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  • 15Jun

    Tumoren verschwinden, wenn man die für ihre Entstehung verantwortlichen Gene hemmt. Warum sie sich so verhalten, darüber existierten bisher nur Theorien. Einen konkreten Nachweis liefern jetzt Forscher der Universität Würzburg. Sie bestätigen damit einen lange gehegten Verdacht.

    Krebs-Gene bilden den Bauplan für Proteine, die Zellen dazu veranlassen, sich ungebremst zu vermehren. Allerdings müssen diese Proteine in der Regel mit weiteren Partnern zusammenarbeiten, damit das Tumorwachstum einsetzt. Wird die Zusammenarbeit gestört, stellt der Tumor sein Wachstum ein.

    Über die Gründe dafür, gibt es schon seit vielen Jahren eine Theorie und Befunde aus dem Reagenzglas. Nun ist es Wissenschaftlern der Universitäten Würzburg und Stanford erstmals am lebenden Organismus gelungen, diese Theorie zu bestätigen. Über ihre Arbeit berichtet die Fachzeitschrift Genes & Development in ihrer aktuellen Ausgabe.

    Die Rolle der Krebs-Gene

    Jeder Mensch trägt in beinahe jeder Zelle seines Körpers eine bestimmte Gruppe von Genen, die eine wichtige Rolle bei der Krebsentstehung spielen– die so genannten Myc-Gene. Normalerweise werden diese Gene nur sehr wenig abgelesen; sie dienen als Bauplan für Myc-Proteine, die Aufgaben beim Zellwachstum übernehmen und nur in geringen Mengen gebraucht werden.

    Arbeiten die Myc-Gene nicht so wie sie sollen, teilen sich Zellen unkontrolliert, ein Tumor entsteht. Diesen Ablauf hat das Wissenschaftler-Team genauer in Augenschein genommen. "Schon seit 1997 gibt es die Theorie, dass Myc-Proteine sich mit einem weiteren Protein - dem Miz1-Protein - verbinden und damit andere Gene regulieren, die für das Tumorwachstum von Bedeutung sind", erklärt Martin Eilers.

    Eilers ist Inhaber des Lehrstuhls für Physiologische Chemie II am Biozentrum der Universität Würzburg. Bereits 1988, in seiner Zeit als Postdoc in San Francisco, hat er damit begonnen, die Myc-Gene und -Proteine zu erforschen. 1997 gehörte er zu dem Wissenschaftler-Team, das die Theorie der Protein-Zusammenarbeit entwickelte.

    Jetzt ist es zwei Doktoranden in seiner Gruppe, Judith Müller und Tobias Otto, gelungen, gemeinsam mit Kollegen der Stanford University (Kalifornien) diese Theorie am lebenden Organismus zu bestätigen.

    Eine Genmutation sorgt für weniger Krebserkrankungen"Tumorzellen sind auf ständige Unterstützung durch die für sie verantwortlichen Gene angewiesen", sagt Eilers. Fehlt diese Unterstützung, bricht die Tumorzelle zusammen. "Die Gründe dafür hat man bisher nie genau verstanden", so der Wissenschaftler. Eine Erklärung liefert die Myc-Miz-Kollaboration.

    "Tumorzellen tragen in sich ein Programm, das sie eigentlich daran hindert, sich ungebremst zu vermehren", erklärt Martin Eilers. Oder, etwas anders formuliert: Die Tumorzelle neigt zum Selbstmord beziehungsweise zur Arbeitsverweigerung. So kann sie zum einen den programmierten Zelltod starten - eine geschädigte Zelle bringt sich um und bewahrt damit den gesamten Organismus vor größerem Schaden. Wissenschaftler sprechen in diesem Fall von Apoptose. Oder die Zelle stoppt ihren Lebenszyklus, teilt sich nicht mehr, bleibt aber weiterhin stoffwechselaktiv. Der Fachausdruck dafür lautet Seneszenz.

    Erst die Wechselwirkung mit dem Miz1-Protein verhindert die Seneszenz. Der Nachweis dafür gelang den Wissenschaftlern, als sie das Myc-Gen an einer Stelle umbauten. Das dementsprechend veränderte Protein war deshalb kaum noch in der Lage, an Miz1 zu binden. Gleichzeitig traten bei den Versuchstieren, die das mutierte Gen trugen, deutlich weniger Krebsfälle auf. Eigentlich ein kurioses Ergebnis: Ein mutiertes Gen senkt die Zahl der Tumoren. Denn normalerweise sind gerade Genmutationen für eine Vielzahl von Krebsfällen verantwortlich.

    Proteine müssen zusammenarbeiten

    Warum es in diesem Fall nicht so ist? "Myc muss an Miz1 binden. Nur dann kann es verhindern, dass die Zelle bestimmte Faktoren bildet, die das Tumorwachstum verhindern", erklärt Martin Eilers. Erst wenn Myc und Miz zusammenarbeiten, sind sie in der Lage, die Zelle zum ständigen Wachstum zu treiben. Nur gemeinsam können sie die Zelle daran hindern, ihr normales Alterungsprogramm abzuspulen.

    Direkte Konsequenzen für eine Krebstherapie hat die Erkenntnis der Wissenschaftler aus Würzburg und Stanford nicht. Als möglicher Angriffspunkt eigne sich der Myc-Miz-Verbund derzeit noch nicht - dazu sei das Geschehen zu komplex. "Wir wissen noch zu wenig über seine physiologische Bedeutung", so Eilers. Deshalb will Eilers mit seinem Team in einem nächsten Schritt versuchen, die Rolle der Wechselwirkung beider Proteine in der normalen Entwicklung aufzuklären.

    The interaction between Myc and Miz1 is required to antagonize TGFb-dependent autocrine signaling during lymphoma formation and maintenance. Jan van Riggelen,Judith Müller,Tobias Otto, Vincent Beuger, Alper Yetil,Peter S. Choi, Christian Kosan, Tarik Möröy, Dean W. Felsher and Martin Eilers. Genes & Development

    Quelle: Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg vom 15. Juni 2010

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  • 07Jun

    Was veranlasst Viren, sich entweder massiv zu vermehren oder sich ruhend "wie ein Wolf im Schafspelz" im Gewebe zu verstecken und in einem so genannten latenten Zustand zu verharren? Forscher des Hamburger Heinrich-Pette-Instituts konnten jetzt nach mehrjähriger Forschung detaillierte Antworten darauf geben. Sie untersuchten das Karposi Sarcom-assoziierte Herpesvirus (KSHV) – ein Herpesvirus, das an der Entstehung bösartiger Tumore bei AIDS-Patienten beteiligt ist.

    Thomas Günther und Adam Grundhoff veröffentlichten ihre aktuelle Studie jetzt in der renommierten Fachzeitschrift PLoS-Pathogen (1). "Im schlafenden, latenten Zustand legen Herpesviren fast das gesamte Erbgut still und es werden keine neuen Viren gebildet. So kann sich ein Herpesvirus lebenslang im Körper verstecken. Sobald infizierte Körperzellen jedoch gestresst sind, z.B. durch starke Strahlenbelastungen oder zusätzliche Infektionen, wird es den Viren darin zu ungemütlich und sie schalten das volle Programm wieder an. Die Folge: Herpesviren vermehren sich, können erneut streuen und weitere Zellen infizieren.", erläutert Grundhoff.  Dieses Phänomen ist auch bei Herpes Simplex Viren und ihren typischen aufblühenden Herpesbläschen am Mund bekannt.

    Grundhoff und Günther entdeckten, dass Karposi Sarcom-assoziierte Herpesviren einen ausgeklügelten mehrschichtigen Kontrollmechanismus zur Steuerung ihrer Latenz nutzen, der normalerweise in den Stammzellen unseres Körpers angestoßen wird, sobald diese in bestimmte Zelltypen ausreifen. Auch das KSHV-Erbgut befindet sich in einem fein ausbalancierten Gleichgewicht, das jederzeit in eine Richtung ausschlagen kann - zwischen Wachen und Schlafen. "Herpesviren nutzen diese Mechanismen gezielt aus, um die Aktivität ihrer Gene zu steuern – eine perfekte Anpassung an die menschliche Wirtszelle", so das Forscher-Team.

    Dieses Gleichgewicht ist sehr sensibel und wird durch hochkomplexe Muster am Erbgut gesteuert. Sie heißen epigenetische Modifikationsmuster. Darunter verstehen Genetiker zahlreiche biochemische Veränderungen - sowohl am Erbgut selbst, wie auch an dessen Verpackungsproteinen. Den HPI-Forschern gelang es jetzt erstmals, diese Muster zu entschlüsseln. Daüber hinaus entdeckten sie neue bisher unbekannte Bereiche im KSHV-Erbgut, die bei der Latenz eine Rolle spielen könnten. "Das ist auch deswegen so wichtig, weil latente Viren an der Krebsentstehung beteiligt sind und wir diese Mechanismen verstehen und ihnen letztendlich auch entgegenwirken wollen", so Grundhoff.

    (1) Publikation: Günther T, Grundhoff A (2010) The Epigenetic Landscape of Latent Kaposi Sarcoma-Associated Herpesvirus Genomes. PLoS Pathog 6(6): e1000935. doi:10.1371/journal.ppat.1000935

    Quelle: Pressemitteilung des Heinrich-Pette-Instituts für Experimentelle Virologie und Immunologie an der Universität Hamburg vom 07. Juni 2010

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  • 02Jun

    Um Krebs zuverlässig zu diagnostizieren, führen Ärzte meist eine Biopsie inklusive Gewebeuntersuchung durch - ein zeitraubendes Verfahren. Ein mikroskopischer Bildsensor, montiert in ein Endoskop, soll sich künftig für die in-vivo-Krebsdiagnose einsetzen lassen. Tumore könnten so schnell entdeckt werden.

    Früherkennung ist noch immer das Mittel der Wahl, um Krebs erfolgreich zu bekämpfen. Doch nicht hinter jedem Knoten verbirgt sich ein bösartiger Tumor. Um festzustellen, ob Krebszellen vorhanden sind, nehmen Ärzte in der Regel eine Biopsie vor und untersuchen das entnommene Gewebe anschließend unter dem Mikroskop. Dieses Verfahren ist nicht nur für den Patienten psychisch sehr belastend, sondern auch zeitaufwändig. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Photonische Mikrosysteme IPMS in Dresden wollen die Krebsdiagnose jetzt erheblich beschleunigen. Ermöglichen soll dies ein neu entwickelter Mikroskopkopf, der einen Durchmesser von lediglich acht Millimetern hat. Er kann Gewebezellen mit einer Größe von nur 10 bis 20 Mikrometern optisch auflösen und darstellen. Eingepasst in die Spitze eines Endoskops lässt er sich künftig für die in-vivo-Krebsdiagnose nutzen und wie bei einem minimalinvasiven Einsatz in den Körper einführen. Die Vision der Wissenschaftler: Der MEMS-basierte Mikroskopkopf, kurz für Micro Electro Mechanical Systems, soll Biopsien überflüssig machen. Durch eine "Diagnose in Echtzeit" könnten Mediziner sich rasch für die notwendige Therapie entscheiden.

    "Bislang sind endoskopisch anwendbare mikroskopische Bildaufnehmer nicht erhältlich. Wir haben jetzt erstmals einen solchen laserbasierten Sensor entwickelt," sagt Dr. Michael Scholles, Geschäftsfeldleiter am IPMS. "In der klassischen Endoskopie mit makroskopischen Abbildungsmaßstäben reichen CCD- oder CMOS-Bildsensoren aus, wie sie auch in Digicams oder Handys verwendet werden. Für die Endomikroskopie sind hingegen MEMS-basierte Bildaufnehmer von großem Vorteil, da diese auch ohne voluminöse Optik selbst kleinste Objektfelder wie Zellen ausreichend vergrößern können. Wir haben den Sensor mit einem Mikroscannerspiegel kombiniert - so erreichen wir die erforderlichen Auflösungen von 10 Mikrometern, können also kleinste Strukturen extrem vergrößern."

    Doch wie funktioniert das System? Der Laser selbst befindet sich im OP-Saal. Das Laserlicht wird über eine Sendefaser an den in der Endoskopspitze angebrachten Mikroscannerspiegel weitergeleitet. Dieser lenkt den Laserstrahl ab und beleuchtet das verdächtige Gewebe punktuell. Ein in der Endoskopspitze montiertes Glasfaserbündel überträgt das reflektierte Licht an den externen Sensor. Dieser erhält so ein Signal mit der Bildinformation. Ein Detektor misst die Position des Scannerspiegels präzise. So lässt sich bestimmen, welcher Bereich der Szene gerade ausgeleuchtet wird. Durch das Zusammenführen von Positions- und Bildsensorsignal können Mediziner das zweidimensionale Bild vollständig rekonstruieren.

    "Ein wichtiger Punkt der Entwicklung war eine geeignete Mikromontage für den Endoskopkopf. Dabei standen wir vor der Herausforderung, das komplette System für den Einsatz im Endoskop montagefähig zu machen. Dies ist uns gelungen. Zukünftig soll unser Mikroskopkopf in größeren Stückzahlen automatisiert fertigbar sein und sich dann in Endoskope einbauen lassen," resümiert Scholles. Der Experte sieht ein breites Anwendungsspektrum für das System: "Denkbar ist nicht nur der Einsatz in der medizinischen und biologischen Mikroskopie, sondern auch in der technischen Endoskopie - etwa zum Darstellen von Hohlräumen in Gebäuden oder um sich einen Einblick über das Innenleben von Motoren und Turbinen zu verschaffen." Der Mikroskopkopf liegt bereits als Demonstrator vor. Zu sehen ist er auf der Messe Optatec in Frankfurt vom 15. bis 18. Juni (Halle 3, Stand D50).

    Quelle: Presseinformation des Fraunhofer-Institus - Juni 2010

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  • 06Apr

    Forscher des HZI entdecken, wie Immunbotenstoff das Tumorwachstum hemmt

    Unser Körper hat verschiedene Mechanismen entwickelt, durch die er sich gegen neu entstandene Krebszellen schützt. Zum Beispiel erkennen und vernichten Killerzellen jeden Tag veränderte Zellen in unseren Organen. Sind Tumore erst entstanden, stören Botenstoffe des Immunsystems diese beim Wachsen. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig konnten jetzt eine völlig unerwartete Funktion eines immunologischen Botenstoffes bei der Tumorbekämpfung zeigen: Das Molekül Beta-Interferon hindert den Tumor daran, sich an das Blutsystem anzuschließen. Dazu hemmt es die Produktion von Wachstumsfaktoren, die die Bildung neuer Adern unterstützen. Die Folge: Der Tumor kann nicht wachsen. Ihre Ergebnisse hat die Arbeitsgruppe jetzt in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Journal of Clinical Investigation" veröffentlicht.

    Der Anschluss an das Blutsystem ist ein entscheidender Schritt bei der Krebsentstehung. Der Tumor entwickelt innerhalb des Gewebes, in dem er wächst, ein Eigenleben: Er lockt mit Signalstoffen Leukozyten aus dem Knochenmark in das Tumorgewebe, deren Aufgabe normalerweise die Infektionsabwehr und Wundheilung ist. Die Zellen regen im Tumor neue Blutgefäße zum Wachsen an. Ist der Tumor an den Blutkreislauf angeschlossen, holt er sich die Nährstoffe, die er zum Wachsen benötigt und kann zudem seine Zellen in das gesamte Blutsystem streuen und Metastasen bilden. Wissenschaftler des HZI entschlüsselten jetzt, wie ein Botenstoff den Anschluss an das Blutsystem verhindert.

    Botenstoffe sind die Feinregulatoren von Immunzellen: Sie aktivieren oder deaktivieren Zellen, lösen die Produktion von Wachstumsfaktoren oder weiterer Botenstoffe aus, starten oder beenden eine Immunreaktion. Eines dieser Signalmoleküle wird bereits in der Therapie einiger Krebsformen genutzt: Beta-Interferon. Wie es wirkt, wissen die Wissenschaftler bisher nicht. Die Forscherin Jadwiga Jablonska vom HZI ist jetzt eine neue Wirkweise von Beta-Interferon gegen Krebs gefunden. Die Ergebnisse überraschten sie: "Beta-Interferon blockiert den Anschluss des Tumors an das Blutgefäßsystem, indem es Immunzellen daran hindert, Wachstumsfaktoren zu bilden. Diese Wirkung auf Tumore haben wir absolut nicht erwartet", sagt Jadwiga Jablonska.

    Die Forscherin ließ Hauttumore in zwei Gruppen von Mäusen wachsen: Die einen Tiere konnten kein Beta-Interferon bilden, die anderen produzieren den Botenstoff  normal in ihrem Körper. Nach einigen Tagen untersuchte die Wissenschaftlerin das Wachstum der Tumore. "In Mäusen, die kein Beta-Interferon bilden konnten, waren die Tumore wesentlich größer als in Tieren, die das Signalmolekül in ihrem Körper hatten." Die Tumoren wuchsen nicht nur langsamer, sie bildeten auch weniger und kleinere Metastasen.

    Den Grund für das schlechtere Wachstum fand die Wissenschaftlerin in der fehlenden Durchblutung der Tumore. "In Gegenwart von Beta-Interferon bildeten sich viel weniger Adern im Tumor", sagt Jadwiga Jablonska. Das Beta-Interferon wirkt auf einem kleinen Umweg: Es blockiert die Produktion von Adern bildenden Wachstumsfaktoren in Zellen, die der Tumor anlockt, um den Blutanschluss zu fördern. Die Forscherin entdeckte, dass die Zellen nicht nur weniger Wachstumsfaktoren bildeten, sondern auch dass weniger dieser Zellen ihren Weg in den Tumor fanden. "Bereits eine verschwindend geringe Menge des Botenstoffes reicht aus, um Zellen fernzuhalten, Wachstumsfaktoren zu hemmen und damit das Tumorwachstum zu stoppen", sagt Jadwiga Jablonska.

    "Dieser Wirkmechanismus von Beta-Interferon war bisher völlig unbekannt", sagt Siegfried Weiß, Leiter der Arbeitsgruppe "Molekulare Immunologie" am HZI. Der Botenstoff spiele eigentlich eine wichtige Rolle bei Virus-Erkrankungen und Entzündungsreaktionen. "Wir wollen jetzt verstehen, wie das Netzwerk von Tumor, Immunzellen und Botenstoffe funktioniert, um neue Zielstrukturen für die Therapie von Krebs zu entdecken", sagt Weiß.

    Quelle: Pressemitteilung des Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung vom 06. April 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:

    23. März 2010 – Vom Leben und Sterben einer Zelle

    02. März 2010 – Ursache von zerstörerischen Entzündungen entdeckt

    01. März 2010 – Sechs-Augen-Prinzip in der Immunabwehr

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  • 13Mrz

    Heinz-Peter Schlemmer, der neue Leiter der Abteilung Radiologie im Deutschen Krebsforschungszentrum, konzentriert sich bei seiner zukünftigen Arbeit auf die Früherkennung von Prostata-, Dickdarm- und Lungenkrebs sowie auf die Weiterentwicklung biologischer Bildgebungsverfahren. Dabei setzt er auf einen neuen ultraschnellen Computertomographen und auf die Hochfeld-Magnetresonanz-Tomographie.

    Die radiologische Bildgebung ist ein zentrales Element für die Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen. Ging es früher allein darum, Metastasen aufzuspüren und präzise zu erfassen, wie der Tumor sich ausdehnt, so steht heute vermehrt die funktionelle und biologische Charakterisierung von Tumoren im Zentrum der radiologischen Forschung. Dazu erfassen Ärzte Blutversorgung, Stoffwechsel, Sauerstoffgehalt oder Bewegungen eines Tumors, um die Therapie optimal zu planen und den individuellen Therapieverlauf zu dokumentieren. Bei der Tumornachsorge soll zudem möglichst frühzeitig entdeckt werden, ob der Krebs erneut wächst.

    Professor Dr. Heinz-Peter Schlemmer leitet seit Anfang dieses Jahres die Abteilung Radiologie des Deutschen Krebsforschungszentrums. Der Arzt und Physiker war zuletzt in der Abteilung Diagnostische Radiologie des Universitätsklinikums Tübingen tätig und als Leitender Oberarzt für den Bereich Magnetresonanztomographie verantwortlich. "Das DKFZ ist Deutschlands führende Einrichtung in der Krebsforschung. Daher ist es unsere Aufgabe, den Patienten fortlaufend verbesserte radiologische Verfahren anzubieten und die neuen Techniken möglichst schnell in präklinischen und klinischen Studien zu bewerten. Das DKFZ bietet uns ein ideales Umfeld, um die komplexe Bildgebungstechnologie weiterzuentwickeln", erklärt Schlemmer die Ziele seiner Abteilung.

    Bei seiner Arbeit im Deutschen Krebsforschungszentrum setzt Heinz-Peter Schlemmer unter anderem zwei Schwerpunkte: Für den ausgewiesenen Spezialisten für Magnetresonanztomographie (MRT) ist unter anderem die Diagnostik von Prostatakrebs durch dieses strahlungsfreie Verfahren eine große Herausforderung. Prostatakrebs ist der variabelste aller Tumoren und das Ziel des Radiologen ist es, per MRT Hinweise auf die Aggressivität des individuellen Tumors zu entdecken. Halten die Ärzte eine Therapie für zunächst nicht zwingend, so schlagen sie dem Patienten möglicherweise vor, den Krebs "aktiv zu beobachten". Die MRT könnte bei der Verlaufsbeurteilung entscheidende Informationen über die Entwicklung der Bösartigkeit liefern und helfen, gezielt Gewebeproben aus verdächtigen Arealen in der Vorsteherdrüse zu entnehmen. "Wir wollen langfristig erreichen, dass die Patienten zum richtigen Zeitpunkt die richtige Therapie erhalten," beschreibt der Radiologe eines der Ziele seiner Arbeit im Deutschen Krebsforschungszentrum.

    Für die Krebsdiagnostik ist die Computertomographie ein unverzichtbares Instrument. Das DKFZ hat kürzlich einen hochmodernen Computertomographen installiert, der in Deutschland bisher erst wenige Male verfügbar ist. Das System erlaubt eine so schnelle Bildgebung, dass sogar bewegliche Strukturen wie die Lunge oder das schlagende Herz in Bruchteilen einer Sekunde scharf darzustellen sind. Gleichzeitig kommt das CT bei jeder Untersuchung mit einem Bruchteil der bisher üblichen Strahlendosis aus. "Das kommt insbesondere den Patienten zugute, die wir mehrfach untersuchen müssen, um etwa den Erfolg einer Chemotherapie mitzuverfolgen" erklärt Schlemmer. Anhaltspunkte hierfür erhalten die Forscher z.B. von Änderungen des Blutflusses innerhalb des Tumors im Verlaufe der Therapie, die mit dem neuen Gerät dreidimensional dargestellt werden können.

    Heinz-Peter Schlemmer wurde 1961 im österreichischen Linz geboren. Er studierte Physik und Medizin an der Universität Heidelberg, wo er auch im Fach Medizin promovierte. Seine Ausbildung zum Facharzt für Diagnostische Radiologie absolvierte er am Deutschen Krebsforschungszentrum, am Universitätsklinikum Heidelberg sowie am Städtischen Klinikum Mannheim. Als Visiting Professor forschte er im Bereich der Magnetresonanz an der Yale University in den USA, dem Prince of Wales Hospital der Chinese University of Hong Kong, dem Hamad Medical Center in Doha, Katar, sowie in einem Entwicklungslabor der Firma Siemens im Geschäftsbereich Molekulare Bildgebung in Knoxville, USA. Er ist Mitglied mehrere nationaler und internationaler wissenschaftlicher Gesellschaften. Heinz-Peter Schlemmer ist Vater von vier Kindern.

    Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland und Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. Über 2.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, davon 850 Wissenschaftler, erforschen die Mechanismen der Krebsentstehung und arbeiten an der Erfassung von Krebsrisikofaktoren. Sie liefern die Grundlagen für die Entwicklung neuer Ansätze in der Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert.

    Quelle: Pressemitteilung Nr. 11 des Deutschen Krebsforschungszentrums dkfz. in der Helmholtz-Gemeinschaft vom 11. März 2010
    Foto: Fotografin Jutta Jung

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  • 01Mrz

    Der Körper hält seine Abwehrtruppen strikt unter Kontrolle, um Autoimmunkrankheiten zu verhindern

    In unserem Körper laufen rund um die Uhr die so genannten Dendritischen Zellen Patrouille und suchen nach Hinweisen für Tumore oder Infektionen. Sobald sie fündig werden, aktivieren sie die Killer-T-Zellen und leiten damit die Immunabwehr ein. Forscher der Universität Bonn haben nun zusammen mit Kollegen an den Universitäten Düsseldorf, Hamburg, Utah (USA) und Melbourne (Australien) entdeckt, wie dies genau geschieht. Ihre Ergebnisse könnten unter anderem zur Entwicklung besserer Impfstoffe genutzt werden. Sie erscheinen in der kommenden Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Immunology (doi: 10.1038/ni.1848). 

    Einer der wichtigsten Abwehrmechanismen gegen Viren, Bakterien und Krebszellen sind die zytotoxischen T-Zellen. Sie können infizierte Körperzellen oder auch Krebszellen zerstören. Daher werden sie auch Killer-T-Zellen genannt.

    Die Killer-T-Zellen sind normalerweise inaktiv. Das ist auch wichtig: Ansonsten könnten unerwünschte Autoimmunerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Multiple Sklerose die Folge sein. Aktiviert werden sie durch die so genannten dendritischen Zellen. Diese patrouillieren kontinuierlich durch den Körper und suchen dort nach Hinweisen für Tumore oder Infektionen. Werden sie fündig - beispielsweise bei einer Virusinfektion -, tragen sie diese Information in die Lymphknoten.

    Der Körper verfügt über viele Millionen verschiedener Killer-T-Zellen. Bei einer Infektion müssen es die dendritischen Zellen schaffen, nur die passenden davon in Angriffsbereitschaft zu versetzen. Diese teilen sich dann vieltausendfach und schwärmen aus, um nach dem Krankheitserreger zu suchen und ihn zu bekämpfen. Dies muss sehr schnell vor sich gehen, weil Viren sich extrem rasch vermehren. 

    "Duftspur" für die Killerzellen

    Bislang war unklar, wie die Patrouille-Läufer so rasch die passenden Killerzellen alarmieren können. "Wir haben nun herausgefunden, dass dabei zwei weitere T-Zell-Typen eine wichtige Rolle spielen", erklärt Professor Dr. Christian Kurts von den Instituten für Molekulare Medizin und Experimentelle Immunologie der Uni Bonn.

    Die Rede ist von den so genannten T-Helferzellen sowie den natürlichen Killer-T-Zellen (NKT-Zellen). Sie erkennen augenscheinlich, wenn eine dendritische Zelle Informationen über Viren oder Tumoren besitzt. Als Reaktion produzieren sie bestimmte Botenstoffe, so genannte Chemokine. Killer-T-Zellen folgen diesen Botenstoffen wie ein Hund einer Fährte. Sie finden so zielsicher diejenigen dendritischen Zellen, die ihnen sagen können, wo sich ein Virus oder eine Tumorzelle versteckt. "Die Killer-T-Zellen müssen also nicht nach dem Zufallsprinzip alle dendritischen Zellen des Körpers inspizieren", betont Verena Semmling, die diese Studie im Rahmen Ihrer Promotionsarbeit bei Prof. Kurts durchgeführt hat. "So können sie viel schneller aktiviert werden."

    Immunsystem sucht den Konsens

    Zusätzlich hat dieses Zusammenspiel verschiedener Immunzellen den Vorteil, dass es Autoimmunerkrankungen vermeiden kann: Die dendritische Zelle kann Killer-T-Zellen nur dann anlocken, wenn entweder T-Helferzellen oder NKT-Zellen ebenfalls ein Gefahrsignal erkannt haben. Die dendritische Zelle holt also eine zweite Meinung ein, bevor sie die Immunabwehr in Marsch setzt. Das funktioniert ganz besonders gut, wenn sowohl die T-Helferzellen als auch die NKT-Zellen zustimmen. Wenn also die dendritische Zelle noch eine dritte Bestätigung erhält, dann kann sie Killer-T-Zellen besonders gut aktivieren.

    "Die Klärung dieser Mechanismen ist nicht nur von grundlagenwissenschaftlichem Interesse", betont Professor Dr. Irmgard Förster vom Institut für Umweltmedizinische Forschung an der Uni Düsseldorf. "Wenn wir verstehen, wie Immunzellen miteinander kommunizieren, können wir dieses Wissen nutzen, um Impfstoffe zu verbessern. So zeigen die vorliegenden Befunde, dass Impfstoffe besser funktionieren sollten, wenn sie auch T-Helferzellen und NKT-Zellen aktivieren."

    Die jetzt publizierten Arbeiten wurden im Rahmen des an der Uni Bonn angesiedelten Sonderforschungsbereiches 704 durchgeführt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert darin die Erforschung der Immunabwehr.

     Quelle: Pressemitteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn vom 28. Februar 2010

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  • 26Feb

    Hamburg, 26. Februar 2010. Patienten mit einem Tumor an der Niere, bei denen nur ein Teil des Organs entfernt wird, haben ebenso gute Prognosen wie jene, bei denen die Niere komplett entfernt wird. Das zeigen jüngste klinische Erfahrungen, über die Experten der Asklepios Klinik Barmbek in der Fachzeitschrift medtropole für niedergelassene Ärzte berichten. Zudem sind minimal invasive Operationen auf dem Vormarsch. Für die Patienten bedeutet dies zum einen eine schonendere Operation, zum anderen behalten sie ihre volle Nierenfunktion.

    Erhaltung statt totale Entfernung ist das Motto, wenn es heute um die Behandlung eines Tumors an der Niere geht. Meist erfolgt der Eingriff mit so genannten Laparoskopen, also von außen steuerbaren Instrumenten, die in den Bauchraum eingeführt werden. Der Arzt sieht über eine Kamera genau, wo sich der Tumor befindet. Dieses Vorgehen hat sich in der jüngsten Vergangenheit immer stärker etabliert und wird heute von den Ärzten bevorzugt, wenn die Voraussetzungen stimmen. Dazu zählt unter anderem, dass der Tumor nicht in die Blutgefäße eingewachsen ist. Nierentumoren werden auf diese Weise effektiv entfernt und die Langzeitprognose für die Patienten ist hoch. Gleichzeitig ist der Eingriff im Gegensatz zum offen chirurgischen Eingriff für die Patienten risikoärmer und sie können das Krankenhaus nach kurzer Zeit wieder verlassen.

    Früherkennung ermöglicht schonendere OP-Verfahren

    Ein Großteil der Nierentumore wird heute in einem sehr frühen Stadium durch Ultraschalluntersuchungen bei der Vorsorge oder Untersuchung anderer Symptome festgestellt. Diese Tumore sind dann noch sehr klein und lokal klar begrenzt, ohne dass sie gesundes Gewebe geschädigt haben. Diese Tatsache spricht zusätzlich für den laparoskopischen Eingriff von außen. Studien an entnommenen Tumoren belegen weiterhin, dass rund 15 Prozent gutartig sind. Auch dieses Ergebnis spricht für den lokal begrenzten Eingriff, denn ansonsten würden gesunde Nieren ohne Not entfernt. Dabei spielt auch eine Rolle, dass sich vorab nicht abklären lässt, ob der Tumor gutartig oder bösartig ist. Für den Eingriff mit Laparoskopen muss ein Patient vollkommen gesund sein. In manchen Fällen kann die Teilentfernung des Tumors daher auch mit einem normalen chirurgischen Eingriff erfolgen. Dies gilt, wenn die Patienten schon einmal im Bauchraum operiert wurden oder Lungenerkrankungen haben.

    Hintergrund

    Unterschiedliche Studien zeigten, dass Patienten, denen die Niere nur teilweise entfernt wird, eine genau so hohe Überlebensrate haben wie jene, bei denen das ganze Organ entfernt wurde. Neuere Studien zeigen sogar, dass dies bis zu einer Tumorgröße von sieben Zentimetern der Fall ist. Bei einer teilweisen Entnahme profitiert der Patient also bei gleichem Therapieerfolg hinsichtlich der Krebserkrankung vom Erhalt der Niere. Daher, so berichten die Autoren Dr. Holger Böhme, leitender Oberarzt der Abteilung für Urologie in der Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg, und Prof. Dr. Andreas Gross, Chefarzt der Abteilung, weiter, wird bei den meisten heute diagnostizierten Nierentumoren die Teiloperation zumindest grundsätzlich versucht. Zwar werden die meisten dieser Operationen noch auf dem klassischen Weg durchgeführt, doch ist die Laparoskopie auf dem Vormarsch, wie Erfahrungen an der Asklepios Klinik Barmbek belegen. Während beim konventionellen Vorgehen eine Schnittlänge von 15 bis 20 Zentimeter erforderlich ist, genügen bei der laparoskopischen Operation drei Einschnitte von je einem Zentimeter und ein etwas größerer Schnitt, durch den der Tumor nach außen entfernt wird. Weniger Schmerzen nach der Operation und weniger Blutverlust sind weitere Vorteile. Bei beiden Operationsarten wird zunächst die Niere freigelegt, dann werden die Blutgefäße abgebunden und der Tumor entfernt. Das Nierengewebe wird vernäht und die Blutzufuhr wieder hergestellt. Anschließend werden das Tumorgewebe und das Randgewebe untersucht. Erst wenn klar sein sollte, dass das Randgewebe von Krebszellen befallen ist, muss eine zweite Operation erfolgen, oder die Entnahme der ganzen Niere.

    Weitere Informationen:

    http://www.medtropole.de Homepage der Ärztezeitschrift medtropole
    http://www.asklepios.com/barmbek Homepage der Asklepios Klinik Barmbek

    Quelle: Pressemitteilung der Asklepios Kliniken Hamburg GmbH vom 26. Februar 2010, veröffentlicht beim Informationsdienst Wissenschaft – www.idw-online.de

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  • 16Feb

    Ulmer Nuklearmediziner schließen EU-gefördertes Forschungsprojekt ab

    Die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs ist häufig ein Todesurteil. Ein Grund dafür ist, dass diese Krebsart mit den heutigen Diagnosemöglichkeiten meist erst im Spätstadium entdeckt werden kann, wenn Heilung nur noch schwer möglich ist. In einem von der EU geförderten Projekt haben 23 Forschergruppen aus sechs Ländern neue Ansätze für eine verbesserte Diagnose des Bauchspeicheldrüsenkrebses erarbeitet. An der Ulmer Klinik für Nuklearmedizin wurden neue Moleküle entwickelt, die in Kombination mit besonderen bildgebenden Verfahren bösartige Veränderungen früher anzeigen können.

    Besondere Eigenschaften von Tumorzellen sichtbar machen

    Die Wissenschaftler machten sich dabei zu Nutze, dass sich Tumorzellen häufiger und anders teilen als normale Zellen. "Ziel ist es, Moleküle zu finden, die auf die Besonderheiten der Tumorzellen reagieren, und sich genau dort anreichern. Für Ärzte zur Diagnose sichtbar werden die Anreicherungen durch eine radioaktive Markierung der Moleküle, die man wiederum in bestimmten bildgebenden Verfahren sichtbar machen kann", erläutert Prof. Dr. Sven Norbert Reske, der Ärztliche Direktor der Klinik für Nuklearmedizin, das Grundprinzip.

    Solche Moleküle zu finden und herzustellen, ist aufwändig, da ihre Anbindung an die Tumorzellen und ihre radioaktive Markierung zielgerichtet funktionieren und verträglich sein müssen. Ein Molekül, das die Ulmer Arbeitsgruppe entwickelte, spricht auf eine erhöhte Anzahl von Transportermolekülen auf der Oberfläche von Tumorzellen an. "Ein weiteres Molekül macht in einer speziellen Phase der Zellteilung die Synthese einer bestimmten Nukleinsäure, der RNA, die z. B. bei der Übertragung oder Übersetzung von Erbinformationen hilft, sichtbar", so Reske. Die Entwicklung der Moleküle wurde unter Federführung des Diplom Chemikers Dr. Boris D. Zlatopolskiy in den renommierten Fachzeitschriften Journal of Nuclear Medicine (DOI: 10.2967/jnumed.109.065623) und Bioorganic & Medicinal Chemistry Letters (DOI: 10.1016/j.bmcl.2009.07.017) veröffentlicht. "Beide Moleküle könnten uns eines Tages helfen, Bauchspeicheldrüsenkrebs besser zu diagnostizieren und z. B. von anderen gutartigen entzündlichen Erkrankungen abzugrenzen. Bis Patienten eines Tages davon profitieren können, müssen jedoch noch weitere Studien durchgeführt werden", blickt Professor Reske in die Zukunft.

    Abgrenzung von gutartigen und bösartigen Erkrankungen

    Bereits bekannte, in ihrer Struktur den neu entwickelten verwandte Moleküle wurden erst kürzlich in einer klinischen Studie mit 31 Patienten geprüft, die zeigte, dass die Erkennung und die Abgrenzung von anderen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse erleichtert wurde. Die Studie führte der Nuklearmediziner PD Dr. Andreas Buck, der aus der Ulmer Arbeitsgruppe stammt, an seiner neuen Wirkungsstätte an der TU München durch (DOI: 10.2967/jnumed.108.052027).

    Die fächerübergreifende Zusammenarbeit u. a. von Medizinern, Biologen, Chemikern, Physikern, Pathologen und Statistikern sowie die Zusammenarbeit mit der Industrie ist eine Besonderheit des EU-Projekts namens MolDiag-Paca (Novel molecular diagnostic tools for the prevention and diagnosis of pancreatic cancer; www.moldiagpaca.eu). Die Ulmer Arbeitsgruppe wurde über drei Jahre mit insgesamt rund 390.000 Euro gefördert.

    In der Bilddarstellung finden Sie Vergleichsbilder der Computertomographie (CT) und Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zur Diagnostik:

    Ob es sich bei einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse (mit Pfeil markiert) um eine Entzündung oder Krebs handelt, zeigen die PET-Darstellungen in der unteren Reihe deutlich im Vergleich zu den CT-Bildern oben. Bei der Entzündung zeigt sich im PET-Bild links unten keine Anreicherung der radioaktiv markierten Moleküle (18F-FLT), der Krebs rechts unten dagegen verrät sich durch die vermehrte Anreicherung, zu sehen als schwarzer Fleck. [Studie PD Dr. Buck]

    Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Ulm vom 15. Februar 2010

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  • 04Feb

    Gegenwärtig können Hirntumore nur selten geheilt werden. Die Ergebnisse einer unter Federführung von Forschern des Max-Planck-Instituts für neurologische Forschung entstandenen und jetzt im Journal of Nuclear Medicine veröffentlichten Langzeitstudie lassen hoffen, zukünftig die Tumorprogression bei Gliom-Patienten besser diagnostizieren zu können.

    Primäre Hirntumore wie Gliome nach Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) richtig zu klassifizieren hat einerseits einen hohen prognostischen Wert für den betroffenen Patienten und ist andererseits von großer klinischer Bedeutung für die behandelnden Ärzte. Während beispielsweise ein Tumor der Kategorie II nur operativ angegangen und mit einer Überlebensspanne von 6 – 8 Jahren angegeben wird, werden solche der Kategorie III nach erfolgter Operation zusätzlich bestrahlt und chemotherapeutisch behandelt. Hier liegt die zu erwartende Überlebenszeit bei ca. 3 Jahren. Da Krebszellen im Hirn typischerweise auch gesundes Gewebe durchsetzen, verbleiben unabhängig von der Behandlungsmethode transformierte Zellen im Kopf. Deren weitere Zellteilung führt zu einem Rezidiv, welches nach WHO-Vorgaben häufig einer höheren Kategorie zuzuordnen ist. Dies ist ein Fall maligner Progression, der nach einem Therapiewechsel verlangt. Diese biologische Wertigkeit eines Hirntumors richtig einzuschätzen, war bisher schwierig.

    Ein Silberstreif am diagnostischen Horizont ist eine Aminosäure namens Methionin (MET). Diese hat bereits seit etwa 20 Jahren ihren Platz in der bildgebenden Darstellung von Hirntumoren inne, offenbarte nun aber in einer retrospektiven Langzeitstudie ein weiteres Potenzial: ihre veränderte Anreicherung im Tumorgewebe könnte zukünftig zur Bestimmung einer malignen Progression dienen. “Es gibt erstmalig ein nicht-invasiv gewonnenes Kriterium, welches mit hoher Genauigkeit Ärzten und Patienten gleichermaßen die bestmögliche Therapieform nahelegt”, so Roland Ullrich vom Max-Planck-Institut für neurologische Forschung in Köln, der an dieser Studie mitwirkte.

    Die 1993 begonnenen Messungen nutzten den in Krebszellen erhöhten Stoffwechsel aus. Dieses besonders aktive Gewebe benötigt neben Zuckermolekülen und Sauerstoff auch Aminosäuren wie zum Beispiel das MET. Schleust man eine solche, zuvor radioaktiv markierte Aminosäure als Tracer-Substanz über die Armvene in den Körper, so reichert sich diese im Tumorgewebe an und kann mittels der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) detektiert werden. Mit einer MET-Halbwertszeit von lediglich 20 Minuten kann diese Art von Messung nur an Forschungseinrichtungen durchgeführt werden, die diesen Tracer selbst herstellen können. Nach 17 Jahren der Zusammenarbeit des MPI für neurologische Forschung mit Wissenschaftlern vom Wolfson Molecular Imaging Center (Manchester) sowie dem European Institute for Molecular Imaging (Münster) legt die Auswertung des Datenmaterials nahe, dass eine maligne Progression mit einer Zunahme der MET-Anreicherung im Tumor von knapp 15% bezogen auf den individuellen Ausgangswert einhergeht. Es konnte außerdem beobachtet werden, dass diese Zunahme einhergeht mit einer erhöhten Menge an Substanzen, die für die Neubildung von Blutgefäßen verantwortlich sind – ein möglicher Ansatzpunkt für neue Therapiemaßnahmen.

    Originalarbeit:

    Roland T. Ullrich, Lutz Kracht, Anna Brunn, Karl Herholz, Peter Frommolt, Hrvoje Miletic, Martina Deckert, Wolf-Dieter Heiss, Andreas H. Jacobs (2009).
    ‘Methyl-L-11C-Methionine PET as a Diagnostic Marker for Malignant Progression in Patients with Glioma’.
    Journal of Nuclear Medicine, 50 (12), 1962-1968.

    Quelle: Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V. vom 04. Februar 2010, veröffentlicht beim Informationsdienst Wissenschaft – www.idw-online.de

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  • 02Feb

    Krebs zu erkennen, bereits kurz nachdem der Tumor sich gebildet hat, das soll eine neuartige Testmethode künftig ermöglichen. Sie erkennt charakteristische Stoffe im Blut, die mit einer bestimmten Tumorart einhergehen. Die ersten Entwicklungsschritte sind bereits getan.

    Je früher der Arzt einen Tumor erkennt, desto besser sind die Heilungschancen für den Patienten. Ein neues Testsystem soll künftig helfen, die Krankheit bereits im Anfangsstadium zu erkennen. Basis der Technologie ist ein Mikrofluidikchip: Auf ihm befinden sich winzige Kanäle, in denen eine Blutprobe des Patienten zirkuliert. Der Chip spürt Markerproteine auf, die für eine Krebserkrankung charakteristisch sind. Die gemessene Konzentration, in der sich solche Tumormarker im Blut des Patienten befinden, soll Ärzten helfen, Erkrankungen frühzeitig zu diagnostizieren. Ähnliche Testsysteme gibt es, diese messen jedoch nicht allzu genau und benötigen eine größere Anzahl an Molekülen im Blut, um Tumormarker nachzuweisen. Zudem müssen die Tests im Labor durchgeführt werden, was zeit- und kostenintensiv ist. Ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF gefördertes Verbundprojekt, koordiniert vom Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik FIT, soll hier Abhilfe schaffen. Das Herzstück des neuen Sensors - biofunktionalisierte Nanopartikel - entwickeln Forscher am Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC. »Wir haben die Nachweisgrenze gegenüber dem Stand der Technik um einen Faktor hundert verbessert«, sagt Dr. Jörn Probst, Geschäftsfeldleiter am ISC. »Brauchte man zum Nachweisen von Tumormarkern in einer bestimmten Blutmenge bisher hundert Moleküle, so reicht uns eines. Auf diese Weise lassen sich Krankheiten viel früher erkennen, als das mit bisherigen Methoden möglich ist.«

    Doch wie registriert der im Chip integrierte Biosensor die wenigen im Blut umherschwimmenden Biomoleküle, die für eine bestimmte Krankheit charakteristisch sind? »Auf der Sensorelektrode haben wir antikörperbesetzte Nanopartikel fixiert, die die gesuchten Proteine gezielt herausfischen. Dazu pumpen wir das Blut immer wieder an der Elektrodenoberfläche vorbei. Ähnlich wie bei einem Fluss ist die Strömung in der Kanalmitte am größten, am Ufer ist das Wasser langsamer. Daher haben wir eine Art Angel aus Nanopartikeln gebaut, die die Antikörper in der Mitte des Blutstroms registriert, wo die meisten Proteine pro Zeiteinheit vorbeischwimmen.« Hat ein Antikörper das passende Protein, einen Tumormarker, gefangen, verschiebt sich die elektrische Ladungsverteilung. Dies erkennt die Elektrode.

    Die Forschergruppen entwickeln jetzt einen Demonstrator, der vier Biosensoren vereint, die auf einzelne Moleküle reagieren. Zudem arbeiten die Experten daran, mehrere Tumormarker gleichzeitig nachzuweisen. In einigen Jahren wird das System auf den Markt kommen.

    Quelle: Presseinformation der Fraunhofer-Gesellschaft vom 01. Februar 2010

    Foto: © Fraunhofer ISC/Ingo Peters

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:

    03. Februar 2010 – Neue Medikamente gegen 31 Krebsarten bis 2013

    03. Februar 2010 -  Zum Weltkrebstag: Forschung gegen Krebs

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