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  • 10Mai

    Seit November 2008 führt das Robert Koch-Institut die Feldarbeit der "Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland" (DEGS) durch. Im Epidemiologischen Bulletin erscheinen regelmäßig Kurzbeiträge zu DEGS, die auch unter www.rki.de/degs abrufbar sind. Im Folgenden wird dargestellt, welche Daten zum Thema Diabetes mellitus in der Studie erfasst werden und welche Fragen damit beantwortet werden sollen.

    Diabetes mellitus zählt zu den gesundheitspolitisch besonders wichtigen nichtübertragbaren Erkrankungen. Trotz fortlaufend verbesserter Be handlungsmöglichkeiten ist die Erkrankung immer noch häufig mit schweren Langzeitkomplikationen (insbesondere kardiovaskulären und neurologischen Folgeerkrankungen) und mit erhöhter Sterblichkeit verbunden. Im Erwachsenenalter spielt der Typ-2-Diabetes (auch Altersdiabetes genannt) die größte Rolle. Epidemiologische Daten belegen, dass die Zahl der an Typ-2-Diabetes Erkrankten und die Neuerkrankungsraten weltweit zunehmen. Wichtige Ursachen hierfür sind der Anstieg der Lebenserwartung und eine zunehmende Verbreitung verhaltensbasierter Risikofaktoren. Mit diesen stehen sozialökologische Faktoren wie Arbeitslosigkeit, Armut und ungünstige Lebens- und Arbeitsbedingungen in Zusammenhang. Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle und treten mit den erworbenen Risikofaktoren in Wechselwirkung. Neben einer optimalen Behandlung bereits diagnostizierter Diabetiker zur Verhinderung oder Eindämmung der Krankheitsfolgen kommt der Früherkennung und der Kontrolle beeinflussbarer Risikofaktoren große gesundheitspolitische Bedeutung zu.

    Im DEGS werden aus diesem Grunde umfassende Daten zum Vorliegen eines ärztlich diagnostizierten Diabetes mellitus (jemals diagnostiziert; Vorliegen in den letzten 12 Monaten) und zu den gesundheitlichen Folgen (z. B. akute Blutzuckerentgleisungen, Amputationen, diabetische Neuropathie und Nephropathie) erhoben. Weitere standardisierte Befragungen gelten der medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlung, der Inanspruchnahme von diabetesspezifischen Leistungen des Gesundheitssystems (z. B. Teilnahme an Disease Management Programmen (DMPs), Zeitpunkt der letzten Untersuchung von Augenhintergrund und Fußdurchblutung), dem Selbstmanagement (selbständige Kontrolle von Blut- und Urinzucker) und der familiären Vorbelastung. Zur Erfassung dieser Informationen dient das standardisierte computergestützte ärztliche Interview (CAPI, s. Epid. Bull. 14/2009). Laboranalysen zum Diabetes mellitus (s. Epid. Bull. 27/2009) umfassen Blutzucker, Insulin und C-Peptid im Serum, den Anteil an glykosiliertem Hämoglobin (HbA1c) und den Nachweis von Glukose im Urin. Hiermit lassen sich bei bekannten Diabetikern die Güte der Blutzuckereinstellung und die körpereigene Insulinproduktion (C-Peptid) abbilden. Im DEGS werden erstmals auch Nüchternbestimmungen des Blutzuckers durchgeführt, um den Anteil unerkannter Diabetiker festzustellen. Teilnahmewillige, bei denen kein Diabetes mellitus bekannt ist, werden während des Terminvereinbarungsgespräches (s. Epid. Bull. 6/2009) gebeten, nüchtern zur Untersuchung zu kommen. Bei Terminen in der zweiten Tageshälfte wird um die Einhaltung einer mindestens vierstündigen Nahrungskarenz gebeten. Weitere Daten aus CAPI, Laborprogramm, standardisierten Messungen und Untersuchungen sowie schriftlichen Befragungen (s. Epid. Bull. 10/2009) liefern Informationen zu gleichzeitig zum Diabetes mellitus vorliegenden Erkrankungen (Komorbiditäten) und zu bekannten oder vermuteten Risikofaktoren (Alter, Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und Adipositas, zentrales Fettverteilungsmuster, Rauchen, Schlafmangel). Mit Hilfe der computergestützten Arzneimittelerfassung (s. Epid. Bull. 23/2009) lassen sich Angaben zum Vorliegen und zur Behandlung eines Diabetes mellitus und zu den Komorbiditäten validieren. Geplant sind auch Bestimmungen genetischer Marker im Rahmen von wissenschaftlichen Kooperationen. Voraussetzung ist, dass die Teilnehmer hierzu ihre schriftliche Einwilligung gegeben haben.

    Als Teil des bundesweiten Gesundheitsmonitorings wird DEGS im Abstand von einigen Jahren regelmäßig wiederholt werden. Hierdurch wird es möglich sein, zeitliche Entwicklungen zur Prävalenz und Komorbidität des ärztlich diagnostizierten und des unerkannten Diabetes mellitus, zur Verbreitung beeinflussbarer Risikofaktoren und zu Aspekten der Versorgungsqualität bei Erwachsenen in Deutschland darzustellen. Die Längsschnittkomponente von DEGS wird darüber hinaus auch prospektive Analysen erlauben, z. B. zu typischen Krankheitsverläufen und prognostisch relevanten Risikokonstellationen sowie zu kausalen Zusammenhängen zwischen Diabetes mellitus und anderen wichtigen Erkrankungen.

    Bericht aus der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung des Robert Koch-Instituts.

    Quelle: Epidemiologisches Bulletin Nr. 18 des Robert Koch Instituts vom 10. Mai 2010

    Das entsprechende Bulletin könnt Ihr über folgenden Link erreichen:

    http://www.rki.de/cln_160/nn_1759378/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2010/18__10,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/18_10.pdf

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  • 05Mai

    Aus Nordrhein-Westfalen (Bielefeld) wurde eine Erkrankung durch das Rifttal-Fieber-Virus übermittelt. Bei dem Fall handelt es sich um eine 50-jährige Frau, die vom 17.03.2010 bis zum 08.04.2010 als Mitglied einer 4-köpfigen Reisegruppe in der Küstenregion der Republik Südafrika verreist war und am 07.04.2010, einen Tag vor der Rückreise nach Deutschland, erkrankte.

    Ausgehend von Port Elizabeth in der Provinz Eastern Cape war die Gruppe in ländlichen Gebieten entlang der Küste Südafrikas (Provinzen Eastern Cape, Western Cape) gereist, mit Besuchen von Wildreservaten und Bergregionen. In dieser Zeit begegneten die Reisenden auch Nutztieren wie Ziegen und Kühen. Die Gruppe übernachtete ausschließlich in Hotels oder Pensionen (Lodges). Gegen Ende der Reise verbrachte die Gruppe auch einige Tage in der Innenstadt von Kapstadt (keine Ausflüge). Eine Infektion im ländlichen Küstenhinterland der Kapregion erscheint aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse am wahrscheinlichsten.

    Nach Auskunft der befragten Frau seien alle Reisenden von Mücken gestochen worden. Warnungen vor dem Rifttal-Fieber waren der Gruppe nicht bekannt. Somit schützten sie sich nicht durch langärmelige Kleidung oder lange Hosen, auch nicht mit chemischen Mitteln, um Mückenstichen vorzubeugen. Die Patientin hatte sich vor ihrer Reise nicht bei einem Arzt über Präventionsmaßnahmen für Südafrikareisen informiert oder beraten lassen.

    Die Erkrankung der Frau ging einher mit Fieber (bis 39 °C), Kopfschmerzen, Hautrötungen am Ober- und Unterkörper, einer Konjunktivitis, geschwollenen Lymphknoten im Leistenbereich, einem papulösen Exanthem im Abdominalbereich sowie wassergefüllten kleinen Bläschen am linken Fuß. Im Blutbild fiel eine leichte Thrombozytopenie auf. Komplikationen wie Meningitis oder Netzhautentzündung traten bislang nicht auf. Eine stationäre Behandlung war nicht erforderlich.

    Die Begleitpersonen hatten einige Tage zuvor über ähnliche Beschwerden und Symptome geklagt. Eine Reisende hatte auch Schmerzen im Nackenbereich.

    Blutproben der Patientin wurden am Bernhard-Nocht-Institut auf eine mögliche Rifttal-Fieber-Virus-Infektion untersucht. Dort wurde der Nachweis Rifttal-Fieber-Virusspezifischer IgM- und IgG-Antikörper erbracht. Weitere Laboruntersuchungen, auch von den bisher nicht getesteten Personen, sind geplant.

    Erreger und Erkrankung

    Das Rifttal-Fieber-Virus wurde 1931 erstmalig als Erreger einer Tierseuche aus Schafen im Rifttal in Kenia isoliert. Seitdem traten zahlreiche Epizootien (Epidemien bei Tieren) in Afrika und Ländern des Nahen Ostens auf, bei denen es gleichzeitig zu Infektionen beim Menschen kam.

    Vektoren des Rifttal-Fieber-Virus sind verschiedene Culex- und Aedes-Mücken. Rifttal-Fieber-Epidemien treten häufig nach Regenfällen oder Überschwemmungen auf, was mit dem Ausbrüten infizierter Eier und einer Vermehrung der Mücken erklärt wird. Während der Ausbrüche zirkuliert das Virus zwischen Mücke und Vertebratenwirt. Obwohl das Virus verschiedene Tierspezies infizieren kann, sind Nutztiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder die wichtigsten Wirtstiere. Ein Ausbruch manifestiert sich üblicherweise zuerst bei den Tieren. Menschen werden entweder durch Mücken infiziert oder durch Kontakt zu infizierten Tieren (d. h. zu Blut und anderen Körperflüssigkeiten), z. B. beim Schlachten oder bei der Beseitigung verstorbener Tiere. Es gibt keine Hinweise auf eine horizontale Mensch-zu-Mensch-Übertragung.

    Für Tiere stehen Impfstoffe zur Verfügung, für Menschen jedoch nicht.

    Beim Menschen liegt die Inkubationszeit bei etwa 2 – 6 Tagen. Die Mehrzahl der Infektionen verläuft mild mit Fieber und grippeähnlicher bzw. gastrointestinaler Symptomatik. Labordiagnostisch finden sich Thrombozytopenie, erhöhte Transaminasen und erhöhtes Kreatinin als Zeichen einer Leber- bzw. Nierenbeteiligung. Eine spezifische Behandlung gibt es nicht. Ca. 1 – 10 % der diagnostizierten Patienten entwickeln eine schwere hämorrhagische Verlaufsform. Als Spätkomplikationen treten bei 1 – 10 % eine Retinitis und bei 1 – 10 % eine Meningoenzephalitis auf. Viele leicht verlaufende Infektionen werden allerdings nicht als solche diagnostiziert und gehen daher nicht in die Statistik ein, anhand derer die Wahrscheinlichkeit schwerer Verläufe berechnet werden.

    Die Virämie ist in den ersten Krankheitstagen am höchsten. Die Viruslast liegt bei letalen Verläufen ca. 1.000-fach höher als bei nichtletalen Verläufen und fällt vor dem Tod nur wenig ab. Bei günstiger Prognose fällt der Virustiter schnell ab und liegt nach 1 – 3 Wochen unter der Nachweisgrenze der PCR. Bei milden Verläufen kann die Virämie auch in der akuten Phase zu gering für einen PCR-Nachweis sein. IgM- und IgG-Antikörper treten sehr früh - oft innerhalb der ersten Woche - auf, und sind daher besonders zur Akutdiagnostik von milden Verläufen eeignet. IgM-Antikörper persistieren nur wenige Monate. Bei letalen Verläufen sind Antikörper nicht immer nachweisbar. In endemischen Regionen besteht eine hohe Prävalenz von IgG-Antikörperträgern.

    Der letzte Fall einer in Deutschland diagnostizierten Infektion mit Rifttal-Fieber betraf Anfang 2009 eine 71-jährige Frau, die sich auf einer Reise in Kenia mit dem Hepatitis-A- und dem Rifttal-Fieber-Virus infiziert hatte und an einer fulminanten Hepatitis A verstarb. Ob die offenbar asymptomatisch verlaufene Infektion mit Rifttal-Fieber-Virus eine Vorschädigung der Leber verursacht und somit zum Versterben der Patientin beigetragen hat, bleibt unklar. Bei diesem Fall hat es sich um die erste im Rahmen der Meldepflicht bekanntgewordene Infektion durch Rifttal-Fieber-Virus in Deutschland gehandelt. Von einer Dunkelziffer insbesondere leichter Verläufe muss ausgegangen werden.

    Situation in Südafrika

    In verschiedenen Provinzen von Südafrika werden nach einem regenreichen Sommerhalbjahr zur Zeit Rifttal-Fieber-Virus-Infektionen bei Tieren (Provinzen Free State, Eastern Cape, Northern Cape, Western Cape, Mpumalanga, North West und Gauteng) und seit Mitte Februar auch beim Menschen verzeichnet (Provinzen Free State, Eastern Cape, Northern Cape, Western Cape und North West). In Südafrika belaufen sich die Fallzahlen zum 29.04.2010 auf 164 laborbestätigte Fälle beim Menschen einschließlich 14 Todesfällen (9 Fälle Eastern Cape, 48 Fälle Northern Cape, 1 Fall North West, 103 Fälle Free State, 1 Fall Western Cape und 2 Fälle ohne Angabe). Am stärksten betroffen ist die Provinz
    Free State (Hauptstadt: Bloemfontein) mit 103 Fällen und 7 Todesfällen. Die übrigen Todesfälle verteilen sich auf die Provinzen Northern Cape (6) und Western Cape (1) (mündliche Mitteilung).

    Nach Einschätzung des Ministeriums spielen Mücken bei diesem Ausbruch bei der Übertragung auf den Menschen eine untergeordnete Rolle. Betroffen sind in Südafrika vor allem Landwirte, Landarbeiter und Tierärzte mit direktem Tierkontakt. Mit dem Einsetzen kühleren Wetters wird ein Rückgang der Infektionszahlen erwartet.

    Risikoeinschätzung und Empfehlungen 

    Trotz dieses einzelnen labordiagnostisch bestätigten Falles bei einer deutschen Touristin erscheint das Infektionsrisiko für deutsche Touristen in Südafrika, auch für WM-Touristen, insgesamt gering. 

    Um Infektionen mit Rifttal-Fieber-Virus zu vermeiden, sollten Reisende nach Südafrika auch außerhalb der Malariagebiete und auch tagsüber Mückenschutz betreiben (Repellentien, Mückennetze). Kontakt zu Wild- und Nutztieren (insbesondere zu rohem Fleisch, Blut, Kot, Urin, Plazentamaterial) sollte vermieden werden, weiterhin sollten rohes Fleisch oder Rohmilch nicht verzehrt werden. Der Verzehr von durchgebratenem Fleisch und von pasteurisierter Milch ist jedoch unproblematisch.

    Beim Auftreten eines Fiebers unklarer Genese ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Wenn bis zu einem Monat nach der Heimkehr nach Deutschland aufgrund akuter Symptome ein Arzt konsultiert wird, sollte von dem Aufenthalt in Südafrika und der Ausbruchssituation dort berichtet werden.

    Bei Verdacht auf ein Rifttal-Fieber können Patientenproben am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg auf Erreger-spezifische Nukleinsäure und Antikörper untersucht werden. Ansprechpartner dort ist Dr. Jonas Schmidt-Chanasit (E-Mail: jonassi@gmx.de).

    Quelle: Epidemiologisches Bulletin des Robert-Koch-Instituts Nr. 17 vom 03. Mai 2010

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  • 18Mrz

    Unter dem Titel "MenschMikrobe - Das Erbe Robert Kochs und die moderne Infektionsforschung" starten die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und das Robert Koch-Institut (RKI) im Juni 2010 eine gemeinsame und in ihrer Form bisher einzigartige Wanderausstellung zur Infektionsmedizin. Die interaktive Schau bietet einen fundierten und allgemeinverständlichen Einblick in die Erforschung der Mikroben und verdeutlicht zugleich die historische und soziale Dimension von Infektionskrankheiten. "MenschMikrobe" wird am 02. Juni 2010 in Berlin eröffnet und ist dort bis 06. Juli 2010 und in der Folge in Bonn und Würzburg für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Anlass der Ausstellung ist der hundertste Todestag des Nobelpreisträgers und Mitbegründers der Bakteriologie, Robert Koch, am 27. Mai 2010.

    "Robert Koch hat mit seinen Entdeckungen nicht nur die Medizin, sondern auch unsere Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit bis heute entscheidend geprägt", unterstreicht Prof. Dr. Jörg Hacker, Mitinitiator der Ausstellung und bis zu seinem Wechsel an die Spitze der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina Präsident des RKI. Was sind Mikroben? Wie entstehen Infektionen? Wie lassen sich Seuchen  kontrollieren? Viele Antworten aus der Zeit Robert Kochs - der vor allem  durch die Identifizierung des Tuberkulosebazillus zu Weltruhm gelangte - sind heute immer noch gültig. Vieles andere, was man inzwischen über Infektionserreger und ihre faszinierenden molekularen Strategien weiß, ist überraschend und neu. "MenschMikrobe" greift diese Perspektive  auf und spannt einen Bogen von der Entdeckung der Mikroben durch Koch und seine Zeitgenossen zu den heutigen Herausforderungen der Infektionsmedizin. "Die Erforschung und Bekämpfung von Infektionen spielt weiterhin eine vordringliche Rolle", sagt Hacker. Beispiele dafür sind nicht nur neuartige Seuchen wie AIDS, SARS oder die Neue Influenza  ("Schweinegrippe"), sondern ebenso die hohe Zahl von Krankenhausinfektionen hierzulande oder die enorme sozioökonomische  Belastung vieler Entwicklungsländer durch infektiöse Erkrankungen.

    "Die Infektionsforschung ist verstärkt in den Fokus unserer Förderpolitik gerückt", bekräftigt der Präsident der DFG, Prof. Dr. Matthias Kleiner. Zahlreiche hochkarätige mikrobiologische Forschergruppen in Deutschland werden durch die DFG unterstützt, zudem fördert sie mit einer eigens konzipierten Afrika-Initiative die Kooperation zwischen deutschen und afrikanischen Infektiologen. "Wir möchten mit "MenschMikrobe" eine breite Öffentlichkeit einladen, sich von der modernen Infektionsforschung faszinieren zu lassen und sich zugleich mit ihrer  gesellschaftlichen Tragweite vertraut zu machen", beschreibt Kleiner den Kerngedanken der Ausstellung.

    In zehn Themenstationen beantwortet "MenschMikrobe" grundlegende Fragen - etwa nach der Natur der Mikroorganismen und der Funktion der Körperflora, nach den ökologischen und sozialen Entstehungsbedingungen von Seuchen, dem Nutzen und Nachteil der Antibiotika und den Möglichkeiten der Krankheitsverhütung. Die modern gestalteten Ausstellungswände aus Glas werden durch interaktive Exponate ergänzt, beispielsweise einem Pandemie-Simulationscomputer und einem Playmobil-Krankenhaus zum Erkennen potenzieller Infektionsquellen. Hörstationen erzählen zudem von den sozialen und kulturellen Auswirkungen historischer Seuchenereignisse wie der Pest in Florenz im Jahr 1348 oder der Cholera-Epidemie 1892 in Hamburg. Durch spezielle Kindertexte und eine eigene Kinderstation können grundlegende Zusammenhänge bereits an Kinder ab dem Grundschulalter vermittelt werden.

    "MenschMikrobe" wird durch die DFG mit Unterstützung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft sowie in Teilen aus Mitteln des RKI finanziert. Die Eröffnung von "MenschMikrobe" am 2. Juni in Berlin bildet zugleich den Höhepunkt einer Festwoche, die das RKI ab dem 27. Mai, dem Todestag von Robert Koch mit verschiedenen wissenschaftlichen und Publikumsveranstaltungen begeht.

    Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts und der Deutschen Forschungsgemeinschaft vom 18. März 2010

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  • 23Feb

    Das Robert Koch-Institut hat mit zwei Publikationen eine umfassende Darstellung des Krebsgeschehens in Deutschland vorgelegt: Die Veröffentlichung “Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland” ist erstmals erschienen und enthält Schätzungen zur Zahl der Menschen, die derzeit an Krebs erkrankt sind (Prävalenz), getrennt nach ausgewählten Tumorformen. Die zweite Publikation ist die gemeinsam mit der Gesellschaft der Epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) herausgegebene neue Auflage von “Krebs in Deutschland”. Sie enthält Schätzungen zu Krebsneuerkrankungen von 1980 bis 2006 und erstmals auch Prognosen (für das Jahr 2010). Auch hier werden die Daten – Erkrankungs- und Sterberaten, Risikofaktoren, Trendverläufe sowie Überlebensaussichten – für ausgewählte Einzellokalisationen dargestellt.

    In Deutschland leben hochgerechnet auf 2010, geschätzte 1,45 Millionen Menschen mit einer Krebserkrankung (die höchstens fünf Jahre zuvor entdeckt wurde). Diese Zahl ist seit 1990 um 40% bei den Frauen und 90% bei den Männern gestiegen, was eine zunehmende Belastung für das Gesundheitswesen bedeutet. Gründe für den Anstieg sind die zunehmenden Zahl älterer Menschen (die meisten Krebserkrankungen treten vermehrt in höherem Alter auf), verbesserter Überlebensaussichten und teilweise gestiegene Erkrankungsraten, auch aufgrund verstärkter Früherkennungsmaßnahmen. Der höhere Anstieg bei den Männern ist auch eine Folge des zweiten Weltkriegs: Aufgrund der hohen Zahl gefallener Soldaten gab es in Deutschland lange vergleichsweise wenige ältere Männer. Diese “demografische Lücke” ist inzwischen weitgehend geschlossen.

    Die Zahl der Krebsneuerkrankungen lag 2006 bei rund 430.000 Menschen, seit 1990 ist diese Zahl der jährlichen Neuerkrankungen um fast 30 % angestiegen. Eine wichtige Ursache für den Anstieg ist auch hier die zunehmende Zahl älterer Menschen. Eine weitere Zunahme der Krebsfälle wird prognostiziert, für 2010 auf rund 450.000.

    Bislang können die bundesweiten Zahlen nur geschätzt werden, da noch nicht aus allen Bundesländern hinreichend vollzählige Meldungen in den Krebsregistern vorliegen. Die Datengrundlage für die Schätzung hat sich aber in den letzten Jahren stetig verbessert. Die Mitarbeit aller Ärzte, die an der Diagnostik, Therapie oder Nachsorge beteiligt sind, ist für eine vollständige Erfassung entscheidend. Auch Patienten können beitragen, indem sie ihren Arzt zur Meldung an das Krebsregister auffordern.

    Epidemiologische Krebsregister sind unverzichtbar, um Basisdaten unter anderem für die Suche nach Ursachen von Krebs oder für die Anforderung an Versorgungsmaßnahmen zu erhalten. Durch das 2009 in Kraft getretene Bundeskrebsregisterdatengesetz sind weitere Fortschritte in der Analyse und Darstellung des Krebsgeschehens zu erwarten. Die Bundesländer sind nun erstmals verpflichtet, dem Robert Koch-Institut flächendeckende und vollzählige Daten aus den Landeskrebsregistern zu übermitteln. Umgekehrt sollen die bundesweit aufbereiten Daten den Ländern rasch zur Verfügung gestellt und auch an Dritte für wissenschaftliche Auswertungen weitergegeben werden. Aus der Dachdokumentation Krebs des RKI wurde Anfang dieses Jahres das Zentrum für Krebsregisterdaten, ein eigenständiges Fachgebiet, das mit einer verbesserten personellen Ausstattung ein breiteres Aufgabenspektrum bearbeiten wird.

    Die Veröffentlichungen sind im Internet abrufbar (http://www.rki.de) und können kostenlos bestellt werden bei RKI, GEKID (http://www.gekid.de) und den Krebsregistern der Länder.

    Quelle: Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts vom 23. Februar 2010

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  • 22Feb

    In Nordrhein-Westfalen (Städteregion Aachen) starb ein 42-jähriger Mann am 13.12.2009 an den Folgen von Milzbrand. Er hatte sich vermutlich Heroin intravenös injiziert. In einem Wundabstrich wurden aerobe Sporenbildner diagnostiziert. Die Verdachtsdiagnose Milzbrand wurde am 18.12.2009 mittels PCR bestätigt. Den schottischen Gesundheitsbehörden sind aktuell 23 Milzbrandfälle unter Heroinkonsumenten gemeldet, davon endeten 9 tödlich (Stand: 19.2.2010, http://www.hps.scot.nhs.uk/anthrax/). Auch in England gibt es zwei bestätigte Fälle von Milzbrand bei Heroinkonsumenten, von denen einer verstorben ist (Stand 19.2.2010, (http://www.hpa.org.uk/HPA/Topics/InfectiousDiseases/InfectionsAZ/1191942145749/).

    Aufgrund vergleichender Untersuchungen von Proben des Aachener Verstorbenen und von Proben von Fällen aus Schottland ist nicht auszuschließen, dass es sich um identische Stämme des Milzbranderregers bei allen untersuchten Fällen handelt. Dies ist ein Hinweis darauf, dass das Heroin eine gemeinsame Quelle der Verunreinigung haben könnte. Kontaminiertes Heroin könnte somit auch in anderen Bundesländern und europäischen Staaten vertrieben worden sein. Bei entsprechender Anamnese sollten Ärzte Milzbrand differentialdiagnostisch frühzeitig in Erwägung ziehen und schon bei Verdacht nach erfolgter Probenentnahme eine Therapie einleiten. Man kann sich mit Milzbrand infizieren, wenn z. B. mit Milzbrandsporen verunreinigtes Heroin inhaliert wird, mit verletzter Haut oder Schleimhaut in Kontakt kommt oder in die Haut/den Muskel injiziert wird. Es gibt praktisch keine Mensch-zu-Mensch-Übertragung. Für die Allgemeinbevölkerung besteht kein Infektionsrisiko. Die Prognose der Infektion kann durch eine frühzeitige gezielte Antibiotikatherapie deutlich verbessert werden.

    Ein Merkblatt mit Kurzinformationen zu Anthrax ist unter folgendem Link bereitgestellt: www.rki.de > Infektionskrankheiten A – Z > Anthrax > Milzbrand (Anthrax) Kurzinformation

    Weitere Informationen finden Sie im RKI-Ratgeber für Ärzte unter folgendem Link: www.rki.de > Infektionsschutz > Biologische Sicherheit > Erreger > Anthrax > Ratgeber Infektionskrankheiten Merkblätter für Ärzte

    Aufgrund der möglicherweise überregionalen und internationalen Tragweite dieses Geschehens bitten wir um Benachrichtigung, wenn Sie von aktuellen Fällen oder Fällen aus der Vergangenheit erfahren, die mit diesem Geschehen in Zusammenhang stehen könnten. Wenden Sie sich hierfür bitten an das zuständige Gesundheitsamt vor Ort.

    Quelle: Information des Robert Koch Instituts vom 22. Februar 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch meine folgenden Artikel:

    08. Februar 2010 – Anthrax-Warnung für Heroinkonsumenten in London

    19. Januar 2010 – Information für Drogenkonsumenten - Milzbrand (Anthrax) bei Drogenkonsumenten in Deutschland

    15. Januar 2010 – Milzbrand-Todesfall bei einem i.v. Drogenkonsumenten in Nordrhein-Westfalen

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