14Nov
Berlin – Risikopatienten sollten nach einer aktuellen Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO bei einem Verdacht auf eine Schweinegrippeinfektion so schnell wie möglich mit Neuraminidasehemmern behandelt werden. Auch eine zunächst mild verlaufende Form der Erkrankung könne innerhalb von 24 Stunden zu einer mitunter tödlich endenden Lungenentzündung führen, hieß es zur Begründung.
Schwangere, Kinder unter zwei Jahren und chronisch Kranke sollten deshalb bereits bei den ersten Grippesymptomen therapiert werden. Der Therapiebeginn solle dabei auch nicht durch das Abwarten des Testergebnisses verzögert werden. Da Influenza-Schnelltests zudem viele Infektionen nicht erkennen würden, sollten den Patienten die Medikamente auch bei einem negativen Ergebnis nicht vorenthalten werden, rät die WHO.
Die ursprünglichen Empfehlungen der WHO hatten einen zurückhaltenderen Einsatz von Oseltamivir und Zanamivir angeraten. Angesichts mangelnder Daten zu Sicherheit und Nutzen der Medikamente bei Schweinegerippe sowie ihrer begrenzten Verfügbarkeit sei die Behandlung schwerer Verläufe beabsichtigt gewesen. Nun liege der Schwerpunkt auf der Vorsorge schwerer Folgeerkrankungen.
Patienten mit einem unkomplizierten Grippeverlauf und ohne weitere Risiken sollen künftig noch stärker von ihren Ärzten auf die Symptome einer Verschlechterung der Erkrankung hingewiesen werden. Dazu zählen Kurzatmigkeit, Hypoxie, Schwindel und Benommenheit. Verbessern sich die Symptome innerhalb von 72 Stunden nicht, rät die WHO zu einem erneuten Arztbesuch und einer antiviralen Therapie. Die Behandlung solle zunächst immer mit Oseltamivir (Tamiflu) starten; bei Unverträglichkeiten oder Nichtverfügbarkeit könne Zanamivir (Relenza) eingesetzt werden, so die Empfehlung.
Nachricht von www.apotheke-adhoc.de vom 13. November 2009
Tags: A/H1N1, Oseltamivir, Relenza, Tamiflu, WHO, Zanamivir
29Sep
Im Epidemiologischen Bulletin 39/2009 vom 28.09.2009 hat das Robert-Koch-Insitut eine kurze Situationseinschätzung zur Verbreitung des Schweinegrippevirus A/H1N1 für die 38. Kalenderwoche gegeben.
Nachfolgend der entsprechende Wortlaut:
Deutschland
Die Aktivität der ARE ist im Vergleich zur Vorwoche erneut leicht angestiegen, lag aber bundesweit im Bereich der jahreszeitlich zu erwartenden Werte. Die in Deutschland auftretenden Fälle an Neuer Influenza A/H1N1 sind somit weiterhin nicht auf Bevölkerungsebene als zusätzliche Krankheitslast messbar.
Bisher wurden im NRZ insgesamt 278 neue Influenzaviren (A/H1N1) hinsichtlich ihrer Sensitivität gegenüber den Neuraminidaseinhibitoren Oseltamivir und Zanamivir untersucht. Bekannte Resistenzmutationen waren nicht nachweisbar. Alle untersuchten Virusisolate wiesen ebenfalls einen sensitiven Phänotyp auf. Weiterhin zeigten alle der 47 untersuchten Viren eine Resistenz gegenüber Amantadin.
Weitere Informationen zur aktuellen Situation Neue Influenza A/H1N1 unter http://www.rki.de/influenza bzw. täglich aktualisierte Informationen, Hinweise und Empfehlungen unter http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/I/Influenza/IPV/IPV__Node.html.
International, Ergebnisse der europäischen Influenza-Surveillance durch EISN
In der 37. KW 2009 zeigt sich eine sporadische oder lokale Aktivität in einer Reihe von europäischen Ländern aufgrund von Influenza A/H1N1. Schweden, Irland und Teile des Vereinigten Königreichs (Nordirland) melden mittlere Influenza-Aktivität.
Weitere Informationen zur europäischen Situation erhalten Sie auf den Internetseiten des ECDC (European Centre for Disease Control and Prevention) unter http://ecdc.europa.eu.
Informationen zur weltweiten Situation können auf den Internetseiten der WHO aufgerufen werden unter http://www.who.int/csr/disease/swineflu/en/index.html.
Seht auch den Bericht für die 37. Kalenderwoche 2009:
Aktueller Situationsstand bei ARE/Influenza (Schweinegrippevirus) für die 37. Kalenderwoche 2009
Tags: A/H1N1, Irland, Nordirland, Oseltamivir, Robert-Koch-Institut, Schweden, Zanamivir
01Aug
Die diesjährige IAS-Konferenz (International Aids Society) in Kapstadt befasste sich u. a. auch mit dem Thema A/H1N1 und HIV. Dabei wurde festgestellt, dass unter HAART bislang nicht gut untersucht ist, ob und wie die Impfung gegen saisonale Influenza bei Menschen mit HIV anschlägt. Es wird vermutet, dass die Wirkung von einer Viruslast unter der Nachweisgrenze abhängt und nicht von den CD4-Zellzahlen.
Derzeit sind keine HIV-Patienten unter den schweren Verläufen der Grippe zu finden. Im Allgemeinen scheint es keine Unterschiede zwischen den Krankheitsverläufen bei HIV-Positiven und Negativen zu geben. Allerdings geht man davon aus, dass HIV-Positive länger und in einem höheren Maße infektiös sind, weil ihr Immunsystem das Virus nicht so schnell und effektiv bekämpfen kann.
Der Immunfluoreszenz-Test zum Erregernachweis des H1N1-Virus funktioniert bei HIV-Positiven nicht gut. Ist er positiv, ist die Diagnose klar, ist er negativ hat dies aber keinerlei Aussagekraft. Es wird empfohlen, bei eindeutigen Symptomen auch ohne gesicherte Diagnose zügig mit der Behandlung mit Oseltamivir (Tamiflu) zu beginnen.
Erfahrungen aus Kanada legen nahe, dass HIV-Infizierte möglicherweise mit einer doppelten Dosis und über einen längeren Zeitraum behandelt werden müssen.
Auf der Konferenz wurde auch diskutiert, ob ein HIV-Positiver mit H1N1 der nicht gegen Pneumokokken geimpft ist, Oseltamivir plus ein Antibiotikum-Kombinationspräparat aus Amoxicillin und Clavulansäure zu verarbreichen, um Lungenentzündungen vorzubeugen.
Bei Therapien gegen HIV ist mit Wechselwirkungen mit Oseltamivir zu rechnen. Es muss mit vermehrten neurologischen Nebenwirkungen von Oseltamivir gerechnet werden.
Tags: A/H1N1, Clavulansäure, IAS-Konferenz, Lungenkrankheiten, Oseltamivir, Pneumokokken, Tamiflu
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