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  • 02Jun

    Die Naturstoffchemiker des Leibniz-Institutes für Pflanzenbiochemie (IPB) werden künftig auch in Algen nach neuen antibiotischen oder Antikrebs-Wirkstoffen suchen. Dafür wurde eine Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Köthen begonnen, die mit ihrem technologischen Equipment und ihrem Knowhow zur Anzucht von Algen einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Vorhabens leisten werden. Die Kooperationsvereinbarung zwischen Professor Carola Griehl, Leiterin der Arbeitsgruppe Biochemie/Algenbiotechnologie der Hochschule Anhalt und Professor Ludger Wessjohann, Leiter der Abteilung Natur- und Wirkstoffchemie des IPB wurde im November 2009 getroffen. Finanziert wird das Projekt über das Wissenschaftszentrum Wittenberg (WZW) des Kultusministeriums Sachsen-Anhalt.

    Algen sind in vielfacher Hinsicht lohnenswerte Objekte für die Suche nach neuen Ressourcen zur Gewinnung von Biomasse, Energie und bioaktiven Naturstoffen. Sie können unabhängig von Umwelteinflüssen und unter definierten Bedingungen in Bioreaktoren kultiviert werden. Dort wachsen sie das ganze Jahr über und – je nach Art – bis zu zwanzigmal schneller als Landpflanzen. Darüberhinaus produzieren sie eine enorme Vielfalt an biologisch wirksamen Sekundärstoffen, die andere Lebewesen nur in geringer Menge oder gar nicht herstellen. Bisher fand man Substanzen in Algen, die entweder das Zellwachstum hemmen (Antikrebswirkung), die Bakterien, Viren oder Pilze abtöten oder Entzündungen heilen.

    Im Gegensatz zu den gut untersuchten landbewohnenden Organismen ist der Sekundärstoffwechsel der Algen noch weitgehend unerforscht. Von den geschätzten 280.000 Algenarten unseres Planeten sind bisher nur 40.000 bekannt und davon nur wenige hundert phytochemisch charakterisiert. Dennoch kennt man schon jetzt rund 70 Substanzen aus Algen, die Krebszellen abtöten können. Einige von ihnen sind bereits in der klinischen Testphase. Die Suche nach neuen Wirkstoffen in dieser aquatischen Organismengruppe kann sich demnach als aussichtsreich erweisen.

    Während die Wissenschaftler der Hochschule Anhalt sich um die Optimierung der Algenanzucht in den Flüssigkulturen der Bioreaktoren bemühen, werden die Hallenser Chemiker die Wirkstofffindung und -entwicklung vorantreiben. Aus der Mikroalge Eustigmatos will man Substanzen isolieren, die zur Gruppe der Lipopeptide gehören. Das sind sehr kleine, fettlösliche und oft ringförmige Eiweißmoleküle, unter denen man Wirkstoffkandidaten gegen Krebs oder bakterielle Infektionskrankheiten erwartet.

    Um die natürlichen Ressourcen zu schonen und um die Lipopeptide in ihrer Wirkung zu optimieren, versucht man am IPB die Naturstoffe synthetisch herzustellen und chemisch zu modifizieren. Dabei sollen neue Methoden zum Einsatz kommen, die von den Chemikern des Instituts vor einigen Jahren entdeckt und entwickelt wurden. Mit diesen sogenannten Mehrkomponentenreaktionen ist es möglich, die komplexen Eiweißringe aus einzelnen Modulen zusammenzusetzen. Dabei können sich bis zu 24 Einzelbausteine in einem Reaktionsgefäß und in nur einem Reaktionsschritt selbstorganisiert zusammenfinden und Ringstrukturen mit bis zu 68 Gliedern bilden.

    Die Selbstorganisation der Module kann in vielfältigen Kombinationen erfolgen, sodass man neben dem ursprünglichen, in der Natur vorkommenden Wirkstoff, einen ganzen Pool an chemischen Varianten erhält, die ihrem natürlichen Vorbild ähneln, aber nicht identisch mit ihm sind. Durch leichte chemische Veränderungen der einzusetzenden Einzelbausteine erhöht sich die Zahl der entstehenden chemischen Varianten um ein Vielfaches. In der Konsequenz erhält man eine ganze Bibliothek an potentiell wirksamen Substanzen, die nun erneut nach den aussichtsreichsten Kandidaten durchforstet wird.

    Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich unter diesen synthetisch hergestellten, naturähnlichen Stoffen aktivere Varianten mit einem besseren pharmakologischen Profil finden, als es bei den ursprünglichen, aus den Algen stammenden Wirkstoffen der Fall ist. Mit diesem Versuchsansatz ist es demnach möglich, evolutionäre Prozesse im Zeitraffer und im Reagenzglas nachzuahmen. Erste experimentelle Befunde sprechen für den Erfolg der kombinatorischen Chemie.

    Quelle: Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Pflanzenbiochemie vom 01. Juni 2010

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  • 03Feb

    “Deutsche Krebspatienten sind gegenüber Patienten vieler Nachbarländer im Vorteil: Sie können neue Medikamente sofort nach deren Zulassung erhalten. Andernorts vergehen zwischen Zulassung und Anwendung noch Monate oder Jahre, bis über die Kostenerstattung für die Medikamente entschieden ist. Viele Krebspatienten können aber nicht so lange warten!” Das erklärte heute Dr. Siegfried Throm vom vfa, dem Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen, mit Blick auf den Welt-Krebs-Tag am 4. Februar. Er ist Geschäftsführer Forschung, Entwicklung, Innovation.

    Krebs ist das Innovationsgebiet Nr. 1 für die forschende Pharma-Unternehmen: Schon in den letzten Jahren haben sie mehrere Präparate herausgebracht, die Patienten mit Darm-, Brust- und anderen Krebsarten zu mehr Lebenszeit verholfen haben. Bei den Forschungsprojekten der Firmen dient mittlerweile ein Drittel der Entwicklung neuer Krebstherapien. “Ziel ist,” so Throm, “immer mehr Patienten eine Heilungschance zu eröffnen oder zumindest ihre Tumorzellen so in Schach zu halten, dass sie damit wie mit einer chronischen Krankheit noch viele Jahre leben können.”

    Bis 2013 dürften zahlreiche neue Medikamente gegen 31 Krebsarten verfügbar werden – darunter Lungen-, Brust- und Prostatakrebs sowie seltene Krebsarten wie Schilddrüsenkrebs oder chronisch lymphatische Leukämie. Viele dieser Medikamente wirken auf neuartige Weise. So sind derzeit unter anderem therapeutische Impfstoffe in Erprobung, mit denen das Immunsystem schon erkrankter Personen in den Kampf gegen Lungenkrebs oder schwarzen Hautkrebs einbezogen werden soll.

    Der vfa ist der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen in Deutschland. Er vertritt die Interessen von 46 weltweit führenden Herstellern und ihren über 100 Tochter- und Schwesterfirmen in der Gesundheits-, Forschungs- und Wirtschaftspolitik. Die Mitglieder des vfa repräsentieren rund zwei Drittel des gesamten deutschen Arzneimittelmarktes und beschäftigen in Deutschland rund 90.000 Mitarbeiter. Mehr als 17.000 davon arbeiten in Forschung und Entwicklung. Die Pressekonferenzen des vfa – ab sofort auch im Internet. Mehr dazu unter: http://www.vfa.de/de/presse/online-pks/

    Quelle: Pressemitteilung der vfa. Die forschenden Pharma-Unternehmen vom 02. Februar 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch meine folgenden Artikel:

    03. Februar 2010 -  Zum Weltkrebstag: Forschung gegen Krebs

    02. Februar 2010 – Krebs früh erkennen

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  • 22Dez

    Leichter Sport – auch schon während der Chemotherapie – fördert körperliches und psychisches Wohlbefinden

    Körperliche Aktivität und Sport können nicht nur das Risiko, an bestimmten Krebsformen zu erkranken, vermindern, sondern ebenso das Wohlbefinden und Selbstvertrauen während einer Krebstherapie fördern. Gemeinsame Studien der Abteilung Sportmedizin an der Goethe-Universität und der Klinik für Onkologie und Hämatologie am Krankenhaus Nordwest belegen, dass Bewegung sowohl die unmittelbar tumorbedingten Symptome lindert, als auch Nebenwirkungen der Chemotherapie abschwächt. Doch viele Tumorpatienten und auch behandelnde Ärzte wissen über diese Programme nicht Bescheid, wie der Sportmediziner Prof. Winfried Banzer und die Onkologin Prof. Elke Jäger in der neuen Ausgabe von "Forschung Frankfurt" berichten.

    Beginnen sollte man mit Bewegungstherapien schon im Krankenhaus nach der Akutphase der Behandlung, denn dadurch lässt sich bei vielen Patienten die Abnahme der Leistungsfähigkeit mindern und ihr Krankenhausaufenthalt verkürzen. Mehr als 60 Prozent der Patientinnen und Patienten leiden unter multifaktorieller Erschöpftheit oder dem "Fatigue-Syndrom". Aktuelle Untersuchungen der Frankfurter Arbeitsgruppe "Sport und Krebs" belegen eindrucksvoll, dass leichtes körperliches Training den Verarbeitungsprozess von Nebenwirkungen der Chemotherapie schon nach vier Wochen günstig zu beeinflussen vermag. Auch die Ausdauerleistungsfähigkeit verbessert sich. Die Betroffenen berichten über eine Steigerung der Lebensqualität und können ihren Alltag leichter bewältigen. Nach drei Monaten lässt sich darüber hinaus eine verbesserte Anpassungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems nachweisen.

    Das moderate Ausdauer- und Krafttraining, das die Teilnehmer der Studie absolvieren, findet unter professioneller Anleitung statt. In enger Abstimmung entscheiden die Onkologin und der Sportmediziner zunächst, ob medizinische Gründe gegen das Training sprechen. Eine sportmedizinische Eingangsuntersuchung steckt dann den Rahmen für das individuelle Programm ab. Empfohlen werden in der Regel Trainingseinheiten von 30 Minuten an drei Tagen pro Woche. In den ersten 24 Stunden nach einer Chemotherapie sollte man sich, wenn überhaupt, nur leicht körperlich betätigen. Demgegenüber kann während einer Chemotherapie, die aus mehreren Zyklen besteht, an den behandlungsfreien Tagen trainiert werden. Das Training in einer Gruppe erhöht erfahrungsgemäß die Motivation, weil es sozialen Rückhalt und Anerkennung mit sich bringt.

    Langfristig aktiv zu bleiben ist wichtig, denn dadurch mindert sich auch das Risiko eines Rückfalls. Dennoch gibt es gerade bei längerfristig orientierten Programmen hohe Abbrecherquoten. Ersten Frankfurter Ergebnissen zufolge benötigen insbesondere Krebspatienten, die bereits bei der Eingangsuntersuchung unterdurchschnittliche Ausdauer zeigten, kontinuierliche Unterstützung. Für sie müssen spezielle Bewegungsprogramme mit niedriger Einstiegshürde und einer als wenig belastend empfundenen Aktivität konzipiert werden. Die an der Goethe-Universität entwickelte Bewegungs- und Sportberatung bietet deshalb zusätzlich zu den strukturierten Dauerangeboten auch zeitliche und räumliche Unabhängigkeit, verbunden mit einer individualisierten Übungs- und Trainingsplanung. Die Patienten empfinden die persönliche Betreuung als zusätzliche Motivationsstütze, körperlich aktiv zu bleiben. Drei Viertel der Teilnehmer berichten, dass sie auch nach Abschluss der persönlichen Betreuung ihr Trainingsprogramm beibehalten.

    Während in der Brustkrebsnachsorge bundesweit circa 800 Sportgruppen bestehen, fehlen adäquate Angebote für Patienten mit anderen Tumorarten oder in anderen Krankheitsstadien. Diese Lücke soll durch ein von der Wiesbadener Stiftung "Leben mit Krebs" gefördertes Projekt geschlossen werden. Die ersten Sportgruppen wurden bereits 2005 in der Onkologischen Klinik im Krankenhaus Nordwest gegründet. Seit Mai 2009 existiert in der Abteilung Sportmedizin der Goethe-Universität eine von Sporttherapeuten betreute Trainingsgruppe für Patientinnen und Patienten aller Krebsarten unabhängig von der jeweiligen Behandlungsphase. "Leider wissen die wenigsten Tumorpatienten über die nachweisbaren Effekte körperlicher Aktivität bei Krebs und entsprechende Bewegungsprogramme Bescheid", bedauert Prof. Winfried Banzer. Eine Befragung der Abteilung Sportmedizin von 317 Krebspatienten ergab, dass zwei Drittel sich mehr Informationen wünschten, insbesondere durch die behandelnden Ärzte. Auch die bestehenden Angebote seien bei einem Großteil der Patienten nicht bekannt gewesen. Zusätzlich zu einer besseren Aufklärung wünscht sich Prof. Banzer, dass die Versorgung mit Bewegungsangeboten flächendeckend ausgebaut wird.

    Quelle: Pressemitteilung der Goethe-Universität Frankfurt am Main vom 21. Dezember 2009, veröffentlicht beim Informationsdienst Wissenschaft www.idw-online.de

     

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  • 17Dez

    20091217_KatzenminzeDas Öl der Katzenminze (Nepeta Cataria) kann bei Katzen rauschhafte Erregungszustände auslösen. Die gleiche chemische Verbindung ist aber auch Startmaterial für die Synthese eines vielversprechenden Wirkstoffs zur Bekämpfung von Nierenkrebs. Chemikern der TU Dortmund ist es jetzt erstmals gelungen, aus dem Öl der Katzenminze die Anti-Tumor-Verbindung Englerin A synthetisch herzustellen.

    Englerin A, ein kürzlich in einer afrikanischen Pflanze entdeckter Wirkstoff, wirkt toxisch auf Nierenkrebszellen, ohne jedoch andere Zellen zu schädigen. Daher ist diese Verbindung potenziell für die Krebstherapie geeignet. "Wir haben festgestellt, dass einer der Inhaltsstoffe der Katzenminze in seiner Struktur dem Englerin A ähnelt", erklärt Mathias Christmann, Professor für Organische Chemie an der TU Dortmund. Daraufhin haben seine Mitarbeiter Dr. Matthieu Willot und die Diplom-Chemikerin Lea Radtke damit begonnen, den Wirkstoff der Katzenminze so zu verändern, dass er am Ende in Englerin A überführt werden konnte. Schritt für Schritt haben sie dafür im Labor die molekulare Struktur der Katzenminze abgeändert. Erstmals gelungen ist die Totalsynthese, also die künstliche Herstellung von Englerin A auf Basis von Katzenminze, im Sommer 2009. In der internationalen Fachpresse wird dieser Erfolg als "wissenschaftliches Highlight" vorgestellt.

    Im Gegensatz zur Isolierung aus Pflanzen, Pilzen oder Bakterien hat die Synthese von Naturstoffen mehrere Vorteile: Zum einen ist es oft die einzige Möglichkeit größere Mengen der Verbindung für Tests zur Verfügung zu stellen. Zum anderen kann der Wirkstoff so für die spezielle Anwendung optimiert werden. Beim "Nachbau" von Naturstoffen können die Chemiker sich direkter auf die gewünschte Wirkung auf den Menschen konzentrieren - die Naturstoffe selbst lassen sich nur teilweise in ihrer Struktur verändern. Wie das synthetische Englerin A nun in der therapeutischen Praxis eingesetzt werden kann, wollen Christmann und sein Team in Kooperation mit Biologen und anderen Wissenschaftlern erforschen. Aber schon jetzt freuen sie sich über den großen Erfolg der Totalsynthese eines Wirkstoffs gegen Nierenkrebs und sind sich einig: "Das ist wirklich toll für einen Wissenschaftler, wenn er einen Beitrag zur medizinischen Forschung leisten und anderen Menschen dadurch helfen kann."

    Quelle: Pressemittelung der TU Dortmund

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  • 10Dez

    GSI LogoDie Wahrscheinlichkeit für Spätfolgen nach einer Therapie mit Ionenstrahlen ist geringer als bei herkömmlicher Strahlentherapie. Dies konnten Wissenschaftler am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung durch Blutuntersuchungen von Patienten mit Prostata-Tumoren nachweisen. Damit haben sie die bisherigen Risiko-Abschätzungen experimentell bestätigt. Die Therapie mit Ionenstrahlen zeichnet sich durch hohe Heilungsraten und geringe Nebenwirkungen aus. Vor über zehn Jahren wurde am GSI Helmholtzzentrum der erste von 440 Patienten mit Ionen bestrahlt. Behandelt wurden Tumoren an der Schädelbasis, am Rückenmark und der Prostata. Vor wenigen Wochen ging mit dem Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum die erste Klinikanlage für die Routinebehandlung in Betrieb.

    Dass die Wahrscheinlichkeit für Spätfolgen bei Bestrahlungen von Prostata-Tumoren gering ist, lässt uns vermuten, dass dies auch für andere Tumore der Fall ist. Ein weiteres überzeugendes Argument für die Ionenstrahltherapie, für die am GSI Helmholtzzentrum ein völlig neues Bestrahlungsverfahren entwickelt und eingesetzt wurde”, sagt Professor Marco Durante, der Leiter der Abteilung Biophysik bei GSI.

    “Wir haben in den Blutzellen der bestrahlten Patienten mit Prostata-Tumoren die Chromosomenschäden untersucht. Die Anzahl der Schäden nach einer Behandlung mit Ionenstrahlen lag dabei unter der nach einer konventionellen Bestrahlung. Chromosomenschäden geben uns Auskunft über die Wahrscheinlichkeit für Spätfolgen, wie zum Beispiel ein Auftreten von Sekundärtumoren”, sagt Sylvia Ritter, die Projektleiterin aus der Abteilung Biophysik bei GSI.

    Bei jeder Strahlentherapie wirkt ein Teil der Strahlung auch auf das gesunde Gewebe, das auf dem Weg zum Tumor mit dem Strahl durchquert werden muss. Während eine hohe schädigende Wirkung der Strahlung im Tumor gewollt ist, soll das umliegende gesunde Gewebe möglichst verschont bleiben. Eine Bestrahlung mit Ionenstrahlen bewirkt eine hohe Dosis im Tumor bei gleichzeitig wesentlich geringerer Dosis im umliegenden gesunden Gewebe als bei einer Bestrahlung mit Röntgenstrahlen.

    Dass die Spätfolgen der Ionentherapie geringer sind als bei bereits etablierten Bestrahlungsverfahren, war zwar von den GSI-Experten bereits prognostiziert worden, konnte aber nun mit so genannten molekular-zytogenetischen Untersuchungen bestätigt werden. Eine einzige vergleichbare Studie zu Sekundärschäden nach Ionentherapie wurde 2000 in Japan durchgeführt, bei der ebenfalls eine geringe Wahrscheinlichkeit für Spätfolgen festgestellt wurde. In der Studie wurden Tumoren an Gebärmutter und Speiseröhre untersucht.

    Die Wissenschaftler haben Blutproben von 20 Patienten untersucht, die sich einer Kombinationstherapie aus Ionen- und Röntgen-Strahlung oder einer alleinigen Röntgen-Bestrahlung der Prostata unterzogen hatten. Für ihre Untersuchungen verwendeten sie weiße Blutkörperchen, die als Bestandteil des menschlichen Blutes den gesamten Körper durchströmen. Sie eignen sich daher besonders gut, um Schäden an Chromosomen durch eine Strahlentherapie zu untersuchen und daraus die Wahrscheinlichkeit für Spätfolgen abzuschätzen.

    Um den therapiebedingten Anstieg der Schäden nachzuweisen wurden den Patienten vor, während und nach der Therapie Blutproben entnommen und mit Blutproben von gesunden Menschen verglichen. Die Wissenschaftler verwendeten bei ihren Untersuchungen die mFISH-Methode (multicolour Fluorescent in situ Hybridisation), um die Chromosomen sichtbar zu machen. Chromosomen sind Strukturen im Zellkern einer jeden menschlichen Zelle, die das Erbgut enthalten. Das Erbmaterial wird bei mFISH unterschiedlich eingefärbt und in Form eines Karyogramms dargestellt. Durch die farbliche Kodierung lassen sich schnell und sicher Schäden durch die Bestrahlung nachweisen.

     Normales Karyogramm Quelle GSI Darmstadt

    Darstellungen der Chromosomen einer menschlichen Zelle, so genannte Karyogramme. Die Chromosomen sind mit der mFish-Methode unterschiedlich eingefärbt. Auf dem Bild ist ein Karyogramm einer gesunden Zelle zu sehen.

     Krankhaftes Karyogramm Quelle: GSI Darmstadt

    Darstellungen der Chromosomen einer menschlichen Zelle, so genannte Karyogramme. Die Chromosomen sind mit der mFish-Methode unterschiedlich eingefärbt. Auf dem Bild sind Schäden an den Chromosomen Nr.2 und Nr.17 zu erkennen zwischen denen ganze Abschnitte vertauscht sind, eine so genannte “Translokation”.

    An der Arbeit waren Wissenschaftler beteiligt von GSI und der Radiologischen Klinik der Universität Heidelberg. Die Arbeit wurde gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unter Vertrag Nr. 02S8203 und Nr. 02S8497.

    Wissenschaftliche Veröffentlichung:

    “Radiotherapy and Oncology”:doi:10.1016/j.physletb.2003.10.071

    Über die Tumortherapie mit Ionenstrahlen

    Die am GSI entwickelte bahnbrechende Therapiemethode mit Ionenstrahlen wird bereits seit 1997 am GSI zur Behandlung von Patienten mit Tumoren im Kopf- und Halsbereich, sowie seit 2006 auch an der Prostata eingesetzt. Sie ist ein sehr genaues, hochwirksames und gleichzeitig sehr schonendes Therapieverfahren. Ionenstrahlen dringen in den Körper ein und entfalten ihre größte Wirkung erst tief im Gewebe, hochpräzise in einem nur stecknadelkopfgroßen Bereich. Sie werden so gesteuert, dass Tumoren bis zur Größe eines Tennisballs Punkt für Punkt und millimetergenau bestrahlt werden können. Das Verfahren eignet sich vor allem für Tumore in der Nähe von Risikoorganen, wie z.B. dem Sehnerv, dem Hirnstamm, der Blase oder des Darms.

    Aufgrund der guten Resultate des Therapieverfahrens wurde im November 2009 eine spezielle Anlage für Ionenstrahl-Therapie an der Radiologischen Klinik in Heidelberg in Betrieb genommen. Am Heidelberger Ionenstrahl Therapiezentrum (HIT) können pro Jahr ca. 1.300 Patienten behandelt werden. Zwei weitere Anlagen in Marburg und Kiel befinden sich im Bau.

    Über das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung

    GSI ist ein mit jährlich 90 Millionen Euro vom Bund und dem Land Hessen finanziertes Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft in Darmstadt. Das Ziel der Forschung bei GSI ist es ein immer umfassenderes Bild der uns umgebenden Natur zu entwerfen. Dazu betreiben die über 1.000 GSI-Mitarbeiter eine weltweit einmalige Beschleunigeranlage für Ionenstrahlen. Über 1.000 Gast-Wissenschaftler aus aller Welt nutzen diese Beschleunigeranlage für Experimente in der Grundlagenforschung. Das Forschungsprogramm umfasst ein breites Spektrum, das von Kern- und Atomphysik über Plasma- und Materialforschung bis hin zur Biophysik reicht. Die wohl bekanntesten Resultate sind die Entdeckung von neuen chemischen Elementen und die Entwicklung einer neuartigen Tumortherapie mit Ionenstrahlen. Mit diesen und einer Vielzahl anderer wissenschaftlicher Resultate nimmt GSI eine international führende Position in der Forschung mit Ionenstrahlen ein. Um in den kommenden Jahren weiterhin Spitzenforschung zu betreiben, wird bei GSI das neue internationale Beschleunigerzentrum FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research) errichtet. Dort wird eine große Vielfalt an Experimenten möglich sein, von denen Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Struktur der Materie und die Evolution des Universums erwarten.

    Quelle: Pressemitteilung des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung GmbH vom 10. Dezember 2009

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  • 10Dez

    Ruhr-Universität Bochum LogoGut vernetzt: Patienten werden ganzheitlich betreut und versorgt

    Über 20 Jahre Erfahrung in der Krebsbehandlung zahlen sich aus: Für seine hervorragende fachübergreifende Vernetzung und die ganzheitliche Betreuung der Patienten wurde das "Hauttumorzentrum Ruhr-Universität" im St. Josef-Hospital (Klinikum der RUB) zertifiziert. In einem mehrstufigen Zertifizierungsverfahren von OnkoZert, einem unabhängigen Institut, erfüllte das Hauttumorzentrum alle Kriterien der Gutachter. "Unsere Patienten können sicher sein, dass wir sie optimal und auf höchstem Niveau versorgen", sagt Prof. Dr. Peter Altmeyer, der bereits seit 1987 federführend das nordrhein-westfälische Hautkrebszentrum am Bochumer Universitätsklinikum mit aufgebaut hat.

    Stadiengerecht und interdisziplinär

    "Leitliniengetreu, stadiengerecht, interdisziplinär" - das sind die Kriterien, die das Hauttumorzentrum unter Leitung von Prof. Dr. Norbert Brockmeyer erfüllt. Hier arbeiten nicht nur Fachärzte des Hauses aus verschiedenen Abteilungen zusammen, sondern es findet auch ein enger Austausch mit externen Fachkliniken statt. Die gute Netzwerkstruktur des Zentrums - auch in Kooperation mit niedergelassenen Ärzten - sowie die medizinische und psychosoziale Betreuung der Patienten waren ausschlaggebend bei der Zertifizierung.

    200.000 Neudiagnosen jährlich

    "Die Dermatologische Klinik der Ruhr-Universität setzt schon seit über 20 Jahren Maßstäbe in der Hauttumorbehandlung", so Prof. Altmeyer. Das Risiko an Hautkrebs zu erkranken unterschätzen viele Menschen, dabei werden in Deutschland jährlich rund 200.000 Neudiagnosen gestellt. Hat sich ein Muttermal erst einmal zu einem bösartigen Melanom entwickelt, ist die Kompetenz von Medizinern unterschiedlicher Fachrichtungen gefragt: Dermatologen, Radiologen, Strahlentherapeuten, Chirurgen, Onkologen und abhängig vom Krankheitsbild auch Urologen, Gynäkologen und Neurochirurgen behandeln Hauttumore.

    Quelle: Presseinformation der Ruhr-Universität Bochum vom 10. Dezember 2009 (Presseinformation Nr. 414)

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