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  • 24Feb

    29. Deutscher Krebskongress: Verbesserte Überlebensaussichten und steigende Neuerkrankung erfordern Schulterschluss der Gesellschaft

    Berlin. Seit 1990 ist die Zahl der jährlichen Krebsneuerkrankungen um fast 30% angestiegen (Männer: +45%, Frauen +14%), so dass inzwischen jährlich 450.000 Menschen neu an Krebs in Deutschland erkranken. Dies teilt das Robert-Koch-Institut zum Auftakt des 29. Deutschen Krebskongresses in einer aktuellen Schätzung mit. Der Grund für die Zunahme läge vor allem in der demographischen Entwicklung mit immer mehr älteren Menschen. So sei gegenüber dem Jahr 2006 für das Jahr 2010 alleine aufgrund demografischer Einflüsse von einer Zunahme um 17.000 jährliche Neuerkrankungen bei den Männern und 6.400 bei den Frauen auszugehen.

    „Noch deutlicher angestiegen ist im gleichen Zeitraum aufgrund der verbesserten Überlebensaussichten für viele Krebserkrankungen die Zahl der Menschen, die mit einer Krebserkrankung leben (Prävalenz), hier hat sich die Zahl der betroffenen Männer seit 1990 etwa verdoppelt, bei den Frauen betrug der Anstieg etwa 40%“, so Dr. Klaus Kraywinkel, kommissarischer Leiter des Zentrums für Krebsregisterdaten, Robert Koch-Institut, Berlin. Diese Zahlen seien von hoher gesundheitspolitsicher Relevanz, da sie die Belastung der Gesellschaft und des Gesundheitssystems durch Krebserkrankungen verdeutlichten.

    „Diese Entwicklung überrascht uns nicht, und wir haben bereits im Rahmen des Nationalen Krebsplans seit 2008 den Schulterschluss in der Gesellschaft eingefordert“, erklärt Prof. Werner Hohenberger. Der von der Deutschen Krebsgesellschaft, der Bundesregierung, der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren und der Deutschen Krebshilfe initiierte Nationale Krebsplan soll den Kampf gegen die Volkskrankheit Krebs besser strukturieren. „Unser Ziel ist eine flächendeckend bessere Versorgung von an Krebs erkrankten Menschen, die Innovationen der Medizin auch auf lange Sicht sichern soll“, so Hohenberger. Wichtige Säulen bilden dabei die über 500 bereits von der Krebsgesellschaft zertifizierten Organkrebszentren. Hier würden durch fachübergreifende Zusammenarbeit und effizienten Einsatz der zur Verfügung stehenden Mittel schon jetzt deutliche Behandlungsvorteile erzielt.

    „Neben den strukturellen Verbesserungen hat in den letzten Jahren vor allem die personalisierte bzw, individualisierte Therapie beigetragen“, weiß Prof. Wolff Schmiegel, Kongresspräsident des 29. Deutschen Krebskongresses. „Zum Beispiel berichten die gastroenterologischen Onkologen, dass durch eine intensive Kombinationstherapie von Chemotherapie und monoklonalen Antikörpern ein signifikanter Anteil an Patienten mit metastasiertem Dickdarmkrebs, die zuvor als nicht resektabel galten, eine so deutliche Verkleinerung ihres Tumors erfahren, dass sie nach Therapieeiner operativen Metastasenentfernung zugeführt werden können. Eine vollständige Entfernung aller Metastasen kann für den Patienten die Heilung von der Erkrankung bedeuten“, verweist Schmiegel nur auf einen Fortschritt der letzten Jahre. Der Brustkrebs sei dank intensiver Forschung auf dem besten Weg, eine heilbare Erkrankung zu werden. „Wesentliche Grundlagen für diesen Erfolg sind aktuelle Verbesserung der Früherkennung, Verbesserung der medikamentösen adjuvanten Therapie, Verbesserung der Behandlungsstrukturen sowie die Standardisierung der Behandlung“, erklärt Kongresspräsident Schmiegel, der den Kongress in diesem Jahr unter das Motto „Strukturen verändern – Heilung verbessern“ gestellt hat.

    Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) vom 23. Februar 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch meine folgenden Artikel:

    24. Februar 2010 – Gemeinsam Strukturen und Wege der Krebsmedizin verbessern

    23. Februar 2010 – Umfassende Darstellung des Krebsgeschehens in Deutschland

    Das Bundesministerium für Gesundheit hat auf seinen Internetseiten den Nationalen Krebsplan (Stand: Februar 2010) sowie allgemeine Informationen zum Krebsplan, den derzeitigen Stand in den einzelnen Handlungsfeldern und verabschiedete Zielpapiere bereitgestellt. Diese Informationen erhaltet Ihr über den folgenden Link beim Bundesministerium für Gesundheit:

    http://www.bmg.bund.de/SharedDocs/Standardartikel/DE/AZ/N/Glossarbegriff-Nationaler-Krebsplan.html

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  • 24Feb

    Sozialverband VdK fordert armutsvermeidende Rentenpolitik

    Anlässlich des morgigen nationalen Auftakts des Europäischen Jahres gegen Armut und soziale Ausgrenzung hat Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, einen rentenpolitischen Kurswechsel für mehr Sicherheit im Alter gefordert.

    “Von Altersarmut sind in Deutschland immer mehr Menschen bedroht, die vorzeitig erwerbsunfähig werden, die aufgrund von Arbeitslosigkeit oder der Pflege von Angehörigen nur brüchige Erwerbsbiografien vorweisen können oder von Billigjobs ohne Altersabsicherung leben müssen”, sagte Mascher heute im Rahmen einer VdK-Fachkonferenz, die sich mit den Ursachen und Folgen von Altersarmut beschäftigte.

    Nach Auffassung des Sozialverbands VdK Deutschland sagen die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu den Empfängern von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung bereits viel über die wachsende Altersarmut in Deutschland aus. Demnach erhielten Ende 2008 rund 768.000 Menschen Leistungen der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung. Gegenüber Ende 2003 erhöhte sich damit die Zahl der Hilfebezieher um rund 329.000 Personen oder 75 Prozent. Unter den gegenwärtigen Bedingungen werden die Armutsrisiken weiter drastisch zunehmen und immer mehr Rentner auf Grundsicherung im Alter angewiesen sein”, warnte Ulrike Mascher.

    Der VdK fordert seit langem, die Regelsätze in der Grundsicherung für ältere Menschen und Erwerbsgeminderte anzuheben und jährlich bedarfsgerecht anzupassen. Mascher mahnte die Bundesregierung an, Maßnahmen in Angriff nehmen, um zu verhindern, dass immer mehr Menschen im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind. Die gesetzliche Rente und die Erwerbsminderungsrente müssten armutsfest gemacht werden. Dazu gehöre die Abschaffung der Rentenabschläge für Erwerbsminderungsrentner, die aus Krankheitsgründen nicht bis zum 65. Lebensjahr arbeiten können. Zudem sollte die gesetzliche Rente nach langjähriger vollzeitnaher Erwerbstätigkeit deutlich über dem Grundsicherungsniveau liegen. Im Jahr 2030 muss ein Durchschnittsverdiener bereits 34 Jahre lang (statt 28 Jahre heute) einen entsprechenden Beitrag zahlen, um eine Rente auf Grundsicherungsniveau zu erhalten.

    Die Rentengarantie sei laut Mascher zwar ein Schritt in die richtige Richtung. Die VdK-Präsidentin hob jedoch hervor, dass weitere Nullrunden bei der Rente nur verhindert werden könnten, indem die Rentenkürzungsfaktoren wie der Riester- oder der Nachholfaktor abgeschafft würden. “Es muss wieder sichergestellt werden, dass nach langjähriger vollzeitnaher Erwerbstätigkeit die gesetzliche Rente deutlich über dem Grundsicherungsniveau liegt und das allgemeine Rentenniveau durch Rückkehr zur dynamischen Rente, insbesondere durch Streichung der Dämpfungsfaktoren in der Rentenanpassungsformel wieder angehoben wird”, betonte Mascher. Auch die jüngere Generation könne kein Interesse an einer ständigen Absenkung des Rentenniveaus haben. Was man den heutigen Rentnern wegnehme, würde auch den künftigen Rentnern fehlen.

    Auch sozialpolitische Entscheidungen wie die Rente mit 67 haben für Ältere, insbesondere für Frauen, gravierende Folgen und führen zu einer akuten Armutsgefährdung im Alter. “Solange nicht Maßnahmen getroffen werden, die die Beschäftigungsfähigkeit und -chancen älterer Arbeitnehmer verbessern, ist die Rente mit 67 nichts weiter als eine Rentenkürzung – und ein Weg in die Altersarmut”, betonte Mascher.

    Dringend verbessert werden muss aus Sicht des VdK auch die rentenrechtliche Absicherung von Langzeitarbeitslosen. Derzeit erwirbt ein Hartz IV-Empfänger, der von 359 Euro Regelsatz leben muss, einen monatlichen Rentenanspruch von 2,09 Euro. “Wenn der Betrag nicht deutlich erhöht wird, ist Altersarmut auch für diese Menschen vorprogrammiert”, prognostiziert die VdK-Präsidentin.

    Der VdK hatte bereits im Jahr 2008 mit seiner “Aktion gegen Armut” auf die alarmierenden Zahlen und Entwicklungen aufmerksam gemacht. “Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne und Rentenkürzungen führen in den kommenden Jahren zu einer steigenden Altersarmut – wenn nicht die gesetzliche Rentenversicherung gestärkt wird. Es ist höchste Zeit zu handeln. Die im Koalitionsvertrag angekündigte Regierungskommission muss daher zügig ihre Arbeit aufnehmen und nachhaltige Lösungen gegen die Armut entwickeln”, so Mascher.

    Quelle: Pressemitteilung des Sozialverbandes VdK Deutschland vom 24. Februar 2010 (Michael Pausder)

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  • 23Feb

    Das Robert Koch-Institut hat mit zwei Publikationen eine umfassende Darstellung des Krebsgeschehens in Deutschland vorgelegt: Die Veröffentlichung “Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland” ist erstmals erschienen und enthält Schätzungen zur Zahl der Menschen, die derzeit an Krebs erkrankt sind (Prävalenz), getrennt nach ausgewählten Tumorformen. Die zweite Publikation ist die gemeinsam mit der Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) herausgegebene neue Auflage von “Krebs in Deutschland”. Sie enthält Schätzungen zu Krebsneuerkrankungen von 1980 bis 2006 und erstmals auch Prognosen (für das Jahr 2010). Auch hier werden die Daten – Erkrankungs- und Sterberaten, Risikofaktoren, Trendverläufe sowie Überlebensaussichten – für ausgewählte Einzellokalisationen dargestellt.

    In Deutschland leben hochgerechnet auf 2010, geschätzte 1,45 Millionen Menschen mit einer Krebserkrankung (die höchstens fünf Jahre zuvor entdeckt wurde). Diese Zahl ist seit 1990 um 40% bei den Frauen und 90% bei den Männern gestiegen, was eine zunehmende Belastung für das Gesundheitswesen bedeutet. Gründe für den Anstieg sind die zunehmenden Zahl älterer Menschen (die meisten Krebserkrankungen treten vermehrt in höherem Alter auf), verbesserter Überlebensaussichten und teilweise gestiegene Erkrankungsraten, auch aufgrund verstärkter Früherkennungsmaßnahmen. Der höhere Anstieg bei den Männern ist auch eine Folge des zweiten Weltkriegs: Aufgrund der hohen Zahl gefallener Soldaten gab es in Deutschland lange vergleichsweise wenige ältere Männer. Diese “demografische Lücke” ist inzwischen weitgehend geschlossen.

    Die Zahl der Krebsneuerkrankungen lag 2006 bei rund 430.000 Menschen, seit 1990 ist diese Zahl der jährlichen Neuerkrankungen um fast 30 % angestiegen. Eine wichtige Ursache für den Anstieg ist auch hier die zunehmende Zahl älterer Menschen. Eine weitere Zunahme der Krebsfälle wird prognostiziert, für 2010 auf rund 450.000.

    Bislang können die bundesweiten Zahlen nur geschätzt werden, da noch nicht aus allen Bundesländern hinreichend vollzählige Meldungen in den Krebsregistern vorliegen. Die Datengrundlage für die Schätzung hat sich aber in den letzten Jahren stetig verbessert. Die Mitarbeit aller Ärzte, die an der Diagnostik, Therapie oder Nachsorge beteiligt sind, ist für eine vollständige Erfassung entscheidend. Auch Patienten können beitragen, indem sie ihren Arzt zur Meldung an das Krebsregister auffordern.

    Epidemiologische Krebsregister sind unverzichtbar, um Basisdaten unter anderem für die Suche nach Ursachen von Krebs oder für die Anforderung an Versorgungsmaßnahmen zu erhalten. Durch das 2009 in Kraft getretene Bundeskrebsregisterdatengesetz sind weitere Fortschritte in der Analyse und Darstellung des Krebsgeschehens zu erwarten. Die Bundesländer sind nun erstmals verpflichtet, dem Robert Koch-Institut flächendeckende und vollzählige Daten aus den Landeskrebsregistern zu übermitteln. Umgekehrt sollen die bundesweit aufbereiten Daten den Ländern rasch zur Verfügung gestellt und auch an Dritte für wissenschaftliche Auswertungen weitergegeben werden. Aus der Dachdokumentation Krebs des RKI wurde Anfang dieses Jahres das Zentrum für Krebsregisterdaten, ein eigenständiges Fachgebiet, das mit einer verbesserten personellen Ausstattung ein breiteres Aufgabenspektrum bearbeiten wird.

    Die Veröffentlichungen sind im Internet abrufbar (http://www.rki.de) und können kostenlos bestellt werden bei RKI, GEKID (http://www.gekid.de) und den Krebsregistern der Länder.

    Quelle: Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts vom 23. Februar 2010

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  • 22Feb

    In Nordrhein-Westfalen (Städteregion Aachen) starb ein 42-jähriger Mann am 13.12.2009 an den Folgen von Milzbrand. Er hatte sich vermutlich Heroin intravenös injiziert. In einem Wundabstrich wurden aerobe Sporenbildner diagnostiziert. Die Verdachtsdiagnose Milzbrand wurde am 18.12.2009 mittels PCR bestätigt.

    Den schottischen Gesundheitsbehörden sind aktuell 23 Milzbrandfälle unter Heroinkonsumenten gemeldet, davon endeten 9 tödlich (Stand: 19.2.2010, http://www.hps.scot.nhs.uk/anthrax/). Auch in England gibt es zwei bestätigte Fälle von Milzbrand bei Heroinkonsumenten, von denen einer verstorben ist (Stand 19.2.2010, http://www.hpa.org.uk/HPA/Topics/InfectiousDiseases/InfectionsAZ/1191942145749/).

    Aufgrund vergleichender Untersuchungen von Proben des Aachener Verstorbenen und von Proben von Fällen aus Schottland ist nicht auszuschließen, dass es sich um identische Stämme des Milzbranderregers bei allen untersuchten Fällen handelt. Dies ist ein Hinweis darauf, dass das Heroin eine gemeinsame Quelle der Verunreinigung haben könnte.

    Kontaminiertes Heroin könnte somit auch in anderen Bundesländern und europäischen Staaten vertrieben worden sein. Bei entsprechender Anamnese sollten Ärzte Milzbrand differentialdiagnostisch frühzeitig in Erwägung ziehen und schon bei Verdacht nach erfolgter Probenentnahme eine Therapie einleiten.

    Man kann sich mit Milzbrand infizieren, wenn z. B. mit Milzbrandsporen verunreinigtes Heroin inhaliert wird, mit verletzter Haut oder Schleimhaut in Kontakt kommt oder in die Haut/den Muskel injiziert wird. Es gibt praktisch keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Für die Allgemeinbevölkerung besteht kein Infektionsrisiko.

    Die Prognose der Infektion kann durch eine frühzeitige gezielte Antibiotikatherapie deutlich verbessert werden. Ein Merkblatt mit Kurzinformationen zu Anthrax ist unter folgendem Link bereitgestellt:
    www.rki.de > Infektionskrankheiten A – Z > Anthrax > Milzbrand (Anthrax) – Kurzinformation

    Weitere Informationen finden Sie im RKI-Ratgeber für Ärzte unter folgendem Link:
    www.rki.de > Infektionsschutz > Biologische Sicherheit > Erreger > Anthrax > Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte

    Aufgrund der möglicherweise überregionalen und internationalen Tragweite dieses Geschehens bitten wir um Benachrichtigung, wenn Sie von aktuellen Fällen oder Fällen aus der Vergangenheit erfahren, die mit diesem Geschehen in Zusammenhang stehen könnten. Wenden Sie sich hierfür bitten an das zuständige Gesundheitsamt vor Ort.

    Quelle: Information des Robert Koch Instituts vom 22. Februar 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch meine folgenden Artikel:

    08. Februar 2010 – Anthrax-Warnung für Heroinkonsumenten in London

    19. Januar 2010 – Information für Drogenkonsumenten – Milzbrand (Anthrax) bei Drogenkonsumenten in Deutschland

    15. Januar 2010 – Milzbrand-Todesfall bei einem i.v. Drogenkonsumenten in Nordrhein-Westfalen

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  • 18Feb

    Alleinerziehende und Familien mit Kindern im internationalen Vergleich etwas besser gestellt als Haushalte ohne Kinder – Hohe Sozialabgaben für Geringverdiener und die unspezifische Förderung von Minijobs machen Aufnahme existenzsichernder Beschäftigung unattraktiv.

    (Berlin/Paris – 18. Februar 2010) Die finanzielle Absicherung von Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren oder über längere Zeit arbeitslos sind, ist in Deutschland im Vergleich zu den anderen OECD-Ländern durchschnittlich, im europäischen Vergleich jedoch eher gering. Familien mit Kindern und Alleinerziehende sind im internationalen Vergleich besser gestellt als Singles oder Paare ohne Kinder. Gleichzeitig bietet das deutsche Transfersystem Haushalten mit Kindern nur wenig finanzielle Anreize, um eine gering bezahlte, aber existenzsichernde Beschäftigung aufzunehmen. Dies geht aus aktuellen Vergleichsdaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Absicherung von Arbeitslosen hervor, die heute in Berlin vorgestellt wurden.

    So erhält in Deutschland ein alleinstehender Durchschnittsverdiener direkt nach Verlust des Arbeitsplatzes 60 Prozent seines Nettolohns aus Transfers ersetzt. Deutschland rangiert damit leicht über dem OECD-Schnitt. Den höchsten Lohnersatz erhält ein Single mit Durchschnittsverdienst in Luxemburg, Portugal, den Niederlanden und der Schweiz. Auch bei Alleierziehenden und Familien mit zuvor nur einem Erwerbstätigen liegt der Lohnersatz mit 70 Prozent bzw. 72 Prozent des letzten Nettoeinkommens (einschließlich Kindergeld) leicht über dem OECD-Schnitt.

    Anders die Situation für Geringverdiener: Hier liegt der deutsche Lohnersatz von ebenfalls 60 Prozent im unteren Drittel der OECD-Länder. Geringverdiener mit Kindern, die ihren Arbeitsplatz verlieren sind dagegen im OECD-Vergleich immerhin durchschnittlich abgesichert. Vergleichsweise gut ist die Absicherung bei Paaren, wenn der andere Partner noch arbeitet, da anders als in einigen anderen Ländern der Verdienst des Partners nicht auf das Arbeitslosengeld (ALG I) angerechnet wird.

    Absicherung von Langzeitarbeitslosen

    Auch bei Langzeitarbeitslosen sind in Deutschland Singles oder kinderlose Paare im internationalen Vergleich schlechter gestellt als Alleinerziehende oder Familien mit Kindern. Ein alleinstehender Durchschnittsverdiener erhält so nach fünf Jahren Arbeitslosigkeit 36 Prozent seiner damaligen Netto-Bezüge als Transfers. Deutschland steht damit auf Platz 14 unter den 29 OECD-Ländern, für die diese Daten vorliegen und nur knapp über dem OECD-Schnitt. Die höchsten Ersatzleistungen für Alleinstehende werden hier in den Niederlanden, Dänemark und Irland gezahlt.

    Ein Durchschnittsverdiener mit zwei Kindern und nicht erwerbstätigem Ehepartner erhält in Deutschland nach fünf Jahren Arbeitslosigkeit hingegen 63 Prozent seines ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt. Das ist deutlich mehr als der OECD-Schnitt von 55 Prozent. Ein Alleinerziehender mit zwei Kindern erhält unter gleichen Umständen 61 Prozent des letzten Verdienstes, im OECD-Schnitt sind es 49 Prozent. Hier werden in den Niederlanden, Dänemark und Australien die höchsten Transfers gewährt.

    Während die Transfers für kinderlose Langzeitarbeitslose und Mehrverdienerhaushalten im Zuge der Hartz-Reformen deutlich zurückgegangen sind, hat es in den vergangen Jahren für Alleinerziehende und erwerbslose Paare mit Kindern kaum Veränderungen bei den Lohnersatzraten gegeben. Trotzdem ist das Armutsrisiko dieser Gruppe bei Langzeitarbeitslosigkeit im internationalen Vergleich sehr hoch.

    Geringe Anreize zur Aufnahme existenzsicherndern Beschäftigung

    Auffällig ist, dass in Deutschland trotz der Hartz-Reformen Langzeitarbeitslose nach wie vor vergleichsweise wenig finanzielle Anreize haben, eine gering bezahlte, aber existenzsichernde Beschäftigung anzunehmen. So muss ein Alleinerziehender oder verheirateter Alleinverdiener mit zwei Kindern Einkommen von mehr als 60 Prozent des Durchschnittslohns erzielen, ehe das Nettoeinkommen merklich über dem liegt, was ihm an Sozialtransfers zusteht. In dieser Rechnung sind die Kosten für Kinderbetreuung und die Schwierigkeiten, in Deutschland einen Betreuungsplatz zu erhalten noch nicht berücksichtigt. „Das sehr hohe Armutsrisiko der Alleinerziehenden in Deutschland ist vor allem die Folge einer ausgesprochen geringen Erwerbsbeteiligung“, sagte OECD-Experte Herwig Immervoll bei der Präsentation der Studie.

    Ein Grund dafür ist, dass Anreize zur Arbeitsaufnahme, etwa in Form von Freibeträgen im ALG II oder der Mini/Midijobs, vor allem auf geringfügige Beschäftigung konzentriert sind. Gleichzeitig unterliegen regulär beschäftigte Personen schon bei einem geringen Verdienst einer relativ hohen Steuer- und Abgabenbelastung. „Einige OECD-Länder schaffen es, eine relativ großzügige finanzielle Absicherung mit hohen finanziellen Anreizen zur Arbeitsaufnahme zu kombinieren“, so Immervoll. So könnte in Deutschland eine zielgerichtete finanzielle Unterstützung für existenzsichernde Erwerbseinkommen, wie etwa in Irland, die Anreize zur Aufnahme von nicht-geringfügiger Beschäftigung verstärken.

    Die OECD-Berechnungen zu Sozialtransfers und Gesamteinkommen bei Erwerbstätigkeit beruhen auf Angaben der zuständigen Ministerien in den Mitgliedsländern. Sie enthalten alle finanziellen Leistungen, die den jeweiligen Haushaltstypen zustehen. Dazu gehören Leistungen der Sozialhilfe sowie Leistungen für Kinder und Wohngeld. Wird Wohngeld bedarfsabhängig gezahlt, so wird ein standardisierter Betrag angenommen. Für Deutschland werden, soweit relevant, die Wohngeldhöchstbeträge im Land Berlin zugrunde gelegt.

    Nicht in die Berechnungen einbezogen sind Sachleistungen und sonstige Vergünstigungen wie etwa subventionierte Fahrkarten im Nahverkehr oder ermäßigter Eintritt für Kultureinrichtungen, die häufig nur Arbeitslosen oder Sozialhilfeempfängen gewährt werden. Ebenfalls nicht einbezogen sind die Kosten für Kinderbetreuung und andere Aufwendungen, die vor allem im Rahmen einer Erwerbstätigkeit anfallen. Referenzwert für das Durchschnittseinkommen sind die Gehälter von Vollzeitarbeitnehmern in der Privatwirtschaft. Für Deutschland lag dieses Referenzeinkommen im Jahr 2008 bei 41.400 Euro brutto.

    Quelle: Pressemitteilung der OECD vom 18. Februar 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch meine folgenden Artikel:

    17. Februar 2010 – Katalog zur Härtefallregelung bei Hartz IV – Bundesarbeitsministerium erstellt Katalog zur Härtefallregelung

    10. Februar 2010 – Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Bildung besser berücksichtigen

    09. Februar 2010 – Deutsche AIDS-Hilfe begrüßt Karlsruher Urteil zu Hartz-IV-Regelsätzen

    09. Februar 2010 – Regelleistungen nach SGB II (“Hartz-IV-Gesetz”) nicht verfassungsgemäß

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  • 17Feb

    Im Epidemiologischen Bulletin 06/2010 vom 15. Februar 2010 hat das Robert-Koch-Institut eine kurze Situationseinschätzung zur Verbreitung des Schweinegrippevirus A/H1N1 für die 5. Kalenderwoche 2010 ausgegeben:

    Nachfolgend der entsprechende Wortlaut:

    Deutschland

    Die Aktivität der ARE ist bundesweit in der 5. Kalenderwoche 2010 leicht angestiegen und liegt wie in der Vorwoche im geringfügig erhöhten Bereich. Die erhöhte ARE-Aktivität kann zurzeit nicht durch einen erneuten Anstieg der Infuenza-Aktivität erklärt werden, sondern scheint eher durch andere Erreger akuter respiratorischer Erkrankungen verursacht zu sein.

    Aktualisierte Antworten auf häufig gestellte Fragen zur “Neuen Grippe” unter:

    http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/I/Influenza/IPV/FAQ__schweineinfluenza__tab__ges.html

    International, Ergebnisse der europäischen Influenzasurveillance durch EISN

    Die pandemische Erkrankungswelle hat ihren Höhepunkt in Europa überschritten, lediglich in Ost- und Südosteuropa wird für die 4. Kalenderwoche 2010 noch von fünf Ländern über eine mittlere klinische Aktivität berichtet (Bulgarien, Griechenland, Malta, Rumänien und die Slowakische Republik). Griechenland, Malta und die Slowakei medeten einen ansteigenden, Bulgarien und Rumänien einen sinkenden Trend in der Aktivität.

    Weitere Informationen unter:

    http://ecdc.europa.eu/en/Activities/Surveillance/EISN/Pages/home.aspx

    Bericht der WHO

    Weltweit hat die Influenza-Aktivität auf der Nordhalbkugel ihren Höhepunkt überschritten, in vielen Ländern liegen die Werte wieder im Bereich der Hintergrundaktivität. In China liegt die Positivenrate noch bei etwa 30 %, mit in den letzten Wochen abnehmender Aktivität von Influenza A/H1N1 und ansteigender Zahl von Influenza-B-Nachweisen. Aus den gemäßigten Regionen der Südhalbkugel wird lediglich über sporadische Influenzanachweise ohne Anzeichen fortgesetzter Übertragung berichtet.

    Weitere Informationen unter:

    http://www.who.int/csr/don/2010_02_5/en/index.html

    Quelle: Influenza-Wochenbericht für die 5. Kalenderwoche 2010 aus dem RKI in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) und dem NRZ für Influenza am RKI

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  • 11Feb
    Ansicht aus dem Online-Krebs-Atlas - Brustkrebs in Deutschland im Jahr 2006

    Ansicht aus dem Online-Krebs-Atlas - Brustkrebs in Deutschland im Jahr 2006

    Ab sofort ist der Krebs-Atlas der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) im Internet unter der Adresse www.gekid.de verfügbar. “Mit diesem Krebs-Atlas besteht erstmals die Möglichkeit, die vorhandenen Daten zum Krebsgeschehen in Deutschland auf Ebene der Bundesländer online und interaktiv auszuwerten”, erklärt der Vorsitzende der GEKID, Prof. Dr. Alexander Katalinic, Universität zu Lübeck. “Wir hoffen, dass die Bevölkerung, Wissenschaft und Politik rege von diesem Instrument Gebrauch machen werden.”

    Durch die Darstellung auf einer Deutschlandkarte werden die an die Krebsregister der Bundesländer gemeldeten Krebsfälle anschaulich dargestellt. Derartige Informationen wurden auch in der Vergangenheit in Berichten und teilweise bereits in Internetdatenbanken der Landeskrebsregister veröffentlicht. Die zunehmenden Erfolge in der Krebsregistrierung erfordern nun einen übersichtlichen und benutzerfreundlichen Zugang zu den gesammelten Daten, die interessante und wertvolle Hinweise zum Auftreten von Krebs in der Bevölkerung liefern.

    So zeigt beispielsweise die kartographische Darstellung der vorhandenen Daten zur Brustkrebshäufigkeit das Muster von im Osten Deutschlands niedrigeren Neuerkrankungsraten als im Westen. Auch für andere Tumoren wie Lungenkrebs oder Tumoren des Mund und Rachenraums zeigen sich Unterschiede in den dokumentierten Erkrankungshäufigkeiten.

    Im dem Atlas präsentiert die GEKID für “Krebs insgesamt” und für 23 einzelne Tumorarten bzw. Tumorgruppen aggregierte Angaben zu Fallzahlen und Raten von Krebsneuerkrankungen. Diese Informationen sind sowohl nach Bundesländern als auch im zeitlichen Trend darstellbar. Zur orientierenden Einordnung der Angaben für die Einzelländer hat die GEKID aus den Daten der Landeskrebsregister einen deutschen Vergleichsstandard hochgerechnet.

    Für den Atlas haben die epidemiologischen Landeskrebsregister ihre aktuellen Daten zu den Jahren 1998 bis 2006 in einer gemeinsamen Datenbank zusammengeführt. Für 14 von 16 Bundesländern liegen damit empirische Zahlen zu Krebsneuerkrankungen in Deutschland vor. Regelmäßige Aktualisierungen über weitere Jahrgänge sind geplant. In einem eigenen Kapitel werden methodische Hinweise zur Interpretation der vorliegenden Daten gegeben, in denen beispielsweise auch Einschränkungen der Vergleichbarkeit benannt werden.

    Ergänzend werden für den gleichen Zeitraum in dem Atlas auch Daten zur Krebssterblichkeit präsentiert. Diese liegen auf Basis der Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamts für alle Bundesländer vor.

    Für Rückfragen zu einzelnen Länder stehen die jeweiligen Landeskrebsregister gerne zur Verfügung, deren Kontaktdaten ebenfalls über die Homepage www.gekid.de erhältlich sind.

    Quelle: Pressemitteilung der Universität zu Lübeck vom 11. Februar 2010

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  • 08Feb

    Beim Thema HIV und Migration denkt man in Deutschland meist an Immigration aus Ländern bzw. Regionen mit generalisierten HIV-Epidemien in der Allgemeinbevölkerung, vor allem aus Subsahara-Afrika. Deutschland ist von dieser Immigration viel weniger betroffen als die ehemaligen Kolonialmächte Großbritannien, Frankreich und Belgien, aber auch die skandinavischen Länder. In Deutschland stellen Menschen aus anderen europäischen Ländern einen viel höheren Anteil an Personen mit Migrationshintergrund in der Bevölkerung als die vergleichsweise kleine Gruppe von Menschen aus Subsahara-Afrika. Für viele dieser Migranten aus Südost- und Osteuropa (z. B. Rumänien, Ex-Jugoslawien) ist Deutschland verglichen mit ihrem Heimatland das Land mit der höheren HIV-Prävalenz. Internationale Migration sorgt also dafür, dass HIV-Infektionen sowohl nach Deutschland “importiert” als auch aus Deutschland “exportiert” werden.

    Die Verknüpfungen zwischen HIV und Migration sind dabei vielschichtig.

    Der komplette Bericht zu diesem Thema ist beim Robert-Koch-Institut im Epidemiologischen Bulletin Nr. 5 vom 08. Februar 2010 erschienen. Diesen Bericht könnt Ihr über den folgenden Link einsehen:

     http://www.rki.de/cln_160/nn_196322/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2010/05__10,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/05_10.pdf

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  • 08Feb

    Im Epidemiologischen Bulletin 05/2010 vom 08. Februar 2010 hat das Robert-Koch-Institut eine kurze Situationseinschätzung zur Verbreitung des Schweinegrippevirus A/H1N1 für die 4. Kalenderwoche 2010 ausgegeben:

    Nachfolgend der entsprechende Wortlaut:

    Deutschland

    Die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) ist bundesweit in der 4. Kalenderwoche 2010 im Vergleich zur Vorwoche angestiegen und liegt im geringfügig erhöhten Bereich. Die Zahl der Arztbesuche wegen akuter Atemwegserkrankungen in Deutschland stieg insbesondere bei den Klein- und Schulkindern an. Im NRZ wurden in 13 der eingesandten 48 Sentinelproben Influenza-Viren nachgewiesen. Es wurden ausschließlich Neue Influenzaviren A/H1N1 nachgewiesen. Die erhöhte ARE-Aktivität kann durch einen erneuten Anstieg der Influenza-Aktivität, aber auch durch andere Erreger akuter respiratorischer Erkrankungen verursacht sein.

    In vier AGI-Regionen liegen die Werte im Bereich der Hintergrundaktivität (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz/Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen). In fünf AGI-Regionen sind die Werte geringfügig erhöht (Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen/Bremen, Schleswig-Holstein/Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern). In Hessen liegen die Werte im moderat erhöhten Bereich, in den AGI-Regionen Brandenburg/Berlin und Sachsen sind die Werte in der 4. Kalenderwoche deutlich erhöht.

    International, Ergebnisse der europäischen Influenzasurveillance durch EISN

    Für die 3. Kalenderwoche 2010 berichtete kein europäisches Land über eine sehr hohe oder hohe Intensität an Influenza-ähnlichen und/oder akuten respiratorischen Erkrankungen, fünf Länder berichten über mittlere Intensität und 24 Länder berichten über niedrige Intensität. Zwei Länder berichten über einen zunehmenden Trend der Influenza-Aktivität, darunter ist Polen. Dagegen meldeten neun Länder einen abnehmenden Trend, darunter sind Österreich und Spanien. In 18 Ländern wurde die Influenza-Aktivität als gleichbleibend stabil gemeldet.

    Weitere Informationen unter http://ecdc.europa.eu

    Quelle: Influenza-Wochenbericht für die 4. Kalenderwoche 2010 aus dem RKI in Zusammenarbeit
    mit der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) und dem NRZ für Influenza am RKI.

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  • 07Feb

    Trauriger Rekord bei den Arzneiausgaben: Mehr als 4,35 Milliarden Euro mussten die Krankenkassen im Jahr 2009 an den Fiskus abführen. Das sind erneut etliche Millionen mehr als noch ein Jahr zuvor. Obwohl sowohl die Zahl der abgegebenen Rezepte (+0,1 Prozent) als auch die Zahl der abgegebenen Packungen (+ 0,2 Prozent) zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung im Jahr 2009 im Vergleich zu 2008 faktisch stagnierten, profitiert der Staat mehr denn je. Das ergaben Berechnungen der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, die am Montag in Berlin veröffentlicht wurden.
     
    Die Apotheken unterstützen deshalb die Forderung der Krankenkassen, durch eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Arzneimittel zu einer langfristigen Entlastung von mehr als zwei Milliarden Euro jährlich zu kommen. ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf: „Deutschland gehört zur europäischen Spitze bei der Steuerlast auf Medikamente. Das Einsparpotenzial ist enorm und könnte innerhalb kürzester Zeit gehoben werden – ohne Abstriche für die Versorgung der Menschen.“

    Quelle: Pressemitteilung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) vom 01. Februar 2010

    Eigene Anmerkung zu diesem Thema:

    Das wäre doch eine schnelle Möglichkeit, um den Zusatzbeitrag für Versicherte zu vermeiden Herr Dr. Rösler. Und wenn die Senkung der Mehrwertsteuern für Hotelies möglich ist und der ermäßigte Steuersatz für Lebensmittel, Tiernahrung, Bücher und Schnittblumen gilt, warum dann nicht lebensnotwendige Arzneimittel ebenfalls mit dem ermäßigten Steuersatz besteuern? Naja, und bei medizinischen Geräten für Behinderten klappt es ja auch mit dem ermäßigten Steuersatz.

    Vermutlich wird Herrn Dr. Rösler da aber der Bundesfinanzminister ein Strich durch die Rechnung machen. Da Arzneimittel, wie in der o. a. Pressemitteilung aufgeführt, dem Staat jährlich 4,35 Milliarden Euro in die Kassen spülen, wird er wohl freiwillig nicht auf 2,2 Milliarden Euro Steuereinnahmen verzichten bzw. verzichten können. Da kann man doch eher die Versicherten weiter schröpfen. Und das gilt tatsächlich nur für den Versicherten. Nicht mehr, wie bisher üblich, für Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte. Ulla Schmidt hat da ganze Arbeit geleistet. Den Krankenversicherungsbeitragssatz (der je zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen wird) einfrieren und notwendige Erhöhungen als Zusatzbeiträge zu verkaufen, die nur noch vom Versicherten zu tragen sind. Ein echt soziale Idee, die unsere Vorgängerregierung aus CDU/CSU und SPD da hatte.

    Aber noch einmal zurück zur Mehrwertsteuer auf Arzneimittel. Nur Österreich, Dänemark und Bulgarien erheben neben Deutschand den vollen Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel. Alle anderen europäischen Staaten erheben über den ermäßigten Steuersatz bis zum Null-Steuersatz Steuern auf Arzneimittel. Da stelle ich unseren Politikern doch einfach mal die Frage, wo die ständig steigenden Tabaksteuern bleiben, die doch in das Gesundheitssystem einfließen sollten? Nehmen wir doch diese Steuern, halbieren den Mehrwertsteuersatz auf Arzneimittel und schon klappt es.

    Zum Glück bleibt uns ja noch Zeit für Hoffnungen. Dr. Rösler kündigt die alles regelnde Gesundheitsreform für 2011 an. Nur gestatten Sie mir Herr Dr. Rösler, dass ich auch hier große Zweifel hege. Wir hatten schon alles von der Jahrhundertgesundheitsreform, über die große bis zur keinen Gesundheitsreform und keine dieser Reformen überdauerten eine Legislaturperiode. Im Gegenteil, die Beiträge stiegen immer weiter.  Und alles auf Kosten der Versicherten. Von steigenden Beiträgen, über Praxisgebühren, Streichungen von Medikamenten aus dem Leistungskatalog, höhere Zuzahlungen, Streichungen beim Zahnersatz …

    Da sind wir alle wirklich gespannt, wie das im Jahre 2011 aussehen wird. Vielleicht haben Sie ja wirklich den Mut, sämtlichen Lobbygruppen zu trotzen und diesmal nicht nur Richtung Versicherte zu sehen. Dazu wünsche ich Ihnen viel Kraft und Durchhaltevermögen. Und denken Sie immer an die von Ihnen gemachte Aussage: “Alle Politiker sollten an ihren Taten gemessen werden”.

    Zu Eurer Information habe ich einmal eine Übersicht der aktuell gültigen Mehrwertsteuersätzen in allen europäischen Staaten und der entsprechenden Mehrwertsteuersätze auf Arzneimittel als Übersicht bereit gestellt. Diese Übersicht ist über den folgenden Link aufrufbar:

    http://www.zukunftsprojekte.net/Informationen/Statistiken/20100207_MehrwertsteuerEuropa.html

    Und wen einmal sämtliche Mehrwertsteuerarten im Vergleich zu allen europäischen Staaten interessieren, dem empfehle ich den folgenden Link, über den Ihr bei der Europäischen Kommission ein PDF-Dokument aller europäischen Mehrwertsteuern 2009 im Vergleich abrufen könnt:

    http://ec.europa.eu/taxation_customs/resources/documents/taxation/vat/how_vat_works/rates/vat_rates_de.pdf 

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