Milzbrand (Anthrax) bei Drogenkonsumenten in Deutschland! Stand: 31. März 2010)
Nachdem im Dezember 2009 ein Heroinkonsument in Aachen an Milzbrand (Anthrax) verstarb, wurde die Infektion nun bei einem weiteren Heroinkonsumenten in Aachen nachgewiesen.
In Großbritannien erkrankten seit Dezember 2009 bereits 33 Heroinkonsumenten, von denen 11 starben.
Als gemeinsame Quelle für die Infektionen in Deutschland und Großbritannien wird mit Milzbrand-Bakterien verunreinigtes Heroin vermutet. Möglicherweise wurde das Heroin bei der Herstellung oder beim Transport in einem der Herkunftsländer, in denen Milzbrand als Erkrankung bei Vieh vorkommt, mit Milzbrandsporen verunreinigt (z.B. durch "Strecken" des Stoffes mit Knochenmehl, Trocknen von Substanzen auf verunreinigtem Erdreich oder Transport in Taschen aus Tiermaterial).
Das jetzige Auftreten eines weiteren Falles bei einem Heroinkonsumenten in derselben Region in Deutschland legt nahe, dass kontaminiertes Heroin weiter im Umlauf ist. Es ist nicht auszuschließen, dass es auch in anderen Bundesländern vertrieben worden sein könnte.
- Wichtig: Man sieht es dem Stoff nicht an, ob er mit Milzbrandsporen verseucht ist.
- Deshalb: Sollten Sie Heroin konsumiert haben und spezifische Krankheitssymptome (siehe unten) entwickeln, wenden Sie sich bitte SOFORT an einen Arzt! Machen Sie den Arzt auf die Möglichkeit einer Milzbrand-Infektion (Haut, Lunge, Darm) aufmerksam!
- Die neu aufgetretene Milzbrand-Gefahr erhöht die gesundheitlichen Risiken des Drogenkomsums zusätzlich: Bitte beenden Sie Ihren Drogenkonsum!
Mitarbeiter/innen von Kontaktläden, Drogenkonsumräumen, Drogenberatungsstellen, Suchtmediziner und Entzugs-/Rehabilitationskliniken helfen Ihnen dabei.
- Falls Sie in ärztlicher Substitutionsbehandlung sind und zusätzlich Heroin konsumieren, versuchen Sie, wenigstens in der nächsten Zeit, den Beigebrauch zu stoppen bzw. zu reduzieren.
Was ist Milzbrand?
Milzbrand ist eine in Deutschland sehr seltene, bakterielle, Infektionskrankheit, die unbehandelt oft zum Tode führt. Darüber hinaus ist das Krankheitsbild bei Ärzten wenig bekannt, so dass eventuell nicht immer frühzeitig daran gedacht wird. Milzbrand kann behandelt werden. Die Behandlung sollte frühzeitig begonnen werden. Einen Impfstoff gibt es nicht.
Symptome von Milzbrand:
Nach Spritzen verunreinigten Stoffes droht Hautmilzbrand (häufigste Form) oder aber auch eine Hirnhautentzündung, die sich durch starke Kopfschmerzen äußert.
Hautmilzbrand: An der Injektionsstelle bildet sich eine Schwellung, Rötung und Hautverhärtung. Diese ist typischerweise kaum schmerzhaft. Ein Abszess (eine Eiteransammlung) oder Blasen können sich bilden, dann "trocknet" der Bereich ein, und bildet eine dunkle, fast schwarze Stelle (daher der Name "Anthrax"). Es folgt eine Schwellung der gesamten Region (z. B. des Arms), daraufhin ein sehr schweres Krankheitsbild, das rasch zum Tod führen kann.
Nach Rauchen/Schnupfen verunreinigten Stoffes droht Lungen- oder Darmmilzbrand.
Lungenmilzbrand: Es kommt zu einer grippeartigen Erkrankung (Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Husten mit blutigem Auswurf, Atemnot) und innerhalb der nächsten Tage zu einem schweren, fast immer tödlichen Krankheitsbild.
Darmmilzbrand: Bauchschmerzen, Blähungen, blutiger Durchfall, schwerstes Krankheitsbild mit möglicher Todesfolge.
Übertragungswege:
Man kann sich mit Milzbrand infizieren, wenn man verunreinigten Stoff (z.B. Heroin)
- in die Vene oder die Haut/den Muskel spritzt
- inhaliert (z. B. raucht und schnupft),
- angefasst hat, und von den Sporen etwas in den Mund gelangt.
Es gibt praktisch keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Für die Allgemein-bevölkerung besteht kein Infektionsrisiko.
Weitere Informationsmöglichkeiten:
Internetseite des Robert Koch-Institutes: www.rki.de
Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:
22. Februar 2010 - Milzbrand-Todesfall bei einem Heroinkonsumenten in Nordrhein-Westfalen
08. Februar 2010 - Anthrax-Warnung für Heroinkonsumenten in London
15. Januar 2010 - Milzbrand-Todesfall bei einem i.v. Drogenkonsumenten in Nordrhein-Westfalen


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