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  • 10Jun

    Bei Prostatakrebs sind die zielgenaue Diagnose und die daran ausgerichtete Therapie für den Behandlungserfolg maßgebend. Hier arbeitet das BMBF geförderte Projekt MoBiGuide an einem neuen Qualitätsstandard: Molekularbiologische Techniken werden mit medizinischer Navigation und Bildgebung zu einem so genannten Theragnostik-Konzept verschmolzen. Patient und Urologe erhalten so anhand einer verbesserten präoperativen Kenntnislage mehr Klarheit. Gleichzeitig wird der Urologe während des Eingriffs unterstützt, indem er in Nachbarregionen der Prostata gezielter auf verbliebene Krebszellen molekularbiologisch prüfen und gegebenenfalls dort direkt nachoperieren kann.

    Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebsneuerkrankung des Mannes in Deutschland und nimmt den dritten Rang krebsbedingter Todesursachen bei ihm ein. Eine Ursache dafür ist, dass in etwa 30 Prozent der Fälle die präoperative Einschätzung der Tumorausbreitung nur unzureichend erfolgen kann. Der erfolgversprechendste Therapieansatz zur vollständigen Tumorentfernung ist die endoskopisch durchgeführte radikale Prostatektomie (EERPE), bei der die Prostata vollständig entnommen wird. Gleichzeitig wird auf eine möglichst geringe Schädigung der Prostataumgebung geachtet, um Potenz und Kontinenz des Patienten nicht zu gefährden.

    Bleibt allerdings Tumorgewebe an den Schnitträndern zurück, verschlechtert sich die Prognose der Patienten erheblich. Aktuell kann dieses Risiko nur durch Gewebeentnahmen während der Operation minimiert werden, die dann aufwändig mikroskopisch untersucht werden müssen. Dies kostet während der Operation viel Zeit und kann auch nur stichprobenartig erfolgen, da gerade in den kritischen Bereichen, wie Nervensträngen oder am Schließmuskel, schon kleinste Gewebeentnahmen zu ernsthaften Schädigungen führen können.

    Ein Ziel von MoBiGuide ist daher das exaktere Bestimmen der Tumorausbreitung (Staging) durch eine deutlich verbesserte Diagnostik. Hierzu werden im Vorfeld der Operation eine leistungsstarke Bildgebung verbunden mit einer parallel navigierten Prostatabiopsie im Kernspintomographen dazu genutzt, die tumorverdächtigen Areale in den Grenzbereichen der Prostata genau zu identifizieren. Diese ortsgenauen Informationen aus den Kernspinbildern werden dem Urologen dann während der Prostatektomie zur Verfügung gestellt. Durch diese Maßnahmen im Vorfeld wird die Entscheidungslage zur operativen Behandlung für Patienten und Ärzte gleichermaßen stark verbessert.

    "Die Verbesserung des Staging durch die Kernspinuntersuchung verbunden mit der zielgenauen Navigation im Kernspintomographen ist für den Patienten ein enormer Fortschritt, wenn man bedenkt, wie unklar hier bislang das diagnostische Bild ist. Sich als (junger) Mann auf dieser unsicheren Basis für eine Prostatektomie zu entscheiden, ist in Kenntnis der Nebenwirkungen sehr schwierig.", so Martin Bublat, Geschäftsführer der LOCALITE GmbH, der das Projekt koordiniert. "Wird auch das MoBiGuide-Entwicklungsziel der intraoperativen Überprüfung in Verdachtsregionen erreicht, könnte während der Operation die Vollständigkeit der Krebsentfernung vororientiert und molekularbiologisch informiert nahezu in Echtzeit erfolgen. Dies wäre für Patient und Urologe insgesamt eine enorme Verbesserung der Qualität der Prostatakrebsbehandlung", so Bublat weiter.

    Hierzu entwickelt MoBiGuide einen endoskopischen Probennehmer, mit dem der Urologe in den Verdachtsregionen gezielt minimale Gewebemengen ablösen kann. Herzstück der an den Probennehmer angeschlossenen Systembox ist ein Mikrofluidikchip mit winzigen Kanälen, in denen Zellproben des abgelösten Gewebes zirkulieren. Der Chip wird verschiedene neu zu entwickelnde Biomarker (Antikörper) enthalten, wodurch Krebs- und Gewebearten unterschieden werden können. So erhält der Urologe sehr rasch ortsgenaue Informationen, ob er alle Tumorzellen in den Verdachtsregionen entfernt hat. Der MoBiGuide-Probennehmer wird von der KARL STORZ GmbH & Co. KG in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT entwickelt.

    "MoBiGuide - Theragnostik-Systemkonzept zur Anwendung bei der laparoskopischen Prostatektomie" wird im Rahmen der "Technologie-Initiative Molekulare Bildgebung (MobiTech)" des BMBFs gefördert. Das Fraunhofer-Institut FIT und der daraus vor zehn Jahren hervorgegangene Spin-off LOCALITE sind daran maßgeblich beteiligt. Fraunhofer FIT bringt seine Expertise in der Biointegration und insbesondere die Mikrofluidik in Zusammenarbeit mit den Industriepartnern KARL STORZ GmbH & Co. KG und R-Biopharm AG näher an den medizinischen Alltag. LOCALITE vereint als Konsortialführer unter dem Dach der Navigation die heterogenen Informationen aus Bildgebung, präoperativer Diagnostik und der neuartigen molekularbiologischen Schnelldiagnostik und blendet dem Urologen während des Eingriffs wichtige Informationen in sein Endoskop ein.

    Das MoBiGuide-Konsortium besteht aus: KARL STORZ GmbH & Co. KG, LOCALITE GmbH, PharmedArtis, R-Biopharm AG, Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT, Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie IME, Klinik für Diagnostische & Interventionelle Radiologie und Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Leipzig.

    Weitere Informationen unter http://www.bmbf-mobiguide.de

    Quelle: Pressemitteilung des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik FIT vom 10. Juni 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:

    28. Mai 2010 – Neuer Ratgeber für Patienten mit Prostatakrebs

    13. März 2010 - Den Tumor sichtbar machen

    25. Februar 2010 - Krebs-Früherkennung: gut informiert entscheiden

    25. Februar 2010 - Urologen forcieren Umsetzung der S3-Prostatakrebs-Leitlinie in die Praxis

    29. Januar 2010 – Schonende Operationen mit weniger Komplikationen

    15. Januar 2010 - Prostatakrebs Patientenratgeber Teil II - Konsultationsfassung online

    18. Dezember 2009 - Optimal informiert - Neuer Ratgeber für Patienten mit Prostatakrebs

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  • 27Apr

    Die Therapien für HIV- und Hepatitis-Patienten sind in den vergangenen zwei Jahren weiter verbessert worden. Aktuelle Erkenntnisse hierzu tauschen Experten am 7. und 8. Mai bei einer Tagung an der Universität Würzburg aus.

    Infektionen mit Hepatitis-Viren vom Typ B und C sowie mit HIV gehören zu den weltweit häufigsten chronischen Infektionserkrankungen. Ihre Folgen sind drastisch: Leberzirrhose und Leberkrebs auf der einen, Aids auf der anderen Seite. Beide Infektionen haben viele Gemeinsamkeiten. Zudem sind HIV-Patienten oft gleichzeitig mit Hepatitis-Viren infiziert.
     
    Aktuelle Diagnostik- und Therapiestandards, der wissenschaftliche Fortschritt und Perspektiven in Sachen Virushepatitis und HIV-Erkrankung - darum geht es beim 6. Würzburger Infektiologischen Symposium.

    Die Tagung findet am 7. und 8. Mai im Hörsaal des Zentrums für Innere Medizin in der Oberdürrbacher Straße 6 statt. Rund 180 Teilnehmer aus ganz Deutschland werden erwartet, Organisator ist Professor Hartwig Klinker, Leiter des Schwerpunkts Infektiologie der Medizinischen Klinik II.

    Neben Vorträgen, Diskussionen und Posterpräsentationen stellen vier Forschungsnetze ihre Arbeit vor: die vom Bundesforschungsministerium geförderten Kompetenznetze HIV und Hepatitis, die Klinischen Forschungszentren Infektiologie sowie die so genannte 3A ("Arbeitsgruppe Ärztinnen und Aids").

    HIV: Langzeitbetreuung als Herausforderung

    Für die Behandlung der HIV-Infektion stehen mittlerweile sechs Substanzklassen zur Verfügung; viele Patienten müssen ihre Medikamente nur einmal am Tag nehmen. "Die Suche nach innovativen Behandlungsstrategien bleibt dennoch eine wichtige Aufgabe", sagt Hartwig Klinker. Die große Herausforderung bei der HIV-Therapie liegt dem Professor zufolge in der Langzeitbetreuung der Patienten. Es gelte, die Effizienz der Therapie langfristig zu gewährleisten. Hinzu komme das Management von Begleiterkrankungen. Diese treten immer häufiger auf, weil die HIV-Patienten länger am Leben bleiben. Häufige Begleiterkrankungen sind zum Beispiel Herz-Kreislauf-Leiden, Einschränkungen der Nierenfunktion oder Krebserkrankungen. Hier sind laut Klinker Fragen zur Frühdiagnose und Therapie zu klären; nötig sei dafür die Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Disziplinen. 

    Hepatitis B und C

    Die Hepatitis-B-Therapie mit dem Wirkstoff Interferon-alfa und fünf weiteren Medikamenten stelle heute für die meisten Patienten eine effiziente und langfristige Strategie dar, wie Hartwig Klinker sagt. Weiter verbessert worden sei die Therapie der chronischen Hepatitis C: "Hier stehen bald Substanzen zur Verfügung, die eine neue Ära in der Behandlung einleiten werden."

    Quelle: Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg vom 27. April 2010, veröffentlicht beim Informationsdienst Wissenschaft – www.idw-online.de

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  • 22Mrz
    Tuberkulose ist weltweit die am häufigsten zum Tode führende heilbare Infektionskrankheit. In Deutschland wurden dem Robert Koch-Institut nach dem soeben erschienenen Bericht zur "Epidemiologie der Tuberkulose in Deutschland im Jahr 2008" insgesamt 4.543 Tuberkulosen übermittelt, im Jahr 2007 waren es 4.998 gewesen. "Dieser Trend kann aber nur durch ständige Aufmerksamkeit, aktiven Einsatz und verbesserte Tuberkulosekontrolle aufrecht erhalten werden", betont Prof. Dr. Reinhard Burger, Vizepräsident des Robert Koch-Instituts, anlässlich des Welttuberkulosetags am 24. März. Beim RKI laufen die Daten für Deutschland zusammen, insbesondere zu Behandlungsergebnissen und zur Resistenzsituation, das RKI ist auch nationaler Kontaktpunkt der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Tuberkulose-Kontrolle.

    Mit dem diesjährigen Welttuberkulosetag ist die Hälfte der Zeit vorbei, die mit dem "Global Plan to Stop TB 2006 – 2015" für die Erreichung der Ziele gesteckt wurde. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt für diesen Tag mit dem Motto "Aktiv gegen Tuberkulose: Neue Ideen für schnelleres Handeln" das Thema Innovationen in den Mittelpunkt. Der Globale Plan enthält dazu konkrete Forderungen im Bereich der Diagnostik (kostengünstige und leicht verfügbare "Point-of-care-Tests"), der Therapie (bis 2010 Verfügbarkeit des ersten neuen wirksamen Medikamentes seit über 40 Jahren) sowie der Prävention (Verfügbarkeit eines besser wirksamen Impfstoffs bis 2015). Obgleich auf diesen Gebieten Fortschritte zu verzeichnen sind, zeigt sich nach wie vor dringender Handlungsbedarf. So bereiten die Ausbreitung resistenter Tuberkuloseerreger und das zunehmende Auftreten von Tuberkulose-Koinfektionen in Osteuropa große Sorgen.

    Dies sind Schwerpunktthemen eines Symposiums am 22./23.3.2010 im Langenbeck-Virchow-Haus in Berlin-Mitte. Organisiert wird die Tagung von dem dort ansässigen Koch-Metschnikow-Forum (KMF), Teilnehmer sind Experten aus dem im In- und Ausland, darunter von der WHO, vom Europäischen Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention und aus besonders betroffenen Regionen. In Deutschland gibt es eine Reihe von Aktivitäten für die besonders betroffenen Regionen der Welt: So führt das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose ein Stipendienprogramm für osteuropäische und asiatische Gastärzte durch, neben weiteren nationalen und internationalen Projekten. Osteuropa ist auch der Schwerpunkt des KMF, einer deutsch-russischen Initiative des Petersburger Dialoges, das Kooperationsprojekte auf dem Gebiet der Bekämpfung der Infektionskrankheiten koordiniert und gestaltet.

    Das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien in Borstel führt, auch in seiner Funktion als Supranationales Referenzzentrum der WHO, Qualitätskontrollen zur Tuberkulosediagnostik in mehr als einem Dutzend Staaten durch, hilft beim Aufbau von Tuberkulose-Programmen und -Laboratorien, v.a. in den Staaten, die nach dem Zerfall der früheren Sowjetunion entstanden (NUS), und bietet Trainingskurse an. Die anfängliche Symptomatik der Tuberkulose ist meist uncharakteristisch; mögliche Allgemeinsymptome sind Gewichtsabnahme, Fieber, vermehrtes Schwitzen, Appetitmangel, Müdigkeit oder Zeichen eines grippalen Infektes. Respiratorische Beschwerden können in Form von Husten, Thoraxschmerzen und Atemnot auftreten. Jeder länger als drei Wochen bestehende Husten sollte daher weiter abgeklärt werden.

    Weitere Informationen: www.pneumologie.de/dzk www.kmforum.eu www.fz-borstel.de/cms/index.php?id=13 www.rki.de www.stoptb.org

    Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose, des Koch-Metschnikow-Forums, des Nationalen Referenzzentrums für Mykobakterien und des Robert Koch-Instituts vom 22. März 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:

    22. März 2010 - Drug-resistant tuberculosis now at record levels

    22. März 2010 - Tuberkulose: Wir müssen handeln!

    22. März 2010 - Welt-Tuberkulose-Tag 2010 - Tuberkulose rechtzeitig bekämpfen

    17. Februar 2010 - Aktionsbündnis gegen AIDS fordert: Mehr Geld für Globalen Fonds - haltet die Versprechen!

    30. November 2009 - Welt-Aids-Tag 2009: Ärzte ohne Grenzen fordert von Pharmafirmen: Geben Sie Ihre Patente auf HIV/Aids-Medikamente in den Patentpool

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  • 19Mrz

    Seit drei Jahren haben Patienten Anspruch auf eine ambulante Palliativversorgung. Doch noch immer fehlt ein entsprechendes flächendeckendes Angebot. "An den Kosten kann dies nicht liegen", erklärt der Palliativ- und Schmerzmediziner Dr. Thomas Nolte aus Wiesbaden auf dem Deutschen Schmerztag in Frankfurt. Denn die spezielle ambulante Palliativversorgung verursacht deutlich weniger Kosten als die herkömmliche Versorgung von schwerkranken Patienten am Lebensende. Das belegen neue Berechnungen von Nolte, der am 19. März 2010 auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag mit dem Deutschen Schmerzpreis 2010 ausgezeichnet wird.

    Von den zirka 180 Millionen Euro, die im Gesundheitsfond im Jahr 2008 für die ambulante häusliche Versorgung von Menschen in der letzten Lebensphase vorgesehen waren, wurden gerade einmal drei Millionen Euro abgerufen. Der Grund war nicht, dass es in Deutschland nur wenige Patienten gäbe, die diese Therapie benötigen. Ganz im Gegenteil: Schätzungsweise 80.000 bis 100.000 Menschen brauchen pro Jahr eine solche intensive Betreuung in ihrer letzten Lebensphase, etwa Krebspatienten aber auch Patienten mit schweren Herzerkrankungen oder neurologischen Leiden. Doch die Patienten bekommen diese Therapie nicht, weil sich Krankenkassen und Palliativteams nicht auf Verträge einigen können.

    Nur in einigen wenigen Gebieten haben bereits vor Jahren engagierte Palliative Care-Fachkräfte und Palliativmediziner - auf eigenes Risiko und ohne entsprechende Verträge - begonnen, die notwendigen Netze aufzubauen. Solche existieren beispielsweise in Wiesbaden und Fulda. Im Hospiz-PalliativNetz Wiesbaden und Umgebung sind fast 20 Partner miteinander verbunden: Haus- und Fachärzte, ambulante Pflege-, Hospiz-, und palliative Beratungsdienste, Apotheker, Physiotherapeuten, stationäre und Pflege-Einrichtungen, eine Palliativstation, stationäre Hospize und kirchliche Organisationen. Das Palliativnetz hat einen "Integrierten Versorgungsvertrag" abgeschlossen. Dieser ermöglicht es den Kooperationspartnern, Versorgungshindernisse der Regelversorgung zu überspringen und so eine 24-Stunden-Begleitung schwerkranker Menschen zu erreichen, die überflüssige Klinikeinweisungen vermeidet.

    Nun liegen die ersten konkreten Versorgungsdaten aus Hessen vor, wo im April 2009 ein landesweiter Vertrag mit allen Krankenkassen zur SAPV abgeschlossen wurde. Das Zentrum für ambulante Palliativversorgung ZAPV in Wiesbaden versorgte seitdem 250 Patienten. Mehr als die Hälfte, 56 Prozent der Patienten, konnte daher zu Hause sterben, 40 Prozent der Patienten starben im Hospiz und nur vier Prozent im Krankenhaus – normalerweise sterben mehr als 70 Prozent der Menschen in Krankenhäusern.

    Während die "Regelversorgung" von Menschen in der letzten Lebensphase im Schnitt im Jahr 2004 14.000 Euro kostete, wie aus einer Analyse der Techniker Krankenkasse hervorgeht, sanken die Kosten aufgrund der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung um mehr als 20 Prozent auf 12.000 Euro.

    "Durch die Reduzierung von Krankenhaus- und Medikamentenkosten kann die SAPV mehr als kostenneutral in der Regelversorgung verankert werden", erklärt Thomas Nolte. Der Widerstand der Krankenkassen in der Umsetzung der SAPV ist daher nach Auffassung des Experten "nicht rational begründet, da keine Mehrkosten entstehen." Vielmehr bestätigen diese ersten Auswertungen die Erfahrungen aus der integrierten Versorgung. Nolte: "Eine qualitative Verbesserung der Versorgung von Palliativpatienten durch komplexe und damit aufwendige Konzepte muss nicht mit mehr Kosten erkauft werden."

    Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e. V. vom 19. März 2010, veröffentlicht beim Informationsdienst Wissenschaft – www.idw-online.de

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  • 16Mrz

    Wie entsteht Alzheimer? Diese Frage kann die Wissenschaft bis heute nicht beantworten. Eine aktuelle Studie unter Leitung des Neurowissenschaftlers Professor Dr. Michael Heneka von der Universität Bonn liefert jetzt aber einen wichtigen Baustein zur Frage, wie die Krankheit voranschreitet. Die Forscher haben herausgefunden, dass der Botenstoff Noradrenalin den Verlauf der Alzheimer-Krankheit maßgeblich beeinflusst. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (doi/10.1073/pnas.0909586107) zeigen die Forscher, dass der Neurotransmitter Entzündungsreaktionen im Gehirn verringert. So könnte es bald möglich sein, den Krankheitsverlauf zu verzögern.

    Bei der Alzheimer-Krankheit kommt es im Gehirn zur Ablagerung fehlgefalteter Proteine in sogenannten beta-Amyloid-Plaques, einer hierdurch ausgelösten chronischen Entzündung und im weiteren Verlauf zu einem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen.

    Professor Heneka und weitere Forscher der Neurologischen Klinik der Universität Bonn und des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) haben jetzt einen Mechanismus entdeckt, der zum Fortschreiten der Krankheit beiträgt. Dabei spielt der Botenstoff Noradrenalin eine entscheidende Rolle. Er wird im Gehirn überwiegend im Locus coeruleus produziert, einem kleinen Kerngebiet von Nervenzellen im Hirnstamm. Bereits in der Vor- und Frühphase der Alzheimer-Krankheit ist dieses Kerngebiet nahezu vollkommen zerstört.

    Beschleunigter Krankheitsverlauf

    Die Bonner Forscher haben jetzt herausgefunden, dass der Verlust des Locus coeruleus den Verlauf der Krankheit beschleunigt. Durch die Abnahme des Noradrenalins werden die Mikroglia-Zellen im Alzheimer-geschädigten Gehirn funktionell beeinträchtigt. "Sie sind quasi die Müllabfuhr des Gehirns. Ihre Aufgabe besteht darin, schädigende Stoffe wie Zell-Trümmer und fehlgefaltete beta-Amyloid-Proteine aufzunehmen und aus dem Gehirn zu entfernen", erklärt Michael Heneka. Durch den frühen Ausfall des Locus coeruleus und die nachfolgende Minderversorgung betroffener Hirnregionen mit Noradrenalin fällt diese Funktion bei der Alzheimer Krankheit aus. Im Gegenteil, die Mikroglia-Zellen verstärken in der Abwesenheit von Noradrenalin die Entzündungsreaktion im Gehirn, die sich dann auch gegen die Nervenzellen und deren Verbindungen selbst richtet. Für den Neurowissenschaftler ist dieser Mechanismus ein wichtiger Motor des Krankheitsprozesses.

    Im Labor ist es den Forschern gelungen, durch Noradrenalin-Zugabe die positive Funktionen von Mikroglia-Zellen wiederherzustellen. Sie zeigten weniger Entzündungsreaktionen und eine gesteigerte Fähigkeit, fehlgefaltetes Amyloid abzubauen. Bei Versuchen mit Mäusen haben Michael Heneka und seine Mitarbeiter gezielt den Locus coeruleus zerstört und im Anschluss festgestellt, dass sich die Mikroglia-Zellen von den Amyloid-Plaques zurückziehen und den Abbau der schädigenden Proteine einstellen. Die Forscher wiesen im gleichen Versuch nach, dass die Zugabe eines Medikaments, welches Noradrenalin in betroffenen Hirnregionen substituiert, die "Aufräumfunktion" der Mikrogia-Zellen wiederherstellt.

    Heneka hofft, dass seine Forschung neue Therapieformen ermöglicht. "Wenn das Noradrenalin beim Menschen genauso wirkt wie im Gehirn unserer Alzheimer-Mäuse, können wir den Verlauf der Krankheit möglicherweise verlangsamen, vielleicht sogar deutlich verzögern. Man muss aber mit solchen Prognosen sehr zurückhaltend sein. Hoffnung gibt es erst, wenn klinische Studien an Patienten erfolgreich sind - bis dahin bleiben unsere Ergebnisse nicht mehr als eine interessante Beobachtung", erklärt Professor Heneka.

    Quelle: Pressemitteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn vom 15. März 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch meinen Artikel:

    16. März 2010 - Noradrenalin kann Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung regulieren

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  • 25Feb

    Hamburg. Die neue interdisziplinäre S3-Leitlinie ist ein Meilenstein bei der Behandlung von Patienten mit Prostatakrebs. Nun muss sie Versorgungsrealität werden. Der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. engagiert sich mit einer bundesweiten Fortbildungs-Initiative bei der schnellen Umsetzung der Leitlinie in die Praxis.

    Die neue ärztliche S3-Leitlinie beinhaltet das komplette derzeit verfügbare Wissen zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. "Jetzt werden wir dieses Wissen zeitnah an die Kollegen in der Praxis vermitteln, damit unsere Patienten von den Neuerungen der Leitlinie profitieren und allerorts eine leitliniengerechte und damit die bestmögliche Behandlung erhalten",  sagt der Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V., Dr. Martin Bloch.

    Zu den wichtigsten Neuerungen gehören die Empfehlung zur ersten PSA-Bestimmung ab 40 Jahren, eine verstärkte Aufklärungspflicht über Diagnoseprogramm und Therapieprozess durch den Urologen, sowie die Würdigung der Active Surveillance als gleichrangige Therapieoption für Patienten mit nicht metastasiertem Prostatakarzinom.

    Dr. Bloch: "Unsere Fortbildungen zur Implementierung der Leitlinie, die wir gemeinsam mit dem Berufsverband Deutscher Strahlentherapeuten anbieten, beginnen im März und  werden von renommierten Kollegen bestritten, die bereits an der Erstellung der Leitlinie beteiligt waren".  Sie wurde im Herbst 2009 veröffentlicht und entstand unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und des Berufsverbandes der Urologen.  Prostatakrebspatienten steht inzwischen ein zweiteiliger begleitender Ratgeber zur Verfügung, der den Inhalt der ärztlichen Leitlinie laienverständlich wiedergibt.  Ärztliche Leitlinie und Patientenratgeber sind auf der Website der Deutschen Urologen unter www.urologenportal.de  einzusehen. Die Druckfassung des Ratgebers ist über die Deutsche Krebsgesellschaft zu beziehen.

    Mit einer professionellen Erhebung zur Einführung und Wirkung der Leitlinie soll die Versorgungssituation von Prostatakrebspatienten zukünftig dokumentiert werden. Das gaben der Berufsverband der Urologen, die DGU und der Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V. jüngst in einer gemeinsamen Erklärung bekannt.

    Zusätzliche Informationen stehen hier für Euch bereit:

    Termin-Flyer: http://www.urologenportal.de/fileadmin/MDB/PDF/Flyer_KA1.pdf

    S3-Prostatakrebs-Leitlinie: http://www.urologenportal.de/fileadmin/MDB/PDF/S3LLPCa_091002.pdf

    S3-Leitlinie: Teil I des Patientenratgebers: http://www.aezq.de/edocs/pdf/info/pl-prostatakarzinom

    Quelle: Pressemitteilung des urologenportal.de vom 25. Februar 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch meine folgenden Artikel:

    15. Januar 2010 – Prostatakrebs Patientenratgeber Teil II - Konsultationsfassung online

    18. Dezember 2009 – Optimal informiert - Neuer Ratgeber für Patienten mit Prostatakrebs

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  • 08Feb

    Mit Giften (Toxinen) von Kegelschnecken sowie der australischen Trichterspinne erforschen Sebastian Auer, Annika S. Stürzebecher und Dr. Inés Ibañez-Tallon vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch die Funktion von Ionenkanälen in Nervenzellen. Ionenkanäle in der Zellmembran ermöglichen die Kommunikation von Zellen mit ihrer Umgebung und sind daher lebenswichtig. Die Forscher entwickelten ein System, mit dem es erstmals möglich ist, gezielt und langandauernd die Funktion einzelner Ionenkanäle von Säugetieren zu untersuchen und mit Toxinen zu blockieren. In transgenen Mäusen gelang es ihnen, durch ein in den Organismus eingebrachtes Toxin-Gen chronische Schmerzen zu blockieren (Nature Method, doi:10.1038/NMETH.1425)*.

    Es gibt schätzungsweise 500 verschiedene Arten von Kegelschnecken, die jede 50 bis 200 verschiedene Toxine produzieren. Aber auch Schlangen, Spinnen, Seeanemonen oder Skorpione produzieren Giftstoffe. Sie lähmen damit bei der Jagd ihre Beute. Forscher schätzen, dass es über 100 000 solcher Giftstoffe gibt. Sie sind für die Wissenschaft interessant, da Forscher mit ihrer Hilfe hoffen, gezielt die Funktion der verschiedensten Ionenkanäle untersuchen zu können. Dabei geht es auch darum, Krankheitsprozesse zu erkennen und möglicherweise Ansätze für neue Therapien zu entwickeln, etwa um zu aktive Ionenkanäle zu blockieren. So gibt es bereits einen Wirkstoff für die Behandlung von Patienten mit schwersten chronischen Schmerzen, der auf einem Toxin einer Meeresschnecke basiert (Ziconotid). 

    Die Forschungsgruppe von Dr. Ibañez-Tallon konzentriert sich auf zwei von derzeit zehn bekannten Ionenkanälen in der Membran von Nervenzellen, die auf elektrische Erregung (Aktionspotential) reagieren und daraufhin den Einstrom von Kalziumionen in die Zelle ermöglichen. Als Folge schüttet die Zelle Botenstoffe des Nervenssystems (Neurotransmitter) aus, welche das Signal dann auf eine nachgeschaltete Nervenzelle übertragen. 

    Bisher setzten Forscher für ihre Untersuchungen Toxine von Kegelschnecken und der Trichterspinne ein, da sie speziell an die beiden Kalziumionenkanäle binden, die die Forscher interessieren. Die löslichen Gifte haben aber den Nachteil, dass sie, wenn sie in Gewebe injiziert werden, auch entfernter gelegende Ionenkanäle ansteuern und ihre Wirkung außerdem nicht lange anhält.

    Sebastian Auer, Annika S. Stürzebecher und Dr. Ibañez-Tallon ist es gelungen, dieses Problem mit Hilfe der Gentechnik zu umgehen. Sie entwickelten mit Lentiviren ein Shuttle, mit dem sie die Gene der Toxine in Nervenzellen schleusen, um sie in das Genom der Zelle einzubauen. Die Zelle kann, wenn das Gen angeschaltet ist, Toxine produzieren, die gezielt an die von den Forschern zur Untersuchung ausgewählten Kalziumionenkanäle binden und zwar langandauernd. Damit haben sie den ersten Schritt erreicht - die gezielte und langanhaltende Ankopplung eines Toxins an einen ganz bestimmten Ionenkanal.

    In einem zweiten Schritt konnten sie zeigen, dass sie auch in lebenden Tieren die Gene von Toxinen gezielt und langandauernd anschalten können, um Ionenkanäle zu untersuchen. In transgenen Mäusen gelang es ihnen, mit den Toxinen bestimmte Kalziumionenkanäle zu blockieren und damit chronische Schmerzen der Tiere zu unterbinden.

    *Silencing neurotransmission with membrane-tethered toxins

    Sebastian Auer1,4, Annika S Stürzebecher1,4, René Jüttner2, Julio Santos-Torres1, Christina Hanack1, Silke Frahm1, Beate Liehl1 & Inés Ibañez-Tallon1

    1Molecular Neurobiology group and 2Developmental Neurobiology group, Department of Neuroscience, Max Delbrück Center for Molecular Medicine, Berlin, Germany. 3Present address: Novartis Pharma AG, Basel, Switzerland.4These authors contributed equally to this work. Correspondence should be addressed to I.I.-T. (ibanezi@mdc-berlin.de).

    Quelle: Pressemitteilung Nr. 8 des Max-Delbrück-Centrums (MDC) für Molekulare Medizin Berlin-Buch in der Helmholtz-Gemeinschaft e. V. vom 08. Februar 2010

    Graphik: Sebastian Auer/Copyright: MDC

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  • 05Feb

    Für die Arbeit an der Entwicklung eines neuartigen Arzneimittels zur Behandlung von Neurodermitis erhalten die Fachhochschule Gießen-Friedberg, der Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg und das Marburger Biotechnologieunternehmen sterna biologicals vom Land Hessen eine Fördersumme von 175.000 Euro. An der FH leitet Prof. Dr. Frank Runkel vom Gießener Institut für Biopharmazeutische Technologie das Projekt.

    Neurodermitis ist eine schubweise auftretende chronische Entzündungskrankheit der Haut. Von ihr sind in Deutschland etwa drei Millionen Menschen, darunter überdurchschnittlich viele Kinder, betroffen. Symptome der Neurodermitis sind eine besonders empfindliche und trockene Haut verbunden mit einem starken Juckreiz. Krankheitsursache ist eine allergische Abwehrreaktion des Körpers gegen prinzipiell harmlose Stoffe wie Nahrungsmittel, Hausstaub oder Blütenpollen. Aktuelle Therapien behandeln mit entzündungshemmenden Wirkstoffen wie zum Beispiel Cortison nur die Symptome der Krankheit, können sie aber nicht heilen.

    Sterna biologicals hat nun einen Wirkstoff entwickelt, mit dem eine ursächliche Therapie erfolgversprechend scheint. Hierbei handelt es sich um ein DNAzym, ein enzymatisch wirksames DNA-Molekül, das die Erkrankung an den zellulären und molekularen Wurzeln direkt angreifen soll. Erste Untersuchungen in krankheitsnahen experimentellen Systemen haben bereits positive Effekte des Wirkstoffes aufgezeigt.

    Die Aufgabe im aktuellen Forschungsprojekt besteht darin, auf der Grundlage des neuartigen DNAzym-Wirkstoffs ein klinisches Prüfmuster zu entwickeln, das als Basis für toxikologische und klinische Studien dienen kann. Ziel ist es, eine “Formulierung” zu finden, die möglichst große Mengen der aktiven Substanz an den Wirkort in der Haut transportiert. Unter “Formulierung” wird in der Pharmazie die Form verstanden, in der ein Wirkstoff verabreicht wird. Dabei kann es sich zum Beispiel um eine Salbe oder ein Spray handeln. Das Institut für Biopharmazeutische Technologie wird verschiedene innovative Trägersysteme vergleichen und anpassen. Die Eindringtiefe des Wirkstoffs in die Haut werden die Forscher mit bildgebenden Verfahren und fluoreszenzmarkiertem DNAzym veranschaulichen. Außerdem sollen der Einfluss unterschiedlicher penetrationsfördernder Substanzen wie zum Beispiel Lecithin, Lanolin oder Bienenwachs und die Langzeitstabilität der entwickelten Formulierungen untersucht werden.

    Das Forschungsprojekt wird im Rahmen von “Hessen ModellProjekte” gefördert aus Mitteln der “Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE)”, Förderlinie 3: KMU-Verbundvorhaben. Es wird Ende 2010 abgeschlossen sein.

    Quelle: Pressemitteilung der Fachhochschule Gießen-Friedberg vom 05. Februar 2010, veröffentlicht beim Informationsdienst Wissenschaft – www.idw-online.de

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  • 29Jan

    Idiotyp-Vakzinierung zur Therapie des Non-Hodgkin-Lymphoms 

    Die Bayer Innovation GmbH hat mit der Aufnahme eines Patienten-spezifischen Impfstoffs in die klinische Entwicklung einen Meilenstein erreicht. Nach Genehmigung der Phase-I-Studie durch die FDA (Food & Drug Administration) in den USA wird der Impfstoff nun an Probanden getestet. Damit befinden sich zum ersten Mal Proteine, die mittels magICON®-Technologie in Tabakpflanzen produziert wurden, in der klinischen Erprobung. Die Patienten-spezifischen Impfstoffe aus der Pilotanlage der Bayer-Tochter Icon Genetics in Halle sollen zur Behandlung des Non-Hodgkin-Lymphoms (NHL) - einer Krebserkrankung der Lymphozyten - eingesetzt werden. Die Behandlung soll das eigene Immunsystem aktivieren, so dass es die bösartigen Zellen erkennt und gezielt durch die körpereigenen Abwehrkräfte zerstören kann.Dr. Detlef Wollweber, Geschäftsführer der Bayer Innovation GmbH, erläutert: “Die Entwicklung dieses personalisierten Impfstoffes hat zum Ziel, Patienten, die erfolgreich durch Chemotherapie behandelt worden sind, in kompletter Remission zu halten - das heißt, ein Wiederauftreten des Tumors zu verhindern. Mit Beginn dieser klinischen Prüfung haben wir auch gezeigt, dass unsere magnICON®-Technologie geeignet ist, Proteine für potentielle pharmazeutische Anwendungen herzustellen.”

    Die magnICON®-Technologie ist ein neuer Prozess zur schnellen Erzeugung von rekombinanten Proteinen wie Biopharmazeutika in hoher Ausbeute in der Tabakpflanze. Die Pflanze selbst wird nicht gentechnisch verändert: Es wird lediglich temporär ein Bauplan für das gewünschte Produkt mit Hilfe eines Agrobakteriums in die Pflanze gebracht, der sich in den Tabakpflanzenzellen verteilt. Das Protein wird anschließend aus den Blättern der Pflanze in hoher Reinheit gewonnen. Das Verfahren kann auch im großtechnischen Maßstab in einer geschlossenen Anlage betrieben werden. “Das Ziel künftiger Tumorbekämpfung ist eine möglichst auf den einzelnen Patienten abgestimmte Therapie”, erklärt Dr. John Edward Butler-Ransohoff, Leiter des Plant-made-Pharmaceuticals Projekts bei Bayer. “Hämatologische Tumoren wie B-Zell-Lymphome eignen sich gut für die Weiterentwicklung der personalisierten Medizin. Denn die von den Lymphomen gebildeten idiotypischen Antikörper stellen hochspezifische Tumor-Marker dar.”

    Seit den 90er Jahren arbeiten Wissenschaftler daran, gegen solche patientenspezifische, idiotypische Antikörper (Oberflächen-Immunglobuline) Immunantworten hervorzurufen und damit das Wiederauftreten des Tumors deutlich zu verzögern. In einer wegweisenden Forschungsstudie mit Patienten, die zuvor mit Chemotherapie in komplette Remission gebracht worden waren, war dieses Ziel erstmalig 2006 von einer Forschergruppe um Professor Maurizio Bendandi, Universität von Navarra (Spanien), erreicht worden. Die neue Phase-I-Studie der BIG wird in enger Zusammenarbeit mit Bendandi ausgeführt.

    Im Mittelpunkt der gerade begonnenen klinischen Studie an erkrankten Freiwilligen stehen Sicherheit, Verträglichkeit und - soweit aus Laborwerten ablesbar - auch immunologische Effekte der Impfung. Im Rahmen der Studie erhalten zwanzig Probanden jeweils den maßgeschneiderten Impfstoff in sechs subkutanen Applikationen innerhalb eines halben Jahres. Anschließend wird an der Universität von Navarra im Labor von Bendandi eine sorgfältige Charakterisierung der humoralen und zellulären Immunantworten erfolgen. Bei ausreichend positiven und erfolgversprechenden Ergebnissen dieser Studie wird anschließend eine Zulassungsstudie (Phase III) angestrebt. Die jetzt angelaufene klinische Studie der Phase I wird an der renommierten University of Texas Southwestern Medical Center in Dallas (USA), ausgeführt. Die Arbeiten werden dort durch die Firma DAVA Oncology koordiniert.

    Über die Idiotyp-Vakzinierung

    Die Idiotyp-Vakzinierung ist eine neue, bislang noch nicht zugelassene Art von Behandlung. Sie wird als aktive Immuntherapie bezeichnet und ist im Unterschied zu den meisten anderen biologischen Therapien Patienten-spezifisch. Das bedeutet, jeder Patient erhält sein eigenes, auf ihn zugeschnittenes Präparat. Der Impfstoff besteht aus einem Antikörper - einem sogenannten Immunoglobulin -, welcher ausschließlich auf den erkrankten Lymphozyten, nicht jedoch auf gesunden Lymphozyten und anderen Körperzellen vorhanden ist. Dieses Protein bezeichnet man als “Idiotyp”. Für jeden Patienten soll so ein individuelles Medikament hergestellt und als Impfung verabreicht werden. Die Behandlung soll das eigene Immunsystem aktivieren, so dass es die bösartigen Zellen gezielt durch die körpereigenen Abwehrkräfte zerstören kann.

    Über das Non-Hodgkin-Lymphom

    Das Non-Hodgkin-Lymphom ist eine maligne Erkrankung des Lymphsystems und die fünfthäufigste Todesursache bei Krebs nach Brust-, Prostata-, Lungen- und Dickdarmkrebs. Es geht von den Lymphozyten aus - einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Man unterscheidet zwei Haupttypen von Lymphozyten: B-Lymphozyten und T-Lymphozyten (auch B- und T-Zellen genannt). Die Non-Hodgkin-Lymphome werden klinisch in zwei allgemeine Kategorien unterteilt: die indolenten Lymphome, zu deren häufigsten die relativ langsam wachsenden follikulären Lymphome zählen, und die aggressiven Lymphome, zu denen die schneller wachsenden diffusen großzelligen B-Zell-Lymphome (DLBCL) gehören. Die Gesamtzahl der NHL-Fälle in der Europäischen Union beträgt rund 230.000 bei einer jährlichen Neuerkrankungsrate von etwa 70.000. Das follikuläre Lymphom ist einer der häufigsten Typen des indolenten NHL; rund 25 - 30 Prozent aller NHL-Lymphome gehören zu dieser Form - einer Krebserkrankung, die sich über einen längeren Zeitraum hinzieht und schwer zu behandeln ist.

    Über die Bayer Innovation GmbH

    Die Bayer Innovation GmbH (BIG), eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Bayer AG, evaluiert und entwickelt neue Geschäftsfelder für den Bayer-Konzern, die mit den Bayer-Kernkompetenzen Gesundheit, Ernährung und hochwertige Materialien korrespondieren und die derzeitigen Innovations- und Geschäftsschwerpunkte von Bayer ergänzen.

    Über DAVA Oncology, LP

    DAVA Oncology ist ein Unternehmen mit Sitz in Texas (USA), das sich auf die Beschleunigung der klinischen Studien von Substanzen zur Krebsbehandlung fokussiert hat. Mit einem Team von vier Onkologen kann DAVA Oncology hochkomplexe und aufwendige Studien mit Onkologie-Patienten nach einem Standardkostenmodell durchführen. DAVA bietet darüber hinaus strategische Beratung sowie die Planung der klinischen Entwicklung für Biotechnologie- und Pharmaunternehmen an. Weitere Informationen unter: www.davaonc.com

    Bayer: Science For A Better Life

    Bayer ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit Kernkompetenzen auf den Gebieten Gesundheit, Ernährung und hochwertige Materialien. Mit seinen Produkten und Dienstleistungen will das Unternehmen den Menschen nützen und zur Verbesserung ihrer Lebensqualität beitragen. Gleichzeitig schafft Bayer Werte durch Innovation, Wachstum und eine hohe Ertragskraft. Der Konzern bekennt sich zu den Prinzipien des Sustainable Developments und zur Rolle eines sozial und ethisch verantwortlich handelnden “Corporate Citizen”. Ökonomie, Ökologie und soziales Engagement sind gleichrangige Ziele innerhalb der Unternehmenspolitik. Im Geschäftsjahr 2008 erzielte Bayer mit 108.600 Beschäftigten einen Umsatz von 32,9 Milliarden Euro. Die Investitionen beliefen sich auf 2,0 Milliarden Euro und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf 2,7 Milliarden Euro.

    Weitere Informationen sind im Internet zu finden unter www.bayer.de.

    Quelle: Pressemitteilung der Bayer AG vom 28. Januar 2010

    Foto: Bayer AG

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  • 26Jan

    Chronische Entzündungen gezielt immunologisch behandeln

    Berlin – Neue Therapien haben die Behandlung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen (CED) wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa aber auch von Rheuma deutlich verbessert. Sogenannte Biologika greifen gezielt in Entzündungsprozesse des Körpers ein. Zusammen mit der konventionellen Therapie, die sich auf Kortikosteroide und Immunsuppressiva stützt, ermöglichen sie es Ärzten, die Beschwerden der Patienten auf ein Minimum zu senken. Im Rahmen einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) heute in Berlin erörterten Experten Nutzen und Risiken der neuen Wirkstoffe.

    Mehr als 300 000 Menschen in Deutschland leiden an den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Durchfälle und krampfartige Schmerzen plagen die Patienten. Die Krankheitsschübe schränken den Alltag der Betroffenen erheblich ein. CED-Patienten mit chronisch aktiver Entzündung tragen ein erhöhtes Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Als wesentliche Ursache wird eine gestörte Barriere zwischen dem Wirt und den 100 Billionen Darmbakterien angesehen. Medikamente lindern zwar die Symptome deutlich, heilen diese Erkrankungen aber nicht. Entzündungshemmende Kortikosteroide etwa können einen akuten Schub durchbrechen. Immunsuppressiva verlängern die symptomfreien Phasen indem sie die körpereigene Abwehr unterdrücken und stabilisieren so den Verlauf der Krankheit.

    “Allerdings können wir mit diesen Medikamenten langfristige Komplikationen nur begrenzt vermeiden”, sagt Professor Dr. med. Martin Zeitz von der Charité-Universitätsmedizin Berlin. “So haben neue Immunsuppressiva bei Patienten mit Morbus Crohn die Not¬wendigkeit von Operationen kaum gesenkt.” Hilfe erhoffen sich Mediziner von den seit etwa zehn Jahren verwendeten Biologika. Diese biotechnologisch hergestellten Substanzen greifen gezielt in die entzündlichen Vorgänge ein. Für die Therapie chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen sind derzeit zwei Biologika zugelassen, die den Botenstoff “Tumornekrosefaktor-Alpha” (TNF-alpha) hemmen. Diese Signalsubstanz vermittelt entzündliche Vorgänge im Körper. Bei vielen Patienten dämmen die “TNF-alpha-Blocker” rasch die Entzündungsreaktion ein und dehnen Ruhephasen der Krankheit auf längere Zeiträume aus.

    Die Forschung entwickelt Biologika ständig weiter. Und auch die Nebenwirkungen dieser noch jungen Medikamente untersucht sie intensiv. Denn unter anderem machen Biologika die Patienten anfälliger für Infektionen. “Aber dieses Risiko ist nicht höher als bei der herkömmlichen Therapie mit Kortikosteroiden oder Immunsuppressiva”, erläutert Professor Zeitz. “Derzeit können wir leider noch nicht ausschließen, dass die neuen Wirkstoffe die Wahrscheinlichkeit für bestimmte Tumoren erhöhen”, ergänzt der Gastroenterologe. Das Krebsrisiko scheint durch die Therapie insgesamt allerdings nicht wesentlich erhöht zu sein.

    Derzeit empfehlen die Leitlinien zur Therapie chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen ein abgestuftes Vorgehen. Zunächst sollten Ärzte Kortikosteroide verordnen, dann Immunsuppressiva und schließlich Biologika. “Es gibt zwar erste Hinweise darauf, dass eine frühzeitige aggressive Behandlung den Krankheitsverlauf langfristig bessern kann”, sagt Professor Zeitz. Wegen der unzureichenden Datenlage sei diese Strategie bislang jedoch nicht zu empfehlen. Stattdessen sollten Ärzte mit einer individuell angepassten Therapie versuchen, die Krankheitsaktivität auf ein Minimum zu senken.

    “Die veränderten Verläufe dieser Krankheiten aber auch der rheumatoiden Arthritis machen deutlich, dass auf dem Gebiet der Entzündungsmedizin starke Veränderungen stattfinden”, unterstreicht Professor Dr. med. Jürgen Schölmerich, Vorsitzender der DGIM und des 116. Internistenkongresses. “Durch das immer bessere Verständnis der Entstehung entwickeln sich auch die therapeutischen Ansätze rasant”, so der Regensburger Internist. Chronische Entzündungen sind deshalb eines der Themen des 116. Internistenkongresses der DGIM, der vom 10. bis 14. April 2010 in Wiesbaden stattfindet.

    Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. vom 26.01.2010, veröffentlicht beim Informationsdienst Wissenschaft – www.idw-online.de

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