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  • 22Feb

    In Nordrhein-Westfalen (Städteregion Aachen) starb ein 42-jähriger Mann am 13.12.2009 an den Folgen von Milzbrand. Er hatte sich vermutlich Heroin intravenös injiziert. In einem Wundabstrich wurden aerobe Sporenbildner diagnostiziert. Die Verdachtsdiagnose Milzbrand wurde am 18.12.2009 mittels PCR bestätigt.

    Den schottischen Gesundheitsbehörden sind aktuell 23 Milzbrandfälle unter Heroinkonsumenten gemeldet, davon endeten 9 tödlich (Stand: 19.2.2010, http://www.hps.scot.nhs.uk/anthrax/). Auch in England gibt es zwei bestätigte Fälle von Milzbrand bei Heroinkonsumenten, von denen einer verstorben ist (Stand 19.2.2010, http://www.hpa.org.uk/HPA/Topics/InfectiousDiseases/InfectionsAZ/1191942145749/).

    Aufgrund vergleichender Untersuchungen von Proben des Aachener Verstorbenen und von Proben von Fällen aus Schottland ist nicht auszuschließen, dass es sich um identische Stämme des Milzbranderregers bei allen untersuchten Fällen handelt. Dies ist ein Hinweis darauf, dass das Heroin eine gemeinsame Quelle der Verunreinigung haben könnte.

    Kontaminiertes Heroin könnte somit auch in anderen Bundesländern und europäischen Staaten vertrieben worden sein. Bei entsprechender Anamnese sollten Ärzte Milzbrand differentialdiagnostisch frühzeitig in Erwägung ziehen und schon bei Verdacht nach erfolgter Probenentnahme eine Therapie einleiten.

    Man kann sich mit Milzbrand infizieren, wenn z. B. mit Milzbrandsporen verunreinigtes Heroin inhaliert wird, mit verletzter Haut oder Schleimhaut in Kontakt kommt oder in die Haut/den Muskel injiziert wird. Es gibt praktisch keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Für die Allgemeinbevölkerung besteht kein Infektionsrisiko.

    Die Prognose der Infektion kann durch eine frühzeitige gezielte Antibiotikatherapie deutlich verbessert werden. Ein Merkblatt mit Kurzinformationen zu Anthrax ist unter folgendem Link bereitgestellt:
    www.rki.de > Infektionskrankheiten A – Z > Anthrax > Milzbrand (Anthrax) – Kurzinformation

    Weitere Informationen finden Sie im RKI-Ratgeber für Ärzte unter folgendem Link:
    www.rki.de > Infektionsschutz > Biologische Sicherheit > Erreger > Anthrax > Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte

    Aufgrund der möglicherweise überregionalen und internationalen Tragweite dieses Geschehens bitten wir um Benachrichtigung, wenn Sie von aktuellen Fällen oder Fällen aus der Vergangenheit erfahren, die mit diesem Geschehen in Zusammenhang stehen könnten. Wenden Sie sich hierfür bitten an das zuständige Gesundheitsamt vor Ort.

    Quelle: Information des Robert Koch Instituts vom 22. Februar 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch meine folgenden Artikel:

    08. Februar 2010 – Anthrax-Warnung für Heroinkonsumenten in London

    19. Januar 2010 – Information für Drogenkonsumenten – Milzbrand (Anthrax) bei Drogenkonsumenten in Deutschland

    15. Januar 2010 – Milzbrand-Todesfall bei einem i.v. Drogenkonsumenten in Nordrhein-Westfalen

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  • 08Feb

    Die englische Health Protection Agency (HPA) und NHS London bestätigen, dass ein Drogen injizierender Heroinabhängige positiv auf Milzbrand (Anthrax) getestet wurde und in einem Londoner Krankenhaus behandelt wird.

    Dies ist der erste Fall von Milzbrand bei einem Drogenkonsumenten in England, wobei ähnlich Fälle zunächst im Dezember 2009 in Schottland auftraten. In Schottland sind bislang 19 entsprechender Fälle bestätigt worden. Wie in Schottland ist die Quelle der Infektion wahrscheinlich mit Anthrax gemischtes Heroin.

    Die vollständige Pressemitteilung vom Health Protection Agency in englischer Sprache könnt Ihr über den folgenden Link erreichen:

    http://www.hpa.org.uk/webw/HPAweb&HPAwebStandard/HPAweb_C/1265296975679?p=1259152466069

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch meine folgenden Artikel:

    19. Januar 2010 – Information für Drogenkonsumenten – Milzbrand (Anthrax) bei Drogenkonsumenten in Deutschland

    15. Januar 2010 – Milzbrand-Todesfall bei einem i.v. Drogenkonsumenten in Nordrhein-Westfalen

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  • 19Jan

    Im Dezember starb ein 42-jähriger Mann, der Drogen injiziert hatte, in Aachen an Milzbrand (Anthrax). Seit Dezember sind in Schottland 14 Heroinkonsumenten an Milzbrand erkrankt, von denen sieben starben. Weitere Verdachtsfälle kamen vor wenigen Tagen hinzu. Ein Konsument hat die Infektion durch Rauchen/Schnupfen bekommen. Es wird nun vermutet, dass mit infektiösen Milzbrandsporen verunreinigtes Heroin (eventuell auch andere psychoaktive Substanzen, die man spritzen kann) in Europa im Umlauf ist!

    Milzbrand ist eine in Deutschland sehr seltene, bakterielle, Infektionskrankheit (vor Dezember 2009 datierte der letzte Fall von 1994!), die unbehandelt oft zum Tode führt. Darüber hinaus ist das Krankheitsbild bei Ärzten kaum bekannt, so dass eventuell nicht immer frühzeitig daran gedacht wird. Milzbrand kann antibiotisch behandelt werden. Die Behandlung sollte frühzeitig begonnen werden. Einen Impfstoff gibt es nicht.

    Möglicherweise wurde das Heroin in einem der Herkunftsländer, in denen Milzbrand als Erkrankung von Vieh vorkommt (eventuell Afghanistan oder Nachbarländer), bei der Herstellung oder beim Transport mit Milzbrandsporen verunreinigt (z.B. durch „Strecken” des Stoffs mit Knochenmehl, Trocknen von Substanzen auf verunreinigtem Erdreich oder Transport in Taschen aus Tiermaterial).

    Aktuell ist nicht bekannt, wie viel verunreinigtes Heroin im Umlauf ist. Allerdings ist davon auszugehen, dass ein Heroin-/Drogenkonsum mit dem Risiko einer Milzbrandinfektion verbunden ist – vor allem dann, wenn die Substanzen injiziert werden.

    Seien Sie auf der Hut und informieren Sie andere Konsumenten über das Milzbrand-Risiko!

    • Wichtig: Man sieht es dem Stoff nicht an, ob er mit Anthraxsporen verseucht ist
    • Deshalb: Sollten Sie Heroin konsumiert haben und spezifische Krankheitssymptome (siehe unten) entwickeln, wenden Sie sich bitte SOFORT an einen Arzt! Bitten Sie unbedingt den Arzt darum, dass er bei der Diagnostik an eine Milzbrand-Infektion (Haut, Lunge, Darm) denken soll
    • Die neu aufgetretene Milzbrand-Gefahr erhöht die gesundheitlichen Risiken des Drogenkonsums zusätzlich: Bitte beenden Sie Ihren Drogenkonsum!
      Mitarbeiter/innen von Kontaktläden, Drogenkonsumräumen, Drogenberatungsstellen, Suchtmediziner und Entzugs-/Rehabilitationskliniken helfen Ihnen dabei
    • Falls Sie ärztlich substituiert werden und zusätzlich Heroin konsumieren, versuchen Sie, zumindest in der nächsten Zeit damit aufzuhören bzw. zu reduzieren!

    Übertragungswege:

    Man kann sich mit Milzbrand infizieren, wenn man verunreinigten Stoff (z.B. Heroin)

    • in die Vene oder die Haut/den Muskel spritzt
    • inhaliert (z.B. raucht oder schnupft)
    • angefasst hat, und von den Sporen etwas in den Mund gelangt

    Es gibt praktisch keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Für die Allgemeinbevölkerung besteht kein Infektionsrisiko.

    Symptome von Milzbrand:

    Nach Spritzen verunreinigten Stoffes droht Hautmilzbrand (häufigste Form) oder aber auch eine Hirnhautentzündung, die sich durch starke Kopfschmerzen äußert.

    Hautmilzbrand: An der Injektionsstelle bildet sich eine Schwellung, Rötung und Hautverhär-tung. Diese ist typischerweise kaum schmerzhaft. Ein Abszess (eine Eiteransammlung) oder Blasen können sich bilden, dann „trocknet“ der Bereich ein, und bildet eine dunkle, fast schwarze Stelle (daher der Name „Anthrax“). Es folgt eine Schwellung der gesamten Region (z. B. des Arms), daraufhin ein schwerstes Krankheitsbild, das rasch zum Tod führen kann.

    Nach Rauchen/Schnupfen verunreinigten Stoffes droht Lungen- oder Darmmilzbrand.
    Lungenmilzbrand: Es kommt zu einer grippeartigen Erkrankung (Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Husten mit blutigem Auswurf, Atemnot) und innerhalb der nächsten Tage zu einem schweren, fast immer tödlichen Krankheitsbild.

    Darmmilzbrand: Bauchschmerzen, Blähungen, blutiger Durchfall, schwerstes Krankheitsbild mit möglicher Todesfolge.

    Weitere Informationsmöglichkeiten:

    Internetseite des Robert Koch-Institutes: www.rki.de → Aktuelle Themen: Milzbrand-Todesfall oder: http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/A/Anthrax/Milzbrand-Todesfall__in__NRW.html

    Quelle: Informationsblatt des Robert-Koch-Institutes zu Milzbrand (Anthrax) für Drogenkonsumenten vom 19. Januar 2010

    Zu diesem Thema empfehle ich euch auch meinen folgenden Artikel:

    15. Januar 2010 – Milzbrand-Todesfall bei einem i.V. Drogenkonsumenten in Nordrhein-Westfalen

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  • 15Jan

    Aus Nordrhein-Westfalen (Städte Region Aachen) wurde der Fall eines 42-jährigen Mannes übermittelt, der am 13.12.2009 an den Folgen von kutanem Milzbrand verstorben ist. Der Mann hatte sich vermutlich Heroin intravenös in die Kniekehle injiziert. Im Wundabstrich von der Injektionsstelle wurden aerobe Sporenbildner diagnostiziert. Die Verdachtsdiagnose Milzbrand wurde am 18.12.2009 mittels PCR bestätigt. Neben einem chronischen intravenösen Drogenabusus lagen bei dem Verstorbenen eine chronische Hepatitis B und C, eine HIV-Infektion sowie ein chronischer Alkohol- und Benzodiazepinabusus vor.

    Im Detail: Am 6.12.2009 wurde der Mann wegen ödematöser Veränderungen im Injektionsbereich und Verdacht auf tiefe Beinvenenthrombose stationär aufgenommen. Eine Computertomographie des Unterschenkels zeigte eine Muskelnekrose mit drohendem Kompartmentsyndrom. In der Folge war eine chirurgische Faszieneröffnung im Bereich des Unter- und Oberschenkels erforderlich, später auch im abdominellen Bereich. Er starb am 13.12.2009 an Multiorganversagen.

    In den letzten Wochen wurden aus Schottland wiederholt Fälle von Milzbrand nach intravenösem Heroinabusus bekannt. Bislang haben die schottischen Behörden Kenntnis von 14 Fällen, von denen 7 verstarben (Stand 11.1.2010). Soweit bekannt ist, hatte der Aachener Fall keine direkte Verbindung zu Schottland.

    Derzeit lässt sich eine gemeinsame Infektionsquelle für den Fall in Aachen und die Fälle in Schottland nicht ausschließen. Kontaminiertes Heroin könnte somit auch in anderen Bundesländern und europäischen Staaten vertrieben worden sein. Ärzte sollten bei entsprechender Anamnese und klinischem Bild Milzbrand differentialdiagnostisch frühzeitig in Erwägung ziehen, und schon bei Verdacht nach erfolgter Probenentnahme eine Therapie einleiten. Die Prognose der Infektion kann durch eine frühzeitige gezielte Antibiotikatherapie deutlich verbessert werden. Ein Merkblatt mit Kurzinformationen zu Anthrax ist unter folgendem Link bereitgestellt:
    www.rki.de > Infektionskrankheiten A – Z > Anthrax > Milzbrand (Anthrax) – Kurzinformation

    Weitere Informationen finden Sie im RKI-Ratgeber für Ärzte unter folgendem Link:
    www.rki.de > Infektionsschutz > Biologische Sicherheit > Erreger > Anthrax > Ratgeber Infektionskrankheiten – Merkblätter für Ärzte

    Aufgrund der möglicherweise überregionalen und internationalen Tragweite dieses Geschehens bitten wir um umgehende Benachrichtigung, wenn Sie von aktuellen Fällen oder Fällen aus der Vergangenheit erfahren, die mit diesem Geschehen in Zusammenhang stehen könnten. Wenden Sie sich hierfür bitten an das zuständige Gesundheitsamt vor Ort.

    Ansprechpartnerinnen im Robert Koch-Institut sind Frau Dr. Radun (RadunD@rki.de, Tel. 030 18754-3406 oder Mobil 0175/5726606) und Frau Dr. Bernard (BernardH@rki.de, Tel. 030 18754-3173).

    Außerhalb der regulären Arbeitszeiten ist das Robert Koch-Institut über die infektionsepidemiologische Rufbereitschaft (Tel. 030 18754-0) zu erreichen. Bei Fragen zur Diagnostik steht Herr PD Dr. Grunow vom Zentrum für Biologische Sicherheit (ZBS) 2 am Robert Koch-Institut zur Verfügung (GrunowR@rki.de, Tel. 030 18754-2100).

    Quelle: Aktuelle Mitteilung des Robert-Koch-Institutes vom 14. Januar 2010
    Foto: Wikipedia – http://de.wikipedia.org/wiki/Bacillus_anthracis

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  • 07Jan

    Anti-Drogen-Gesetz bedeutet Fortführung von Menschenrechtsverletzungen

    „Anstatt dafür zu sorgen, dass Drogenabhängige eine wirksame Therapie erhalten, unterwirft das neue Gesetz sie willkürlicher Haft und unmenschlicher Behandlung. Die chinesische Regierung bezeichnet die Regelung als Fortschritt in Richtung einer Anerkennung von Drogenabhängigen als Patienten, doch sie gewährt ihnen noch nicht einmal die Rechte gewöhnlicher Häftlinge.“

    Joe Amon, Leiter der Abteilung Gesundheit und Menschenrechte von Human Rights Watch

    Die chinesischen Behörden halten Drogenkonsumenten in Haftzentren fest, in denen ihnen der Zugang zu einer Suchttherapie versperrt ist. Zudem besteht die Gefahr, dass sie dort körperlich misshandelt oder zu unbezahlter Arbeit gezwungen zu werden, so Human Rights Watch in einem heute veröffentlichten Bericht. Laut UNAIDS, dem gemeinsamen Programm der Vereinten Nationen zu HIV/AIDS, sind in China eine halbe Million Menschen in geschlossenen Haftzentren für Drogenkonsumenten inhaftiert.

    Der 37-seitige Bericht Where Darkness Knows No Limits stützt sich auf Ermittlungen in den Provinzen Yunnan und Guangxi und dokumentiert, wie das seit Juni 2008 geltende chinesische Anti-Drogen-Gesetz die Gesundheitsrisiken für mutmaßliche Konsumenten illegaler Drogen erhöht. Behörden und Sicherheitskräfte sind dadurch berechtigt, Drogenkonsumenten für bis zu sieben Jahre zu inhaftieren. Die Inhaftierung kann dabei ohne Gerichtsverfahren oder richterliche Überwachung erfolgen. Das Gesetz enthält keine klaren Regelungen für die Anfechtung solcher Maßnahmen oder für die Meldung von Missbrauch. Zudem gewährleistet es keine wissenschaftlich begründete Behandlung der Drogenabhängigen.

    „Anstatt dafür zu sorgen, dass Drogenabhängige eine wirksame Therapie erhalten, unterwirft das neue Gesetz sie willkürlicher Haft und unmenschlicher Behandlung”, so Joe Amon, Leiter der Abteilung Gesundheit und Menschenrechte von Human Rights Watch. „Die chinesische Regierung bezeichnet die Regelung als Fortschritt in Richtung einer Anerkennung von Drogenabhängigen als Patienten, doch sie gewährt ihnen noch nicht einmal die Rechte gewöhnlicher Häftlinge.“

    Der Bericht beschreibt, wie in einigen Haftzentren Gefangene regelmäßig geschlagen wurden, keine medizinische Behandlung erhielten und gezwungen wurden, bis zu 18 Stunden am Tag ohne Bezahlung zu arbeiten. Obwohl sie zur „Rehabilitation” verurteilt sind, haben die Inhaftierten weder Zugang zu wirksamen Drogentherapien noch Gelegenheit sich Fähigkeiten anzueignen, die ihnen bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft helfen würden.

    Die chinesische Regierung hat während der letzten zehn Jahre auch fortschrittliche Ansätze in der Drogenpolitik vorangetrieben, darunter als Teil einer pragmatischen Antwort auf die Zunahme von Drogenmissbrauch und HIV-Infektionen Maßnahmen, die gesundheitliche Folgeschäden des Drogenkonsums zu verhindern suchen („Harm Reduction”). In Zusammenarbeit mit chinesischen und internationalen Nichtregierungsorganisationen hat die Zentralregierung gemeindebasierte Methadontherapien ausgeweitet und in einigen besonders stark von HIV/AIDS betroffenen Gebieten Spritzentauschprogramme durchgeführt. Das Büro der nationalen Betäubungsmittelkontrollkommission veröffentlichte im Juni 2008 eine Erklärung, wonach „Drogentherapie und Rehabilitation im Einklang mit auf den Menschen ausgerichteten Prinzipien stehen”. Im März 2009 erklärte ein hochrangiger Regierungsbeamter: „Die chinesische Regierung steht dazu, dass Drogentherapie und Rehabilitation in einer Weise erfolgen sollten, die sich an den Menschen orientiert.”

    Dennoch erhöht das neue Anti-Drogen-Gesetz die Gesundheitsrisiken für mutmaßliche Drogenabhängige und leistet sozialer Ausgrenzung und Stigmatisierung Vorschub.

    In der Praxis beendet das Gesetz zwar die Bestrafung mutmaßlicher Drogenkonsumenten durch sogenannte „Umerziehung durch Arbeit”; es verlängert jedoch die vorgeschriebene Haftdauer in den Haftzentren für Drogenkonsumenten von vormals sechs bis zwölf Monaten auf mindestens zwei Jahre. In den Haftzentren kommt es zu den gleichen Menschenrechtsverletzungen wie im System der „Umerziehung durch Arbeit”. So wird über Zwangsarbeit, körperliche Misshandlung und die Verweigerung einer medizinischen Grundversorgung berichtet.

    Laut den Aussagen ehemaliger Häftlinge, die von Human Rights Watch befragt wurden, starben in einigen Fällen Inhaftierte infolge von Menschenrechtsverletzungen. Das Gesetz sieht zudem eine nicht genauer erläuterte „gemeinschaftliche Rehabilitationsphase” von bis zu vier Jahren vor und ermöglicht so insgesamt eine Inhaftierung ohne Gerichtsverfahren für bis zu sieben Jahre.

    „Die chinesische Regierung soll diesen Menschenrechtsverletzungen umgehend ein Ende setzen und dafür sorgen, dass die Rechte mutmaßlicher Drogenkonsumenten in vollem Umfang respektiert werden”, so Amon. „Dem illegalen Drogenkonsum soll mit freiwilligen, gemeindebasierten ambulanten Therapien begegnet werden, die auf wirksamen und erprobten Lösungsansätzen beruhen. Drogenkonsumenten in großen Zahlen zusammenzusperren und sie Zwangsarbeit und körperlichem Missbrauch zu unterwerfen ist keine Rehabilitation.”

    Aussagen ehemaliger Insassen von Haftzentren für Drogenkonsumenten im Jahr 2009 in Yunnan:

    „Mehrere zivil gekleidete Polizisten lauerten mir auf, als ich von der Arbeit nach Hause kam. Sie begannen, mich zu schlagen, und legten mir Handschellen an. Niemand auf der Straße versuchte, mir zu helfen. Man nahm einfach an, ich sei ein Krimineller. Die Polizisten sagten mir, sie würden mich in ein Haftzentrum für Drogenkonsumenten bringen, wenn ich ihnen nicht 3000 Yuan (300 Euro) gäbe. Sie brachten mich zu meinem Haus und sagten, wenn ich das Geld nicht holte, würden sie weiter auf mich einschlagen. Sie warteten eine Weile draußen, während ich drinnen darauf wartete, dass meine Familie 3000 Yuan von Verwandten auftrieb.”

    „Ob wir auf der Straße sind oder in einem Restaurant sitzen – überall kann uns die Polizei einfach packen und zu einem Urintest zwingen. Immer wenn wir den Personalausweis benutzen, können sie uns zwingen, einen Urinprobe abzugeben.”

    „Die Polizisten hielten mich an und verlangten Geld. Ich sagte: ,Bitte wenden Sie keine Gewalt an. Bitte keine Gewalt.‘ Dennoch schlugen sie mich.”

    „Ich war früher drogenabhängig. Ich fing 1990 damit an. Ich habe versucht, sauber zu werden, und ich war mehr als achtmal in Zwangsarbeitslagern. Ich will auf keinen Fall zurück in ein Lager – das ist eine schreckliche Welt, dort hat die Dunkelheit keine Grenzen.”

    Quelle: Pressemitteilung von Human Rights Watch vom 07. Januar 2010 – www.hrw.org

    Foto: Insassen eines Drogen-„Rehabilitationszentrums“ in der chinesischen Provinz Yunnan beim Nähen. © 2008 Reuters

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  • 05Nov

    Konsum stabil (auf zu hohem Niveau)

    Vorstellung des Jahresberichts der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht

    Parallel zur Vorstellung des Jahresberichts der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) wird heute auch der aktuelle Jahresbericht zur Drogensituation in Deutschland von der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) veröffentlicht.

    Cannabis – sinkender Trend bei Jugendlichen

    Cannabis bleibt die in Deutschland am häufigsten konsumierte illegale Droge. Aktuelle Informationen der Drogenaffinitätsstudie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sowie der Schülerbefragung des „Frankfurter Monitoring Systems Drogen (MoSyD)“ bestätigen, dass wie bereits in den vergangenen Jahren, der Trend zum Cannabiskonsum vor allem von Jugendlichen rückläufig ist.

    Der zurückgehende Cannabiskonsum gibt jedoch noch keinen Anlass zur Entwarnung. Denn trotz dieser positiven Entwicklung ist die Zahl der problematischen und intensiven Konsumenten von Cannabis nach wie vor hoch und die Nachfrage nach Behandlung groß: Ein Drittel aller Klienten der ambulanten Suchthilfe weisen primär eine Cannabisproblematik auf. Unter den Personen, die sich im Jahr 2008 das erste Mal in eine Suchtbehandlung begeben haben, liegt der Anteil der Klienten mit primärer Cannabisproblematik sogar bei  ca. 60%.

    Kokain – Zunahme in der EU, niedrige Prävalenz in Deutschland

    Während laut Bericht der EBDD vor allem in westlichen EU-Ländern ein Anstieg des Kokainkonsums zu verzeichnen ist, bleibt der Kokainkonsum in Deutschland auf einem niedrigem Niveau (12-Monats-Prävalenz: 0,6%, 30-Tage-Prävalenz: 0,2%). Dies bestätigt sich auch in der Betrachtung der Daten von Suchtpatienten in ambulanter oder stationärer Behandlung sowie in den Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik zu erfassten Delikten, die seit Jahren stabil niedrig sind.

    Amphetamine und andere Stimulanzien weisen in Deutschland ähnlich niedrige Konsumprävalenzen auf wie Kokain.

    Heroin – Stagnation

    Im Bezug auf den Konsum von Heroin gilt für Deutschland was auch die EBDD konstatiert: Die bis vor einigen Jahren beobachtbare stetige Abnahme heroinbezogener Probleme ist zu einem Stillstand gekommen. Zwar gibt es keine Anhaltpunkte dafür, dass eine Rückkehr zur weiten Verbreitung des Heroinkonsums wie in den 1980ern und 90ern bevorsteht, die mit dem Heroinmissbrauch verbundenen gesundheitlichen und sozialen Probleme sind jedoch weiterhin gravierend.

    Sonderkapitel

    Neben den regelmäßig berichteten Indikatoren widmet sich der Jahresbericht zur Drogensituation in diesem Jahr in zwei Sonderkapiteln dem deutschen Cannabismarkt und der Situation älterer Drogenabhängiger.

    Cannabismärkte und -produktion

    In Deutschland wird vor allem Haschisch aus Marokko und anderen Ländern des arabischen Raumes konsumiert. Marihuana kommt vor allem aus den Niederlanden und in zunehmendem Maße auch aus inländischen Indoor-Plantagen. Dementsprechend hat sich die Anzahl der polizeilichen Sicherstellungen von Cannabispflanzen und Marihuana seit 7-10 Jahren nahezu verdoppelt.

    Behandlung und Pflege älterer Drogenabhängiger

    Drogenabhängige erreichen in Deutschland ein immer höheres Lebensalter. Seit 2002 stieg das Durchschnittsalter von Opioidkonsumenten von 29 auf 33 Jahre an, jeder fünfte ist älter als 40 Jahre. Diese Entwicklung wurde vor allem durch die Einführung und das wachsende Angebot schadensminimierender Angebote und die Ausweitung der Substitutionsbehandlung möglich gemacht.

    Die soziale und gesundheitliche Situation der älteren Drogenabhängigen ist jedoch weiterhin von chronifizierten Mehrfachschädigungen und von Ausgrenzung gekennzeichnet. Ein vorzeitiger und beschleunigter Alterungsprozess, häufig 15 Jahre früher als bei nicht Drogen konsumierenden Senioren, erfordern einen frühzeitigen Pflegebedarf. Der beobachtete Alterstrend wird vermutlich anhalten und einen vermehrten Pflegebedarf bei dieser Klientel mit sich bringen.

    Pressemitteilung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vom 05. November 2009

    Neue Website

    Der Gesamtbericht steht auf der vollständig neu überarbeiteten und neu gestalteten Webseite der DBDD (Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht) zum Download zur Verfügung. Dort finden Sie auch weitere Informationen, beispielsweise zu den Aufgaben, Projekten und Publikationen der DBDD: http://www.dbdd.de/.

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  • 28Okt

    PRESSE-INFORMATION der AIDS-Hilfe NRW e.V. vom 22. Oktober 2009

    Erfolgreich in der HIV-Prävention bei Drogen gebrauchenden Menschen

    spritzensetDüsseldorf – 1989 startete die AIDS-Hilfe NRW in Zusammenarbeit mit dem Land Nordrhein-Westfalen das landesweite Spritzenautomatenprojekt. Der Landesverband leistet damit nun seit 20 Jahren einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung von HIV- und Hepatitis-C-Neuinfektionen bei Drogen gebrauchenden Menschen.

    Im Rahmen des heutigen Jubiläumsempfangs in den Räumen der AIDS-Hilfe Düsseldorf betonten Vertreterinnen und Vertreter der Landesregierung und der Aidshilfe gemeinsam den Erfolg dieses in der Flächenwirkung bundesweit einmaligen Projekts, bei dem sich Drogengebraucherinnen und Drogengebraucher rund um die Uhr mit Einmalspritzen, aber auch mit Pflegesets und Kondomen versorgen und zugleich ihr gebrauchtes Spritzenbesteck sicher entsorgen können.

    „Das Aufstellen der ersten Automaten vor zwanzig Jahren geschah vor dem Hintergrund einer Zunahme von HIV-Infektionen, der ansteigenden sozialen und gesundheitlichen Verelendung und steigender Todesfälle bei intravenös Drogenabhängigen“, sagte Elke Slawski-Haun vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen auf der Veranstaltung. Das Spritzenautomatenprojekt als Maßnahme zur Verbesserung der Gesundheits- und Überlebenshilfe Drogen gebrauchender Menschen hat sich bewährt. Es ist bis heute eine wichtige Ergänzung des Beratungsangebots und Spritzenaustauschprogramms von Drogenberatungsstellen, Suchthilfen und Aidshilfen.

    „Seit Beginn des Projekts 1989 ist der Anteil an den HIV-Neudiagnosen von Drogen gebrauchendenMenschen in Nordrhein-Westfalen von fast 20 Prozent auf 13 Prozent gesunken, mit aktuell weiter sinkender Tendenz; bundesweit liegt der Anteil bei 8 Prozent“, erläuterte Klaus-Peter Schäfer, stellvertretender Landesvorsitzender der AIDS-Hilfe NRW. Mit den über 100 Automaten in ganz NRW werden pro Jahr über 270.000 Einmalspritzen abgesetzt. „Angesichts dieses Erfolgs arbeiten wir an der konsequenten Weiterentwicklung des Projekts, was nicht immer einfach ist. Wir werben daher bei den zuständigen Behörden, der Anwohnerschaft und der Bevölkerung um Unterstützung, damit zukünftig weitere Standorte für Automaten realisiert werden können“, sagte Schäfer.

    Zur Jubiläumsveranstaltung konnte die AIDS-Hilfe NRW zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von Einrichtungen, die einen Spritzenautomaten betreiben, aus Politik, Verwaltung und Gesundheitsselbsthilfe sowie den regionalen Aidshilfen im Land begrüßen.

    Weitere Informationen findet ihr auf der Projektseite der AIDS-Hilfe NRW e.V. unter www.saferuse-nrw.de

    Auf der folgenden Projektseite der AIDS-Hilfe NRW e.V. könnt ihr unter Eingabe der entsprechenden Stadt sämtliche dort vorhandenen Standorte der Spritzenautomaten aufrufen: Standorte der Spritzenautomaten in NRW

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