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  • 03Sep

    Gießener Virologen koordinieren deutsch-afrikanische Studie zu okkulten Hepatitis-B-Virus-Infektionen in Afrika – Verbesserung des Impfstoffes als Ziel – Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt rund 700.000 Euro

     

    In Zusammenarbeit mit Ärzten aus Südafrika und dem Sudan erforschen Virologen der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) um Privatdozent Dr. Dieter Glebe und Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfram Gerlich (Institut für Medizinische Virologie) eine heimtückische Form der Hepatitis B. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das deutsch-afrikanische Projekt mit rund 700.000 Euro im Rahmen ihrer Afrika-Initiative.

    Infektionen mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) werden bei Kleinkindern und geschwächten Personen häufig chronisch und können langfristig zu Leberzirrhose, Leberversagen oder bösartigen Tumoren der Leber führen. Über ein Drittel der Weltbevölkerung hat bereits Kontakt mit HBV gehabt. 370 Millionen Menschen sind chronisch mit diesem tückischen Virus infiziert, eine Million Menschen sterben jährlich an den Spätfolgen. Chronische HBV-Infektionen entstehen bei gesunden Erwachsenen nur selten, bei über 90 Prozent der Infektionen kann ein gesundes Immunsystem die akute Infektion kontrollieren, es kommt zur Ausheilung. Jedoch wurde in jüngster Zeit deutlich, dass die immunologische Abwehr des Körpers oft nicht vollständig ist. Mit diesem Phänomen beschäftigen sich die Gießener Wissenschaftler: Sie untersuchen die sogenannte okkulte Hepatitis B, bei der sich das Virus auch nach der scheinbaren Ausheilung meist unerkannt – also okkult – über Jahre in der Leber der Patienten vermehrt. Das Immunsystem kontrolliert dabei die Vermehrung des HBV auf niedrigem Niveau und damit einen erneuten Ausbruch der Erkrankung.

    Zum Problem für den Patienten kann eine okkulte HBV-Infektion dann werden, wenn das Immunsystem teilweise oder völlig zum Erliegen kommt – beispielsweise während einer Chemotherapie oder bei einer Infektion mit dem humanen Immundefizienz-Virus (HIV). Der vorübergehende Totalausfall der immunologischen Kontrolle erlaubt dem Hepatitis-B-Virus eine ungehemmte Vermehrung in der Leber – die Infektion wird reaktiviert. Diese Reaktivierung führt in vielen Fällen zur Entstehung von Virusmutanten, die zu schweren Komplikationen bis hin zum Leberversagen führen können. Hier schützt selbst eine erfolgreiche HBV-Impfung vermutlich nicht.

    Die Gießener Virologen konnten bereits zeigen, dass durch die Immunselektion auch während der okkulten Phase oft Virusmutanten entstehen. In dieser Phase sind diese Mutanten wegen ihrer geringen Menge ungefährlich. Nach Reaktivierung können sie jedoch schwere, mitunter tödlich verlaufende Infektionen hervorrufen. Wegen der hohen Viruskonzentration im Blut und in Körpersekreten während der Infektion sind die Viren zudem leicht auf andere Menschen übertragbar, beispielsweise durch Intimkontakte.

    Ziel der deutsch-afrikanischen Studie ist es, das Gefährdungspotential durch HBV-Mutanten nach okkulter und reaktivierter Hepatitis B zu untersuchen. Während Fälle von HBV-Reaktivierung infolge einer Immunsuppression in Europa und Nordamerika überwiegend Therapie-bedingt sind, wird eine Immunschwäche in afrikanischen Ländern meist durch HIV-Infektionen verursacht. Fatalerweise sind in Afrika je nach Region etwa 15 bis 90 Prozent aller HIV-Infizierten gleichzeitig mit HBV infiziert, und viele dieser Patienten haben eine okkulte Form der Hepatitis B. Im Rahmen der Studie sollen die bei afrikanischen HIV-koinfizierten Patienten isolierten Virusstämme am Institut für Medizinische Virologie der JLU (Leiter: Prof. Dr. John Ziebuhr) molekular- und zellbiologisch charakterisiert werden, um so Rückschlüsse auf das Auftreten von impfungsresistenten Mutanten zu erhalten. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollten gezielte Verbesserungen des derzeitig verfügbaren HBV-Impfstoffs ermöglichen, der möglicherweise ein zu schmales Schutzspektrum aufweist.

    PD Dr. Glebe und Prof. Gerlich von der JLU koordinieren die dreijährige Studie. Auf südafrikanischer Seite wird sie geleitet von der Virologin Prof. Dr. Anna Kramvis (University of Witwatersrand, Johannesburg). Der Hepatologe Prof. Dr. Hatim Mudawi vom Institut für Innere Medizin der Universität Khartum in Sudan leitet den sudanesischen Teil.

    Dieses Projekt ist eines von 25 Projekten der Afrika-Initiative der DFG mit dem Ziel, die wissenschaftliche Kooperation afrikanischer und deutscher Wissenschaftler im Bereich der Infektionsforschung, insbesondere zu vernachlässigten Krankheiten, zu vertiefen. Ein Hauptanliegen ist, die wissenschaftliche Infrastruktur und Forschungskapazitäten in den afrikanischen Partnerländern nachhaltig zu stärken.

    Quelle: Pressemitteilung der Justus-Liebig-Universität Giessen vom 30. August 2010

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  • 11Aug

    Das Bundesministerium für Gesundheit hat im Informationsblatt Nr. PIntA-01 vom 04. August 2010 Hinweise gegeben, wie man sich vor gefälschten Arzneimitteln schützt. Dieses Informationsblatt möchte ich Euch an dieser Stelle veröffentlichen:

    Was sind Arzneimittelfälschungen?
     

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet solche Arzneimittel als gefälscht, die hinsichtlich ihrer Identität (z. B. Art und Menge der Wirkstoffe) und/oder Herkunft (z. B. Hersteller, Vertreiber) vorsätzlich und in betrügerischer Absicht falsch gekennzeichnet sind. Die Spanne der Fälschungen reicht dabei von Totalfälschungen bis hin zu Arzneimitteln, deren Verfallsdatum absichtlich verlängert und damit manipuliert wurde. Arzneimittelfälschungen können

    • den richtigen Wirkstoff aber in falscher Dosierung (zu gering oder zu hocj) enthalten,
    • keinen oder einen anderen Wirkstoff als den angegebenen enthalten,
    • mit gefälschten Blistern, Beipackzetteln und/oder Umkartons angeboten werden.

    Den Fälschern von Arzneimitteln kommt es nicht darauf an, ein Arzneimittel in gleicher Qualität wie das Original herzustellen. Sie stellen lediglich ein Produkt her, was äußerlich mit dem Original verwechselt werden kann. Fälschungen haben, selbst wenn sie den richtigen Wirkstoff enthalten, meistens eine mindere Qualität, verursacht durch falsche oder fehlerhafte Herstellungsprozesse oder falsche Lagerung. Einen derartigen Mangel sieht man dem Arzneimittel nicht an. Also Vorsicht: selbst wenn die Verpackung und die Tabletten genau so aussehen wie das Original, ist dies noch lange kein Beweis dafür, dass es tatsächlich ein Original ist. Arzneimittelfälscher sind fast immer Profis. Sie sind in der Lage, ein Arzneimittel so herzustellen, dass der Laie und oftmals sogar der Experte auf den ersten Blick das Original nicht von der Fälschung unterscheiden kann. Schließlich beruht ja hierauf das "Geschäftsmodell"!

    Wo werden Arzneimittel angeboten, die letztlich oft gefälschte Arzneimittel sind?
     

    In Deutschland sind Arzneimittelfälschungen in der legalen Verteilerkette (Apotheke, Großhandel, …) glücklicherweise ein sehr seltenes Ereignis. Nach Auskunft des Bundeskriminalamtes (BKA) vom Mai und Juli 2009 sind in Deutschland seit 1996 insgesamt 40 Fälle von Arzneimittelfälschungen mit Bezug zur legalen Verteilerkette bekannt geworden. Bei uns scheint die Hauptquelle für Arzneimittelfälschungen das Internet zu sein.

    Ohne Frage: Es gibt seriöse Internet-Apotheken. Leider finden sich im Internet aber auch kriminelle Anbieter, die nur darauf aus sind, ihre gefälschten Arzneimittel zu verkaufen. Viele dieser Anbieter nutzen daben den sog. "Schamfaktor". Damit ist gemeint, dass viele Patienten sich schämen, ihren Hausarzt zu bitten, ein Rezept für ein Potenzmittel oder ein Schlankheitsmittel auszustellen. Genau dies nutzen die kriminellen Anbieter skrupellos aus. Diese verkaufen verschreibungspflichtige Arzneimittel auch ohne Vorlage eines Rezeptes. Und es ist ihnen auch ganz egal, ob der Patient diese Arzneimittel verträgt oder Grunderkrankungen hat, die eine Einnahme verbieten. Sie wollen ausschließlich mit möglichst viel Gewinn verkaufen.

    Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind über 50 % der durch das Internet über illegale Seiten verkauften Arzneimittel gefälscht.

    Wann sollten Sie misstrauisch werden?
     

    Sie sollten bei einem Arzneimittelkauf außerhalb der Apotheke immer dann misstrauisch werden,

    • wenn Sie von dubiosen Firmen, beispielsweise über das Internet, verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Vorlage eines Rezeptes angeboten bekommen,
    • wenn Ihnen Arzneimittel durch Bekannte angeboten werden, die diese aus dem Ausland mitgebracht haben.

    Welche Gesundheitsrisiken bestehen, wenn Sie ein gefälschtes Arzneimittel einnehmen?

    Bestenfalls bekommt der Patient ein Produkt, das ohne Wirkstoffe ist und von daher nur dem Geldbeutel des Bestellers schadet. Schlimmstenfalls wird der Tod des Patienten für den Profit des Fälschers in Kauf genommen.

    Was sollten Sie tun, um Ihre Gesundheit zu schützen?
     

    • Beziehen Sie Arzneimittel nur aus Quellen, denen Sie vertrauen können. Dazu gehört in erster Linie der Bezug von Arzneimitteln direkt aus Ihrer Apotheke vor Ort.
    • Sollten Sie Ihre Arzneimittel über das Internet bestellen wollen, achten Sie darauf, dass Sie dies aus einer vertrauenswürdigen Versandapotheke tun. Im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit hat das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) ein Versandapothekenregister und ein damit verknüpftes Sicherheitslogo erstellt. In diesem Register werden Apotheken erfasst, die über eine behördliche Erlaubnis zum Versand von Arzneimitteln für Deutschland verfügen und ihr Einverständnis zum Eintrag in das Versandapothekenregister gegeben haben. Näheres finden Sie unter www.dimdi.de – Arzneimittel – Versandapothekenregister
    • Kaufen Sie niemals bei Internet-Versendern, die mit SPAM werben.
    • Nehmen Sie auf Auslandsreisen Ihre regelmäßig benötigten Arzneimittel in ausreichender Menge mit, so dass Sie nicht darauf angewiesen sind, diese im Ausland zu erwerben.

    Denken Sie daran:

    Die Apotheken vor Ort und die behördlich anerkannten Versandapotheken sind sichere Bezugsquellen für Arzneimittel.

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:

    11. August 2010 – Arzneimittelfälschungen – ein globales Problem

    05. Mai 2010 – Neue Pharma-Gesetzgebung soll Medikamentenfälschern Riegel vorschieben

    22. Januar 2010 – Gefälschte Medikamente entlarven – Forscher der Ruhr-Universität Bochum entwickeln neue Terahertz-Technologie

    08. Dezember 2009 – Der beste Schutz vor Fälschungen: Medikamente aus sicherer Quelle

    25. November 2009 – Boehringer Ingelheim ruft zwei Chargen seines HIV-Medikaments Viramune (Nevirapin) zurück

    02. September 2009 – Arzneimittelfälschung in Apotheken aufgetaucht – HIV-Medikament Combivir

    31. August 2009 – Medikamentenrückruf: Verdacht auf Arzneimittelfälschung bei Combivir®

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  • 11Aug

    Das Bundesministerium für Gesundheit hat in seinem Informationsblatt Nr. PIntA-02 vom 04. August 2010 wie folgt Stellung zu Arzneimittelfälschungen genommen:

    In Deutschland sind Arzneimittelfälschungen in der legalen Verteilerkette (Apotheke, Großhandel, …) glücklicherweise ein sehr seltenes Ereignis. Nach Auskunft des Bundeskriminalamtes (BKA) vom Mai und Juli 2009 sind in Deutschland seit 1996 insgesamt 40 Fälle von Arzneimittelfälschungen mit Bezug zur legalen Verteilerkette bekannt geworden.

    Nach einer aktuellen Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist das Problem der Arzneimittelfälschungen jedoch global betrachtet dort am größten, wo regulatorische und strafrechtliche Regelungen in Bezug auf Arzneimittel am schwächsten sind. In den meisten Industrienationen mit einem effektiven System zur Kontrolle des Arzneimittelverkehrs wie beispielsweise in Australien, Kanada, in überwiegenden Teilen der EU und den USA ist die Häufigkeit des Auftretens gefälschter Arzneimittel sehr gering und beläuft sich auf weniger als 1 % des Arzneimittelvolumens des jeweiligen Landes. In vielen afrikanischen Ländern und in Teilen von Asien, Lateinamerika und Übergangsländern ist ein sehr viel höherer Prozentsatz der zum Verkauf angebotenen Arzneimittel gefälscht.

    Die von der internationalen kriminalpolizeilichen Organisation INTERPOL zusammen mit der WHO und der International Medical Products Anti-Counterfeiting Taskforce (IMPACT) gestarteten Operationen, bei der Arzneimittelüberwachungsbehörden, Polizei und Zoll intensiv zusammenarbeiten, führten die Fahnder u. a. zu gefälschten Antibiotika, Anti-Malariamitteln, Arzneimitteln zur Geburtenkontrolle und Tetanus-Impfstoffen.

    Frage des Admins: Was ist mit HIV-Medikamenten?

    Schwerwiegend ist insbesondere die Tatsache, dass in Südostasien mittlerweile bereits jedes zweite Anti-Malaria-Arzneimittel gefälscht ist. Diese Malariamittel entstammen der legalen Verteilerkette. Hierdurch kam es bereits zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen in der Bevölkerung. Die falschen Tabletten enthielten entweder die Gesundheit gefährdende Inhaltsstoffe oder überhaupt keinen Wirkstoff. Wenn solche lebenswichtigen Arzneimittel nun gar keine oder für die Erkrankung unwirksame Inhaltsstoffe enthalten, kann dies in letzter Konsequenz dazu führen, dass Menschen daran sterben, weil sie annehmen, ihre Erkrankung mit einem wirksamen Mittel zu behandeln. Nach neuesten Erkenntnissen schwappt zudem die Welle gefälschter Malariamittel von Südostasien nach Afrika über.

    Mittlerweile haben einige kriminelle Organisationen ihre Aktivitäten weg vom Drogen- und Waffenschmuggel hin zu gefälschten Arzneimitteln vollzogen. INTERPOL hat alamierende Anzeichen dafür gefunden, dass das Fälschen von Arzneimitteln verbunden ist mit organisierter Kriminalität und Terrororganisationen )aus. United Nations Office on Drugs and Crime UNODC Transnational Trafficking and the Rule of Law in West Africa: A Threat Assessment, Juli 2009).

    Fazit
     

    Fälscher machen vor lebenswichtigen Arzneimitteln nicht mehr Halt. Zunehmend sind gefälschte Krebsmedikamente, Mittel gegen die HIV-Infektion und Arzneimittel gegen Fettstoffwechselstörungen in der legalen Verteilerkette im Umlauf. In den Entwicklungsländern sind vor allem Anti-Malaria-Arzneimittel ein Problem. Da es dort keine eingespielte Vertriebskette gibt und die staatlichen Überwachungssysteme schwach sind, ist der Markt für gefälschte Arzneimittel dort besonders groß. Anhaltende Erfolge zur Bekämpfung von Arzneimittelfälschungen können nur erzielt werden, wenn nationale Aktivitäten durch Maßnahmen auf europäischer und internationaler Ebene ergänzt werden. Das Bundesministerium für Gesundheit unterstützt daher aktuelle Aktivitäten der Europäischen Kommission, des Europarates und der WHO nachhaltig.

    Praxisbeispiel des Bundesministeriums für Gesundheit
     

    Im Folgenden stellen wir Ihnen ein eindrucksvolles Beispiel zur Aufklärung der Quelle gefälschter Malariamittel in Südostasien vor:

    Von 1999 bis 2006 untersuchte eine Arbeitsgruppe aus Medizinern, Polizisten und Chemikern unter der Federführung von INTERPOL und der Western Pacific World Health Organisation 391 Malariamittel mit dem Wirkstoff Artesunat auf ihre Echtheit. Die 391 Stichproben stammten dabei aus Vietnam, Kambodscha, Laos und Myanmar. 49,9 Prozent dayon stellten sich als gefälscht heraus.

    Die meisten der gefälschten Tabletten enthielten entweder gar keinen deklarierten Wirkstoff oder zu geringe Menge davon. Darüber hinaus wurden in den Tabletten statt des Antimalaria-Wirkstoffs Schmerzmittel und Antibiotika, in einigen sogar krebserregende Substanzen gefunden. Bei der genaueren Untersuchung der Verpackungen wurden insgesamt 16 gefälschte Hologramme identifiziert.

    Um die Quelle der Fälschungen ausfindig zu machen, analysierten die Ermittler die Tabletten auf verschiedene Art und Weise. Dabei fanden sie folgendes heraus:

    Anstelle von Maisstärke als Hilfsstoff enthielten einige Tabletten das Mineral Calcit. Die Ermittler konnten feststellen, dass dies aus einem Abbaugebiet in China nahe der Grenze zu Vietnam stammte. In einigen gefälschten Tabletten wurden Pollen vorgefunden, die Pekannuss- und Walnussbäumen aus dem Süden Chinas, nahe der Grenze zu Laos, Vietnam und Burma zugeordnet werden konnten. Die Tabletten mussten also in dieser Gegend hergestellt worden sein. Darüber hinaus wurden in einigen gefälschten Tabletten Insekten gefunden, wie sie sonst nur im Hausstaub vorkommen sowie Russpartikel aus Abgasen oder Bränden. Diese Verunreinigungen zeigten, dass die Tabletten nicht wie "echte" Medikamente in besonders gereinigten Räumen hergestellt wurden, sondern ohne besondere Hygienevorschriften und zudem in einer Gegend mit hoher Luftverschmutzung.

    Die Ermittler kamen aufgrund ihrer Analyseergebnisse zu dem Schluss, dass die gefälschten Arzneimittel vorwiegend aus dem Süden Chinas stammten und an benachbarte malariagefährdete Länder verteilt wurden. Die gesammelten Beweise wurden an das chinesische Ministerium für Öffentliche Sicherheit übergeben. Daraufhin wurden Untersuchungen veranlasst, die zur Verhaftung zweier chinesischer Händler aus den Provinzen Yunnan im Südwesten Chinas und der Provinz Guangdong im Südosten des Landes führten. Ersterer hatte offenbar von seinem Kontakt 240.000 Packungen gefälschtes Artesunat gekauft. 160.000 der gefälschten Arzneimittel wurden dann an Mittelsmänner an der Grenze zu Burma weiterverkauft. Die Fälschungen stammten offenbar alle aus einer Fabrik in der Provinz Guangdong.

    (Quelle des Praxisbeispiels: Newton et al., PLoS Medicine 2008, A Collaborative Epidemiological Investigation into the Criminal Fake Artesunate Trade in South East Asia)

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:

    05. Mai 2010 – Neue Pharma-Gesetzgebung soll Medikamentenfälschern Riegel vorschieben

    22. Januar 2010 – Gefälschte Medikamente entlarven – Forscher der Ruhr-Universität Bochum entwickeln neue Terahertz-Technologie

    08. Dezember 2009 – Der beste Schutz vor Fälschungen: Medikamente aus sicherer Quelle

    25. November 2009 – Boehringer Ingelheim ruft zwei Chargen seines HIV-Medikaments Viramune (Nevirapin) zurück

    02. September 2009 – Arzneimittelfälschung in Apotheken aufgetaucht – HIV-Medikament Combivir

    31. August 2009 – Medikamentenrückruf: Verdacht auf Arzneimittelfälschung bei Combivir®

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  • 29Jul

    Neuer Therapie-Ansatz stoppt unkontrollierte Zellteilung

     

    Hannover (db) - Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebsart in Deutschland: 39.000 Männer und 34.000 Frauen erkranken jedes Jahr neu daran. Die Heilungschancen liegen im Durchschnitt bei 60 Prozent. Nun gibt es einen neuen, viel versprechenden Therapie-Ansatz: Forscher von der Medizinischen Hochschule Hannover haben eine Substanz aus Bakterien identifiziert, die Darmtumoren bekämpft. Derzeit läuft das Zulassungsverfahren, um den Wirkstoff in Zukunft als Medikament einsetzen zu können. Im Rahmen ihres Max-Eder-Nachwuchsgruppenprogramms hat die Deutsche Krebshilfe dieses Projekt mit insgesamt rund 660.000 Euro unterstützt.

    Die Suche nach neuen Wirkstoffen gegen Krebserkrankungen ist ein wichtiges Ziel der aktuellen Krebsforschung. Um eine gezielte Therapie gegen Darmkrebs zu finden, hat das Team um Professor Dr. Nisar Malek rund 200 Naturstoffe und mehrere Tausend synthetische Substanzen getestet. Malek leitet eine Arbeitsgruppe am Institut für Molekularbiologie und der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover. Im Experiment fiel Argyrin, ein Protein aus so genannten Myxobakterien, besonders auf. "Myxobakterien haben sich bereits als wahre Fundgrube für mögliche Medikamente gezeigt, beispielsweise gegen Brustkrebs", betont Malek. "Von Argyrin war jedoch bisher nur bekannt, dass es das Immunsystem hemmt." Nach den neuen Erkenntnissen der Forscher kann dieser Wirkstoff aber auch in der Krebstherapie eingesetzt werden: Er stoppt das Tumorwachstum und löst das Signal zum freiwilligen Selbstmord der Krebszellen aus.

    Argyrin greift in den fein abgestimmten Mechanismus der Zellteilung ein, der durch das Protein p27 gesteuert wird. p27 ist in allen gesunden Zellen vorhanden und wirkt als Zellteilungsbremse. In vielen Tumorzellen ist dies anders: Die bösartig veränderte Zelle bekommt das Signal, p27 abzubauen. Damit ist die Bremse gelöst und die Zelle teilt sich unaufhörlich. "Die Überlebensraten von Krebs-Patienten sind besonders schlecht, wenn in ihren Krebszellen wenig oder kein p27 vorzufinden ist", sagt Malek. Der Wissenschaftler hat diesen Zusammenhang bei Patienten mit Dickdarm-, Eierstock-, Prostata-, Blasen- und Speiseröhrenkrebs beobachtet. "Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass der Abbau von p27 insbesondere beim Entstehen von Darmkrebs sehr bedeutend ist", fasst Malek zusammen.  "Im Vergleich zur standardmäßig eingesetzten Chemotherapie hat Argyrin deutlich geringere Nebenwirkungen", so Malek. "Es löst beispielsweise keine Durchfälle aus." Ein weiterer Vorteil ist, dass Argyrin gezielt die Blutgefäße angreift, die einen Tumor versorgen. Diese Wirkung ist neu: Bisher gibt es nur Medikamente, die verhindern, dass neue Blutgefäße im Tumor gebildet werden. Die Ergebnisse werden Krebs-Patienten schon bald zu Gute kommen, denn Argyrin wurde kürzlich zum Patent angemeldet. Derzeit läuft das Zulassungsverfahren für den therapeutischen Einsatz.

    Die Forschungstätigkeit erfolgte in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Markus Kalesse von der Leibniz Universität Hannover und Dr. Ronald Frank vom Helmholtz Zentrum für Infektionskrankheiten in Braunschweig. Mit insgesamt 664.000 Euro hat die Deutsche Krebshilfe dieses Projekt über fünf Jahre unterstützt. Im Rahmen des Max-Eder-Nachwuchsgruppenprogramms fördert die gemeinnützige Organisation junge, exzellente Nachwuchswissenschaftler, die nach einem Auslandaufenthalt als Postdoktorand wieder nach Deutschland zurückkehren und eine eigene Arbeitsgruppe gründen möchten. Das Programm ist benannt nach Professor Dr. Max Eder. Der ehemalige Direktor des Pathologischen Instituts der Ludwig-Maximilians-Universität in München war lange Jahre Vorsitzender des Medizinischen und des Wissenschaftlichen Beirates der Deutschen Krebshilfe.

    Darmkrebs

     

    Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebsart in Deutschland. Jedes Jahr erkranken 73.000 Menschen neu daran. Rund 28.000 Betroffene sterben jährlich an einem bösartigen Tumor des Darms. Die wichtigste Waffe gegen Darmkrebs ist die Früherkennung. Denn früh genug erkannt, ist der Tumor fast immer heilbar. In fortgeschrittenen Erkrankungsstadien sinken die Heilungschancen jedoch deutlich ab. Die Deutsche Krebshilfe bietet allgemeinverständliche Informationsmaterialien zum Thema Darmkrebs an. Die Ratgeber, Präventionsfaltblätter und Plakate sowie ein Patienten-Informationsfilm auf DVD können kostenlos bestellt werden bei: Deutsche Krebshilfe, Postfach 1467, 53004 Bonn, oder im Internet unter www.krebshilfe.de heruntergeladen werden.

    Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Krebshilfe e. V. vom 28. Juli 2010

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  • 29Jul

    Zum 1. August 2010 greifen mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Änderung krankenversicherungsrechtlicher und anderer Vorschriften (GKVÄndG) erste konkrete Maßnahmen der christlich-liberalen Koalition im Arzneimittelsektor. Der Herstellerabschlag für Arzneimittel ohne Festbetrag wird von 6 Prozent auf 16 Prozent angehoben sowie ein Preisstopp für Arzneimittel festgelegt, die von den Kassen bezahlt werden. Die Regelungen gelten für den Zeitraum vom 1. August 2010 bis 31. Dezember 2013. Damit wird die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) um rd. 1,15 Mrd. Euro pro Jahr entlastet. Dies ist notwendig, um die ausufernden Ausgaben im Arzneimittelbereich einzudämmen und die finanzielle Stabilität der GKV zu sichern.

    Dazu erklärt Dr. Philipp Rösler: "Diese bereits in diesem Jahr wirkenden Einsparmaßnahmen sind ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zu strukturellen Änderungen im Arzneimittelbereich. Wir reihen uns nicht in die gesundheitspolitische Tradition kurzfristiger Kostendämpfungspolitik ein, sondern werden mittelfristig eine stabile Marktordnung schaffen, in der die Beteiligten flexibel agieren und gestalten können. Im Gegenzug müssen aber auch alle Beteiligten ihren Beitrag für eine bessere und effizientere Arzneimittelversorgung leisten: die Hersteller, der Großhandel, die Apotheken und die Krankenkassen.

    Die Weichen für eine umfassende Neuordnung des deutschen Arzneimittelmarktes haben wir bereits gestellt. Der Deutsche Bundestag berät derzeit den Gesetzentwurf zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes. Damit werden weitere strukturelle Veränderungen im Arzneimittelbereich greifen. Hin zu einer Preisbildung über Verhandlungen und eine Nutzenbewertung, ohne dass der Zugang zu innovativen Arzneimitteln beschränkt wird."

    Die Veröffentlichung des Gesetzes zur Änderung krankenversicherungspflichtiger und anderer Vorschriften könnt Ihr im Bundesgesetzblatt unter dem folgenden Link einsehen:

    Bundesgesetzblatt: Gesetz zur Änderung krankenversicherungspflichtiger und anderer Vorschriften 

    Quelle: Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit vom 29. Juli 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:

    21. Juni 2010 –  Rede des Bundesministers für Gesundheit, Dr. Philipp Rösler, zum Entwurf eines Gesetzes zur Änderung krankenversicherungsrechtlicher und anderer Vorschriften vor dem Deutschen Bundestag am 18. Juni in Berlin

    18. Juni 2010 –  Bundestag beschließt den Entwurf eines Gesetzes zur Änderung krankenversicherungsrechtlicher und anderer Vorschriften

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  • 28Jul

    Kampala, 27 July 2010 - Investing in the health of women and children was the focus of the high-level Summit of the African Union held 25 – 27 July in Kampala, Uganda. The meeting, attended by more than 35 Heads of State and politicians, highlighted progress and challenges in advancing Millennium Development Goals (MDGs) 4 and 5, which call for reducing child mortality and improving maternal health.

    With only 11% of the world's population, Africa accounts for more than half of all maternal and child deaths. Despite advancements in global health, the African continent has the world's highest maternal mortality ratio and infant mortality rate. Progress towards MDGs 4 and 5 has been slow at best, hindered in many countries by a lack of financial resources for health and programme management.

    "I strongly believe that a new movement is possible to prevent mothers from dying and babies from becoming infected by HIV," said President Wade of Senegal, who introduced an agenda item on mother-to-child transmission of HIV at the Summit. "Progress in maternal and child health in Africa – indeed progress in the health of our populations in general – are hugely dependent on progress in the AIDS response."

    According to a recent study published in The Lancet, progress in reducing maternal mortality has been slowed by the ongoing HIV epidemic. According to the study, there were an estimated 343 000 maternal deaths in 2008. An additional 60 000 lives could be saved each year if women received appropriate HIV diagnosis and treatment, researchers reported.

    UNAIDS Executive Director Michel Sidibé reminded meeting participants of the critical link between the AIDS response and maternal and child health. Globally, AIDS is the leading cause of death among women of reproductive age. In many countries on the African continent, AIDS is the leading cause of death among infants and young children. Each year, nearly 400 000 children in Africa are born with HIV.

    While in Kampala, Mr Sidibé reiterated his call for the virtual elimination of mother-to-child transmission of HIV as an achievable goal. He noted, however, that achieving an HIV-free generation – together with MDGs 4 and 5 – will depend heavily on strengthened health systems.

    "Mother-to-child transmission of HIV has been virtually eliminated in the global North. It is unacceptable that so many babies continue to be born with HIV in Africa," said Mr Sidibé. Countries such as Botswana have already reached universal access targets for the prevention of mother-to-child transmission of HIV. Many other countries are close behind.

    Mr Sidibé was joined at the Summit by Prof. Michel Kazatchkine, Executive Director of the Global Fund to Fight AIDS, Tuberculosis and Malaria, who urged African leaders to mobilize more resources for the AIDS response. "The Global Fund has so far invested more than USD 11 billion in Africa helping countries to reduce maternal and child mortality through targeted interventions addressing AIDS, TB and malaria which are still major killers of African women and children. This support should increase further to meet even better the needs of countries," said Prof. Kazatchkine.

    The lives of mothers and their babies can be saved through a combination of HIV testing and counselling, access to effective antiretroviral prophylaxis and treatment, safer delivery practices, family planning or the safe use of breast-milk substitute. The recent announcement at the XVIII International AIDS Conference that a vaginal gel containing the antiretroviral drug tenofovir had been successfully tested opens a potential new avenue for HIV prevention among women.

    Press Release from The Global Fund and UNAIDS – 27 July 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:

    20. Juli 2010 – WHO announces new approaches to HIV prevention and treatment among children

    16. Juli 2010 – Welt-AIDS-Konferenz 2010 in Wien: Stärkung von Frauenrechten ist Voraussetzung für erfolgreiche HIV-Prävention

    14. Juni 2010 – UNAIDS launches "red card" campaign against HIV

    04. Juni 2010 – WHO: HIV Programme highlights significant achievements towards universal access

    19. Mai 2010 – Join the Global Fund’s Born HIV Free Campaign

    25. April 2010 – UNAIDS welcomes new data showing fewer women dying each year from pregnancy and childbirth

    19. März 2010 – Elimination of HIV Transmission from mother to child by 2015 within reach

    18. März 2010 – UNAIDS welcomes appointment of new UNICEF Executive Director

    13. März 2010 – HIV/AIDS Epidemics in Eastern Europe under the Spotlight at Vienna AIDS Conference

    21. Februar 2010 – Countries urged to review progress made in achieving national AIDS targets

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  • 24Jul

    Auf der AIDS 2010 präsentierte überzeugende wissenschaftliche Erkenntnisse sind viel versprechend und unterstreichen Notwendigkeit, den Kurs beizubehalten

    HIV-Epidemie am Scheideweg: Angesichts einer möglicherweise stagnierenden Finanzierung für die Programmausweitung verleiht der wissenschaftliche Fortschritt den Delegierten neuen Auftrieb

    23. Juli 2010 – Wien – Österreich. Zum heutigen Abschluss der alle zwei Jahre stattfindenden globalen Konferenz der Aids-Community liegen eindeutige Fakten über deutliche Fortschritte in der HIV-Forschung und -Programmsausweitung auf dem Tisch. Gleichzeitig besteht dringender Bedarf an mehr Ressourcen, einer breiteren Anwendung wissenschaftlich erwiesener Präventionsstrategien und an einem Schutz der Menschenrechte. Delegierte und Organisatoren verlassen Wien, wo die Konferenz am 18. Juli unter dem Motto "Rechte hier und jetzt" eröffnet wurde, mit der erneut bekräftigten Verpflichtung, auf einer Sicherstellung des universellen Zugangs zu HIV-Prävention, -Behandlung, -Pflege und -Unterstützung zu bestehen.

    "Weltweit sprechen Regierungen von einer Ressourcenkrise, doch entspricht dies einfach nicht der Wahrheit: Die Herausforderung besteht nicht darin, Geldmittel aufzutreiben, sondern andere Prioritäten zu setzen. Wenn sich die Wall Street in einer Notsituation befindet oder wir eine Energiekrise erleben, werden Milliarden von Dollar rasch mobilisiert. Die Gesundheit der Menschen bedarf einer ähnlichen finanziellen Reaktion und einer wesentlich höheren Priorität", sagte AIDS 2010-Vorsitzender Dr. Julio Montaner, Präsident der Internationalen Aids-Gesellschaft (IAS) und Direktor des BC Centre for Excellence in HIV/AIDS in Vancouver, Kanada. "Milliarden von Menschen stehen in unserem Bemühen um einen universellen Zugang solidarisch hinter uns. Wir müssen ihre Unterstützung hinter Michel Sidibés Revolution der Prävention und Treatment-2.0-Initiative und UNAIDS mobilisieren, um sicherzustellen, dass die Staatsoberhäupter der Welt nicht von ihrem Versprechen ablassen, das Ziel des universellen Zugangs zu erreichen."

    19.100 Teilnehmer aus 193 Ländern waren bei der AIDS 2010 vertreten. Eine Woche lang bot das Konferenzprogramm insgesamt 248 Sitzungen in den Bereichen Wissenschaft, Community und Führungswillen. Die Konferenz wurde von 770 Freiwilligen aus Wien und anderen Orten unterstützt.

    "Das Vermächtnis von Wien ist der Beweis dafür, dass wir Behandlung und Prävention mit einer entsprechenden Ausweitung all jenen ermöglichen können, die sie benötigen", sagte Dr. Brigitte Schmied, Vizepräsidenten der Konferenz und Präsidentin der Österreichischen AIDS Gesellschaft.

    "Trotz der beträchtlichen Hindernisse auf unserem Weg verlassen wir die Konferenz mit neuer Energie, die Dynamik beizubehalten."

    Die Wiener Erklärung

    Zum Konferenzende hatten über 12.500 Menschen die Wiener Erklärung, die offizielle Deklaration der XVIII. Internationalen Aids-Konferenz, unterschrieben. Am Donnerstag wurde die Erklärung von der georgischen First Lady I.E. Sandra Elisabeth Roelofs unterzeichnet. Sie verlieh damit dem Aufruf nach einer rationaleren und wissenschaftlich gestützten Drogenpolitik zugunsten einer verstärkten HIV-Prävention für Drogenkonsumenten ihre Stimme.

    Fazit der Konferenzthemen zum Abschluss

    In Zusammenfassungen von Berichterstattern für jeden der wissenschaftlichen Tracks und Programmbereiche wurden die von den Konferenzdelegierten im Laufe der Woche behandelten Schlüsslthemen beleuchtet. Diese Berichte spielen eine wichtige Rolle in der Auswertung der Konferenz und ihrer Auswirkungen.

    In der Schlusssitzung wurde eine Videoansprache des südafrikanischen Erzbischofs Desmond Tutu ausgestrahlt. Rachel Ong, Vorsitzende des Globalen Network of People Living with HIV, und Patricia Perez, Vorsitzende des internationalen Lenkungsausschusses der International Community of Women Living with HIV/AIDS, hielten ebenfalls eine kurze Rede. Dr. Montaner und der künftige Präsident der Internationalen Aids-Gesellschaft (IAS) Elly Katabira, Professor für Medizin an der Makerere University in Uganda, überreichten den ersten "IAS Presidential Award" an Jack Whitescarver von den U. S. National Institutes of Health, und Elly Katabira hielt eine Antrittsrede.

    Am Ende der Schlusssitzung wurde der "International AIDS Conference Globe" von Vertretern der lokalen AIDS 2010-Partner offiziell von Wien an Washingtin, DC, übergeben, wo im Juli 2012 die XIX. Internationale Aids-Konferenz stattfinden wird. Der Globus wurde für DC von der lokalen Vizepräsidentin der AIDS 2012 Dr. Diane Havlir und Vertretern der lokalen Partner der AIDS 2012 entgegengenommen.

    Am Vormittag des heutigen Tages präsentierten die Plenarredner zu den folgenden drei Themenbereichen ihre Vorträge.

    HIV und Haft: Gefängnisse und Anstalten

    Der erste der heutigen Plenarvorträge wurde von zwei Rednern präsentiert. Dmytro Shermebey (Ukraine) vom All-Ukranian Network of PLHA erzählte die beeindruckende Geschichte seines persönlichen Überlebenskampfes während neun Jahren Haft in einem ukrainischen Gefängnis, wo er sich mit HIV, Hepatitis und Tuberkulose infizierte. Er überlebte, weil er beweisen wollte, dass Gefängnisinsassen Menschen mit einem Recht auf Leben, Respekt, Verständnis, Hilfe und Schutz sind.

    UNO-Sonderberichterstatter für Folter Manfred Nowak wies auf den dringenden Bedarf nach einer umfassenden Reform des Strafrechts- und Gefängnissystems hin, um die Wahrung der Menschenrechte von Strafgefangenen und adäquate Maßnahmen gegen die HIV/Aids-Epidemie zu gewährleisten. Die Prävalenz von HIV/Aids in Gefängnissen und die Maßnahmen, die von den Behörden im Umgang damit ergriffen werden, beeinflussen - und verletzen oftmals – die Menschenrechtslage der Häftlinge.

    Gefängnisse weisen aus mehreren Gründen eine besonders hohe HIV-Prävalenz auf und begünstigen die Verbreitung der Epidemie. Die Übertragung von HIV ist weit gehend auf Risikoverhalten und fehlende staatliche Harm-Reduction-Maßnahmen zurückzuführen.

    Wissenschaftlich begründete Maßnahmen, wie freiwillige HIV-Tests und -Beratung, die Bereitstellung von Kondomen, Nadeln, Spritzen und Opioidsubstitutionstherapie (OST) wären wirksame Mittel, um die Verbreitung von HIV einzudämmen. Hinter den Gefängnismauern wird das Schicksal der Gefangenen jedoch weit gehend von der Gesellschaft vergessen. Allein die Tatsache, dass jährlich ungefähr 30 Millionen Strafgefangene inhaftiert und aus Gefängnissen entlassen werden, veranschaulicht, dass die Gesundheit der Häftlinge ein dringliches Anliegen des öffentlichen Gesundheitswesens darstellt.

    Pflege und Unterstützung: Wesentliche Elemente umfassender Pflege

    Elizabeth Gwyther (Südafrika) von der Hospice and Palliative Care Association of South Africa forderte die Integration von HIV-Behandlungs-, -Pflege- und -Unterstützungsprogrammen, sodass die Bedürfnisse von Menschen, die mit HIV leben, durch eine umfassende HIV-Versorgung erfüllt werden können. Gwyther beschrieb die Erfahrungen von Menschen, die mit HIV leben, ab dem Zeitpunkt, wo sie sich oftmals wegen einer opportunistischen Infektion an das Gesundheitswesen wenden. Sie hob die komplexen Maßnahmen und die kontinuierliche Pflege hervor, die für die Erhaltung ihrer Gesundheit und die Milderung der Auswirkungen der HIV-Infektion auf ihren sozialen und wirtschaftlichen Status erforderlich sind. Gwyther wies auch darauf hin, dass unterstützende und Palliativpflege nicht auf Hospizpflege beschränkt sein sollten, weil sie eine bedeutende Rolle bei der Förderung der Wiederherstellung der Gesundheit spielen.

    Sie wies auch auf Erfahrungen von Gemeindepflegekräften hin, die im Umgang mit HIV in der Gemeinde an vorderster Front tätig sind. Oftmals wären sie unterbewertet, so Gwyther, und würden nicht die Anerkennung erhalten, die sie verdienen. Zusätzlich zu politischen Maßnahmen für integrierte HIV-Pflege rief sie Regierungen und Geldgeber auf, ausreichende finanzielle Mittel bereitzustellen, um von der Community durchgeführte Maßnahmen gegen HIV/Aids zu unterstützen.

    Hepatitis C: Heilung und Kontrolle – jetzt

    Dr. David Thomas (USA) von der Johns Hopkins School of Medicine bezeichnete HIV/HCV-Koinfektion als ernsthaftes und häufiges Problem, das vor allem Menschen betrifft, die sich über Drogengebrauch mit HIV infiziert haben. Es führt zu einer Erkrankung der Leber, die man mit antiretroviraler Therapie nicht ausreichend in den Griff bekommen kann. HIV/HCV-koinfizierte Menschen weisen eine wesentlich höhere Sterblichkeitsrate auf als Menschen mit nur einer der beiden Infektionen. Mittlerweile gilt Leberversagen als die zweithäufigste Todesursache bei Menschen, die mit HIV leben und eine antiretrovirale Therapie erhalten.

    Obwohl man beim Umgang mit Hepatitis C vor großen Herausforderungen steht, ist eine HCV-Infektion heilbar, und es werden wesentliche Verbesserungen in der Behandlung im Laufe des Jahres erwartet. Dr. Thomas forderte eine Ausweitung der Hepatitis C-Testung, vor allem bei Menschen, die mit HIV leben, sowie neue Wege bei der Integration der HCV-Behandlung mit umfassenden gesundheitsbezogenen und das Wohlbefinden fördernden Dienstleistungen in Bezug auf HIV. Eine effektive Ausweitung geht allerdings mit größeren Herausforderungen einher, da ein HCV-Screening selten durchgeführt wird und es schwierig sein kann, Drogenkonsumenten zu einer herkömmlichen ärztlichen Betreuung zu bewegen.

    Quelle: Offizielle Pressemitteilung der Welt-Aids-Konferenz 2010 in Wien vom 23. Juli 2010

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  • 23Jul

    Mangelnder Zugang zu wissenschaftlich fundierter HIV-Prävention- und -Pflege ist grundlegende Menschenrechtsverletzung

    Delegierte, Redner und Organisatoren der AIDS 2010 fordern ein Ende der passiven Vernachlässigung und aktive Verweigerung, die den Zugang zu lebensrettenden Gesundheitsdienstleistungen, -informationen und -methoden verhindern und die HIV-Epidemie schüren

    22. Juli 2010 – Wien – Österreich. Der haarsträubende Mangel an Zugang zu wissenschaftlich erwiesenen Interventionsmöglichkeiten für die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen – einschließlich Sexarbeiter, Männer, die gleichgeschlechtliche Sexualkontakte haben, und Drogengebraucher – sowie die nachhinkende Ausweitung einfacher und kostengünstiger Behandlungsregime zur Vermeidung der vertikalen HIV-Übertragung spiegeln anhaltende, grundlegende Menschenrechtsverletzungen wider, die eine Bedrohung für künftige Fortschritte in Bezug auf Aids darstellen, so die Organisatoren der XVIII. Internationalen Aids-Konferenz, die diese Woche in Wien unter dem Motto "Rechte hier und jetzt" stattfindet.

    "Einer Frau die Mittel und Informationen zu verweigern, die sie für den Schutz und die Versorgung ihrer eigenen Gesundheit und der ihres Kindes benötigt, ist damit gleichbedeutend, ihnen den Wert ihrer Menschenleben abzusprechen", meinte Dr. Brigitte Schmied, Vizepräsidentin der Konferenz und Präsidentin der Österreichischen AIDS Gesellschaft. "Geschlechtsspezifische Ungleichheiten setzen Frauen einem größeren HIV-Risiko aus und bedeuten, dass keine ausreichenden Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, um nicht einmal die einfachsten und effektivsten Maßnahmen zu ergreifen", fügte sie hinzu. Weniger als die Hälfte der Schwangeren in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die einer Versorgung bedürfen, um eine vertikale Übertragung zu verhindern, haben auch Zugang dazu.

    Das Missverhältnis zwischen derzeit verfügbarem Wissen und Zugang zu HIV-Präventions- und -Behandlungsdienstleistungen für injizierende Drogengebraucher in Osteuropa und Zentralasien kristallisiert sich ebenfalls zu einem zentralen Thema der Konferenz heraus. Obwohl sich die Epidemie in dieser Region durch den intravenösen Drogengebrauch besonders schnell verbreitet, ist der Zugang zu wissenschaftlich bewährten Strategien, einschließlich Nadel- und Spritzenaustauschprogrammen und Opioidsubstitutionstherapie (OST) selten, und vielerorts, wie in der Russischen Förderation, sogar illegal.

    "In Osteuropa, nur einige Kilometer von Wien entfernt, treibt der Drogenkonsum die Aids-Epidemie weiter voran", sagte AIDS 2010-Vorsitzender Dr. Julio Montaner, Präsident der Internationalen Aids-Gesellschaft (IAS) und Direktor des BC Centre for Excellence in HIV/AIDS in Vancouver, Kanada. "Die Wiener Erklärung ruft die Welt dazu auf, jenseits von Angst und Vorurteil wissenschaftlich begründete Schritte zu unternehmen, um Menschenleben zu retten", so Dr. Montaner weiter.

    Gesetze, die injizierende Drogengebraucher, Männer, die gleichgeschlechtliche Sexualkontakte haben, und Sexarbeiter kriminalisieren, sind noch immer weit verbreitet, obwohl sowohl auf der Konferenz als auch anderswo präsentierte Fakten eindeutig belegen, dass solche Vorgangsweisen die Ziele der öffentlichen Gesundheit untergraben anstatt sie zu fördern.

    Solche Gesetze haben zusammen mit Stigmatisierung und Diskriminierung dazu geführt, dass der Zugang der Mitglieder dieser Communities sowohl zu Behandlungs- als auch zu Präventionsdienstleistungen stark eingeschränkt ist.

    Der kontinuierliche Appell der gesamten AIDS 2010-Konferenz, den Schutz der Menschenrechte zu einem zentralen Grundsatz der globalen Maßnahmen gegen Aids auszuweiten, wurde heute von den drei Plenarrednern deutlich hervorgehoben und weiter ausgeführt. Dazu gehörte auch die jährliche Jonathan Mann-Gedächtnisvorlesung.

    HIV-Kombinationsprävention: Von Debatten zur Umsetzung

    Dr. Carlos Cáceres (Peru) vom Institute of Studies in Health, Sexuality and Human Development präsentierte Beispiele von Kombinationstherapie-Initiativen, einschließlich Designaspekten, Impact-Zahlen zu den Auswirkungen (entweder auf Basis analysierter konkreter Daten oder aus Modellen abgeleiteter Hochrechnungen) und Kosten. Kombinationsprävention beinhaltet biomedizinische Maßnahmen, Verhaltens- und strukturelle Ansätze. Dieses Konzept besagt, dass eine einzelne Präventivmaßnahme weniger wiksam ist als eine Kombination von Maßnahmen, die mehrere Probleme auf verschiedenen Ebenen ansprechen.

    Laut Cáceres wird die Kombinationsprävention zunehmend als ein "vernünftiger" Weg hin zu einem universellen Zugang zu HIV-Prävention, -Behandlung, -Pflege und -Unterstützung erachtet. Die Kombinationsprävention entwickelt sich laut Cáceres zu einem vielseitigen Konzept, das umfassend, strategisch und auf wissenschaftliche Fakten gestützt ist und auf den Menschenrechten beruht. Durch diese zusätzlichen Vorzüge der Kombinationspräventions-Strategien ließe sich das Konzept zu einem Leitprinzip im Umgang mit HIV entwickeln.

    Vertikale Übertragung

    Dr. Elaine Abrams (USA) vom International Center for AIDS Care and Treatment Programs der Mailman School of Public Health der Columbia University forderte den Beginn einer neuen Ära in der Prävention der Mutter-Kind-Übertragung (PMTCT). Während in den letzten Jahren manche Länder bemerkenswerte Erfolge auf diesem Gebiet erzielen konnten, sind in den meisten am stärksten belasteten Ländern zahlreiche Kinder weiterhin dem Risiko einer HIV-Infektion ausgesetzt. Laut Dr. Abrams lässt sich der Umstand, dass in diesem Bereich keine nennenswerteren Fortschritte erreicht wurden, vornehmlich auf eine eingeschränkte Herangehensweise an PMTCT zurückführen, die sich auf HIV-Testung und vereinfachte antiretrovirale Prophylaxe-Regime konzentriert. Obwohl 2007 geschätzte 60.000 bis 70.000 Infektionen von Kindern dank PMTCT verhindert werden konnten, werden täglich noch immer 1.200 Kinder mit dem HI-Virus infiziert.

    Laut Dr. Abrams bedarf es einer Verlagerung von einem engen Fokus in der Prävention der Übertragung hin zu einem Ansatz, der die umfassenden und langfristigen Gesundheitsbedürfnisse von Frauen, Kindern und Familien berücksichtigt, um bis 2015 eine perinatale Übertragungsrate von unter 5 % zu erreichen. Zu den wichtigsten Fortschritten auf dem Weg zu diesem Ziel zählen eine rasche geografische Ausweitung von Präventions- und Behandlungsdienstleistungen, ein größeres Bewusstsein der Menschenrechte von PLHIV und innovative Strategien zur Vermeidung von Neuinfektionen von jungen Mädchen und Frauen.

    Keine Ausreden: Eine lebendige Erfahrung im Kampf um Rechte – Jonathan Mann-Gedächtnisvorlesung

    Meena Saraswathi Seshu (Indien) vom Sampada Grameen Mahila Sanstha (SANGRAM) präsentierte anhand von Fällen aus dem wirklichen Leben Beispiele von menschenrechtsbasierten Reaktionen auf die HIV-Epidemie. Die Fallgeschichten erzählten von Programmen in Westindien, die von Sexarbeitern, Männern, die gleichgeschlechtliche Sexualkontakte haben (MSM), Frauen, die unter ärmlichen Verhältnissen auf dem Land leben und Jugendlichen mitgestaltet wurden. Nur allzu oft nehmen Programme zwar für sich in Anspruch, in ihren Maßnahmen einem menschenrechtsbasierten Ansatz verpflichtet zu sein, doch spiegelt sich diese Verpflichtung in der Realität nicht wieder, meinte Seshu.

    Seshu berichtete weiter, dass sich die Sexarbeiter durch ihr Engagement in der Gestaltung der HIV-Aufklärung und Gesundheitsdienstleistungen von sozialen Parias zu führenden Akteuren im Umgang mit HIV entwickelten und den Respekt ihrer Gemeinde gewannen. Dank dieser Entwicklung erlangte die Community die Stärke, der über Generationen hindurch fest verwurzelten Diskriminierung und Übergriffen gegen Männder, die gleichgeschlechtliche Sexualkontakte haben, zu begegnen, soziale Normen umzustürzen, die den Zugang junger Menschen zu umfassender Sexualaufklärung erschwerten, und das verborgene Problem der Gewalt gegen Frauen in den Mittelpunkt des kollektiven Bewusstseins zu stellen. Diese Geschichten reflektierten zwar die indische Perspektive, so Seshu, doch würden die Herausforderungen, die mit Hilfe von menschenrechtsbasierter Sprache, Methoden und Strategien überwunden werden können, jenen in vielen anderen Teilen der Welt ähneln.

    Quelle: Offizielle Pressemitteilung der Welt-Aids-Konferenz 2010 in Wien vom 22. Juli 2010

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  • 22Jul

    AIDS 2010 verkündet weitere Innovationen im globalen Umgang mit AIDS

    Viel versprechende neue Wege in Forschung und Strategieentwicklung als treibende Kraft für Erweiterung des Zugangs zu HIV-Bekämpfung, die Verwendung antiretroviraler Medikamente zur Infektionsprävention und die kontinuierliche Suche nach möglicher Heilung

    21. Juli 2010 – Wien – Österreich. Die globale Aids-Community sei nicht bereit, den Status Quo zu akzeptieren, ließen die Organisatoren der XVIII. Internationalen Aids-Konferenz (AIDS 2010), die derzeit in Wien stattfindet, heute verlautbaren. Dies wirke als treibende Kraft, die eine neue Ära wissenschaftlicher Innovationen als Grundlage für neuartige HIV-Behandlungs- und -Präventionswege einläutet. Da Millionen von Menschenleben von einem erweiterten Zugang zu antiretroviraler Therapie für all jene, die sie klinisch benötigen, abhängen, entstehen neue Formen der Partnerschaft zwischen Forschern und Kliniken, um die effektivsten und effizientesten Methoden der Behandlung und Stärkung von Gesundheitssystemen zu finden. Ein in der heutigen Plenarsitzung präsentierter "Medicines Patent Pool" bietet auch die Möglichkeit eines breiteren Zugangs zu wirksameren und weniger toxischen Arznei-Regimen.

    "Besonders inspirierend ist bisher die Verbindung zwischen innovativer Forschung der Spitzenklasse und neuartigen Strategien und Programmen im Rahmen der Konferenz", meinte Dr. Brigitte Schmied, Vizepräsidentin der Konferenz und Präsidentin der Österreichischen AIDS Gesellschaft. "Wir benötigen die gleiche Energie und Kreativität, um die HIV-assoziierte Stigmatisierung und -Diskriminierung zu durchbrechen, die so viele Menschen darin behindert, von dem bereits vorhandenen Wissen, wie Menschenleben gerettet werden können, zu profitieren."

    Angesichts der wachsenden Basis an wissenschaftlichen Fakten über die Möglichkeiten der Vermeidung von Neuinfektionen mit Hilfe antiretroviraler Medikamente bietet sich die Gelegenheit eines bedeutenden Schritts vorwärts hin zu einem universellen Zugang zu HIV-Prävention bei einem gleichzeitig erweiterten Zugang zu lebensrettender Pflege. Der Einsatz der Behandlungswissenschaft in der Entwicklung neuer Präventionsmodalitäten, wie beispielsweise das in der CAPRISA-Studie, deren Ergebnisse diese Woche veröffentlicht wurden, verwendete vaginal Mikrobizid auf antiretroviraler Basis, ist ein weiteres Beispiel für das starke Bemühen um neue und effektive Präventionsmöglichkeiten.

    "Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die Einsatzmöglichkeiten antiretroviraler Medikamente in der Infektionsprävention aufzeigen, gemeinsam mit anderen diese Woche erörterten, viel versprechenden wissenschaftlichen Fortschritten signalisieren möglicherweise eine neue Ära der Innovation", sagte AIDS 2010-Vorsitzender Dr. Julio Montaner, Präsident der Internationalen Aids-Gesellschaft (IAS) und Direktor des BC Centre for Excellence in HIV/Aids in Vancouver, Kanada. "Gleichzeitig ist es unerlässlich, dass die Staatsoberhäupter und Entscheidungsträger der Welt in Anbetracht der lebensrettenden Behandlungs- und Präventionsmethoden, die uns heute bereits fertig zur Verfügung stehen, gleichziehen und die für einen universellen Zugang erforderlichen Geldmittel bereitstellen."

    Vermehrtes Augenmerk wird auch auf die Suche nach und Entwicklung von Strategien für eine mögliche Heilung gelegt. Bei einem Treffen führender Wissenschaftler auf dem Gebiet der latenten Virusreservoirs wurden neue wissenschaftliche Ergebnisse in diesem Bereich diskutiert, die den Weg nach vorne weisen. Diese Zusammenkunft wurde auch mit dem Ziel einberufen, junge Forscher zu ermutigen, sich diesem vorrangigen Thema zu widmen. Ein diesbezügliches Update von den Teilnehmern wird heute bei einer Pressekonferenz um 14:00 Uhr präsentiert.

    Im Rahmen der Plenarsitzung am Mittwoch wurden drei provokante Vorträge gehalten:

    Anti-HIV-Medikamente zur Prävention

    Laut Dr. Bernard Hirschel (Schweiz) vom Infectious Diseases Service Geneva University Hospitals ist Behandlung als Prävention eine viel versprechende Strategie, die in klinischen Studien genau evaluiert werden muss. Es ist bekannt, dass eine geringere Viruslast das Risiko einer HIV-Übertragung reduziert und eine effektive Behandlung die Viruslast auf ein nicht feststellbares Niveau senkt. Könnten alle Menschen, die mit HIV leben (PLHIV), identifiziert und behandelt werden, würde die Aids-Epidemie daher allmählich zurückgehen und verschwinden. Eine so radikale Lösung ist allerdings ein Wunschtraum. In Wirklichkeit ist das präventive Potential der ART derzeit noch nicht in vollem Umfang erfasst. In Modellversuchen bemüht man sich, die Lücke zu schließen, doch je nach Ausgangshypothese unterscheiden sich auch die Modelle. Mit einer Ausweitung der Behandlung ist auch die Inzidenz in manchen Städten zurückgegangen. Dies ist zwar ermutigend, doch bedeutet eine Korrelation noch nicht notwendigerweise einen Kausalzusammenhang. Studien mit serodiskordanten Paaren deuten darauf hin, dass Behandlung auch vor Übertragung schützt, doch repräsentieren solche Paare nur einen Teil der möglicherweise gefährdeten sexuell aktiven Bevölkerung.

    Derzeit werden von Förderstellen Anträge auf konkretere Studien ausgewertet, in deren Rahmen einige Gemeinden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt werden, um entweder am "Test-and-Treat"-Programm teilzunehmen oder so wie bisher weiterzumachen. Diesen Studien stehen logistische, praktische und ethische Hindernisse im Weg. Ohne genauere Daten wird der intuitive "Test-and-Treat".Appell jedoch wahrscheinlich nicht auf globaler Ebene in die Tat umgesetzt werden können. Inzwischen muss sich die medizinische Fachwelt darum bemühen, auf Basis der verfügbaren Daten bedürftigen Patienten eine Behandlung unter den aktuellen Leitlinien zu ermöglichen. Dies wird die Situation sowohl für einelne Menschen als auch für die Gesellschaft verbessern und die HIV-Inzidenz senken.

    Ein Ansatz zur Veränderung: Patentverwaltung für einen Zugang zu Aids-Medikamenten für alle

    Ellen 't Hoen (Niederlande) von UNITAID erörterte den "Medicines Patent Pool", einen neuen Mechanismus, der es Patentinhabern ermöglicht, das intellektuelle Eigentum in Bezug auf ihre Aids-Arzneimittel unter gewissen Umständen freiwillig anzubieten. t'Hoen wies darauf hin, dass der Wettbewerb mit Generika nicht länger einen Preisrückgang bewirken können wird, wenn Patentlizenzen für Aids-Medikamente in Ländern, die Patente vergeben, nicht zur Verfügung gestellt werden.

    Im Laufe der letzten zehn Jahre konnte t'Hoen der Zugang zu antiretroviraler Therapie durch Aktivismus, den Wettbewerb mit Generika, die Entwicklung von Fixdosiskombinationen (FDC) sowie die Bereitschaft zahlreicher Länder, Flexibilität bei der Anwendung nationaler und internationaler Patentregelungen walten zu lassen, erheblich erhöht werden. Viele Patienten werden jedoch bald auf wesentlich teurere Zweit- und Drittlinien-Medikamente umsteigen müssen, und von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden derzeit neuere, sichere und patentgeschützte Arzneimittel empfohlen. Indem Lizenzen zur Verfügung gestellt und die Kräfte des Wettbewerbs auf dem Arzneimittelmarkt genutzt werden, könnte der Medicines Patent Pool die Verfügbarkeit besserer und stabilerer Behandlungen fördern und beträchtliche Kosteneinsparungen bewirken.

    ART-Fortschritte – auf dem Weg ins nächste Jahrzehnt

    Dr. James Hakim (Simbabwe) von der University of Zimbabwe rief die HIV/Aids-Community dazu auf, den Zugang zu antiretroviraler Therapie zu beschleunigen, mit deren Hilfe die Gesundheit von Menschen, die mit HIV leben, langfristig erhalten werden kann. Darüber hinaus forderte er sie auf, patientennahe Diagnostik zu entwickeln, die es Klinikern ermöglicht, Medikamente sinnvoll verschreiben zu können, und die Gesundheitsversorgungssysteme so zu verbessern, dass Menschen, die eine Therapie benötigen, diese auch auf effiziente Weise bekommen. Die Welt reagiere nicht schnell genug, so Dr. Hakim, um trotz der raschen Ausweitung der ART mit der Neuinfektionsrate Schritt zu halten: Auf zwei HIV-infizierte Menschen, die Zugang zu einer antiretroviralen Therapie erhalten, kommen derzeit fünf HIV-Neuinfektionen.

    Neue Behandlungsrichtlinien der WHO empfehlen, ältere, toxischere Medikamente vom Markt zu nehmen und bei höheren CD4-Werten mit einer Therapie zu beginnen. Damit hätten auch mehr Menschen, die mit HIV leben, Anspruch auf eine Behandlung. Während Länder beginnen, diese Empfehlungen zu übernehmen, müssen Verteilungsgerechtigkeit und Menschenrechte bei der Umsetzung progressiver und umfassender HIV-Maßnahmen weiterhin an erster Stelle stehen (oberste Priorität haben). Abschließend erklärte Dr. Hakim, dass die Millenniums-Entwicklungsziele als klarer Leitplan dienten, um die Unverletzlichkeit der menschlichen Würde auf universeller Ebene durchzusetzen.

    Quelle: Offizielle Pressemitteilung der Welt-Aids-Konferenz 2010 in Wien vom 21. Juli 2010

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  • 22Jul

    First time results from a South African study show that a gel containing an antiretroviral drug – when used as a vaginal microbicide – was found to be 39% effective in reducing a woman's risk of becoming infected with HIV during sex.

    VIENNA, 19 July 2010 – The results announced today at the XVIII International AIDS conference in Vienna showed a significant reduction in risk of HIV infection in women who used a new generation of microbicide gels, one that contains the antiretroviral drug tenofovir. It also showed a significant reduction in genital herpes, a common viral sexually transmitted infection, which itself increases the risk of acquiring HIV infection.

    This landmark proof of concept study was completed by the Centre for the AIDS Programme of Research in South Africa (CAPRISA). The gel was found to be both safe and acceptable when used once in the 12 hours before sex and once in the 12 hours after sex by women aged 18 to 40 years. Use of the gel reduced HIV infection by 39% and herpes simplex virus-2 infection by 51%.

    "We are giving hope to women. For the first time we have seen results for a woman initiated and controlled HIV prevention option," said Mr Michel Sidibé, Executive Director, UNAIDS. "If confirmed, a microbicide will be a powerful option for the prevention revolution and help us break the trajectory of the AIDS epidemic."

    Nearly 20 years of research have gone into microbicides that can be controlled by a woman, independent of her partner. This microbicide study could open new possibilities for HIV prevention. 

    "We welcome the findings of the CAPRISA study. All new advances in HIV prevention, particularly for women are exciting. We look forward in seeing these results confirmed. Once they have been shown to be safe and effective, WHO will work with countries and partners to accelerate access to these products", said Dr Margaret Chan, Director-General of WHO.

    WHO and UNAIDS congratulate CAPRISA, a designated UNAIDS Collaborating Centre for HIV Prevention Research, on the successful completion of the study. 

    About half of the people living with HIV in the world are women. In sub-Saharan Africa more women are infected than men. HIV is a major cause of maternal mortality.

    Given high levels of ongoing HIV transmission to young women in high prevalence settings, it is urgent now to confirm these results so that a safe and effective tenofovir gel can rapidly be made available to women who want it.

    In addition to rapidly moving to additional trials to confirm results, key issues that need to be addressed include: determining requirements for the approval by national drug regulatory authorities of this new indication for tenofovir; operations research on how to deliver and sustain product supplies within combination prevention programmes; determining the frequency of HIV testing; and accelerated studies to expand knowledge on the safety of the product particularly in young women (below 18 years of age) and pregnant women.

    To stimulate and prioritize rapid action, WHO and UNAIDS will convene an expert consultation in August with women’s health and HIV prevention advocates, scientists, microbicide research teams and product developers, and public health experts to discuss the next steps with the product. Given the important contribution and leadership role of the women who participated in the study, South African scientists, advocates and policy makers in implementing the study of tenofovir gel, the consultation will be held in South Africa.

    Press Release from UNAIDS – 19 July 2010

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