Im Oktober des letzten Jahres sagte unser Bundesgesundheitsminister: Alle drei Jahre eine Jahrhundertreform im Gesundheitswesen so kann es nicht weitergehen. Dann machte er sich auf, eine wirkliche Jahrhundertreform auf die Beine zu stellen. In einem Interview mit der Bild-Zeitung am 29.01.2010 sagte Dr. Rösler: "Für mich ist klar: Wir brauchen einen neuen Ansatz. In der jetzigen Form sind die Zusatzbeiträge unsozial." Weiter sagte er: "Nun, bis 8 Euro im Monat findet kein Sozialausgleich statt. Ob Gering- oder Gutverdiener, alle zahlen dieselbe Summe. Das empfinden die Menschen als ungerecht. Jede Krankenkasse steht deshalb in der Pflicht, alles zu tun, um Zusatzbeiträge für ihre Versicherten zu vermeiden. Hier müssen sich die Kassen mehr anstrengen. Das erwarte ich. Im Übrigen: Es gibt ja noch genügend Kassen ohne Zusatzbeitrag." Das komplette Interview ist unter dem folgenden Link aufrufbar: "In der jetzigen Form sind die Zusatzbeiträge unsozial.".
Dann aber in einem Interview mit dem Deutschlandfunk am 03. Februar 2010 die Aussage: "Zunächst mal sind kleine Schritte nichts falsches. Lieber kleine Schritte nach vorne, als einen großen zurück. Und diese Zusatzbeiträge, die wir kritisieren, haben den Fehler, dass sie eben zusätzlich sind, daher ja auch der Name Zusatzbeiträge. Das heißt, zu den 14,9 Prozent, die jeder Versicherte für seine gesetzliche Krankenversicherung bezahlt, kommen diese Zusatzbeiträge eben noch obendrauf und wir wollen ja, wenn es einen einkommensunabhängigen Beitrag gibt, also eine Prämie, dass wir diese Prämie langsam größer machen, dafür aber auch den prozentualen Anteil für die Arbeitnehmer kleiner, und insofern sagen wir, das jetzige System ist nicht zu Ende gedacht und wir fordern alle auf, die auch der Meinung sind, dass diese Zusatzbeiträge in das System nicht hineinpassen, eben mit daran zu helfen und mit daran zu arbeiten, ein besseres System auf den Weg zu bringen." Das komplette Interview ist unter folgendem Link einzusehen: Alle Politiker sollten an ihren Taten gemessen werden.
Da konnte man offenbar schon erkennen, dass die Aussage, alle drei Jahre eine Jahrhundertreform im Gesundheitswesen auf den Weg zu bringen, wohl auch für Dr. Rösler eine Option ist. Interessant ist, dass Dr. Rösler hier noch kund tut, dass die Zusatzbeiträge nicht in das System hinein passen. Und heute?
Im März 2010 legt Dr. Rösler dann noch nach: "Wir werden uns deshalb jeden Bereich im Gesundheitssystem ansehen und prüfen, ob dort effizient mit Versichertengeldern umgegangen wird oder nicht", kündigte Rösler an. Und er fuhr fort: "Ich will ausdrücklich festhalten: Dabei kann es für keinen der Beteiligten einen Freibrief geben. Im Gegenteil, es gibt nur eine Gruppe, der wir als Koalition uns verpflichtet fühlen: und zwar die 70 Millionen Versicherten."
Was ist aus der Verpflichtung der Regierung den 70 Millionen Versicherten gegenüber geworden? Aus der Jahrhundertreform wurde eine Art unaufschiebare Notoperation, wie es der AOK-Bundesverband formuliert. Anstatt tatsächlich jeden Bereich im Gesundheitssystem zu prüfen war es doch wieder mal viel einfacher, die Versicherten mit höheren Beiträgen zu belegen. Da spricht Dr. Rösler von der langfristigen Sicherung der Finanzierung der GKV und meint mit langfristig offenbar das komplette Jahr 2011.
Dann bei der Vorstellung der Reform noch die Aussage in dem Eckpunktepapier: "Vor dem Hintergrund der größten Wirtschafts- und FInanzkrise, die unser Land zu meistern hatte, wurde vorübergehend der Beitragssatz der Krankenkassen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit Hilfe von Steuermitteln abgesenkt. Dies ist nun nicht weiter erforderlich. Der paritätisch finanzierte Beitragssatz wird daher wieder 14,6 %, wie vor der Senkung durch das Konjunkturpaket II, betragen. Der nur vom Arbeitnehmer finanzierte Beitrag von 0,9 % bleibt erhalten."
Ich dachte, wir wären noch immer mitten in der Krise. Unsere Kanzlerin verkauft uns doch sämtliche Sparmaßnahmen mit der Krise. Was stimmt denn jetzt? Aber egal. So bekommt man noch etwas mehr von den Arbeitgebern und viel mehr von den Versicherten. Und weil das so sozial ist, soll es auch so bleiben.
Ich stelle mir die Frage, wo die 70 Millionen Versicherten jetzt sind, die mehr Beiträge zahlen dürfen. Klar, dass sich die Pharmaindustrie und die Ärzteschaft nicht negativ äußert. Sie sind gut (wie fast immer) davon gekommen. Die Lobby machts. Aber die Versicherten haben keine Lobby. Warum eigentlich nicht? Es sind doch 70 Millionen. Stellt Euch vor, 70 Millionen ziehen in einem Protestzug Richtung Berlin. Da wäre die Lobby doch ganz schnell hergestellt oder?
Und Herr Dr- Rösler, wenn die Politiker denn tatsächlich nicht an ihren Worten sondern an ihren Taten gemessen werden sollten, wie Sie es ja selbst geäußert haben, wie sollte man Sie dan bewerten? Rücktritt? Und das mit der Jahrhundertreform alle drei Jahre werden Sie doch wohl noch toppen oder? Vielleicht jedes Jahr?
In diesem Sinne weiterhin viel Spass beim rumdoktern.
Rainer Ballay
Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:
06. Juli 2010 - Sozialverband VdK lehnt steigende Zusatzbeiträge ab
06. Juli 2010 - GKV-Spitzenverband: Beitragserhöhungen statt umfassender Einsparungen
02. Juni 2010 - VdK lehnt unsolidarische Kopfpauschale ab
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