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  • 09Jul

     

     

     

     

     

     

     

     

    Die Kriminalisierung von Konsumenten illegaler Drogen trägt zur Ausbreitung der HIV-Epidemie bei und hat äußerst negative gesundheitliche und soziale Folgen nach sich gezogen. Hier ist eine umfassende strategische Neuorientierung erforderlich.

    Als Reaktion auf die gesundheitlichen und sozialen Schäden durch illegale Drogen wurde unter dem Dach der Vereinten Nationen eine breit angelegte internationale Drogenverbotspolitik entwickelt. Dank jahrzehntelanger Forschung ist eine umfassende Einschätzung der Auswirkungen des globalen "War on Drugs" möglich. Nun, da sich tausende Menschen anlässlich der XVIII. Internationalen AIDS-Konferenz in Wien versammeln, fordert die internationale wissenschaftliche Gemeinschaft eine Anerkennung der Grenzen und schädlichen Auswirkungen von Drogenverboten sowie eine Reform der Drogenpolitik, die zum Ziel hat, Barrieren für eine effektive HIV-Prävention, -Therapie und -Versorgung zu beseitigen.

    Mittlerweile ist zweifelsfrei bewiesen, dass es den Strafverfolgungsbehörden nicht gelungen ist, die Verfügbarkeit illegaler Drogen an Orten, wo eine entsprechende Nachfrage existiert, zu unterbinden. Nationale und internationale Drogenüberwachungssysteme zeigten über die letzten Jahrzehnte hinweg eine allgemeine Tendenz sinkender Preise und zunehmender Reinheit von Drogen - und dies trotz massiver Investitionen in die Strafverfolgung bei der Drogenbekämpfung.

    Darüber hinaus gibt es keine Belege dafür, dass härtere Strafverfolgungsmaßnahmen den Drogenkonsum spürbar senken. Ferner zeigen die Daten eindeutig, dass auch die Zahl der Länder, in denen Menschen illegale Drogen injizieren, wächst, wobei zunehmend Frauen und Kinder betroffen sind. Außerhalb von den subsaharischen afrikanischen Ländern geht ungefähr jeder dritte neue Fall von HIV auf den Konsum injizierter Drogen zurück. In einigen der Gegenden mit der derzeit schnellsten HIV-Ausbreitung wie z.B. Osteuropa und Zentralasien kann die HIV-Prävalenz bis zu 70 % der injizierenden Drogenkonsumenten betragen. Stellenweise fallen sogar mehr als 80% aller HIV-Fälle in diese Gruppe.

    Angesichts dieser erdrückenden Beweislage, die zeigt, dass die Strafverfolgungsmaßnahmen in der Drogenbekämpfung ihre erklärten Ziele nicht erreicht hat, ist es von entscheidender Bedeutung, dass die schädlichen Folgen dieses Scheiterns zur Kenntnis genommen und entsprechende Gegenmaßnahmen getroffen werden. Beispiele für die schädlichen Folgen sind:

    • Ausbreitung der HIV-Epidemie durch Kriminalisierung von Konsumenten illegaler Drogen sowie durch das Verbot der Bereitstellung steriler Nadeln und opioidgestützter Substitutionstherapien
    • HIV-Ausbrüche unter inhaftierten und heimuntergebrachten Drogenkonsumenten als Ergebnis von Strafgesetzen und -regelungen sowie von mangelnder HIV-Prävention in diesem Umfeld.
    • Die Aushöhlung öffentlicher Gesundheitssysteme im Zuge von Strafverfolgungsmaßnahmen, die Drogenkonsumenten von Prävention und Versorgung fernhalten und in ein Umfeld drängen, wo ein erhöhtes Risiko der Übertragung von Infektionskrankheiten (z.B. HIV, Hepatitis C und B sowie Tuberkulose) und anderer schädlicher Einflüsse besteht.
    • Krise der Strafjustizsysteme als Ergebnis von Rekordinhaftierungsraten in zahlreichen Ländern. Dies hat sich negativ auf die soziale Funktionsfähigkeit ganzer Kommunen ausgewirkt. Während sich ethnische Unterschiede bei den Inhaftierungsraten für Drogendelikte in vielen Ländern weltweit zeigen, so ist dieser Effekt in den USA besonders stark ausgeprägt: Hier sitzt zu einem x-beliebigen Zeitpunkt jeder neunte männliche Afroamerikaner aus der Altersgruppe von 20 bis 34 Jahren im Gefängnis, was vor allem das Ergebnis von Strafverfolgungsmaßnahmen bei der Drogenbekämpfung ist.
    • Stigmatisierung von Menschen, die illegale Drogen konsumieren, was wiederum die Kriminalisierung von Drogenkonsumenten politisch populärer macht und die HIV-Prävention sowie andere Gesundheitsförderungsprogramme untergräbt.
    • Schwere Menschenrechtsverletzungen, einschließlich Folter, Zwangsarbeit, unmenschliche und erniedrigende Behandlung sowie Hinrichtungen von Drogenstraftätern in etlichen Ländern.
    • Ein riesiger illegaler Markt mit einem geschätzten jährlichen Wert von 320 Milliarden US-Dollar. Diese Gewinne bleiben vollständig außerhalb der Regierungskontrolle. Sie schüren Kriminalität, Gewalt und Korruption in unzähligen Städten und haben ganze Länder wie z.B. Kolumbien, Mexiko und Afghanistan destabilisiert.
    • Milliarden an Steuerdollars werden an einen "War on Drugs"-Ansatz zur Drogenbekämpfung verschwendet, der seine erklärten Ziele nicht erreicht, sondern stattdessen sogar direkt oder indirekt zu den genannten schädlichen Auswirkungen beiträgt.

    Leider werden Belege dafür, dass die Drogenverbotspolitik ihre erklärten Ziele verfehlt hat, sowie für die äußerst negativen Folgen dieser Strategie oftmals durch diejenigen geleugnet, die ein persönliches Interesse daran haben, den Status quo aufrechtzuerhalten. Dies hat zu Verwirrung in der Öffentlichkeit geführt und unzählige Menschenleben gefordert. Regierungen und internationale Organisationen sind ethisch und rechtlich dazu verpflichtet, auf diese Krise zu reagieren, und müssen sich um alternative evidenzbasierte Strategien bemühen, die effektiv die schädlichen Auswirkungen von Drogen reduzieren können, ohne ihrerseits neue Schäden nach sich zu ziehen. Wir, die Unterzeichner, fordern Regierungen und internationale Organisationen, einschließlich der Vereinten Nationen, dazu auf:

    • eine transparente Überprüfung der Wirksamkeit der derzeitigen Drogenpolitik durchzuführen.
    • einen wissenschaftlich fundierten gesundheitspolitischen Ansatz umzusetzen und zu evaluieren, der den individuellen und gemeinschaftlichen Schäden durch illegalen Drogenkonsum wirksam begegnet.
    • Drogenkonsumenten zu entkriminalisieren, mehr Möglichkeiten evidenzbasierter Behandlung von Drogenabhängigkeit zu schaffen sowie erfolglose Behandlungszentren zu schließen, in denen Drogenabhängige zwangstherapiert werden und die gegen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verstoßen.
    • die Finanzierung für die Umsetzung des umfassenden Pakets von HIV-Interventionen aus dem Zielsetzungshandbuch von WHO, UNODC und UNAIDS eindeutig zu befürworten und auszuweiten.
    • die betroffenen Kommunen sinnvoll in die Entwicklung, Überwachung und Durchführung von Dienstleistungen und politischen Maßnahmen, die das Leben der Menschen vor Ort beeinflussen, einzubinden.

    Des weiteren fordern wir den UN-Generalsekretär Ban Ki-moon auf, dringend Maßnahmen zu ergreifen um sicherzustellen, dass das System der Vereinten Nationen, einschließlich des Internationalen Suchtstoffkontrollamtes, mit einer Stimme spricht, um die Entkriminalisierung von Drogenkonsumenten und die Durchführung von evidenzbasierten Ansätzen der Drogenkontrolle zu unterstützen. 

    Die Drogenpolitik auf wissenschaftliche Erkenntnisse zu stützen, wird den Drogenkonsum oder die Probleme, die durch injizierenden Drogenkonsum entstehen, nicht beseitigen. Aber eine Neuausrichtung der Drogenpolitik in Richtung evidenzbasierter Ansätze, die die Menschenrechte respektieren, schützen und erfüllen, hat das Potenzial, Schäden, die durch die gegenwärtige Politik entstehen, zu verringern und würde die Umleitung großer finanzieller Ressourcen dorthin ermöglichen, wo sie am meisten gebraucht werden: zur Durchführung und Evaluierung evidenzbasierter Prävention, Kontrolle, Behandlung und Maßnahmen zur Schadensminimierung.

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:

    09. Juli 2010 - AIDS: erschwingliche Arzneimitteln und Patientendiskriminierung bekämpfen - Pressemitteilung in deutscher Sprache 

    08. Juli 2010 - AIDS: ensuring affordable medicines and fighting discrimination - Pressemitteilung in englischer Sprache 

    08. Juli 2010 - The Vienna Declaration

    29. Juni 2010 - The Vienna Declaration: A Global Call to Action

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  • 01Apr

    Milzbrand (Anthrax) bei Drogenkonsumenten in Deutschland! Stand: 31. März 2010)

    Nachdem im Dezember 2009 ein Heroinkonsument in Aachen an Milzbrand (Anthrax) verstarb, wurde die Infektion nun bei einem weiteren Heroinkonsumenten in Aachen nachgewiesen.

    In Großbritannien erkrankten seit Dezember 2009 bereits 33 Heroinkonsumenten, von denen 11 starben.

    Als gemeinsame Quelle für die Infektionen in Deutschland und Großbritannien wird mit Milzbrand-Bakterien verunreinigtes Heroin vermutet. Möglicherweise wurde das Heroin bei der Herstellung oder beim Transport in einem der Herkunftsländer, in denen Milzbrand als Erkrankung bei Vieh vorkommt, mit Milzbrandsporen verunreinigt (z.B. durch "Strecken" des Stoffes mit Knochenmehl, Trocknen von Substanzen auf verunreinigtem Erdreich oder Transport in Taschen aus Tiermaterial).

    Das jetzige Auftreten eines weiteren Falles bei einem Heroinkonsumenten in derselben Region in Deutschland legt nahe, dass kontaminiertes Heroin weiter im Umlauf ist. Es ist nicht auszuschließen, dass es auch in anderen Bundesländern vertrieben worden sein könnte.

    • Wichtig: Man sieht es dem Stoff nicht an, ob er mit Milzbrandsporen verseucht ist.
    • Deshalb: Sollten Sie Heroin konsumiert haben und spezifische Krankheitssymptome (siehe unten) entwickeln, wenden Sie sich bitte SOFORT an einen Arzt! Machen Sie den Arzt auf die Möglichkeit einer Milzbrand-Infektion (Haut, Lunge, Darm) aufmerksam!
    • Die neu aufgetretene Milzbrand-Gefahr erhöht die gesundheitlichen Risiken des Drogenkomsums zusätzlich: Bitte beenden Sie Ihren Drogenkonsum!

      Mitarbeiter/innen von Kontaktläden, Drogenkonsumräumen, Drogenberatungsstellen, Suchtmediziner und Entzugs-/Rehabilitationskliniken helfen Ihnen dabei.

    • Falls Sie in ärztlicher Substitutionsbehandlung sind und zusätzlich Heroin konsumieren, versuchen Sie, wenigstens in der nächsten Zeit, den Beigebrauch zu stoppen bzw. zu reduzieren.

    Was ist Milzbrand?

    Milzbrand ist eine in Deutschland sehr seltene, bakterielle, Infektionskrankheit, die unbehandelt oft zum Tode führt. Darüber hinaus ist das Krankheitsbild bei Ärzten wenig bekannt, so dass eventuell nicht immer frühzeitig daran gedacht wird. Milzbrand kann behandelt werden. Die Behandlung sollte frühzeitig begonnen werden. Einen Impfstoff gibt es nicht.

    Symptome von Milzbrand:

    Nach Spritzen verunreinigten Stoffes droht Hautmilzbrand (häufigste Form) oder aber auch eine Hirnhautentzündung, die sich durch starke Kopfschmerzen äußert.

    Hautmilzbrand: An der Injektionsstelle bildet sich eine Schwellung, Rötung und Hautverhärtung. Diese ist typischerweise kaum schmerzhaft. Ein Abszess (eine Eiteransammlung) oder Blasen können sich bilden, dann "trocknet" der Bereich ein, und bildet eine dunkle, fast schwarze Stelle (daher der Name "Anthrax"). Es folgt eine Schwellung der gesamten Region (z. B. des Arms), daraufhin ein sehr schweres Krankheitsbild, das rasch zum Tod führen kann.

    Nach Rauchen/Schnupfen verunreinigten Stoffes droht Lungen- oder Darmmilzbrand.

    Lungenmilzbrand: Es kommt zu einer grippeartigen Erkrankung (Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Husten mit blutigem Auswurf, Atemnot) und innerhalb der nächsten Tage zu einem schweren, fast immer tödlichen Krankheitsbild.

    Darmmilzbrand: Bauchschmerzen, Blähungen, blutiger Durchfall, schwerstes Krankheitsbild mit möglicher Todesfolge.

    Übertragungswege:

    Man kann sich mit Milzbrand infizieren, wenn man verunreinigten Stoff (z.B. Heroin)

    • in die Vene oder die Haut/den Muskel spritzt
    • inhaliert (z. B. raucht und schnupft),
    • angefasst hat, und von den Sporen etwas in den Mund gelangt.

    Es gibt praktisch keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Für die Allgemein-bevölkerung besteht kein Infektionsrisiko.

    Weitere Informationsmöglichkeiten:

    Internetseite des Robert Koch-Institutes: www.rki.de

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:

    01. April 2010 – Robert Koch Institut: Zweiter Fall von Milzbrand bei einem Heroinkonsumenten in Nordrhein-Westfalen

    22. Februar 2010 - Milzbrand-Todesfall bei einem Heroinkonsumenten in Nordrhein-Westfalen

    08. Februar 2010 - Anthrax-Warnung für Heroinkonsumenten in London

    19. Januar 2010 - Information für Drogenkonsumenten - Milzbrand (Anthrax) bei Drogenkonsumenten in Deutschland

    15. Januar 2010 - Milzbrand-Todesfall bei einem i.v. Drogenkonsumenten in Nordrhein-Westfalen

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  • 22Feb

    In Nordrhein-Westfalen (Städteregion Aachen) starb ein 42-jähriger Mann am 13.12.2009 an den Folgen von Milzbrand. Er hatte sich vermutlich Heroin intravenös injiziert. In einem Wundabstrich wurden aerobe Sporenbildner diagnostiziert. Die Verdachtsdiagnose Milzbrand wurde am 18.12.2009 mittels PCR bestätigt. Den schottischen Gesundheitsbehörden sind aktuell 23 Milzbrandfälle unter Heroinkonsumenten gemeldet, davon endeten 9 tödlich (Stand: 19.2.2010, http://www.hps.scot.nhs.uk/anthrax/). Auch in England gibt es zwei bestätigte Fälle von Milzbrand bei Heroinkonsumenten, von denen einer verstorben ist (Stand 19.2.2010, (http://www.hpa.org.uk/HPA/Topics/InfectiousDiseases/InfectionsAZ/1191942145749/).

    Aufgrund vergleichender Untersuchungen von Proben des Aachener Verstorbenen und von Proben von Fällen aus Schottland ist nicht auszuschließen, dass es sich um identische Stämme des Milzbranderregers bei allen untersuchten Fällen handelt. Dies ist ein Hinweis darauf, dass das Heroin eine gemeinsame Quelle der Verunreinigung haben könnte. Kontaminiertes Heroin könnte somit auch in anderen Bundesländern und europäischen Staaten vertrieben worden sein. Bei entsprechender Anamnese sollten Ärzte Milzbrand differentialdiagnostisch frühzeitig in Erwägung ziehen und schon bei Verdacht nach erfolgter Probenentnahme eine Therapie einleiten. Man kann sich mit Milzbrand infizieren, wenn z. B. mit Milzbrandsporen verunreinigtes Heroin inhaliert wird, mit verletzter Haut oder Schleimhaut in Kontakt kommt oder in die Haut/den Muskel injiziert wird. Es gibt praktisch keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Für die Allgemeinbevölkerung besteht kein Infektionsrisiko. Die Prognose der Infektion kann durch eine frühzeitige gezielte Antibiotikatherapie deutlich verbessert werden.

    Ein Merkblatt mit Kurzinformationen zu Anthrax ist unter folgendem Link bereitgestellt: www.rki.de > Infektionskrankheiten A – Z > Anthrax > Milzbrand (Anthrax) Kurzinformation

    Weitere Informationen finden Sie im RKI-Ratgeber für Ärzte unter folgendem Link: www.rki.de > Infektionsschutz > Biologische Sicherheit > Erreger > Anthrax > Ratgeber Infektionskrankheiten Merkblätter für Ärzte

    Aufgrund der möglicherweise überregionalen und internationalen Tragweite dieses Geschehens bitten wir um Benachrichtigung, wenn Sie von aktuellen Fällen oder Fällen aus der Vergangenheit erfahren, die mit diesem Geschehen in Zusammenhang stehen könnten. Wenden Sie sich hierfür bitten an das zuständige Gesundheitsamt vor Ort.

    Quelle: Information des Robert Koch Instituts vom 22. Februar 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch meine folgenden Artikel:

    08. Februar 2010 – Anthrax-Warnung für Heroinkonsumenten in London

    19. Januar 2010 – Information für Drogenkonsumenten - Milzbrand (Anthrax) bei Drogenkonsumenten in Deutschland

    15. Januar 2010 – Milzbrand-Todesfall bei einem i.v. Drogenkonsumenten in Nordrhein-Westfalen

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  • 19Feb

    Berlin, 19.02.2010 - Die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. (DAH) weist Äußerungen der Geschäftsführung der Drogenhilfe Nordhessen zur Substitution Opiatabhängiger auf das Schärfste zurück: In der heutigen Ausgabe der HNA.de (Hessische/Niedersächsische Allgemeine Zeitung) spricht sich die Geschäftsführerin der Drogenhilfe Angela Waldschmidt gegen die Substitution von opiatabhängigen Menschen aus und diskriminiert Substitutionspatienten. Die Deutsche AIDS-Hilfe weist darauf hin, dass die Substitution die weltweit erfolgreichste Behandlungsform für Heroinkonsumenten darstellt und fordert die Drogenhilfe Nordhessen auf, ihre Haltung umgehend zu korrigieren.

    Dazu erklärt Silke Klumb, Geschäftsführerin der DAH: "Es ist unerträglich, wie im Beitrag von Frau Waldschmidt die positiven gesundheitlichen und sozialen Effekte der Substitutionsbehandlung verschwiegen werden und stattdessen eine sowohl ethisch als auch fachlich unzulässige Diskriminierung von Substitutionspatienten vorgenommen wird. Alle Studien zeigen, dass der Strafvollzug aufgrund seiner vielfach fehlenden Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten sowie der nur im geringen Maße zur Verfügung stehenden sozialen Begleitung gänzlich ungeeignet ist, um Drogen gebrauchende Menschen erfolgreich zu begleiten und zu behandeln."

    Dirk Schäffer, DAH-Referent Drogen und Strafvollzug ergänzt: "Wenn Frau Waldschmidt sich für eine ´Zwangsentgiftung im Strafvollzug´ ausspricht und den Vollzug für einen Ort hält, an dem ´viele zum ersten Mal nach längerer Zeit einen klaren Kopf bekommen und beginnen, über ihre Situation zu nachzudenken,´ fragen wir uns als Deutsche AIDS-Hilfe, welche Menschenbilder und Haltungen in der Leitung der Drogenhilfe Hessen vorherrschen. Das sind Rezepte aus der Mottenkiste!"

    In Deutschland werden ca. 30-50 Prozent aller Opiatkonsumenten mit Medikamenten wie Methadon, Polamidon und Buprenorphin behandelt. Dies ist keine Behandlung nach dem "Gießkannenprinzip", denn keine andere Behandlungsform wird von solch strengen gesetzlichen und kassenrechtlichen Regelungen und Vorgaben begleitet wie die Substitutionsbehandlung. Hier wird den Menschen, die multiple substanzbezogene und somatische Erkrankungen aufweisen, eine Überlebenshilfe, eine Erhaltungsbehandlung sowie eine Basis für ein Leben ohne Drogen angeboten.

    Weitere Informationen:

    Dirk Schäffer
    Referent Drogen und Strafvollzug
    Tel.: 030 / 690087-56
    E-Mail:
    dirk.schaeffer@dah.aidshilfe.de

    Quelle: Pressemitteilung der Deutschen AIDS-Hilfe vom 19. Februar 2010

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  • 08Feb

    Die englische Health Protection Agency (HPA) und NHS London bestätigen, dass ein Drogen injizierender Heroinabhängige positiv auf Milzbrand (Anthrax) getestet wurde und in einem Londoner Krankenhaus behandelt wird.

    Dies ist der erste Fall von Milzbrand bei einem Drogenkonsumenten in England, wobei ähnlich Fälle zunächst im Dezember 2009 in Schottland auftraten. In Schottland sind bislang 19 entsprechender Fälle bestätigt worden. Wie in Schottland ist die Quelle der Infektion wahrscheinlich mit Anthrax gemischtes Heroin.

    Die vollständige Pressemitteilung vom Health Protection Agency in englischer Sprache könnt Ihr über den folgenden Link erreichen:

    http://www.hpa.org.uk/webw/HPAweb&HPAwebStandard/HPAweb_C/1265296975679?p=1259152466069

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch meine folgenden Artikel:

    19. Januar 2010 – Information für Drogenkonsumenten – Milzbrand (Anthrax) bei Drogenkonsumenten in Deutschland

    15. Januar 2010 – Milzbrand-Todesfall bei einem i.v. Drogenkonsumenten in Nordrhein-Westfalen

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  • 19Jan

    Im Dezember starb ein 42-jähriger Mann, der Drogen injiziert hatte, in Aachen an Milzbrand (Anthrax). Seit Dezember sind in Schottland 14 Heroinkonsumenten an Milzbrand erkrankt, von denen sieben starben. Weitere Verdachtsfälle kamen vor wenigen Tagen hinzu. Ein Konsument hat die Infektion durch Rauchen/Schnupfen bekommen. Es wird nun vermutet, dass mit infektiösen Milzbrandsporen verunreinigtes Heroin (eventuell auch andere psychoaktive Substanzen, die man spritzen kann) in Europa im Umlauf ist!

    Milzbrand ist eine in Deutschland sehr seltene, bakterielle, Infektionskrankheit (vor Dezember 2009 datierte der letzte Fall von 1994!), die unbehandelt oft zum Tode führt. Darüber hinaus ist das Krankheitsbild bei Ärzten kaum bekannt, so dass eventuell nicht immer frühzeitig daran gedacht wird. Milzbrand kann antibiotisch behandelt werden. Die Behandlung sollte frühzeitig begonnen werden. Einen Impfstoff gibt es nicht.

    Möglicherweise wurde das Heroin in einem der Herkunftsländer, in denen Milzbrand als Erkrankung von Vieh vorkommt (eventuell Afghanistan oder Nachbarländer), bei der Herstellung oder beim Transport mit Milzbrandsporen verunreinigt (z.B. durch "Strecken" des Stoffs mit Knochenmehl, Trocknen von Substanzen auf verunreinigtem Erdreich oder Transport in Taschen aus Tiermaterial).

    Aktuell ist nicht bekannt, wie viel verunreinigtes Heroin im Umlauf ist. Allerdings ist davon auszugehen, dass ein Heroin-/Drogenkonsum mit dem Risiko einer Milzbrandinfektion verbunden ist - vor allem dann, wenn die Substanzen injiziert werden.

    Seien Sie auf der Hut und informieren Sie andere Konsumenten über das Milzbrand-Risiko!

    • Wichtig: Man sieht es dem Stoff nicht an, ob er mit Anthraxsporen verseucht ist
    • Deshalb: Sollten Sie Heroin konsumiert haben und spezifische Krankheitssymptome (siehe unten) entwickeln, wenden Sie sich bitte SOFORT an einen Arzt! Bitten Sie unbedingt den Arzt darum, dass er bei der Diagnostik an eine Milzbrand-Infektion (Haut, Lunge, Darm) denken soll
    • Die neu aufgetretene Milzbrand-Gefahr erhöht die gesundheitlichen Risiken des Drogenkonsums zusätzlich: Bitte beenden Sie Ihren Drogenkonsum!
      Mitarbeiter/innen von Kontaktläden, Drogenkonsumräumen, Drogenberatungsstellen, Suchtmediziner und Entzugs-/Rehabilitationskliniken helfen Ihnen dabei
    • Falls Sie ärztlich substituiert werden und zusätzlich Heroin konsumieren, versuchen Sie, zumindest in der nächsten Zeit damit aufzuhören bzw. zu reduzieren!

    Übertragungswege:

    Man kann sich mit Milzbrand infizieren, wenn man verunreinigten Stoff (z.B. Heroin)

    • in die Vene oder die Haut/den Muskel spritzt
    • inhaliert (z.B. raucht oder schnupft)
    • angefasst hat, und von den Sporen etwas in den Mund gelangt

    Es gibt praktisch keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Für die Allgemeinbevölkerung besteht kein Infektionsrisiko.

    Symptome von Milzbrand:

    Nach Spritzen verunreinigten Stoffes droht Hautmilzbrand (häufigste Form) oder aber auch eine Hirnhautentzündung, die sich durch starke Kopfschmerzen äußert.

    Hautmilzbrand: An der Injektionsstelle bildet sich eine Schwellung, Rötung und Hautverhär-tung. Diese ist typischerweise kaum schmerzhaft. Ein Abszess (eine Eiteransammlung) oder Blasen können sich bilden, dann "trocknet" der Bereich ein, und bildet eine dunkle, fast schwarze Stelle (daher der Name "Anthrax"). Es folgt eine Schwellung der gesamten Region (z. B. des Arms), daraufhin ein schwerstes Krankheitsbild, das rasch zum Tod führen kann.

    Nach Rauchen/Schnupfen verunreinigten Stoffes droht Lungen- oder Darmmilzbrand.
    Lungenmilzbrand: Es kommt zu einer grippeartigen Erkrankung (Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Husten mit blutigem Auswurf, Atemnot) und innerhalb der nächsten Tage zu einem schweren, fast immer tödlichen Krankheitsbild.

    Darmmilzbrand: Bauchschmerzen, Blähungen, blutiger Durchfall, schwerstes Krankheitsbild mit möglicher Todesfolge.

    Weitere Informationsmöglichkeiten:

    Internetseite des Robert Koch-Institutes: www.rki.de → Aktuelle Themen: Milzbrand-Todesfall oder: http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/A/Anthrax/Milzbrand-Todesfall__in__NRW.html

    Quelle: Informationsblatt des Robert-Koch-Institutes zu Milzbrand (Anthrax) für Drogenkonsumenten vom 19. Januar 2010

    Zu diesem Thema empfehle ich euch auch meinen folgenden Artikel:

    15. Januar 2010 – Milzbrand-Todesfall bei einem i.V. Drogenkonsumenten in Nordrhein-Westfalen

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  • 15Jan

    Aus Nordrhein-Westfalen (Städte Region Aachen) wurde der Fall eines 42-jährigen Mannes übermittelt, der am 13.12.2009 an den Folgen von kutanem Milzbrand verstorben ist. Der Mann hatte sich vermutlich Heroin intravenös in die Kniekehle injiziert. Im Wundabstrich von der Injektionsstelle wurden aerobe Sporenbildner diagnostiziert. Die Verdachtsdiagnose Milzbrand wurde am 18.12.2009 mittels PCR bestätigt. Neben einem chronischen intravenösen Drogenabusus lagen bei dem Verstorbenen eine chronische Hepatitis B und C, eine HIV-Infektion sowie ein chronischer Alkohol- und Benzodiazepinabusus vor.

    Im Detail: Am 6.12.2009 wurde der Mann wegen ödematöser Veränderungen im Injektionsbereich und Verdacht auf tiefe Beinvenenthrombose stationär aufgenommen. Eine Computertomographie des Unterschenkels zeigte eine Muskelnekrose mit drohendem Kompartmentsyndrom. In der Folge war eine chirurgische Faszieneröffnung im Bereich des Unter- und Oberschenkels erforderlich, später auch im abdominellen Bereich. Er starb am 13.12.2009 an Multiorganversagen.

    In den letzten Wochen wurden aus Schottland wiederholt Fälle von Milzbrand nach intravenösem Heroinabusus bekannt. Bislang haben die schottischen Behörden Kenntnis von 14 Fällen, von denen 7 verstarben (Stand 11.1.2010). Soweit bekannt ist, hatte der Aachener Fall keine direkte Verbindung zu Schottland.

    Derzeit lässt sich eine gemeinsame Infektionsquelle für den Fall in Aachen und die Fälle in Schottland nicht ausschließen. Kontaminiertes Heroin könnte somit auch in anderen Bundesländern und europäischen Staaten vertrieben worden sein. Ärzte sollten bei entsprechender Anamnese und klinischem Bild Milzbrand differentialdiagnostisch frühzeitig in Erwägung ziehen, und schon bei Verdacht nach erfolgter Probenentnahme eine Therapie einleiten. Die Prognose der Infektion kann durch eine frühzeitige gezielte Antibiotikatherapie deutlich verbessert werden. Ein Merkblatt mit Kurzinformationen zu Anthrax ist unter folgendem Link bereitgestellt:
    www.rki.de > Infektionskrankheiten A – Z > Anthrax > Milzbrand (Anthrax) - Kurzinformation

    Weitere Informationen finden Sie im RKI-Ratgeber für Ärzte unter folgendem Link:
    www.rki.de > Infektionsschutz > Biologische Sicherheit > Erreger > Anthrax > Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte

    Aufgrund der möglicherweise überregionalen und internationalen Tragweite dieses Geschehens bitten wir um umgehende Benachrichtigung, wenn Sie von aktuellen Fällen oder Fällen aus der Vergangenheit erfahren, die mit diesem Geschehen in Zusammenhang stehen könnten. Wenden Sie sich hierfür bitten an das zuständige Gesundheitsamt vor Ort.

    Ansprechpartnerinnen im Robert Koch-Institut sind Frau Dr. Radun (RadunD@rki.de, Tel. 030 18754-3406 oder Mobil 0175/5726606) und Frau Dr. Bernard (BernardH@rki.de, Tel. 030 18754-3173).

    Außerhalb der regulären Arbeitszeiten ist das Robert Koch-Institut über die infektionsepidemiologische Rufbereitschaft (Tel. 030 18754-0) zu erreichen. Bei Fragen zur Diagnostik steht Herr PD Dr. Grunow vom Zentrum für Biologische Sicherheit (ZBS) 2 am Robert Koch-Institut zur Verfügung (GrunowR@rki.de, Tel. 030 18754-2100).

    Quelle: Aktuelle Mitteilung des Robert-Koch-Institutes vom 14. Januar 2010
    Foto: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Bacillus_anthracis

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  • 07Jan

    Anti-Drogen-Gesetz bedeutet Fortführung von Menschenrechtsverletzungen

    "Anstatt dafür zu sorgen, dass Drogenabhängige eine wirksame Therapie erhalten, unterwirft das neue Gesetz sie willkürlicher Haft und unmenschlicher Behandlung. Die chinesische Regierung bezeichnet die Regelung als Fortschritt in Richtung einer Anerkennung von Drogenabhängigen als Patienten, doch sie gewährt ihnen noch nicht einmal die Rechte gewöhnlicher Häftlinge."

    Joe Amon, Leiter der Abteilung Gesundheit und Menschenrechte von Human Rights Watch

    Die chinesischen Behörden halten Drogenkonsumenten in Haftzentren fest, in denen ihnen der Zugang zu einer Suchttherapie versperrt ist. Zudem besteht die Gefahr, dass sie dort körperlich misshandelt oder zu unbezahlter Arbeit gezwungen zu werden, so Human Rights Watch in einem heute veröffentlichten Bericht. Laut UNAIDS, dem gemeinsamen Programm der Vereinten Nationen zu HIV/AIDS, sind in China eine halbe Million Menschen in geschlossenen Haftzentren für Drogenkonsumenten inhaftiert.

    Der 37-seitige Bericht "Where Darkness Knows No Limits" stützt sich auf Ermittlungen in den Provinzen Yunnan und Guangxi und dokumentiert, wie das seit Juni 2008 geltende chinesische Anti-Drogen-Gesetz die Gesundheitsrisiken für mutmaßliche Konsumenten illegaler Drogen erhöht. Behörden und Sicherheitskräfte sind dadurch berechtigt, Drogenkonsumenten für bis zu sieben Jahre zu inhaftieren. Die Inhaftierung kann dabei ohne Gerichtsverfahren oder richterliche Überwachung erfolgen. Das Gesetz enthält keine klaren Regelungen für die Anfechtung solcher Maßnahmen oder für die Meldung von Missbrauch. Zudem gewährleistet es keine wissenschaftlich begründete Behandlung der Drogenabhängigen.

    "Anstatt dafür zu sorgen, dass Drogenabhängige eine wirksame Therapie erhalten, unterwirft das neue Gesetz sie willkürlicher Haft und unmenschlicher Behandlung", so Joe Amon, Leiter der Abteilung Gesundheit und Menschenrechte von Human Rights Watch. "Die chinesische Regierung bezeichnet die Regelung als Fortschritt in Richtung einer Anerkennung von Drogenabhängigen als Patienten, doch sie gewährt ihnen noch nicht einmal die Rechte gewöhnlicher Häftlinge."

    Der Bericht beschreibt, wie in einigen Haftzentren Gefangene regelmäßig geschlagen wurden, keine medizinische Behandlung erhielten und gezwungen wurden, bis zu 18 Stunden am Tag ohne Bezahlung zu arbeiten. Obwohl sie zur "Rehabilitation" verurteilt sind, haben die Inhaftierten weder Zugang zu wirksamen Drogentherapien noch Gelegenheit sich Fähigkeiten anzueignen, die ihnen bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft helfen würden.

    Die chinesische Regierung hat während der letzten zehn Jahre auch fortschrittliche Ansätze in der Drogenpolitik vorangetrieben, darunter als Teil einer pragmatischen Antwort auf die Zunahme von Drogenmissbrauch und HIV-Infektionen Maßnahmen, die gesundheitliche Folgeschäden des Drogenkonsums zu verhindern suchen ("Harm Reduction"). In Zusammenarbeit mit chinesischen und internationalen Nichtregierungsorganisationen hat die Zentralregierung gemeindebasierte Methadontherapien ausgeweitet und in einigen besonders stark von HIV/AIDS betroffenen Gebieten Spritzentauschprogramme durchgeführt. Das Büro der nationalen Betäubungsmittelkontrollkommission veröffentlichte im Juni 2008 eine Erklärung, wonach "Drogentherapie und Rehabilitation im Einklang mit auf den Menschen ausgerichteten Prinzipien stehen". Im März 2009 erklärte ein hochrangiger Regierungsbeamter: "Die chinesische Regierung steht dazu, dass Drogentherapie und Rehabilitation in einer Weise erfolgen sollten, die sich an den Menschen orientiert."

    Dennoch erhöht das neue Anti-Drogen-Gesetz die Gesundheitsrisiken für mutmaßliche Drogenabhängige und leistet sozialer Ausgrenzung und Stigmatisierung Vorschub.

    In der Praxis beendet das Gesetz zwar die Bestrafung mutmaßlicher Drogenkonsumenten durch sogenannte "Umerziehung durch Arbeit"; es verlängert jedoch die vorgeschriebene Haftdauer in den Haftzentren für Drogenkonsumenten von vormals sechs bis zwölf Monaten auf mindestens zwei Jahre. In den Haftzentren kommt es zu den gleichen Menschenrechtsverletzungen wie im System der "Umerziehung durch Arbeit". So wird über Zwangsarbeit, körperliche Misshandlung und die Verweigerung einer medizinischen Grundversorgung berichtet.

    Laut den Aussagen ehemaliger Häftlinge, die von Human Rights Watch befragt wurden, starben in einigen Fällen Inhaftierte infolge von Menschenrechtsverletzungen. Das Gesetz sieht zudem eine nicht genauer erläuterte "gemeinschaftliche Rehabilitationsphase" von bis zu vier Jahren vor und ermöglicht so insgesamt eine Inhaftierung ohne Gerichtsverfahren für bis zu sieben Jahre.

    "Die chinesische Regierung soll diesen Menschenrechtsverletzungen umgehend ein Ende setzen und dafür sorgen, dass die Rechte mutmaßlicher Drogenkonsumenten in vollem Umfang respektiert werden", so Amon. "Dem illegalen Drogenkonsum soll mit freiwilligen, gemeindebasierten ambulanten Therapien begegnet werden, die auf wirksamen und erprobten Lösungsansätzen beruhen. Drogenkonsumenten in großen Zahlen zusammenzusperren und sie Zwangsarbeit und körperlichem Missbrauch zu unterwerfen ist keine Rehabilitation."

    Aussagen ehemaliger Insassen von Haftzentren für Drogenkonsumenten im Jahr 2009 in Yunnan:

    "Mehrere zivil gekleidete Polizisten lauerten mir auf, als ich von der Arbeit nach Hause kam. Sie begannen, mich zu schlagen, und legten mir Handschellen an. Niemand auf der Straße versuchte, mir zu helfen. Man nahm einfach an, ich sei ein Krimineller. Die Polizisten sagten mir, sie würden mich in ein Haftzentrum für Drogenkonsumenten bringen, wenn ich ihnen nicht 3000 Yuan (300 Euro) gäbe. Sie brachten mich zu meinem Haus und sagten, wenn ich das Geld nicht holte, würden sie weiter auf mich einschlagen. Sie warteten eine Weile draußen, während ich drinnen darauf wartete, dass meine Familie 3000 Yuan von Verwandten auftrieb."

    "Ob wir auf der Straße sind oder in einem Restaurant sitzen – überall kann uns die Polizei einfach packen und zu einem Urintest zwingen. Immer wenn wir den Personalausweis benutzen, können sie uns zwingen, einen Urinprobe abzugeben."

    "Die Polizisten hielten mich an und verlangten Geld. Ich sagte: "Bitte wenden Sie keine Gewalt an. Bitte keine Gewalt." Dennoch schlugen sie mich."

    "Ich war früher drogenabhängig. Ich fing 1990 damit an. Ich habe versucht, sauber zu werden, und ich war mehr als achtmal in Zwangsarbeitslagern. Ich will auf keinen Fall zurück in ein Lager - das ist eine schreckliche Welt, dort hat die Dunkelheit keine Grenzen."

    Quelle: Pressemitteilung von Human Rights Watch vom 07. Januar 2010 – www.hrw.org

    Foto: Insassen eines Drogen-"Rehabilitationszentrums" in der chinesischen Provinz Yunnan beim Nähen. © 2008 Reuters

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  • 05Nov

    Konsum stabil (auf zu hohem Niveau)

    Vorstellung des Jahresberichts der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht

    Parallel zur Vorstellung des Jahresberichts der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) wird heute auch der aktuelle Jahresbericht zur Drogensituation in Deutschland von der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) veröffentlicht.

    Cannabis – sinkender Trend bei Jugendlichen

    Cannabis bleibt die in Deutschland am häufigsten konsumierte illegale Droge. Aktuelle Informationen der Drogenaffinitätsstudie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sowie der Schülerbefragung des "Frankfurter Monitoring Systems Drogen (MoSyD)" bestätigen, dass wie bereits in den vergangenen Jahren, der Trend zum Cannabiskonsum vor allem von Jugendlichen rückläufig ist.

    Der zurückgehende Cannabiskonsum gibt jedoch noch keinen Anlass zur Entwarnung. Denn trotz dieser positiven Entwicklung ist die Zahl der problematischen und intensiven Konsumenten von Cannabis nach wie vor hoch und die Nachfrage nach Behandlung groß: Ein Drittel aller Klienten der ambulanten Suchthilfe weisen primär eine Cannabisproblematik auf. Unter den Personen, die sich im Jahr 2008 das erste Mal in eine Suchtbehandlung begeben haben, liegt der Anteil der Klienten mit primärer Cannabisproblematik sogar bei  ca. 60%.

    Kokain – Zunahme in der EU, niedrige Prävalenz in Deutschland

    Während laut Bericht der EBDD vor allem in westlichen EU-Ländern ein Anstieg des Kokainkonsums zu verzeichnen ist, bleibt der Kokainkonsum in Deutschland auf einem niedrigem Niveau (12-Monats-Prävalenz: 0,6%, 30-Tage-Prävalenz: 0,2%). Dies bestätigt sich auch in der Betrachtung der Daten von Suchtpatienten in ambulanter oder stationärer Behandlung sowie in den Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik zu erfassten Delikten, die seit Jahren stabil niedrig sind.

    Amphetamine und andere Stimulanzien weisen in Deutschland ähnlich niedrige Konsumprävalenzen auf wie Kokain.

    Heroin – Stagnation

    Im Bezug auf den Konsum von Heroin gilt für Deutschland was auch die EBDD konstatiert: Die bis vor einigen Jahren beobachtbare stetige Abnahme heroinbezogener Probleme ist zu einem Stillstand gekommen. Zwar gibt es keine Anhaltpunkte dafür, dass eine Rückkehr zur weiten Verbreitung des Heroinkonsums wie in den 1980ern und 90ern bevorsteht, die mit dem Heroinmissbrauch verbundenen gesundheitlichen und sozialen Probleme sind jedoch weiterhin gravierend.

    Sonderkapitel

    Neben den regelmäßig berichteten Indikatoren widmet sich der Jahresbericht zur Drogensituation in diesem Jahr in zwei Sonderkapiteln dem deutschen Cannabismarkt und der Situation älterer Drogenabhängiger.

    Cannabismärkte und -produktion

    In Deutschland wird vor allem Haschisch aus Marokko und anderen Ländern des arabischen Raumes konsumiert. Marihuana kommt vor allem aus den Niederlanden und in zunehmendem Maße auch aus inländischen Indoor-Plantagen. Dementsprechend hat sich die Anzahl der polizeilichen Sicherstellungen von Cannabispflanzen und Marihuana seit 7-10 Jahren nahezu verdoppelt.

    Behandlung und Pflege älterer Drogenabhängiger

    Drogenabhängige erreichen in Deutschland ein immer höheres Lebensalter. Seit 2002 stieg das Durchschnittsalter von Opioidkonsumenten von 29 auf 33 Jahre an, jeder fünfte ist älter als 40 Jahre. Diese Entwicklung wurde vor allem durch die Einführung und das wachsende Angebot schadensminimierender Angebote und die Ausweitung der Substitutionsbehandlung möglich gemacht.

    Die soziale und gesundheitliche Situation der älteren Drogenabhängigen ist jedoch weiterhin von chronifizierten Mehrfachschädigungen und von Ausgrenzung gekennzeichnet. Ein vorzeitiger und beschleunigter Alterungsprozess, häufig 15 Jahre früher als bei nicht Drogen konsumierenden Senioren, erfordern einen frühzeitigen Pflegebedarf. Der beobachtete Alterstrend wird vermutlich anhalten und einen vermehrten Pflegebedarf bei dieser Klientel mit sich bringen.

    Pressemitteilung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vom 05. November 2009

    Neue Website

    Der Gesamtbericht steht auf der vollständig neu überarbeiteten und neu gestalteten Webseite der DBDD (Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht) zum Download zur Verfügung. Dort finden Sie auch weitere Informationen, beispielsweise zu den Aufgaben, Projekten und Publikationen der DBDD: http://www.dbdd.de/.

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  • 28Okt

    PRESSE-INFORMATION der AIDS-Hilfe NRW e.V. vom 22. Oktober 2009

    Erfolgreich in der HIV-Prävention bei Drogen gebrauchenden Menschen

    spritzensetDüsseldorf – 1989 startete die AIDS-Hilfe NRW in Zusammenarbeit mit dem Land Nordrhein-Westfalen das landesweite Spritzenautomatenprojekt. Der Landesverband leistet damit nun seit 20 Jahren einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung von HIV- und Hepatitis-C-Neuinfektionen bei Drogen gebrauchenden Menschen.

    Im Rahmen des heutigen Jubiläumsempfangs in den Räumen der AIDS-Hilfe Düsseldorf betonten Vertreterinnen und Vertreter der Landesregierung und der Aidshilfe gemeinsam den Erfolg dieses in der Flächenwirkung bundesweit einmaligen Projekts, bei dem sich Drogengebraucherinnen und Drogengebraucher rund um die Uhr mit Einmalspritzen, aber auch mit Pflegesets und Kondomen versorgen und zugleich ihr gebrauchtes Spritzenbesteck sicher entsorgen können.

    “Das Aufstellen der ersten Automaten vor zwanzig Jahren geschah vor dem Hintergrund einer Zunahme von HIV-Infektionen, der ansteigenden sozialen und gesundheitlichen Verelendung und steigender Todesfälle bei intravenös Drogenabhängigen”, sagte Elke Slawski-Haun vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen auf der Veranstaltung. Das Spritzenautomatenprojekt als Maßnahme zur Verbesserung der Gesundheits- und Überlebenshilfe Drogen gebrauchender Menschen hat sich bewährt. Es ist bis heute eine wichtige Ergänzung des Beratungsangebots und Spritzenaustauschprogramms von Drogenberatungsstellen, Suchthilfen und Aidshilfen.

    “Seit Beginn des Projekts 1989 ist der Anteil an den HIV-Neudiagnosen von Drogen gebrauchenden Menschen in Nordrhein-Westfalen von fast 20 Prozent auf 13 Prozent gesunken, mit aktuell weiter sinkender Tendenz; bundesweit liegt der Anteil bei 8 Prozent”, erläuterte Klaus-Peter Schäfer, stellvertretender Landesvorsitzender der AIDS-Hilfe NRW. Mit den über 100 Automaten in ganz NRW werden pro Jahr über 270.000 Einmalspritzen abgesetzt. “Angesichts dieses Erfolgs arbeiten wir an der konsequenten Weiterentwicklung des Projekts, was nicht immer einfach ist. Wir werben daher bei den zuständigen Behörden, der Anwohnerschaft und der Bevölkerung um Unterstützung, damit zukünftig weitere Standorte für Automaten realisiert werden können”, sagte Schäfer.

    Zur Jubiläumsveranstaltung konnte die AIDS-Hilfe NRW zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von Einrichtungen, die einen Spritzenautomaten betreiben, aus Politik, Verwaltung und Gesundheitsselbsthilfe sowie den regionalen Aidshilfen im Land begrüßen.

    Weitere Informationen findet ihr auf der Projektseite der AIDS-Hilfe NRW e.V. unter www.saferuse-nrw.de

    Auf der folgenden Projektseite der AIDS-Hilfe NRW e.V. könnt ihr unter Eingabe der entsprechenden Stadt sämtliche dort vorhandenen Standorte der Spritzenautomaten aufrufen: Standorte der Spritzenautomaten in NRW

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  • Wer bei solchen dubiosen Apotheken im Ausland einkauft, ist ...
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