Am Vorabend zum Welt-Aids-Tag 2009 veröffentlicht die WHO neue HIV-Empfehlungen zur Behandlung, Prävention und Säuglingsbehandlung basierend auf den aktuellsten wissenschaftlichen Ergebnissen.
Die WHO empfiehlt nun den früheren Beginn der antiretroviralen Therapie bei Erwachsenen und Jugendlichen, die Lieferung von verträglicheren antiretroviralen Medikamenten und die längere Einnahme der Medikamente zur, um die HIV-Übertragung von HIV-positiven Müttern während der Stillzeit auf ihre Säuglinge zu reduzieren. Zum ersten Mal empfiehlt die WHO, dass HIV-positive Mütter oder die Säuglinge während der Stillzeit antiretrovirale Medikamente einnehmen sollen, um die HIV-Übertragung zu verhindern.
"Diese neuen Empfehlungen beruhen auf den aktuellsten, verfügbaren Daten," sagte Dr. Hiroki Nakatani, stellvertretender Generaldirektor der WHO für HIV/AIDS, TB, Malaria und tropische Erkrankungen. "Die Umsetzung der Empfehlung wird es mehr Menschen in Gebieten mit einer hohen HIV-Rate ermöglichen, ein längeres und beschwerdefreieres Leben zu führen."
Weltweit leben ungefähr 33,4 Millionen Menschen mit HIV oder Aids und jährlich infizieren sich 2,7 Millionen Menschen neu. HIV und Aids sind mittlerweile der Hauptgrund für die Sterblichkeit bei Frauen im gebährfähigen Alter.
Die neuen HIV-Empfehlungen
2006 empfahl die WHO mit einer antiretroviralen Therapie zu beginnen, wenn die Anzahl der CD4-Zellen unter 200 oder tiefer fallen, also zu dem Zeitpunkt an dem sich normalerweise HIV-Krankheitssymptome zeigen. Seitdem haben Studien und Untersuchungen klar ergebenm dass der frühere Beginn der Therapie die Sterblichkeits- und Erkrankungsrate reduziert. Aktuell empfiehlt die WHO daher mit der Therapie bei allen HIV-positiven Patienten einschließlich schwangerer Frauen unabhängig von Krankheitssymptomen bei einer CD4-Zellzahl von 350 zu beginnen.
Die WHO empfiehlt ebenfalls, dass der Einsatz von Stavudin (Zerit) oder d4T stufenweise eingestellt werden soll, da diese Medikamente langfristig irreversible Nebenwirkungen haben. Da es sich bei Stavudin um ein günstiges und gut verfügbares HIV-Medikament handelt, wird dieses Präparat in den Entwicklungsländern zur First-Line-Therapie verwendet. Als Alternative werden Retrovir (Zidovudin) von GlaxoSmithKline und Viread (Tenofovir) des Herstellers Gilead empfohlen, die weniger toxisch und ebenso wirkungsvoll sind.
Verhinderung der Mutter-zu-Kind-Übertragung und Senkung der Kindersterblichkeit
2006 empfahl die WHO, dass HIV-positive Schwangere ab Beginn der 28 Schwangerschaftswoche mit einer antiretroviralen Therapie beginnen sollten, um die Mutter-zu-Kind-Übertragung zu verhindern. Damals gab es nur ungenügende Beweise für die Schutzwirkung einer Therapie während des Stillens. Seitdem haben mehrere klinische Untersuchungen die Wirkung der Therapie bestätigt. Die aktuelle Empfehlung der WHO ist daher, die Therapie mit antiretroviralen Medikamenten in der 14. Schwangerschaftswoche zu beginnen und bis zum Ende der Stillperiode weiterzuführen.
Die WHO empfiehlt jetzt, Säuglinge bis zum 12. Lebensmonat zu stillen, vorausgesetzt, dass die HIV-positive Mutter oder der Säugling antiretrovirale Medikamente während dieser Zeit einnehmen. Das reduziert die Gefahr der HIV-Übertragung und verbessert die Überlebenschance des Säuglings.
"In den neuen Empfehlung signalisieren wir ganz klar, dass Stillen eine gut Entscheidung auch für HIV-positive Mütter ist, die Zugang zu einer antiretroviralen Therapie haben," sagte Daisy Mafubelu, stellvertretende Generaldirektorin der WHO für Familie und Gesundheitswesen.
Die ausführliche Empfehlung der WHO in englischer Sprache könnt ihr über den folgenden Link einsehen:
http://www.who.int/mediacentre/news/releases/2009/world_aids_20091130/en/index.html
Quelle: Presseinformation der WHO vom 30. November 2009
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