seite wird sie geleitet von der Virologin Prof. Dr. Anna Kramvis (University of Witwatersrand, Johannesburg). Der Hepatologe Prof. Dr. Hatim Mudawi vom Institut für Innere Medizin der Universität Khartum in Sudan leitet den sudanesischen Teil.

    Dieses Projekt ist eines von 25 Projekten der Afrika-Initiative der DFG mit dem Ziel, die wissenschaftliche Kooperation afrikanischer und deutscher Wissenschaftler im Bereich der Infektionsforschung, insbesondere zu vernachlässigten Krankheiten, zu vertiefen. Ein Hauptanliegen ist, die wissenschaftliche Infrastruktur und Forschungskapazitäten in den afrikanischen Partnerländern nachhaltig zu stärken.

    Quelle: Pressemitteilung der Justus-Liebig-Universität Giessen vom 30. August 2010

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  • 03Sep

    Auswertung historischer Operationen brachte Mediziner auf die Spur

     

    Durch Auswertung historischer Hirnoperationen hat ein internationales Forscherteam eine mögliche neue Zielstruktur zur Behandlung von Depressionen identifiziert. Die Studie unter Federführung der Universität Bonn erscheint in der Zeitschrift Neuropsychopharmacology (doi:10.1038/npp.2010.132). Die Wissenschaftler hoffen nun auf neue Möglichkeiten, schwerste Depressionen erfolgreich zu therapieren.

    Bis vor gut zwanzig Jahren behandelten Ärzte Depressionen als ultima Ratio auch chirurgisch. Dabei zerstörten sie gezielt bestimmte Regionen im Gehirn ihrer Patienten, kaum größer als ein Zehn-Cent-Stück. Diese Operationen waren nicht ohne Risiko, erzielten zum Teil aber beachtliche Erfolge: In bis zu 70 Prozent der Fälle verbesserte sich das Befinden der Betroffenen deutlich.

    Bis Ende der 80er Jahre hatten die Depressionsforscher vier Areale identifiziert, deren Zerstörung besonders positive Effekte zeigte. Diese Areale liegen in völlig unterschiedlichen Regionen des Gehirns. Wissenschaftler der Universitäten Bonn, Washington State und British Columbia konnten nun jedoch zeigen, dass sie einen gemeinsamen Nenner haben: Sie alle sind mit einer bestimmten Struktur "verdrahtet", dem medialen Vorderhirnbündel. Dabei handelt es sich um eine Art Kabelstrang, der sich vom tief liegenden Hirnstamm bis zur stirnseitigen Hirnrinde zieht. Das mediale Vorderhirnbündel scheint verschiedene Hirnbereiche miteinander zu verbinden, die bei der Depression eine Rolle spielen. "Dieser Euphorie-Schaltkreis ist daher möglicherweise eine interessante Zielstruktur für die Behandlung der Erkrankung", erklärt der Neurochirurg Professor Dr. Volker Coenen.

    Zielstruktur für den Hirnschrittmacher

     

    Coenen leitet am Universitätsklinikum Bonn den Schwerpunkt für Stereotaxie. Dort führt der 38-Jährige hochpräzise Eingriffe am Gehirn durch, ohne dabei intaktes Gewebe zu schädigen. Über ein kleines Loch im Schädel implantiert er beispielsweise Elektroden punktgenau in fehlgesteuerte Hirnregionen. Diese lassen sich dann mit einer Art "Hirnschrittmacher" durch schwache elektrische Impulse reizen. Die Methode wird Tiefe Hirnstimulation genannt und kann unter anderem Parkinson-Patienten helfen. Sie kommt seit einigen Jahren aber auch bei der Therapie schwerster Depressionen zum Einsatz.  "Über das mediale Vorderhirnbündel könnten wir eventuell verschiedenste Hirnregionen gleichzeitig stimulieren und so die Symptome einer Depression mildern", hofft Coenen.

    Bisher ging man davon aus, dass die vier klassischen Operationsorte unterschiedliche Funktionen bei der Verarbeitung von Emotionen übernehmen. Dass sie miteinander „verdrahtet“ sind, wusste bislang niemand. "Wie Hirnareale miteinander verbunden sind, ließ sich in der Vergangenheit nur mit großem Aufwand sichtbar machen", erklärt Coenens Kooperationspartner Professor Dr. Bernd Weber. "Im Prinzip ging das nur an Hirnschnitten von Verstorbenen."

    Dank einer neuen Methode ist das nun erheblich einfacher: Mit modernen Kernspin-Tomographen kann man nämlich feststellen, in welche Richtungen das Wasser im Gewebe diffundiert. Nervenstränge sind für die Gewebsflüssigkeit ein undurchdringliches Hindernis: Sie kann lediglich daran entlang fließen. "Diese gerichteten Wasserströme werden im Tomographie-Bild sichtbar", erklärt der Experte für Neuronale Bildgebung. Gut 50 gesunde Probanden haben die Forscher mit dieser Methode untersucht. Für jeden einzelnen haben sie in virtuellen Hirnoperationen am Computer simuliert, wie die vier klassischen OP-Regionen zusammen hängen.

    "Euphorie-Schaltkreis" ist schon lange bekannt

     

    Dass eine Stimulation des medialen Vorderhirnbündels für gute Gefühle sorgt, ist übrigens schon lange bekannt: Bereits 1954 hatten die Psychologen James Olds und Peter Milner entsprechende Versuche mit Ratten durchgeführt. Dabei hatten sie den Tieren Elektroden in das Vorderhirnbündel implantiert, die diese per Tastendruck selbst elektrisch reizen konnten. Das taten sie denn auch – und fühlten sich dabei so wohl, dass sie darüber sogar zu fressen vergaßen. Ihre Experimente machten Olds und Milner berühmt. Die Rolle des medialen Vorderhirnbündels bei der Verarbeitung von Emotionen beim Menschen wurde jedoch nie näher untersucht. Ein Grund: Die genaue Struktur war beim Menschen bisher unbekannt und wurde erst kürzlich von den Bonner Forschern zum ersten Mal beschrieben.

    Quelle: Pressemitteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn vom 26. August 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch den folgenden Artikel:

    03. September 2010 –  Der Entstehung depressiver Störungen auf der Spur

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  • 03Sep

    Freiburger Forscher veröffentlichen Ergebnisse in Biological
     

    Depressive Störungen sind laut Weltgesundheitsorganisation die Hauptursache weltweit für Lebensjahre mit erheblich eingeschränkter Lebensqualität. Trotz deutlicher Fortschritte in der Behandlung, insbesondere durch Psycho- und Pharmakotherapie, spricht nur etwa die Hälfte der Patientinnen und Patienten auf eine Behandlung ausreichend rasch und gut an. Forschungen zur Entstehung und Behandlung von Depressionen sind daher unabdingbar.

    Eine neue Hypothese zur Entstehung depressiver Störungen geht davon aus, dass eine Veränderung neuronaler Plastizität einen wichtigen Beitrag in der Entstehung der Störung darstellt. Plastizität, also Änderung, in Verhalten, Funktion und Struktur ist eine grundlegende Eigenschaft von lebendigen Organismen. Entgegen älteren neurowissenschaftlichen Annahmen zeigen neuere Arbeiten, dass Plastizität auch im erwachsenen Gehirn auf verschiedenen Ebenen stattfindet – und das von der aktivitätsabhängigen Anpassung synaptischer Übertragung über Neubildung von Nervenzellen im Hippocampus bis zur Anpassung von Verhalten.

    Freiburger Forscher legen nun in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Biological Psychiatry Daten vor, die die Neuroplastizitätshypothese der Depression weiter stützen. Dabei nutzte die Arbeitsgruppe um Dr. Christoph Nissen und PD Dr. Claus Normann von der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg bekannte Lernparadigmen als Modell für synaptische Plastizität.

    Die Forscher konnten zeigen, dass Patientinnen und Patienten mit Depression im Vergleich zu gesunden Probanden eine verminderte Gedächtniskonsolidierung in einem Hippocampus-abhängigen Lerntest aufweisen. Andererseits zeigen Menschen mit einer Depression eine erhöhte klassische Furchtkonditionierung, einer Amygdala-abhängigen Lernleistung. Die Amygdala ist ein Kerngebiet, das für die Entstehung und Bewertung von Gefühlen von entscheidender Bedeutung ist.

    Die unterschiedlichen Befunde einer geminderten beziehungsweise erhöhten Lernleistung weisen auf spezifische Veränderungen der zugrunde liegenden synaptischen Plastizität in verschiedenen neuronalen Systemen bei Menschen mit Depression hin. Diese Plastizitätsänderungen könnten mit klinischen Symptomen wie Merkfähigkeitsstörungen und Entscheidungsschwierigkeiten einerseits und einer erhöhten emotionalen Anspannung andererseits in Verbindung stehen. Sollte sich die Plastizitätshypothese depressiver Störungen weiter bestätigen, könnte das umfassende Grundlagenwissen zu Plastizität genutzt werden, um neue und innovative Therapien zur Behandlung der Depression zu entwickeln.

    Die Studie findet Ihr im Internet unter:

    http://www.biologicalpsychiatryjournal.com/article/S0006-3223%2810%2900525-1/abstract/

    Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Freiburg vom 31. August 2010

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  • 30Aug

    "Ein wenig beachteter Aspekt des jahrelangen Kriegs in Nord-Uganda ist die Isolation, Vernachlässigung und Misshandlung von Frauen und Mädchen mit Behinderung. Die Regierung und Hilfsorganisationen müssen dafür sorgen, dass behinderte Frauen beim Wiederaufbau nicht ausgegrenzt werden."

    Shantha Rau Barriga, Expertin für Behindertenrechte von Human Rights Watch

    Regierung soll bei Wiederaufbau im Norden die Rechte Behinderter schützen und Zugang zu staatlichen Leistungen sicherstellen

    (Kampala, 26. August 2010) - In Nord-Uganda werden behinderte Frauen fortwährend Opfer von Diskriminierung und sexueller sowie geschlechtsspezifischer Gewalt, so Human Rights Watch in einem heute veröffentlichten Bericht. Viele Frauen haben keinen Zugang zu grundlegenden staatlichen Leistungen wie Gesundheitsversorgung und Justiz. Ihre Bedürfnisse sind bei den Wiederaufbaumaßnahmen bislang weitgehend unberücksichtigt geblieben.

    Der 73-seitige Bericht "As If We Weren't Human: Discrimination and Violence against Women with Disabilities in Northern Uganda" beschreibt, wie Frauen und Mädchen mit Behinderung in Nord-Uganda von Familienmitgliedern, Nachbarn und Fremden diskriminiert und häufig missbraucht werden. Für den Bericht befragte Frauen beschrieben es als unmöglich, an grundlegende Bedarfsgüter wie Nahrung und Kleidung zu gelangen oder eine Unterkunft in Flüchtlingslagern oder in ihren Dörfern zu finden. Eine körperlich behinderte Frau, die in einem Flüchtlingslager lebte, schilderte im Gespräch mit Human Rights Watch Beschimpfungen wie: "Du bist nutzlos. Du verschwendest Essen. Du solltest einfach sterben, damit andere dein Essen bekommen können." Human Rights Watch untersuchte die Lage in sechs Distrikten in Nord-Uganda, wo mehr als zwei Jahrzehnte lang ein blutiger Konflikt zwischen der Lord Resistance Army und der Regierung getobt hatte.

    "Ein wenig beachteter Aspekt des jahrelangen Kriegs in Nord-Uganda ist die Isolation, Vernachlässigung und Misshandlung von Frauen und Mädchen mit Behinderung", so Shantha Rau Barriga, Expertin für Behindertenrechte von Human Rights Watch. "Die Regierung und Hilfsorganisationen müssen dafür sorgen, dass behinderte Frauen beim Wiederaufbau nicht ausgegrenzt werden."

    Der Bericht stützt sich auf Befragungen von 64 Frauen und Mädchen mit einem breiten Spektrum von Behinderungen, teilweise als Folge von Polio-Infektionen, Landminen oder Schussverletzungen. Einer landesweiten Studie aus dem Jahr 2007 zufolge haben etwa 20 Prozent der Menschen in Uganda eine Behinderung. Es wird angenommen, dass dieser Anteil in Nord-Uganda aufgrund von Kriegsverletzungen und dem eingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung und Impfungen noch höher liegt.

    Die Recherchen von Human Rights Watch ergaben, dass Frauen mit Behinderung sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt besonders schutzlos gegenüberstehen. Mehr als ein Drittel der von Human Rights Watch befragten Frauen gab an, bereits sexuell oder körperlich misshandelt worden zu sein. Keine der Frauen hatte die Möglichkeit, strafrechtlich gegen die Täter vorzugehen.

    "Häufig erhalten Frauen mit Behinderung keinerlei Informationen zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit sowie zu HIV-Infektionen", so Barriga. "Doch sie benötigen eine sexualmedizinische Versorgung, Schutz vor sexueller Gewalt sowie strafrechtliche Mittel, um gegen Missbrauch vorzugehen."

    Der Bericht weist darauf hin, dass Frauen mit Behinderung besonders anfällig für HIV sind, weil sie oft arm sind und nur schwer den Wunsch nach Schutzmaßnahmen vor sexuell übertragbaren Krankheiten äußern bzw. durchsetzen können. Zudem fehlt ihnen der Zugang zu Informationen, und ihr Risiko, missbraucht oder vergewaltigt zu werden, ist besonders hoch. Viele behinderte Frauen können nicht zu den häufig weit entfernt liegenden Gesundheitszentren oder Polizeistationen gelangen oder können Einrichtungen nicht nutzen, weil Gebärdendolmetscher, Kennzeichnungen in Brailleschrift oder Rampen für Rollstuhlfahrer fehlen. Manche Frauen stießen auf Vorurteil des Personals, andere erhielten selbst von Familienangehörigen keine Unterstützung.

    "Ich darf nicht in der Nähe anderer Leute baden", erzählte Candace, eine mit HIV infizierte Frau, die durch eine Landmine ein Bein verloren hat, im Gespräch mit Human Rights Watch. "Meine Nachbarn glauben, in meinem Urin sei HIV. Sie sagen, ich würde das ganze Dorf krank machen, wenn ich dass Wasser berührte. In meinem Dorf hat es zwar Aufklärungsmaßnahmen über HIV gegeben, doch die Haltung der Menschen hat sich kaum verändert."

    Der Bericht empfiehlt der ugandischen Regierung unter anderem, die Bedürfnisse behinderter Frauen und Mädchen im Rahmen der Wiederaufbaupläne und Programme angemessen zu berücksichtigen. Er appelliert zudem an die Regierung, dafür zu sorgen, dass Frauen mit Behinderung Zugang zu etablierten staatlichen Programmen haben, insbesondere im Bereich sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, reproduktiver Gesundheit und HIV.

    Die Recherchen von Human Rights Watch ergaben, dass die meisten humanitären Hilfsorganisationen keine speziellen Programme für Menschen mit Behinderung betreiben. Der Bericht empfiehlt den Hilfsorganisationen, die Zusammenarbeit mit Behindertenverbänden zu suchen, damit Informationen über den Wiederansiedlungsprozess und die verfügbaren Hilfsleistungen auch zu behinderten Menschen gelangt.

    Ein Schlüsselproblem in diesem Zusammenhang ist das Fehlen genauer Zahlen zu behinderten Frauen in Nord-Uganda und der Mangel an Daten über deren Zugang zu Hilfsangeboten. Die Regierung und die Hilfsorganisationen sollen solche Daten erheben und auf ihrer Grundlage Programme entwickeln, die behinderte Frauen besser einbeziehen.

    Die ugandische Regierung ist durch internationales und regionales Recht sowie durch die ugandische Verfassung und andere nationale Gesetze verpflichtet, die Rechte von Menschen mit Behinderung zu achten. Als Vertragsstaat der Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen muss Uganda gewährleisten, dass Frauen mit Behinderung die gleichen Rechte genießen wie alle anderen Bürger. In der Praxis bedeutet dies, dass die ugandische Regierung ihre eigenen Gesetze entschlossener umsetzen muss, um Frauen mit Behinderung in Nord-Uganda vor Gewalt zu schützen und ihnen den Zugang zu grundlegenden staatlichen Leistungen zu garantieren.

    "Der Krieg hat die Isolation und Diskriminierung von Frauen und Mädchen mit Behinderung gleichzeitig verschärft und in den Hintergrund gedrängt", so Barriga. "Jetzt hat die Regierung die Gelegenheit - und die besondere Verantwortung - ihre Not zu lindern."

    Ausgewählte Aussagen aus dem Bericht:

    "Wir waren zu zwölft im Haus, als es [von der LRA] niedergebrannt wurde. Alle, die in der Nähe der Tür waren, überlebten. Ich lag auf dem Bauch und schützte mein Herz. Ich wurde am Kopf verbrannt und wurde blind. Außerdem höre ich seitdem schlecht."
    - Edna, eine 29-jährige Frau, die im Jahr 2004 aus ihrem Dorf in die Stadt Lira floh. Edna ist HIV positiv.

    "Vor einer Woche wurde ich in diesem Haus dreimal vergewaltigt. Die Männer kamen in der Nacht und ich konnte sie nicht erkennen. Ich habe niemandem davon erzählt, nicht einmal meiner Mutter. Ich habe darüber nachgedacht, eine panga (Machete) mit ins Bett zu nehmen für den Fall, dass sie wieder kommen. Ich glaube, dass ich meinen HIV-Status wissen muss, wenn ich Anzeige erstatten will. Ich würde gerne einen HIV-Test im Gesundheitszentrum machen, aber ich habe keine Möglichkeit, um in die Stadt zu kommen. Das Krankenhaus ist weit weg und mein Fahrrad (mit Handkurbelantrieb) ist kaputt. Manche Leute im Dorf sagen, ich sei selbst schuld und treibe mich mit Männern herum."
    - Angela, eine 20-jährige Frau mit einer angeborenen Körperbehinderung, Distrikt Amuru

    "Wenn ich nach Hause zurückkehre, werde ich wie ein Kind leben, das darauf warten muss, gefüttert zu werden."
    - Mary, eine körperlich behinderte Frau, die in einem Flüchtlingslager lebt, Distrikt Amuru

    "Die Liegen für die Entbindung sind sehr hoch und haben Rollen. Die Schwestern sagen dir, du sollst dich auf die Liege legen. Dann versuchst du es, doch die Liege rollt weg. Sie sagen: "Leg dich hin! Wie bist du denn auf das Bett gekommen, in dem du schwanger wurdest?""
    - Hon. Nalule Safia Juuko, eine Parlamentsabgeordnete, die sich für die Rechte Behinderter einsetzt

    "Die Nachbarn schlugen meine Kinder. Wenn sie mit den Nachbarskindern spielten, wurden sie fortgeschickt. Man sagte ihnen: "Eure Taubheit wird auf meine Familie überspringen.""
    - Erica, eine gehörlose Frau, die eines ihrer Kinder bei der Geburt verlor, weil die Schwester ihr nicht gesagt hatte, dass sie Zwillinge bekommen würde, Distrikt Lira

    Quelle: Pressemitteilung von Human Rights Watch vom 26. August 2010

    In englischer Sprache könnt Ihr diesen Artikel unter folgendem Link aufrufen:

    http://www.hrw.org/en/news/2010/08/23/uganda-women-disabilities-barriers-and-abuse

    Quelle: Pressemitteilung von Human Rights Watch vom 26. August 2010

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  • 30Aug

    Wer in Deutschland krank wird, der kann auf die Versorgung in einem der besten Gesundheitssysteme der Welt vertrauen. Erfreulicherweise werden die Menschen zunehmend älter, gleichzeitig eröffnet die Medizin immer bessere Heilungschancen. Angesichts der damit verbundenen finanziellen Herausforderungen hat sich die Politik vorgenommen, die gesetzliche Krankenversicherung heute und für die Zukunft stabiler aufzustellen. Der von der Regierungskoalition vorgelegte Gesetzentwurf für das geplante GKV-Finanzierungsgesetz ist dazu ein wichtiger und richtiger Schritt. Das betonten Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler und Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe in einer gemeinsamen Sitzung mit dem Vorstand der Bundesärztekammer. Das GKV-Finanzierungsgesetz sieht insbesondere die langfristige Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung durch Zusatzbeiträge und einen unbürokratischen Sozialausgleich über Steuermittel vor.

    Anders als bei vorangegangenen Reformen sollen künftig nicht die Patienten über Zuzahlungen oder Eigenbeteilungen die finanziellen Mehrbelastungen tragen. Darüber hinaus kann nach Auffassung des Ministers und des Bundesärztekammer-Vorstandes insbesondere die Stärkung der Beitragsautonomie über Zusatzbeiträge den Einstieg in ein generationengerechteres Finanzierungsprinzip der GKV darstellen.

    Einigkeit herrschte bei den Gesprächen auch darüber, dass die im Koalitionsvertrag angekündigte gesetzliche Neuregelung für Medizinische Versorgungszentren (MVZ), wonach die Mehrheit der Geschäftsanteile und Stimmrechte Ärztinnen und Ärzten zustehen und das MVZ von Ärztinnen und Ärzten verantwortlich geführt werden soll, schnell umgesetzt werden soll. Der Bundesärztekammer-Vorstand verwies darauf, dass zwischen MVZ und niedergelassenen Vertragsärzten und Psychotherapeuten gleichartige Wettbewerbsbedingungen herrschen müssten. Um eine Dominanz wirtschaftlicher Interessen über medizinische Belange zu vermeiden, seien klare gesetzliche Regelungen unter anderem für das Primat der ärztlichen Leitung von MVZ nötig.

    Zu den von Bundesgesundheitsminister Rösler im Laufe der Legislaturperiode außerdem geplanten strukturellen Reformen zählt auch die Ausweitung von Möglichkeiten der Kostenerstattung. Dies entspreche wiederholten Forderungen Deutscher Ärztetage nach einer stärkeren Erprobung sozialverträglicher Kostenerstattungs- und Selbstbehalt-Wahltarife im GKV-Bereich, so der Bundesärztekammer-Vorstand. Kostenerstattung ermögliche mehr Transparenz über das Leistungsgeschehen, fördere das Kostenbewusstsein bei allen Beteiligten und ist wichtige Voraussetzung für eine gezieltere Inanspruchnahme medizinischer Leistungen.

    Die Ziele der Kostenerstattung erfordern nach Aussage von Bundesgesundheitsminister Rösler eine Novellierung der Gebührenordnung. Diese Aufgabe soll nach dem Willen des Ministers zeitnah angegangen werden. Entsprechende Vorarbeiten für eine Novellierung der Amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) könnten unmittelbar im Anschluss an die Novellierung der zahnärztlichen Gebührenordnung (GOZ) erfolgen, also möglicherweise noch 2011. Die Bundesärztekammer hat bereits einen entsprechenden Vorschlag für eine transparente, das ärztliche Leistungsspektrum umfassend abbildende und leistungsgerecht kalkulierte Gebührenordnung entwickelt, der die Grundlage der GOÄ-Novellierung bilden soll.

    Weitere geplante Maßnahmen sollen der Sicherung der flächendeckenden Versorgung dienen. Dazu zählt Bundesgesundheitsminister Rösler neben der Weiterentwicklung der Bedarfsplanung, bei der die Ärztekammern in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren eine Moderatorenrolle einnehmen sollen, insbesondere auch Anreize bei der Vergütung und Ausbildung. Gerade vor dem Hintergrund des immer deutlicher erkennbareren Ärztemangels erarbeitet das Bundesgesundheitsministerium unter Mitarbeit der Bundesärztekammer Maßnahmen, um die Attraktivität des Arztberufes wieder zu erhöhen.

    Unterstützung sagte die Bundesärztekammer dem Minister auch bei der Verbesserung der Gesundheitsversorgung durch eine zielgerichtete Präventionsstrategie zu. So soll eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingerichtet werden, die prioritäre Präventionsziele definiert. Beide Seiten waren sich einig, dass den ambulanten Ärzten bei Präventionsmaßnahmen eine Schlüsselrolle zukommt.

    Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministeriums und der Bundesärztekammer vom 27. August 2010

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  • 26Aug

    Krankheitserreger verzögern die Aufnahme in Zellen
     

    Auch Krankheitserreger machen es sich gerne bequem: Sie dringen in ihre Wirtszellen ein und leben im Zellinneren von Annehmlichkeiten, die sich dort bieten. Forscher des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie in Berlin haben jedoch zusammen mit Wissenschaftlern der Harvard Universität einen entgegengesetzten Mechanismus entdeckt, mit dem Bakterien den Infektionsprozess steuern. Sie verhindern so einen verfrühten Eintritt ins Innere der Wirtszelle. Unmittelbar nach dem ersten Kontakt bewirken die Erreger mit Hilfe von Signalmolekülen eine lokale Verstärkung des Stützskeletts in der Wirtszelle und können dadurch außerhalb der Zelle bleiben. Auch Krankheitserregern im Darm haben die Forscher diese bislang unbekannte Infektionsstrategie nachgewiesen.

    Das Bakterium Neisseria gonorrhoeae wird beim Geschlechtsverkehr übertragen und kann zu einer Entzündung der Harnröhre, Gebärmutter und Eierstöcke führen. Es heftet sich mit Hilfe fadenförmiger Proteine auf seiner Oberfläche, so genannter Pili, an Schleimhautzellen. Dort kann es den Angriffen des Immunsystems durch raschen Wechsel seiner Oberflächenstruktur mit Leichtigkeit entgehen. Erst in einer späteren Phase der Infektion dringt es dann gelegentlich in die Zellen ein, um in tiefere Gewebe vorzudringen und dort weiteren Nährboden zu finden.

    Bislang beschäftigten sich Wissenschaftler vor allem mit den Tricks, die es Bakterien erlauben, in Zellen einzudringen. Die Ergebnisse der Berliner Forscher legen jedoch nahe, dass Bakterien bei Bedarf viel Mühe darauf verwenden, nicht in Zellen aufgenommen zu werden. Da Körperzellen laufend kleine Membranbläschen von ihrer Oberfläche abschnüren, werden so auch die winzigen Bakterienzellen "ungewollt" nach innen befördert. Die Berliner Forscher haben nun den Signalweg aufgeklärt, mit dem die Erreger verhindern von Zellen derart "verschluckt" zu werden. Wenn sich Gonorrhoe-Bakterien an den Zellmembran anheften, lösen sie demnach an dieser Stelle unterhalb der Membran eine Verstärkung des Zellskeletts aus. Kettenförmige Aktin-Proteine werden zum Ort der Anheftung transportiert und dort miteinander verknüpft. Dabei spielt das Transportprotein Caveolin-1 sowie die Signalproteine Vav2 und RhoA eine zentrale Rolle.

    Lieber draußen als drinnen

    Die Ergebnisse eröffnen eine völlig neue Sichtweise auf den Verlauf von Infektionskrankheiten. "Lange Zeit ging man davon aus, dass sich Krankheitserreger besonders darum bemühen, möglichst schnell in Körperzellen einzudringen. Das Gegenteil ist aber offenbar der Fall. Zunächst scheint es für Gonorrhoe-Bakterien lebenswichtig zu sein, auf der Oberfläche der Zelle zu verbleiben", erklärt Thomas Meyer vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie. Die Verankerung an der Zellmembran mit ihren Pili-Proteinen und die darunterliegenden Veränderungen des Stützskeletts machen die Erreger offensichtlich noch widerstandsfähiger gegen die mitunter unwirtlichen Lebensumstände außerhalb der Zellen.

    Die entdeckten Signalwege können möglicherweise künftig medizinisch genutzt werden, um Infektionen abzuwehren. Denn die Wissenschaftler konnten zeigen, dass krankmachende Escherichia coli-Darmbakterien ebenfalls diesen Signalweg nutzen. Wahrscheinlich verhindern auch noch weitere Bakterien auf diese Weise, dass sie von Zellen aufgenommen werden. Dazu zählen Krankheitserreger, die schwere Wundinfektionen, Lungen- und Hirnhautentzündungen hervorrufen können.

    Quelle: Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts vom 24. August 2010

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  • 23Aug

    Das Aktionsbündnis für Seelische Gesundheit hat heute den Abschlussbericht einer wissenschaftlichen Studie zur Wirksamkeit von Maßnahmen zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen vorgelegt. Das Bundesministerium für Gesundheit hatte die Studie in Auftrag gegeben mit dem Ziel, eine wissenschaftliche Grundlage für die evidenzbasierte Weiterentwicklung entsprechender Interventionen zu schaffen.

    Jeder dritte bis vierte Deutsche erleidet im Laufe seines Lebens eine psychische Erkrankung. Aber noch immer verdrängen viele Betroffene aus Scham und Angst vor negativen Reaktionen ihrer Umwelt psychische Beschwerden, suchen spät oder gar nicht die verfügbaren Hilfsangebote auf und geraten damit in die Gefahr der Chronifizierung oder gar eines späteren Suizids.

    Dazu Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp Rösler: "Psychische Erkrankungen werden auch heute noch in unserer Gesellschaft tabuisiert. Betroffene erleben nicht selten Ablehnung und Ausgrenzung, insbesondere am Arbeitsplatz oder in der Schule, aber auch in Familien oder im Freundeskreis. Maßnahmen zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen müssen effektiv zu einem gesellschaftlichen Klima der Toleranz und des Verständnisses für psychisch erkrankte Menschen beitragen. Die Studie des Aktionsbündnisses liefert eine gute Datengrundlage für die Planung und Steuerung zukünftiger Maßnahmen der verschiedenen Akteure."

    In Deutschland und auch weltweit gibt es bereits zahlreiche Maßnahmen zur Reduzierung des Stigmas psychischer Krankheiten. Den Autoren der Studie zufolge sind Interventionen vor allem dann wirksam, wenn sie neben der Aufklärung über psychische Erkrankungen interaktiven Kontakt zu Betroffenen einschließen.

    Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit ist eine Initiative zur Förderung der seelischen Gesundheit. Unter der Schirmherrschaft des Bundesgesundheitsministers beteiligen sich über 60 Bündnispartner an dem bundesweiten Netzwerk, darunter Experten der Psychiatrie und Gesundheitsförderung, Betroffene und ihre Angehörigen. Das Bündnis will der breiten Öffentlichkeit vermitteln, dass psychische Störungen therapierbare und gerade bei frühzeitiger Behandlung auch heilbare Erkrankungen sind, die jede und jeden betreffen können. Es fördert den Austausch der beteiligten Akteure, informiert über die Chancen der Früherkennung und Prävention und ermuntert Menschen, Hilfe in Anspruch zu nehmen, und fördert so die Möglichkeiten der sozialen und beruflichen Integration von psychisch erkrankten Menschen und die gesellschaftliche Teilhabe von Betroffenen und ihren Familien.

    Mehr Informationen zum Aktionsbündnis Seelische Gesundheit erhaltet Ihr unter dem folgenden Link:

    http://www.seelischegesundheit.net/

    Die Empfehlungen und Ergebnisse aus Forschung und Praxis zur Konzeption und Umsetzung von Interventionen zur Entstigmatisierung seelischer Erkrankungen könnt Ihr unter dem nachfolgenden Link als PFD-Dokument einsehen:

    Konzeption und Umsetzung von Interventionen zur Entstigmatisierung seelischer Erkrankungen: Empfehlungen und Ergebnisse aus Forschung und Praxis

    Quelle: Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit vom 22. August 2010

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  • 20Aug

    Ab 01. Januar 2010 soll allen Bürgerinnen und Bürgern eine unabhängige Patientenberatung als Regelversorgung zur Verfügung stehen. Das sieht eine aktuelle Gesetzesinitiative zur Förderung unabhängiger Einrichtungen zur Patienten- und Verbraucherberatung vor. Der GKV-Spitzenverband hat hierfür bereits heute eine europaweite Ausschreibung gestartet, um nach Auslaufen des bisherigen Modellprojektes zur Erprobung verschiedener Beratungsansätze Ende dieses Jahres einen möglichst nahtlosen Übergang und Finanzierungsanschluss sicherzustellen.

    Die kostenlose unabhängige Patientenberatung soll die bestehenden vielfältigen Beratungsangebote ergänzen. Worauf es dabei ankommt, zeigen die Erfahrungen aus fast zehn Jahren Modellvorhaben. Ein solches zusätzliches Angebot muss sich durch hohe Beratungsqualität, Neutralität sowie fachliche Unabhängigkeit auszeichnen und vernetzt in der bestehenden Beratungslandschaft eine verlässliche Lotsenfunktion übernehmen.

    "Ein persönliches oder telefonisches Beratungsangebot ist für Versicherte vor allem dann von Nutzen, wenn es den Ratsuchenden hilft, sich in einem komplizierten Gesundheitswesen zu orientieren und die Transparenz erhöht", erläutert Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes. "Viele Ratsuchende haben trotz vielfältiger Informations- und Beratungsangebote Schwierigkeiten, die richtige Anlaufstelle für ihr spezielles Problem zu finden. Hier kann die unabhängige Patientenberatung für Versicherte und Patienten sinnvolle Hilfe bieten."

    Das geplante Gesetz soll Ende November 2010 verabschiedet werden. Der Zuschlag zur Ausschreibung steht unter dem Vorbehalt, dass es wie vorgesehen zum 01.01.2011 in Kraft tritt. An Fördermitteln stehen künftig 5,2 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung, finanziert aus Beitragsmitteln der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Schon bisher hat die GKV im Rahmen des Modellprojektes die unabhängige Patientenberatung mit einer vergleichbaren Summe gefördert. Der Wunsch des Gesetzgebers ist, dass sich die private Krankenversicherung (PKV) hier angemessen beteiligt. Der GKV-Spitzenverband begrüßt die erste Ankündigung der PKV, die unabhängige Patientenberatung finanziell unterstützen zu wollen. Dies war mehr als überfällig, da auch Privatversicherte die Leistungen in Anspruch nehmen.

    Quelle: Pressemitteilung des GKV-Spitzenverbandes vom 19. August 2010

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  • 10Aug

    Mangelhafte Umsetzung von Gesetzen und fehlende Aufsicht im Gesundheitswesen führen zu Leid und Todesopfern
     

    "Frauen brauchen ihr ganzes Leben lang eine verlässliche Gesundheitsversorgung. Doch in Argentinien ist es eher ein Lotteriespiel: Wer Glück hat, wird angemessen versorgt, viel wahrscheinlicher ist jedoch eine mangelhafte oder sogar missbräuchliche Behandlung."

    Jose Miguel Vivanco, Direktor der Lateinamerika-Abteilung

    (Buenos Aires) – Tausende Frauen und Mädchen müssen in Argentinien jedes Jahr wegen Versäumnissen und Missbrauch bei der reproduktiven Gesundheitsversorgung unnötig leiden, so Human Rights Watch in einem heute veröffentlichten Bericht.

    Der 53-seitige Bericht "Illusions of Care: Lack of Accountability for Reproductive Rights in Argentina" dokumentiert, welchen Hindernissen Frauen und Mädchen gegenüberstehen, wenn sie ihren gesetzlichen Anspruch auf reproduktive Gesundheitsversorgung, etwa Verhütungsmittel, freiwillige Sterilisierungen sowie Abtreibung nach Vergewaltigung, wahrnehmen wollen. Zu den häufigsten Erschwernissen gehören lange Wartezeiten, unnötige Überweisungen an andere Kliniken, finanzielle Hürden, die rechtswidrige Praxis, eine Einverständniserklärung des Ehegatten zu verlangen, und in manchen Fällen die Weigerung, eine Patientin zu behandeln.

    "Frauen brauchen ihr ganzes Leben lang eine verlässliche Gesundheitsversorgung", so Jose Miguel Vivanco, Direktor der Lateinamerika-Abteilung von Human Rights Watch. "Doch in Argentinien ist es eher ein Lotteriespiel: Wer Glück hat, wird angemessen versorgt, viel wahrscheinlicher ist jedoch eine mangelhafte oder sogar missbräuchliche Behandlung."

    Die Erschwernisse beim Zugang zu den medizinischen Leistungen führen dazu, dass viele Frauen und Mädchen in Argentinien Entscheidungen, die Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben, nicht frei treffen können und es zu vielen ungewollten oder die Gesundheit der Mutter gefährdenden Schwangerschaften kommt. Vierzig Prozent der Schwangerschaften werden in Argentinien durch - oft gefährliche - Abtreibungen abgebrochen. Gesundheitsgefährdende Abtreibungen liefern seit Jahrzehnten den größten Beitrag zur Müttersterblichkeit in Argentinien.

    Der Bericht identifiziert die fehlende Verantwortlichkeit für die Umsetzung geltender Gesetze sowie die mangelhafte Aufsicht im Gesundheitswesen als wichtigste Ursachen dafür, dass Frauen immer wieder keine angemessene Behandlung erhalten. Wenn Ärzte und andere Angestellte im Gesundheitswesen Frauen gesetzlich garantierte Leistungen verweigern oder diese an willkürlich aufgestellte Bedingungen knüpfen, müssen sie nur in den seltensten Fällen mit Ermittlungen oder Strafen rechnen.

    "Die argentinischen Gesetze zur reproduktiven Gesundheit sind nicht perfekt. Würde man sie jedoch wenigstens anwenden, könnte man einen großen Teil des Leids, das ich bei den Recherchen zu diesem Bericht gesehen habe, verhindern", so Vivanco. "Die Regierung muss größere Anstrengungen unternehmen, damit die geltenden Gesetze angewendet und Verstöße bestraft werden."

    Der Human Rights Watch-Bericht kritisiert, dass die Gesetze zur reproduktiven Gesundheit wichtige Gruppen, etwa Frauen und Mädchen mit Behinderungen, nicht berücksichtigen. Seit der Ratifizierung der Konvention der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen unterliegt die argentinische Regierung auf diesem Gebiet spezifischen internationalen Verpflichtungen, die sie zurzeit jedoch nicht erfüllt.

    "Frauen und Mädchen mit Behinderungen stehen nicht nur vor denselben Hindernissen wie Frauen ohne Behinderung, sondern darüber hinaus auch vor vielen weiteren Hürden", so Vivanco. "Neben praktischen Gesichtspunkten wie der Barrierefreiheit in Krankenhäusern oder der Übersetzung wichtiger Information in Brailleschrift oder Gebärdensprache muss man sich mit den Auswirkungen von Vorurteilen befassen. Viele Ärzte glauben schlichtweg nicht, dass Frauen mit Seh- oder Hörbehinderungen Sexualkontakte haben oder in der Lage sind, sich an den Gebrauch von Verhütungsmitteln zu erinnern."

    In der jüngeren Vergangenheit hat die argentinische Regierung Maßnahmen eingeleitet, um einige der in dem Bericht aufgezeigten Probleme zu beheben. Einige Gesetzesänderungen wurden jedoch später wieder zurückgenommen. Im Mai eröffnete das Gesundheitsministerium eine kostenlose Telefonberatung, die Frauen über reproduktive Gesundheitsversorgung informiert und Beschwerden aufnimmt. Im Juli erklärte das Ministerium, es beabsichtige Frauen und Mädchen, deren Gesundheit durch ihre Schwangerschaft gefährdet wird, sowie Vergewaltigungsopfern den Zugang zu Abtreibungen zu ermöglichen. Schon am Tag darauf zog die Regierung diese Ankündigung jedoch zurück und bemerkte, sie beabsichtige nicht, den Zugang zu Abtreibungen zu garantieren.

    "Die argentinische Regierung scheint allmählich zu verstehen, dass Gesetze zur reproduktiven Gesundheit keine Bedeutung haben, solange sie nicht angewendet werden", so Vivanco. "Solange es keine dauerhaften und eindeutigen Veränderungen gibt, werden weiterhin viele Frauen leiden und manche sogar sterben."

    Quelle: Pressemitteilung von Human Rights Watch vom 10. August 2010

    Pressemitteilung in englischer Sprache (english language) unter:

    http://www.zukunftsprojekte.net/2010/08/10/argentina-guarantee-womens-access-to-health-care/

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  • 10Aug

    Slack Implementation and Lack of Oversight Causes Suffering and Death
     

    Women need dependable care throughout their reproductive lives. But in Argentina, it's more like a lottery: you might be lucky enough to get decent care but you are more likely to be stuck with deficient - or even abusive - services.

    Jose Miguel Vivanco, Americas director

    (Buenos Aires) – Thousands of women and girls in Argentina suffer needlessly every year because of negligent or abusive reproductive health care, Human Rights Watch said in a report released today.

    The 53-page report, "Illusions of Care: Lack of Accountability for Reproductive Rights in Argentina," documents the many obstacles women and girls face in getting the reproductive health care services to which they are entitled, such as contraception, voluntary sterilization procedures, and abortion after rape.  The most common barriers to care include long delays in providing services, unnecessary referrals to other clinics, demands for spousal permission contrary to law, financial barriers, and in some cases outright denial of care.

    "Women need dependable care throughout their reproductive lives," said Jose Miguel Vivanco, Americas director at Human Rights Watch. "But in Argentina, it's more like a lottery: you might be lucky enough to get decent care but you are more likely to be stuck with deficient – or even abusive – services."

    As a direct result of these barriers, women and girls in Argentina often cannot make independent decisions about their health, and many face unwanted or unhealthy pregnancies as a result.  Forty percent of pregnancies in Argentina end in abortions, which are often unsafe.  Unsafe abortion has been the leading cause of maternal mortality in the country for decades.

    The report identifies a lack of oversight and accountability for carrying out existing laws and policies as the main problems in the persistent denial of proper care.  Doctors and other medical personnel who deny women services to which they are entitled, or who apply arbitrary conditions for receiving the services, rarely – if ever – are investigated or penalized.

    "Argentina's reproductive health policies are certainly not perfect, but if they were implemented they would prevent quite a lot of the suffering I saw in researching for this report," Vivanco said. "The government needs to put a lot more effort into monitoring how these policies are carried out and punishing abuse."

    Human Rights Watch's report also criticizes Argentina's reproductive health policies for ignoring key constituencies such as women and girls with disabilities.  With its recent ratification of the Convention on the Rights of Persons with Disabilities, Argentina has taken on specific international obligations in this area that are not being met,  Human Rights Watch said.

    "Women and girls with disabilities face all the same barriers as women without disabilities, and then some," Vivanco said. "Apart from straight-up access issues ­- are there ramps at clinics, or is information translated into Braille or sign language, for example ­- there is a larger question of prejudice.  Some doctors just don't think women with visual or hearing disabilities, have sexual relationships or can remember to take their contraception."

    The Argentine government has recently taken steps to remedy some of the issues highlighted in "Illusions of Care," though some of the policy changes were later retracted.  In May, the National Health Ministry created a free call-in number to answer questions about where to find reproductive health care services and register complaints.  In July, the ministry announced its intention to make sure that abortions are carried out for women and girls whose lives or health are threatened by their pregnancies, or who have been raped.  The day after the announcement, however, the government retracted its statements, noting that it did not intend to guarantee access after all.

    "The Argentine government seems to be slowly waking up to the notion that laws on reproductive health mean nothing unless they are enforced," Vivanco said. "But unless changes are constant and clear, women and girls will continue to suffer and, in some cases, die."

    Press Release from Human Rights Watch – August 10, 2010

    Pressemitteilung in deutscher Sprache (german language) unter:

    http://www.zukunftsprojekte.net/2010/08/10/argentinien-frauen-zugang-zu-gesundheitsversorgung-garantieren/

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