Aus Nordrhein-Westfalen (Bielefeld) wurde eine Erkrankung durch das Rifttal-Fieber-Virus übermittelt. Bei dem Fall handelt es sich um eine 50-jährige Frau, die vom 17.03.2010 bis zum 08.04.2010 als Mitglied einer 4-köpfigen Reisegruppe in der Küstenregion der Republik Südafrika verreist war und am 07.04.2010, einen Tag vor der Rückreise nach Deutschland, erkrankte.
Ausgehend von Port Elizabeth in der Provinz Eastern Cape war die Gruppe in ländlichen Gebieten entlang der Küste Südafrikas (Provinzen Eastern Cape, Western Cape) gereist, mit Besuchen von Wildreservaten und Bergregionen. In dieser Zeit begegneten die Reisenden auch Nutztieren wie Ziegen und Kühen. Die Gruppe übernachtete ausschließlich in Hotels oder Pensionen (Lodges). Gegen Ende der Reise verbrachte die Gruppe auch einige Tage in der Innenstadt von Kapstadt (keine Ausflüge). Eine Infektion im ländlichen Küstenhinterland der Kapregion erscheint aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse am wahrscheinlichsten.
Nach Auskunft der befragten Frau seien alle Reisenden von Mücken gestochen worden. Warnungen vor dem Rifttal-Fieber waren der Gruppe nicht bekannt. Somit schützten sie sich nicht durch langärmelige Kleidung oder lange Hosen, auch nicht mit chemischen Mitteln, um Mückenstichen vorzubeugen. Die Patientin hatte sich vor ihrer Reise nicht bei einem Arzt über Präventionsmaßnahmen für Südafrikareisen informiert oder beraten lassen.
Die Erkrankung der Frau ging einher mit Fieber (bis 39 °C), Kopfschmerzen, Hautrötungen am Ober- und Unterkörper, einer Konjunktivitis, geschwollenen Lymphknoten im Leistenbereich, einem papulösen Exanthem im Abdominalbereich sowie wassergefüllten kleinen Bläschen am linken Fuß. Im Blutbild fiel eine leichte Thrombozytopenie auf. Komplikationen wie Meningitis oder Netzhautentzündung traten bislang nicht auf. Eine stationäre Behandlung war nicht erforderlich.
Die Begleitpersonen hatten einige Tage zuvor über ähnliche Beschwerden und Symptome geklagt. Eine Reisende hatte auch Schmerzen im Nackenbereich.
Blutproben der Patientin wurden am Bernhard-Nocht-Institut auf eine mögliche Rifttal-Fieber-Virus-Infektion untersucht. Dort wurde der Nachweis Rifttal-Fieber-Virusspezifischer IgM- und IgG-Antikörper erbracht. Weitere Laboruntersuchungen, auch von den bisher nicht getesteten Personen, sind geplant.
Erreger und Erkrankung
Das Rifttal-Fieber-Virus wurde 1931 erstmalig als Erreger einer Tierseuche aus Schafen im Rifttal in Kenia isoliert. Seitdem traten zahlreiche Epizootien (Epidemien bei Tieren) in Afrika und Ländern des Nahen Ostens auf, bei denen es gleichzeitig zu Infektionen beim Menschen kam.
Vektoren des Rifttal-Fieber-Virus sind verschiedene Culex- und Aedes-Mücken. Rifttal-Fieber-Epidemien treten häufig nach Regenfällen oder Überschwemmungen auf, was mit dem Ausbrüten infizierter Eier und einer Vermehrung der Mücken erklärt wird. Während der Ausbrüche zirkuliert das Virus zwischen Mücke und Vertebratenwirt. Obwohl das Virus verschiedene Tierspezies infizieren kann, sind Nutztiere wie Schafe, Ziegen oder Rinder die wichtigsten Wirtstiere. Ein Ausbruch manifestiert sich üblicherweise zuerst bei den Tieren. Menschen werden entweder durch Mücken infiziert oder durch Kontakt zu infizierten Tieren (d. h. zu Blut und anderen Körperflüssigkeiten), z. B. beim Schlachten oder bei der Beseitigung verstorbener Tiere. Es gibt keine Hinweise auf eine horizontale Mensch-zu-Mensch-Übertragung.
Für Tiere stehen Impfstoffe zur Verfügung, für Menschen jedoch nicht.
Beim Menschen liegt die Inkubationszeit bei etwa 2 – 6 Tagen. Die Mehrzahl der Infektionen verläuft mild mit Fieber und grippeähnlicher bzw. gastrointestinaler Symptomatik. Labordiagnostisch finden sich Thrombozytopenie, erhöhte Transaminasen und erhöhtes Kreatinin als Zeichen einer Leber- bzw. Nierenbeteiligung. Eine spezifische Behandlung gibt es nicht. Ca. 1 – 10 % der diagnostizierten Patienten entwickeln eine schwere hämorrhagische Verlaufsform. Als Spätkomplikationen treten bei 1 – 10 % eine Retinitis und bei 1 – 10 % eine Meningoenzephalitis auf. Viele leicht verlaufende Infektionen werden allerdings nicht als solche diagnostiziert und gehen daher nicht in die Statistik ein, anhand derer die Wahrscheinlichkeit schwerer Verläufe berechnet werden.
Die Virämie ist in den ersten Krankheitstagen am höchsten. Die Viruslast liegt bei letalen Verläufen ca. 1.000-fach höher als bei nichtletalen Verläufen und fällt vor dem Tod nur wenig ab. Bei günstiger Prognose fällt der Virustiter schnell ab und liegt nach 1 – 3 Wochen unter der Nachweisgrenze der PCR. Bei milden Verläufen kann die Virämie auch in der akuten Phase zu gering für einen PCR-Nachweis sein. IgM- und IgG-Antikörper treten sehr früh - oft innerhalb der ersten Woche - auf, und sind daher besonders zur Akutdiagnostik von milden Verläufen eeignet. IgM-Antikörper persistieren nur wenige Monate. Bei letalen Verläufen sind Antikörper nicht immer nachweisbar. In endemischen Regionen besteht eine hohe Prävalenz von IgG-Antikörperträgern.
Der letzte Fall einer in Deutschland diagnostizierten Infektion mit Rifttal-Fieber betraf Anfang 2009 eine 71-jährige Frau, die sich auf einer Reise in Kenia mit dem Hepatitis-A- und dem Rifttal-Fieber-Virus infiziert hatte und an einer fulminanten Hepatitis A verstarb. Ob die offenbar asymptomatisch verlaufene Infektion mit Rifttal-Fieber-Virus eine Vorschädigung der Leber verursacht und somit zum Versterben der Patientin beigetragen hat, bleibt unklar. Bei diesem Fall hat es sich um die erste im Rahmen der Meldepflicht bekanntgewordene Infektion durch Rifttal-Fieber-Virus in Deutschland gehandelt. Von einer Dunkelziffer insbesondere leichter Verläufe muss ausgegangen werden.
Situation in Südafrika
In verschiedenen Provinzen von Südafrika werden nach einem regenreichen Sommerhalbjahr zur Zeit Rifttal-Fieber-Virus-Infektionen bei Tieren (Provinzen Free State, Eastern Cape, Northern Cape, Western Cape, Mpumalanga, North West und Gauteng) und seit Mitte Februar auch beim Menschen verzeichnet (Provinzen Free State, Eastern Cape, Northern Cape, Western Cape und North West). In Südafrika belaufen sich die Fallzahlen zum 29.04.2010 auf 164 laborbestätigte Fälle beim Menschen einschließlich 14 Todesfällen (9 Fälle Eastern Cape, 48 Fälle Northern Cape, 1 Fall North West, 103 Fälle Free State, 1 Fall Western Cape und 2 Fälle ohne Angabe). Am stärksten betroffen ist die Provinz
Free State (Hauptstadt: Bloemfontein) mit 103 Fällen und 7 Todesfällen. Die übrigen Todesfälle verteilen sich auf die Provinzen Northern Cape (6) und Western Cape (1) (mündliche Mitteilung).
Nach Einschätzung des Ministeriums spielen Mücken bei diesem Ausbruch bei der Übertragung auf den Menschen eine untergeordnete Rolle. Betroffen sind in Südafrika vor allem Landwirte, Landarbeiter und Tierärzte mit direktem Tierkontakt. Mit dem Einsetzen kühleren Wetters wird ein Rückgang der Infektionszahlen erwartet.
Risikoeinschätzung und Empfehlungen
Trotz dieses einzelnen labordiagnostisch bestätigten Falles bei einer deutschen Touristin erscheint das Infektionsrisiko für deutsche Touristen in Südafrika, auch für WM-Touristen, insgesamt gering.
Um Infektionen mit Rifttal-Fieber-Virus zu vermeiden, sollten Reisende nach Südafrika auch außerhalb der Malariagebiete und auch tagsüber Mückenschutz betreiben (Repellentien, Mückennetze). Kontakt zu Wild- und Nutztieren (insbesondere zu rohem Fleisch, Blut, Kot, Urin, Plazentamaterial) sollte vermieden werden, weiterhin sollten rohes Fleisch oder Rohmilch nicht verzehrt werden. Der Verzehr von durchgebratenem Fleisch und von pasteurisierter Milch ist jedoch unproblematisch.
Beim Auftreten eines Fiebers unklarer Genese ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Wenn bis zu einem Monat nach der Heimkehr nach Deutschland aufgrund akuter Symptome ein Arzt konsultiert wird, sollte von dem Aufenthalt in Südafrika und der Ausbruchssituation dort berichtet werden.
Bei Verdacht auf ein Rifttal-Fieber können Patientenproben am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg auf Erreger-spezifische Nukleinsäure und Antikörper untersucht werden. Ansprechpartner dort ist Dr. Jonas Schmidt-Chanasit (E-Mail: jonassi@gmx.de).
Quelle: Epidemiologisches Bulletin des Robert-Koch-Instituts Nr. 17 vom 03. Mai 2010
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