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  • 26Mrz

    Berlin (vfa). Zu den heute von der Koalition angekündigten Maßnahmen im Arzneimittelsektor erklärt Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des vfa:

    "Bundesgesundheitsminister Rösler hat heute Eckpunkte zur Arzneimittelversorgung vorgestellt. Mit der Umsetzung des Koalitionsvertrages haben diese Eckpunkte – anders als es die Überschrift vermuten lässt – nichts zu tun.

    Denn der Koalitionsvertrag kündigte für den Arzneimittel-Sektor eine wettbewerbliche Neuordnung und Deregulierung an. Die Eckpunkte dagegen enthalten Zwangsmaßnahmen und sind an bürokratischer Komplexizität kaum zu überbieten.

    Zwar spricht der Minister von Kosten-Nutzen-Bewertungen und Verträgen, was auch wir im Grundsatz befürworten. Der Minister tut dann aber alles, dass seine Ankündigungen nie Wirklichkeit werden können:

    • Vertragsverhandlungen will er in die Hand eines Kassenmonopols legen.
    • Zwangsrabatte in Höhe von 16 Prozent werden das Vertragsgeschehen endgültig blockieren.

    Zwangsrabatte sind Gift für den Investitionsstandort Deutschland. Von verlässlichen Rahmenbedingungen für Innovationen und Arbeitsplatzsicherung kann angesichts eines solchen Willkür-Instruments nicht mehr die Rede sein. Da hilft alles Schönreden des Ministers nicht. Die Krise, in der die Pharma-Industrie Stabilitätsanker war, soll der Branche offensichtlich nachträglich politisch verordnet werden.

    Und bei allem stellt sich die Frage: "Wo bleibt eigentlich der Patient?"

    Der vfa ist der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 45 weltweit führenden Herstellern und ihren über 100 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik. Die Mitglieder des vfa repräsentieren rund zwei Drittel des gesamten deutschen Arzneimittelmarktes und beschäftigen in Deutschland rund 90.000 Mitarbeiter. Mehr als 17.000 davon arbeiten in Forschung und Entwicklung. Die Pressekonferenzen des vfa – auch im Internet. Mehr dazu unter: http://www.vfa.de/onlinepk

    Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des vfa, hat vor Pressevertretern in Berlin zu den von Gesundheitsminister Rösler angekündigten Maßnahmen zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes Stellung genommen.

    Die Pläne des Ministers hätten mit der Umsetzung des Koalitionsvertrages nichts zu tun. Statt Wettbewerb und Deregulierung enthielten die Ankündigungen Röslers Zwangsmaßnahmen und seien an bürokratischer Komplexität nicht zu überbieten.

    Das entsprechende Video über die Stellungnahme der Hauptgeschäftsführerin könnt ihr Euch unter dem folgenden Link auf der Internetseite des vfa ansehen:

    http://www.vfa.de/de/politik/aktuellpo/yzer-kritisiert-arzneimittelpolitik.html

    Quelle: Pressemitteilung 016 des vfa. Die forschenden Pharma-Unternehmen vom 26. März 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:

    26. März 2010 - AOK-Bundesverband: Neue Arzneimittel zukünftig zu fairen Preisen

    26. März 2010 - Gesundheitsminister Rösler legt Eckpunkte für neue Strukturen im Arzneimittelmarkt vor

    18. März 2010 - Kopfpauschale verunsichert Patienten

    17. März 2010 - Regierungskommission zur nachhaltigen und sozial ausgewogenen Finanzierung des Gesundheitswesens nimmt ihre Arbeit auf

    27. Februar 2010 - Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP - Thema: Gesundheitspolitik

    24. Februar 2010 - Regierungskommission zur nachhaltigen und sozial ausgewogenen Finanzierung des Gesundheitswesens eingesetzt

    19. Februar 2010 - Dr. Wolfgang Plischke: "Wir setzen auf Direktverträge"

    19. Februar 2010 - AOK-Rabattverträge fördern Wettbewerb und stützen mittelständische Unternehmen

    18. Februar 2010 - Bundesgesundheitsminister Rösler: Gute Arzneimittelversorgung und effizienter Einsatz der Versichertengelder

    07. Februar 2010 - Beim Fiskus klingelt die Kasse: 4,35 Milliarden Euro Mehrwertsteuer auf Arzneimittel

    05. Februar 2010 - Politiker sollten an ihren Taten gemessen werden

    29. Januar 2010 - "In der jetzigen Form sind Zusatzbeiträge unsozial."

    29. Januar 2010 - Gesundheitspolitik 2010 - Was denken die Menschen?

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  • 29Jan

    Statement von Cornelia Yzer, Hauptgeschäftsführerin des vfa. Die forschenden Pharma-Unternehmen vom 26. Januar 2010

    Bundesgesundheitsminister Rösler ist nicht zu beneiden: Er muss nachholen, was Vorgängerregierungen versäumt haben. Er muss das Gesundheitssystem nachhaltig finanzieren. Seit gestern wissen wir, dass etwa für die Versicherten der DAK die mit dem Gesundheitsfonds angelegten Zusatzbeiträge Realität werden. Der Spitzenverband Bund prognostiziert, dass im Laufe des Jahres weitere Kassen folgen werden. Angesichts dieser Lage wird niemand im Gesundheitswesen der Frage ausweichen können, wie effizient seine Leistungen sind. Die forschenden Pharma-Unternehmen stellen sich diese Frage. Wir sind überzeugt, den Nutzen unserer Produkte für das Gesundheitssystem darlegen und ihre Kosten rechtfertigen zu können. Wir stehen daher zu einer stringenten Kosten-Nutzen-Bewertung, für die sich auch der Bundesgesundheitsminister in diesen Tagen noch einmal ausgesprochen hat. Unser Angebot steht, das IQWiG, das seit langem den Auftrag hat, derartige Bewertungen nach internationalen Standards durchzuführen, auf diesem Weg konstruktiv zu begleiten. Ferner können Verträge zwischen Kostenträgern und Herstellern zu mehr Versorgungseffizienz und damit auch zu mehr Kosteneffizienz führen. Beide Wege sieht der Koalitionsvertrag vor und wir stehen zu unserem Wort, dass wir bereit sind, beide Wege zu gehen. Ich werde am Schluss meiner Ausführungen noch ausführlicher dazu Stellung nehmen.

    Ohne dass die meisten Menschen wohl etwas mit dem technischen Begriff der “Kosten-Nutzen-Bewertung” anfangen könne, haben sie doch einen klaren Blick für das zu Grunde liegende Problem, nämlich das Verhältnis von Medizin und Ökonomie: 76 % der Menschen in Deutschland halten das medizinische Versorgungsniveau für gut. Ein Spitzenwert! Aber fast genauso viele Menschen meinen, dass im Gesundheitswesen Geld verschwendet wird. Rund 65 % sind der Auffassung, dass es zu teuer und zu kompliziert ist.

    Wertschätzung für das Versorgungsniveau im deutschen Gesundheitswesen, verbunden mit der Einschätzung, dass sich dies nicht ohne Weiteres und ohne politische Anstrengung beibehalten lässt. So fasse ich die Ergebnisse der vorliegenden TNS-EMNID-Umfrage zusammen.

    Und in der Tat ist die Versorgung durch das deutsche Gesundheitssystem gut. Das gilt jedenfalls oft, aber leider nicht immer. Das gilt für viele, aber leider nicht für alle. Denn der Zugang zu medizinischen Innovationen wird von 46 % der Befragten als nicht ausreichend angesehen. Überraschen kann dieser Befund nicht, denn Deutschland ist in puncto Einsatz moderner Medikamente tatsächlich europäisches Schlusslicht: Nur 6,0 Prozent der Ausgaben entfielen 2007 in Deutschland auf Innovationen, die in den fünf Jahren zuvor auf den Markt gekommen waren.

    Auch ist unser Gesundheitssystem, das heute medizinisch noch immer Vieles leistet, leider nicht zukunftsfest. Auf den demografischen Wandel unserer Gesellschaft hat es keine überzeugende Antwort. Die Frage, wie immer weniger junge Menschen ihre eigene Gesundheit und die einer steigenden Zahl von alten Menschen finanzieren sollen, hängt immer noch wie ein Damoklesschwert über uns.

    Muss sich also alles ändern, damit alles bleiben kann wie es ist? Jedenfalls wird die Politik vor der nicht geringen Herausforderung stehen, den Menschen zu vermitteln, dass man an einem hohen Versorgungsniveau festhalten will und gerade deshalb ein besseres Finanzierungsmodell sucht. Diese politische Operation wird sicher schwierig durchzuführen sein, ist aber mit Blick auf die Nachhaltigkeit eines insgesamt immer noch medizinisch erfolgreichen Gesundheitssystems unerlässlich!

    Auf dem Radar des Gesundheitssystems zeigt sich jedenfalls die zentrale Herausforderung der Zukunft. Der steigende medizinische Mehrbedarf einer älter werdenden Gesellschaft, die zugleich immer mehr Therapieoptionen an die Hand bekommt, lässt sich nicht leugnen. Für die forschenden Pharma-Unternehmen ist es dabei wichtig, dass auch künftig jeder Patient sicher sein kann, vom medizinischen Fortschritt zu profitieren. Ein ehrgeiziges Ziel, denn es bedeutet auch, dass wir den unmittelbaren Marktzugang innovativer Arzneimittel bewahren müssen. Deutschland schickt keinen Patienten in die Warteschleife. Die sofortige Erstattungsfähigkeit einer Therapie ist wesentlicher Teil des Qualitätsversprechens im Solidarsystem.

    Jeder Patient muss am medizinischen Fortschritt teilhaben können. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussionen möchte ich betonen: Die forschenden Pharma-Unternehmen sind sich ihrer Mitverantwortung, das Gesundheitssystem finanzierbar zu halten, bewusst und sehen dabei zwei Wege: zum einen ein transparente Kosten-Nutzen-Bewertung nach internationalen Standards und zum anderen direkte Verträge zwischen Herstellern und Kassen. In beiden Fällen sollte die Betrachtung des Behandlungserfolgs im Mittelpunkt stehen.

    Bei einer Kosten-Nutzen-Bewertung muss das Verfahren durchschaubar sein und alle – Patienten, Kassen und Hersteller – müssen von Beginn an beteiligt werden. Zum frühestmöglichen Zeitpunkt müssen Kriterien, Studiendesign und Zeitplan verbindlich vereinbart werden. Daten aus dem Versorgungsalltag sind einzubeziehen. Sektorübergreifende Betrachtungen, die Gesamtbehandlungsabläufe in den Blick nehmen, schaffen einen hohen Grad an Patientenorientierung, Qualität und Wirtschaftlichkeit. Kosten-Nutzen-Bewertungen sollen Versorgung optimieren.

    Darüber hinaus bzw. alternativ können wir uns einen Ausbau des Vertragsgeschehens vorstellen. Reine Rabattverträge, wie sie für Generika mittlerweile zum Standard geworden sind, können für patentgeschützte Arzneimittel naturgemäß jedoch nicht greifen. Hier wird sich stattdessen eine ganz neue wettbewerbliche Vertragskultur in den nächsten Jahren etablieren. Dabei wird es komplexere, mehrdimensionale Vertragstypen geben, die die Verbesserung der Outcomes der medizinischen Versorgung zum Ziel haben.

    Mit dieser neuen Vertragswelt werden wir dem Wettbewerb um die beste Qualität im deutschen Gesundheitswesen neue Impulse verleihen. Bisher ist die Politik davon ausgegangen, dass das Gesundheitssystem nur so lange finanzierbar bleibt, so lange die Ausgaben durch staatliche Regulierungen immer wieder gebremst werden. Aber alle Versuche staatlichen Dirigismus sind fehlgeschlagen: Wir haben heute einen Dschungel an Regulierungen, den kaum noch ein Mensch durchschaut.

    Als wichtiger Schritt hin zu mehr Effizienz, Qualität und Sicherung der zukünftigen Finanzierung des Gesundheitswesens sollten deswegen schnellstmöglich alle nicht notwendigen Regulierungen des Marktes auf den Prüfstand gestellt und abgeschafft werden. Deregulierung ebenso wie umfassende Geltung des Wettbewerbs- und Kartellrechts sind Voraussetzung, dass das Vertragsgeschehen in Gang kommt. Der Arzt sollte von ökonomischer Verantwortung im Arzneimittelsektor unabhängig sein und bei der Verordnung allein der Wirksamkeit und Sicherheit verpflichtet sein. Entsprechend sollte eine Freistellung des Arztes von der Wirtschaftlichkeitsprüfung erfolgen.

    Auch beim Morbi-RSA besteht Handlungsbedarf: Die jetzige Ausgestaltung ds Gesundheitsfonds kann für Krankenkassen zu negativen finanziellen Anreizen führen, wenn sie Innovationen fördernde Verträge vereinbaren. Daher sollte, ähnlich den Regelungen bei dem G-DRG-System, eine Innovationsöffnung erfolgen. Kassen und Pharmaunternehmen könnten sich einvernehmlich auf Erstattungskonditionen einigen, ohne dass die gesetzlich vorgegebenen Verfahrensschritte zur Festlegung von Erstattungshöchstbeträgen vorher durchlaufen werden müssen.

    In einem sensiblen Bereich wie dem Arzneimittelsektor sind Regeln unverzichtbar, aber sie müssen klar, einfach und effektiv und zum Wohle des Patienten formuliert sein! Den Dialog mit der Politik über notwendige Rahmenbedingungen wollen wir fortsetzen, um zeitnah politisch gangbare Implementierungsschritte identifizieren zu können.

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch meine folgenden Artikel:

    04. Februar 2010 – Bürger fordern: Patientenversorgung besser vernetzen

    27. Januar 2010 – Zwei Drittel glauben, Gesundheitsreform wird ihnen nutzen

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