Seit November 2008 führt das Robert Koch-Institut die Feldarbeit der "Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland" (DEGS) durch. Im Epidemiologischen Bulletin erscheinen regelmäßig Kurzbeiträge zu DEGS, die auch unter www.rki.de/degs abrufbar sind. Im Folgenden wird dargestellt, welche Daten zum Thema Diabetes mellitus in der Studie erfasst werden und welche Fragen damit beantwortet werden sollen.
Diabetes mellitus zählt zu den gesundheitspolitisch besonders wichtigen nichtübertragbaren Erkrankungen. Trotz fortlaufend verbesserter Be handlungsmöglichkeiten ist die Erkrankung immer noch häufig mit schweren Langzeitkomplikationen (insbesondere kardiovaskulären und neurologischen Folgeerkrankungen) und mit erhöhter Sterblichkeit verbunden. Im Erwachsenenalter spielt der Typ-2-Diabetes (auch Altersdiabetes genannt) die größte Rolle. Epidemiologische Daten belegen, dass die Zahl der an Typ-2-Diabetes Erkrankten und die Neuerkrankungsraten weltweit zunehmen. Wichtige Ursachen hierfür sind der Anstieg der Lebenserwartung und eine zunehmende Verbreitung verhaltensbasierter Risikofaktoren. Mit diesen stehen sozialökologische Faktoren wie Arbeitslosigkeit, Armut und ungünstige Lebens- und Arbeitsbedingungen in Zusammenhang. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle und treten mit den erworbenen Risikofaktoren in Wechselwirkung. Neben einer optimalen Behandlung bereits diagnostizierter Diabetiker zur Verhinderung oder Eindämmung der Krankheitsfolgen kommt der Früherkennung und der Kontrolle beeinflussbarer Risikofaktoren große gesundheitspolitische Bedeutung zu.
Im DEGS werden aus diesem Grunde umfassende Daten zum Vorliegen eines ärztlich diagnostizierten Diabetes mellitus (jemals diagnostiziert; Vorliegen in den letzten 12 Monaten) und zu den gesundheitlichen Folgen (z. B. akute Blutzuckerentgleisungen, Amputationen, diabetische Neuropathie und Nephropathie) erhoben. Weitere standardisierte Befragungen gelten der medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlung, der Inanspruchnahme von diabetesspezifischen Leistungen des Gesundheitssystems (z. B. Teilnahme an Disease Management Programmen (DMPs), Zeitpunkt der letzten Untersuchung von Augenhintergrund und Fußdurchblutung), dem Selbstmanagement (selbständige Kontrolle von Blut- und Urinzucker) und der familiären Vorbelastung. Zur Erfassung dieser Informationen dient das standardisierte computergestützte ärztliche Interview (CAPI, s. Epid. Bull. 14/2009). Laboranalysen zum Diabetes mellitus (s. Epid. Bull. 27/2009) umfassen Blutzucker, Insulin und C-Peptid im Serum, den Anteil an glykosiliertem Hämoglobin (HbA1c) und den Nachweis von Glukose im Urin. Hiermit lassen sich bei bekannten Diabetikern die Güte der Blutzuckereinstellung und die körpereigene Insulinproduktion (C-Peptid) abbilden. Im DEGS werden erstmals auch Nüchternbestimmungen des Blutzuckers durchgeführt, um den Anteil unerkannter Diabetiker festzustellen. Teilnahmewillige, bei denen kein Diabetes mellitus bekannt ist, werden während des Terminvereinbarungsgespräches (s. Epid. Bull. 6/2009) gebeten, nüchtern zur Untersuchung zu kommen. Bei Terminen in der zweiten Tageshälfte wird um die Einhaltung einer mindestens vierstündigen Nahrungskarenz gebeten. Weitere Daten aus CAPI, Laborprogramm, standardisierten Messungen und Untersuchungen sowie schriftlichen Befragungen (s. Epid. Bull. 10/2009) liefern Informationen zu gleichzeitig zum Diabetes mellitus vorliegenden Erkrankungen (Komorbiditäten) und zu bekannten oder vermuteten Risikofaktoren (Alter, Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und Adipositas, zentrales Fettverteilungsmuster, Rauchen, Schlafmangel). Mit Hilfe der computergestützten Arzneimittelerfassung (s. Epid. Bull. 23/2009) lassen sich Angaben zum Vorliegen und zur Behandlung eines Diabetes mellitus und zu den Komorbiditäten validieren. Geplant sind auch Bestimmungen genetischer Marker im Rahmen von wissenschaftlichen Kooperationen. Voraussetzung ist, dass die Teilnehmer hierzu ihre schriftliche Einwilligung gegeben haben.
Als Teil des bundesweiten Gesundheitsmonitorings wird DEGS im Abstand von einigen Jahren regelmäßig wiederholt werden. Hierdurch wird es möglich sein, zeitliche Entwicklungen zur Prävalenz und Komorbidität des ärztlich diagnostizierten und des unerkannten Diabetes mellitus, zur Verbreitung beeinflussbarer Risikofaktoren und zu Aspekten der Versorgungsqualität bei Erwachsenen in Deutschland darzustellen. Die Längsschnittkomponente von DEGS wird darüber hinaus auch prospektive Analysen erlauben, z. B. zu typischen Krankheitsverläufen und prognostisch relevanten Risikokonstellationen sowie zu kausalen Zusammenhängen zwischen Diabetes mellitus und anderen wichtigen Erkrankungen.
Bericht aus der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung des Robert Koch-Instituts.
Quelle: Epidemiologisches Bulletin Nr. 18 des Robert Koch Instituts vom 10. Mai 2010
Das entsprechende Bulletin könnt Ihr über folgenden Link erreichen:


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