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  • 08Feb

    Seit dem 1. Januar 2009 zahlen Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung Beiträge nach einem einheitlich festgelegten Beitragssatz. Die Beiträge fließen zusammen mit Steuermitteln in den Gesundheitsfonds und werden nach gesetzlich festgelegten Kriterien an die Krankenkassen verteilt.

    Erzielen Krankenkassen mit den Geldern aus dem Gesundheitsfonds Überschüsse, können sie diese Überschüsse in Form von Prämien an ihre Mitglieder auszahlen, soweit sie über eine ausreichende Finanzreserve verfügen. Kommt eine Krankenkasse mit den aus dem Gesundheitsfonds zugewiesenen Geldern nicht aus, erhebt sie von ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag. Vorab müssen aber vorhandene Wirtschaftlichkeitsreserven ausgeschöpft sein.

    Zum Thema “Zusatzbeitrag” hat das Bundesministerium für Gesundheit unter folgendem Link Informationen zur Höhe des Zusatzbeitrages, zum Sonderkündigungsrecht, zur Fälligkeit des Zusatzbeitrages, zur Hinweispflicht der Kassen und zum Personenkreis der Zusatzbeitragspflichtigen bereitgestellt:

    http://www.bmg.bund.de/SharedDocs/Standardartikel/DE/AZ/Z/Glossarbegriff-Zusatzbeitrag.html

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  • 29Jan

    Interview von Dr. Rösler mit der Bild-Zeitung vom 29.01.2010

    Von N. Blome und A. Baldauf

    BILD: Herr Minister, die Zusatzbeiträge sorgen für Verärgerung. Können Sie sie nicht stoppen?

    Rösler: Erstmal: Ich habe die Zusatzbeiträge nicht erfunden. Zweitens: Für mich ist klar: Wir brauchen einen neuen Ansatz. In der jetzigen Form sind die Zusatzbeiträge unsozial.

    BILD: Was heißt das?

    Rösler: Nun, bis 8 Euro im Monat findet kein Sozialausgleich statt. Ob Gering- oder Gutverdiener, alle zahlen dieselbe Summe. Das empfinden die Menschen als ungerecht. Jede Krankenkasse steht deshalb in der Pflicht, alles zu tun, um Zusatzbeiträge für ihre Versicherten zu vermeiden. Hier müssen sich die Kassen mehr anstrengen. Das erwarte ich. Im Übrigen: Es gibt ja noch genügend Kassen ohne Zusatzbeitrag.

    BILD: Raten Sie zum Wechsel?

    Rösler: Das sollte jeder für sich selbst entscheiden. In anderen Bereichen ist der Wechsel längst üblich. Wenn mir mein Stromanbieter zu teuer ist, sehe ich mich ja auch nach einem anderen um.

    BILD: Wozu dann eine Reform?

    Rösler: Rumdoktern bringt nichts. Auf Dauer brauchen wir ein besseres System, das automatisch einen Sozialausgleich über Steuern vornimmt. Damit wird sich ab März die von mir eingesetzte Regierungskommission beschäftigen.

    BILD: Kommt dann die Radikalreform?

    Rösler: Wir werden die Reform so gestalten, dass kein Versicherter überfordert wird. Wie groß die Schritte sein werden, hängt deshalb auch davon ab. Wir wollen, dass die Menschen den notwendigen Weg mitgehen können.

    BILD: Wird Gesundheit jemals wieder billiger?

    Rösler: Wir freuen uns, dass die Menschen älter werden. Und wir wollen, dass den Menschen die Segnungen des medizinischen Fortschritts zugute kommen. Insofern wird das schwierig. Aber fest steht: Die Versicherten dürfen nicht mehr bezahlen, als wirklich unbedingt notwendig ist. Und ich stehe dafür, dass im Gesundheitswesen kein Geld verschwendet werden darf.

    BILD: Wollen Sie mehr Kontrollen? Muss der Staat stärker eingreifen?

    Rösler: Nein, ich will mehr Wettbewerb. Und der muss funktionieren. Dafür schaffe ich die Voraussetzung. Damit die Menschen ein bezahlbares, gutes Gesundheitssystem auch in Zukunft behalten. Dafür haben uns die Bürger gewählt.

    Quelle: Bundesministerium für Gesundheit – http://www.bmg.bund.de/SharedDocs/Interviews/DE/29-01-10-bild-roesler.html

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  • 26Jan

    Statement von Florian Lanz, Pressesprecher des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherungen, vom 26. Januar 2010

    “Zusatzbeiträge sind von der alten schwarz-roten Bundesregierung als Teil der Kassen-Finanzierung eingeführt worden.

    Die Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen hat sich in den letzten Jahren mehr als halbiert. Die Verwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen sind schon heute nur etwa halb so hoch wie die der privaten Krankenversicherung, obwohl die gesetzlichen Kassen damit z. B. ein umfassendes Beratungsangebot für ihre Versicherten finanzieren.

    Die gesetzlichen Kassen haben in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben gemacht. Wir wollen aber noch mehr unternehmen, um die Ausgaben besser beeinflussen zu können. Mehr Wettbewerb in der stationären Versorgung, eine schnelle Kosten-Nutzen-Bewertung bei Arzneimitteln und eine Ende der raschen Steigerungen der Arzt-Honorare wären drei Schritte in die richtige Richtung, für die wir allerdings die Unterstützung der Politik brauchen”, so Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes.

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch meine folgenden Artikel:

    27. Januar 2010 – Zwei Drittel glauben, Gesundheitsreform wird Ihnen nutzen!

    26. Januar 2010 – Zusatzbeiträge belasten einseitig Arbeitnehmer und Rentner

    25. Januar 2010 – Vincentz Network: 2010 werden Zusatzbeiträge zur Regel

    25. Januar 2010 – AOK: Zusatzbeiträge kein Ersatz für Kostenbegrenzung – Statement von Dr. Dieter Paffrath (Vorstandsvorsitzender AOK Schleswig-Holstein)

    25. Januar 2010 – AOK: Zusatzbeiträge kein Ersatz für Kostenbegrenzung

    22. Januar 2010 – Prozentuale Kostenbeteiligung von Patienten unsozial

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  • 26Jan

    Sozialverband VdK warnt vor wachsender Armut älterer Frauen

    Als bittere Pille für Arbeitnehmer und Rentner bezeichnete Ulrike Mascher, die Präsidentin des Sozialverbands VdK, die bevorstehenden Zusatzbeiträge in der Gesetzlichen Krankenversicherung. “Ausgerechnet diejenigen, die durch Lohneinbußen und Rentennullrunden ohnehin Kaufkraftverluste hinzunehmen haben, werden durch die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen überproportional belastet. Arbeitgeber bleiben außen vor”, sagte die VdK-Präsidentin. Für Rentner, so der VdK, seien 8 Euro Zusatzbeitrag im Monat viel Geld.

    Jede dritte alleinstehende Rentnerin ist jetzt schon akut von Armut bedroht. Rentnerinnen und Rentner werden künftig noch häufiger vor die Wahl gestellt: Kaufe ich mir etwas Gesundes zum Essen oder ein zuzahlungspflichtiges Medikament, erklärte Mascher.

    Wer jetzt allerdings den Gesundheitsfonds mit seinen Zusatzbeiträgen durch eine einkommensunabhängige Kopfpauschale für alle gesetzlich Krankenversicherten – vom Pförtner bis zum Generaldirektor – ersetzen will, würde den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, sagte die VdK-Chefin und warnte die Bundesregierung und insbesondere Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler vor einem radikalen Systemwechsel in der Gesetzlichen Krankenversicherung, der die Entsolidarisierung der Gesellschaft vorantreiben würde. Es gebe noch genügend Einsparpotential im Gesundheitssystem, “insbesondere bei den unnötigen Doppel- und Mehrfachuntersuchungen und bei den im internationalen Vergleich völlig überhöhten Arzneimittelpreisen in Deutschland”, sagte die VdK-Chefin.

    Quelle: Pressemitteilung des Sozialverbandes VdK (Michael Pausder) vom 21. Januar 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch meine folgenden Artikel:

    26. Januar 2010 – Zusatzbeiträge – Teil der letzten Gesundheitsreform

    25. Januar 2010 – Vincentz Network: 2010 werden Zusatzbeiträge zur Regel

    25. Januar 2010 – AOK: Zusatzbeiträge kein Ersatz für Kostenbegrenzung – Statement von Dr. Dieter Paffrath (Vorstandsvorsitzender AOK Schleswig-Holstein)

    25. Januar 2010 – AOK: Zusatzbeiträge kein Ersatz für Kostenbegrenzung

    22. Januar 2010 – Prozentuale Kostenbeteiligung von Patienten unsozial

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  • 25Jan

    Fast alle gesetzlichen Krankenkassen werden bis Ende des Jahres 2010 einen Zusatzbeitrag erheben. Das erwarten Gesundheitsökonomen und andere Experten. Anlässlich eines Presse-Gesprächs mit Krankenkassenvorständen, Politikern, Wissenschaftlern und Patientenvertretern betonte der Gesundheitswissenschaftler Professor Günter Neubauer vom Münchener Institut für Gesundheitsökonomik: “Zusatzbeiträge sind eine gesetzlich verankerte und politisch gewollte Säule zur Finanzierung der gesundheitlichen Versorgung in Deutschland. 2010 wird es eine Unterfinanzierung des Gesundheitsfonds von vier Milliarden Euro geben. Die durch den Gesetzgeber angelegte Finanzarchitektur des Fonds hat zur Konsequenz, dass die meisten Krankenkassen im Laufe des Jahres 2010 Zusatzbeiträge nicht vermeiden können.” Es werde bei vielen Krankenkassen bereits in den nächsten Wochen und Monaten Beschlüsse für einen Zusatzbeitrag geben. Darunter werden auch Krankenkassen sein, die besonders leistungsstark sind und sich durch innovative Versorgungskonzepte sowie einen überdurchschnittlichen Service auszeichnen.

    Wolfram-Arnim Candidus von der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten (DGPV) e. V. forderte die Versicherten auf, nicht vorschnell die Kasse zu wechseln. “Die Zusatzbeiträge sind duch vorangegangene politische Entscheidungen unvermeidbar und werden die Probleme des Gesundheitswesens nicht lösen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich allerdings keinem Versicherten empfehlen, aufgrund eines Zusatzbeitrages die Kasse zu wechseln, da er damit weder seine Versorgungssituation verbessert, noch weiß, ob er dabei günstiger abschneidet.”

    Finanzbedarf durch Gesundheitsfonds nicht gedeckt

    Die Finanzausstattung des Gesundheitsfonds war von Anfang an nicht kostendeckend. Die Krankenkassen haben diese Unterdeckung durch ihre Rücklagen eine Zeit lang kompensieren können. Darüber hinaus gab es 2009 politisch induzierte Kostensteigerungen: die Erhöhung der Arzthonorare und der Krankenhausvergütung. Hinzu kommen steigende Leistungsausgaben der Krankenkassen in den Jahren 2009 und 2010, beispielsweise im Bereich der Arzneimittelversorgung. Auch hier entstand zusätzlicher Finanzbedarf für die Krankenkassen, der mit den Zuweisungen des Gesundheitsfonds nicht mehr gedeckt werden kann.

    Auch wenn für die deutsche Wirtschaft 2010 wieder ein leichtes Wachstum auf stark abgesenkter Basis zu erwarten ist, zeichnet sich als Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise auf dem Arbeitsmarkt eine deutliche Verschlechterung ab. Der einmalige Bundeszuschuss in Höhe von 3,9 Milliarden Euro, den die Krankenkassen zum Ausgleich der krisenbedingten Einnahmeausfälle zusätzlich für 2010 erhalten werden, reicht nicht aus, um die Einnahmeverluste durch die gestiegene Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit sowie die teilweise politisch induzierten Kostensteigerungen zu decken. Der Schätzkreis der Gesetzlichen Krankenversicherung hat für das Jahr 2010 ein Defizit im Gesundheitsfonds in Höhe von 7,9 Milliarden Euro prognostiziert. Nach Abzug des einmaligen Steuerzuschusses von 3,9 Milliarden Euro verbleibt ein zusätzlicher Finanzbedarf der Krankenkassen für 2010 von rund 4,0 Milliarden Euro, der nur durch Zusatzbeiträge gedeckt werden kann. Neubauer appellierte an die Krankenkassen, in dieser Situation die finanzpolitische Stabilität nicht vermeintlichen kurzfristigen Wettbewerbsvorteilen zu opfern.

    Quelle: Pressemitteilung von Vincentz Network vom 25. Januar 2010

    Zu dem Thema empfehle ich Euch auch die folgenden Artikel:

    26. Januar 2010 – Zusatzbeiträge – Teil der letzten Gesundheitsreform

    26. Januar 2010 – Zusatzbeiträge belasten einseitig Arbeitnehmer und Rentner

    25. Januar 2010 – AOK: Zusatzbeiträge kein Ersatz für Kostenbegrenzung – Statement von Dr. Dieter Paffrath (Vorstandsvorsitzender AOK Schleswig-Holstein)

    25. Januar 2010 – AOK: Zusatzbeiträge kein Ersatz für Kostenbegrenzung

    22. Januar 2010 – Prozentuale Kostenbeteiligung von Patienten unsozial

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  • 25Jan

    Statement von Dr. Dieter Paffrath – Vostandsvorsitzender der AOK Schleswig-Holstein – Die Gesundheitskasse – im Rahmen der Pressekonferenz im Haus der Bundespressekonferenz Berlin am 25. Januar 2010 zur Finanzentwickung in der gesetzlichen Krankenversicherung und dem Einstieg in den Zusatzbeitrag:

    Die Gesetzlichen Krankenkassen sind selbstverwaltende Körperschaften. Die Festlegung des Beitragssatzes – und des Zusatzbeitrages – obliegt dem Verwaltungsrat. Da wir aktuell dazu keinen Beschluss haben, bin ich heute nicht autorisiert mitzuteilen, ab wann die AOK Schleswig-Holstein einen Zusatzbeitrag erheben wird! Das hindert mich allerdings nicht, hier zu einzelnen, wesentlichen Hintergründen zu sprechen.

    Unsere Beteiligung an der heutigen Veranstaltung soll verdeutlichen, dass aus unserer Sicht alle Krankenkassen – trotz des ausgeprägten Wettbewerbs untereinander – in der derzeitigen Finanzsituation in folgender Hinsicht in einem Boot sitzen: Alle Krankenkassen werden entsprechend ihrer Mitgliederzahl an dem 3,9 Milliarden-Euro-Defizit des Gesundheitsfonds beteiligt – in diesem Jahr rechnersich mit etwa 80 Euro je Mitlied. Dieses ergibt sich aus der Struktur des Gesundheitsfonds und betrifft uns genauso wie die anderen Krankenkassen.

    Das ist politisch gewollt! Bereits die letzte Bundesregierung hat die Konstruktion und Finanzausstattung des Gesundheitsfonds bewusst so angelegt, dass früher oder später alle Krankenkassen Zusatzbeiträge – also die “kleine Gesundheitsprämie” – erheben müssen. Dieser Trend wird sich auch unter der neuen Bundesregierung nicht ändern, sondern eher verstärkt fortsetzen.

    Lassen Sie mich kurz auf einige Faktoren eingehen, die von der Ausgabeseite her Druck auf die Krankenkassen ausüben: Für ärztliche Behandlung wird in 2010 mit einem Anstieg von ca. 5,3 % gerechnet, die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen sollen 2010 um 5,6 % steigen, die für Arzneimittel sogar um 6,11 %. Alles Steigerungsraten, die deutlich über dem prognostizierten Wirtschaftswachstum von etwas 2,1 % (DIW) bzw. über dem vom Schätzkreis kalkuliertem Nullwachstum (Stand: Dezember 2009) bei den Grundlöhnen.

    Die Ausgabenentwicklung im Gesundheitswesen kann sich nicht auf Dauer von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abkoppeln. Das können unsere Sozialsysteme nicht leisten. Daher sollten wir heute nicht nur über Zusatzbeiträge reden, sondern auch über Maßnahmen zur Ausgabenbegrenzung.

    Ein ganz besonderes Ärgernis ist, dass wir gezwungen werden können, mit besonders aggressiv agierenden Hausarztverbänden sehr teure Verträge abzuschließen, die dem Prinzip folgen: “Money für nothing”. Hierzu laufen derzeit in der ganzen Republik Schiedsverfahren an. Die ersten dieser oktroyierten Verträge lösen regelrechte Kostenexplosionen bei den Krankenkassen fast ohne irgendeine Leistungsverbesserung aus. Wir verstehen nicht, warum die neue politische Führung diese fragwürdige Konstruktion noch mindestens drei Jahre lang aufrecht halten will und fordern sie auf, diese Zwangsverträge zu beseitigen.

    Schon in den kommenden zwei Jahren werden die ersten Krankenkassen die 8 Euro-Grenze nicht mehr einhalten können. Und dann beginnen die nächsten Probleme und der bürokratische Aufwand wächst: Es muss eine Einkommensprüfung erfolgen und Krankenkassen mit vielen Geringverdienern laufen Gefahr, wegen der Überforderungsklausel (Zusatzbeitrag maximal 1 % des Einkommens) diese Finanzlücke nicht aus eigener Kraft schließen zu können. An dieser Stelle bleibt der Gesetzgeber gefordert, die Überforderungsklausel grundlegend zu überarbeiten.

    Die derzeitige Situation macht deutlich, dass die Erhebung von Zusatzbeiträgen sehr stark von den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen determiniert wird. Als Orientierung für den Kunden bei der Wahl seiner Krankenkasse sind Zusatzbeiträge in der gegenwärtigen Situation kaum geeignet. Jeder, der seine Krankenkasse jetzt wegen eines Zusatzbeitrages verlässt, muss damit rechnen, dass auch seine neue Krankenkasse in Kürze einen solchen erheben wird. Die Suche nach einem kurzfristigen Vorteil schadet letztlich dem gesamten Gesundheitssystem – im Ergebnis werden der Gesundheitsversorgung zunächst weitere Finanzmittel entzogen.

    Wer mehr Qualität und Effizienz im Gesundheitswesen anstrebt, sollte den Wettbewerb um Versorgungsangebote und Dienstleistungen fördern, den Vertragspartnern also mehr Freiheiten bei der Ausgestaltung von Versorgungsleistungen einräumen. Ich gehe davon aus. dass wir für die soziale Krankenversicherung noch stärker auf wettbewerbliche Lösungen setzen müssen. Solche Lösungen entfalten die nötige Innovationskraft, auf die wir angewiesen sind, um die medizinische Versorgung für alle gesetzlich Krankenversicherten auf einem hohen Niveau zu halten.

    Echter Wettbewerb braucht vernünftige Rahmenbedingungen. Dazu zählen vor allem eine nachhaltig, verlässliche Finanzierungsbasis und faire Spielregeln. Dafür muss es in der solidarischen Krankenversicherung einen verlässlichen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Einnahmen- und Ausgabenrisiken geben. Sonst entstehen Wettbewerbsverzerrungen, die einen Wettbewerb um Qualtität und Wirtschaftlichkeit behindern.

    Fairer Wettbewerb braucht aber auch Freiheit. Nur wer Bewegungsspielraum hat, kann auch handeln. Auch die Krankenkassen und Leistungserbringer müssen wählen können, mit wem sie – wie und wo – zusammenarbeiten. Den Weg hin zum Wettbewerb möchten wir weiter ausbauen, zum Beispiel im Krankenhausbereich. Dann können wir auch einen wirksamen Beitrag leisten, um die Effizienz und Qualität in unserem Gesundheitswesen zu erhöhen.

    Ich empfehle euch zu dem Thema auch die folgenden Artikel:

    26. Januar 2010 – Zusatzbeiträge – Teil der letzten Gesundheitsreform

    26. Januar 2010 – Zusatzbeiträge belasten einseitig Arbeitnehmer und Rentner

    25. Januar 2010 – Vincentz Network: 2010 werden Zusatzbeiträge zur Regel

    25. Januar 2010 – AOK: Zusatzbeiträge kein Ersatz für Kostenbegrenzung

    22. Januar 2010 – Prozentuale Kostenbeteiligung von Patienten unsozial

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  • 25Jan

    Angesichts der Diskussion um Zusatzbeiträge hat der AOK-Bundesverband an die Politik appelliert, Zusatzbeiträge nicht als Ersatz für dringend notwendige gesetzliche Begrenzungen des Ausgabenwachstums zu verwenden. In den letzten fünf Jahren seien die Leistungsausgaben der gesetzlichen Krankenkassen um 30 Milliarden Euro gestiegen. Dies seien 20 Prozent mehr als vorher, während das Bruttosozialprodukt nur um acht Prozent gestiegen sei. Deshalb hält die AOK eine Konsolidierung der Ausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für dringend notwendig. Leistungsausgrenzungen oder höhere Zuzahlungen lehne die AOK ab. So solle die Bundesregierung im geplanten “Gesetz zur Stabilisierung der Finanzierung der Sozialversicherungssysteme” die Gesamtausgaben der GKV für die Leistungserbringer an die Wirtschaftsentwicklung Deutschlands – bis einschließlich 2013 – koppeln, erläuterte dazu Jürgen Graalmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes.

    Graalmann: “Bei der Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise kann auch von den Ärzten, Krankenhäusern und Pharmaunternehmen erwartet werden, dass sie sich an der Konsolidierung beteiligen”. Diese Forderung passe auch zum Grundsatz der Koalitionsvereinbarung, dass das Ausgabenwachstum des Bundeshaushaltes unter dem Wachstum des Bruttoinlandproduktes liegen müsse. “Auch Leistungserbringer sollten sich für einen begrenzten Zeitraum bescheiden und damit zufrieden geben, dass ihre Einnahmen nicht stärker wachsen als die gesamte Wirtschaft”, sagte Graalmann. Das wäre nach derzeitiger Schätzung der Wirtschaftsinstitute ein Plus von 1,5 Prozent pro Jahr. Mit einer Beteiligung der Leistungserbringer kann nach Ansicht Graalmanns eine “konjunkturschädliche und sozial problematische Belastung der Kassenmitglieder durch neue Zusatzbeiträge” deutlich begrenzt werden.

    Graalmann kritisierte die jetzt mit Blick auf die Zusatzbeiträge erhobene Forderung Frank Ulrich Montgomerys nach einer so genannten Priorisierung medizinischer Leistungen. Graalmann: “Was Montgomery aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung streichen will, soll dann der Patient viel teurer als privatärztliche Leistung einkaufen. Statt Leistungsausgrenzung aus der Gesetzlichen Krankenversicherung brauchen wir einen Beitrag der Ärzteschaft zu einer effizienteren medizinischen Leistung.”

    “Es muss darum gehen“, so Graalmann weiter, “eine nachhaltige Finanzierung mit sicheren Leistungen für die Versicherten und mit hoher Versorgungsqualität in Einklang zu bringen. Wir brauchen weiterhin den barrierefreien Zugang zu medizinisch notwendigen Leistungen – unabhängig von Alter und Einkommen. Auch der solidarische Ausgleich innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung darf nicht in Frage gestellt werden”.

    Der vom Bundeskabinett beschlossene Staatszuschuss von 3,9 Milliarden Euro zum Ausgleich der konjunkturbedingten Einnahmeausfälle sei ein wichtiger Beitrag zur Begrenzung der Unterfinanzierung des Gesundheitsfonds im Jahr 2010. Der Zuschuss habe dazu beigetragen, dass die AOK ohne Zusatzbeiträge in das neue Jahr gestartet sei. Allerdings müsse jetzt die Ankündigung des Koalitionsvertrages, “unnötige Ausgaben sind zu vermeiden”, mit Leben gefüllt werden.

    “Für die AOK ist es nicht akzeptabel, wenn ein schleichender Übergang von kleinen Zusatzbeiträgen zu großen Kopfpauschalen vollzogen würde, weil man den Ausgaben keine Zügel anlegt”, so Graalmann. Ungebremstes Ausgabenwachstum führe zu einer finanziellen Überbelastung der Beitragszahler und gefährde den wirtschaftlichen Aufschwung.

    Graalmann sprach sich dafür aus, durch zügige Reformschritte den gesetzlichen Krankenkassen mehr Handlungsspielraum im Wettbewerb um eine gute und wirtschaftliche Versorgung zu geben. Viele Wirtschaftlichkeitsreserven, insbesondere im Bereich der Arzneimittelversorgung und im Bereich Krankenhaus, seien noch zu heben. Wie das gehen könne, habe die AOK exemplarisch durch ihre Arzneimittel-Rabattverträge gezeigt. Für einen solchen Wettbewerb um Qualität und Wirtschaftlichkeit müsse die Politik mutig sowohl die notwendigen wettbewerblichen Spielräume schaffen als auch den ordnungspolitischen Rahmen setzen. Beispielhaft nannte Graalmann dazu klare Regeln gegen die Risikoselektion gesunder Versicherter sowie den Abbau von Wettbewerbsschranken bei den Leistungserbringern.

    Die Private Krankenversicherung fordert von der neuen Bundesregierung dringend direkten Einfluss auf Preis, Menge und Qualität der Leistungen. Dies zeige deutlich, dass eine reine Kostenerstattung nicht zukunftsweisend sei. Die AOK habe konkrete Reformvorschläge für eine wettbewerbliche Öffnung vorgelegt und sei bereit, an der Erarbeitung tragfähiger Lösungsoptionen in der vorgesehenen Reformkommission konstruktiv mitzuwirken.

    Quelle: Pressemitteilung des AOK-Bundesverbandes vom 25.01.2010

    Hierzu empfehle ich euch auch meine folgenden Artikel:

    26. Januar 2010 – Zusatzbeiträge – Teil der letzten Gesundheitsreform

    26. Januar 2010 – Zusatzbeiträge belasten einseitig Arbeitnehmer und Rentner

    25. Januar 2010 – Vincentz Network: 2010 werden Zusatzbeiträge zur Regel

    25. Januar 2010 - AOK: Zusatzbeiträge kein Ersatz für Kostenbegrenzung – Statement von Dr. Dieter Paffrath (Vorstandsvorsitzender AOK Schleswig-Holstein)

    22. Januar 2010 – Prozentuale Kostenbeteiligung von Patienten unsozial

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